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Familiale Gewalt gegen Kinder

Haben Misshandlungserfahrungen im frühkindlichen Alter Auswirkungen auf spätere Delinquenz? Eine Darstellung anhand Fritz Redls und David Winemans „Kinder, die hassen“.

Title: Familiale Gewalt gegen Kinder

Term Paper (Advanced seminar) , 2009 , 19 Pages , Grade: 12

Autor:in: Bachelor of Arts Kathrin Mütze (Author)

Pedagogy - Miscellaneous Topics
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„Was am Anfang passiert, beeinflusst unauslöschlich alles, was folgt.“ Aus der einschlägigen Literatur geht hervor, dass Gewalt gegen Kinder weniger als Phänomen der postmodernen Gesellschaft zu bezeichnen ist, sondern eher als eines, das schon immer existiert hat, vor Jahrhunderten durchaus als Erziehungsmittel anerkannt war , heute durch die allgegenwärtige Medienpräsenz verstärkt diskutiert wird und nichts an Aktualität verloren hat. Kindesmissbrauch bzw. Kindesmisshandlung muss im Wandel der Zeit gesehen werden, in dem sich Werte und Normen der Gesellschaft und somit auch Formen, Auswirkungen und Wertung familiärer Gewalt verändert haben. Besonders die Auswirkungen auf die spätere Entwicklung von misshandelten Kindern scheinen von besonderem Interesse zu sein, da „was dem Kind (…) angetan wird, unweigerlich auf die Gesellschaft zurückschlägt“ – und zwar laut A. Miller in Form von Sucht, Gewalt und Kriminalität. Diesem Verhalten werde in der Gesellschaft mit Ablehnung begegnet, welche wiederum negative Auswirkungen auf den Umgang mit diesen Kindern impliziert und ihnen dadurch Chancen zur Integration verwehrt. Ein weiterer Kreislauf, der sich im Kontext häuslicher Gewalt zu ergeben scheint, ist durch die Lerntheorien begründet. Nach diesen wird „sozial auffälliges Verhalten (…) gelernt wie jedes andere Verhalten auch“. Auf diese Weise können Verhaltensmuster von Generation zu Generation fortgesetzt werden. Zwar werden nicht direkt delinquente Verhaltensweisen, sondern grundlegende Gefühle wie Empathiefähigkeit erlernt, die bei Nichtausbildung später unter Umständen zu Delinquenz und erhöhter Gewaltbereitschaft führen können.
Ziel dieser Hausarbeit ist es, anhand der einschlägigen Sekundärliteratur herauszuarbeiten, welche Auswirkungen familiale Gewalt gegen Kinder auf die Entwicklung ihrer Opfer hat, ob negative frühkindliche Erfahrungen zur Ausbildung eines delinquenten Ichs beitragen und welche Risikofaktoren hierbei von zentraler Bedeutung für die Entstehung von Delinquenz sind.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsklärung und Erscheinungsformen von familialer Gewalt gegen Kinder

2.1. Aktive Gewaltanwendung

2.1.1. Physische Misshandlung

2.2. Passive Gewaltanwendung

2.2.1. Psychische Misshandlung

2.2.2. Vernachlässigung

3. Die Bindungstheorie

3.1. Bindungsmuster als intergenerationelle Weitergabe

3.2. Einfluss früherer Bindungsmuster auf die weitere Entwicklung

4. Von Risikofaktoren für Gewalt zur Delinquenz

5. Fallbeispiel: Danny aus dem Pioneer House

6. Fazit

7. Anhang

Zielsetzung & Themen

Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, auf Basis von Sekundärliteratur zu untersuchen, welche Auswirkungen familiale Gewalt gegen Kinder auf deren psychische Entwicklung hat. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, inwiefern negative frühkindliche Misshandlungserfahrungen zur Ausbildung eines delinquenten Ichs beitragen und welche zentralen Risikofaktoren diesen Prozess begünstigen.

  • Familiale Gewaltformen und deren Klassifizierung
  • Die Bindungstheorie und ihre Bedeutung für die Selbstkontrolle
  • Intergenerationelle Weitergabe von Bindungsmustern
  • Psychologische Mechanismen bei der Entstehung von Delinquenz
  • Fallstudie zur Veranschaulichung pädagogischer und therapeutischer Herausforderungen

Auszug aus dem Buch

5. Fallbeispiel: Danny aus dem Pioneer House

An dieser Stelle soll die Arbeit Fritz Redls und David Winemans, beide international bekannte Kinderpsychologen, „Kinder, die hassen. – Auflösung und Zusammenbruch der Selbstkontrolle“ dazu dienen, ein anschaulicheres Bild von dem zu bekommen, was bisher theoretisch erarbeitet wurde. In einem Modellversuch von 1946 in Detroit versuchten sie, im Zusammenleben mit Kindern, die durch das, was ihnen angetan wurde, „so geschädigt, verbittert, zerbrochen“ waren, dass an ihnen gewöhnliche therapeutische Methoden scheiterten, neue Erkenntnisse und Maßstäbe hinsichtlich der Entstehung des tiefliegenden und alles bestimmenden Hasses dieser Kinder zu gewinnen. Darüber hinaus gelang es ihnen, neue Anregungen bezüglich des richtigen Umgangs mit Kindern, die hassen, anhand von anschaulichen Beispielen zu formulieren, die noch heute für die praktische Arbeit im pädagogischen Bereich von enormer Bedeutung sind.

Danny ist einer dieser Jungen, die im „Pioneer House“ aufgenommen wurden. Er war der zweitälteste von fünf Geschwistern und musste täglich die Ehekonflikte seiner Eltern, die in einer Scheidung gipfelten, miterleben. Sein Vater, ein aggressiver Alkoholiker, der „häufig wechselnde Bettpartnerinnen“ hatte, lebte seine Wut und Frustration regelmäßig sehr brutal an seiner Familie aus. Nach der Scheidung begann für Danny eine andere Form der Misshandlung, indem seine Mutter all ihren Hass und Ambivalenz, die sie ursprünglich gegen ihren Mann empfand, auf Danny projizierte und ihn als „Stück von seinem Alten“ bezeichnete. Zwar gab es neben drei Mädchen noch einen anderen Jungen in der Familie, dieser war jedoch noch jung genug, um ihn entsprechend der Wünsche der Mutter zu lenken. Dieser Umstand machte Danny zur „Hauptzielscheibe“ ihres Hasses. Sowohl die Übertragung von spezifischen Inhalten auf das Kind durch die Mutter (vgl. Punkt 3.1.), als auch die Misshandlung des Jungen durch den Vater (vgl. Punkt 2) verhinderten eine sichere Bindung an mindestens ein Elternteil.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die historische Persistenz von Gewalt gegen Kinder und skizziert den Zusammenhang zwischen frühen Misshandlungserfahrungen, der Entwicklung von Bindungsstörungen und späterer Delinquenz.

2. Begriffsklärung und Erscheinungsformen von familialer Gewalt gegen Kinder: Dieses Kapitel definiert familiale Gewalt durch die Abgrenzung von aktiven (physischen) und passiven (psychischen/vernachlässigenden) Gewaltformen.

3. Die Bindungstheorie: Hier werden die Grundlagen der Bindungstheorie nach Bowlby und Ainsworth erläutert, insbesondere der Einfluss mütterlicher Feinfühligkeit auf die Entwicklung sicherer oder unsicherer Bindungsmuster.

4. Von Risikofaktoren für Gewalt zur Delinquenz: Das Kapitel analysiert psychologische Konzepte wie den Wiederholungszwang und die Identifizierung mit dem Aggressor, die erklären, warum Opfer von Gewalt selbst zu Tätern werden können.

5. Fallbeispiel: Danny aus dem Pioneer House: Anhand des Fallbeispiels Danny wird verdeutlicht, wie frühe Zurückweisung und Misshandlung die Persönlichkeitsstruktur eines Kindes nachhaltig schädigen und zu aggressivem Verhalten führen.

6. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass frühkindliche Gewalterfahrungen und unsichere Bindungen das Risiko für Delinquenz signifikant erhöhen, wobei frühe Interventionen für die Prävention entscheidend sind.

7. Anhang: Enthält das Literaturverzeichnis der verwendeten wissenschaftlichen Quellen.

Schlüsselwörter

Familiale Gewalt, Kindesmisshandlung, Bindungstheorie, Delinquenz, intergenerationelle Weitergabe, psychische Gewalt, Vernachlässigung, Identifizierung mit dem Aggressor, Selbstkontrolle, Pioneer House, Resilienz, Sozialisation, Aggressionsbereitschaft, emotionale Entwicklung, Prävention.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit den Auswirkungen familialer Gewalt gegen Kinder auf deren Entwicklung und die mögliche Entstehung eines delinquenten Verhaltens im späteren Lebensverlauf.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zu den Schwerpunkten zählen die Formen von Kindesmisshandlung, die Bindungstheorie, Risikofaktoren für Delinquenz sowie pädagogische Ansätze zur Intervention.

Was ist die zentrale Forschungsfrage der Arbeit?

Die Arbeit untersucht, ob und wie negative frühkindliche Erfahrungen zur Ausbildung eines delinquenten Ichs beitragen und welche Rolle die Bindungsqualität dabei spielt.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?

Die Autorin nutzt eine systematische Analyse der einschlägigen Sekundärliteratur und zieht Fallbeispiele (Redl & Wineman) heran, um theoretische Konzepte zu veranschaulichen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine Definition von Gewaltformen, die Darstellung der Bindungstheorie, die psychoanalytische Betrachtung von Risikofaktoren und eine Fallstudie.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wesentliche Begriffe sind Bindungstheorie, familiale Gewalt, Delinquenz, Kindesmisshandlung und intergenerationelle Weitergabe.

Welche Rolle spielt die „Fremde Situation“ in dieser Arbeit?

Sie dient als Methode zur Bestimmung der Bindungsqualität zwischen Mutter und Kind, um zu erklären, wie unterschiedliche Bindungsmuster entstehen.

Warum wird im Kontext von Delinquenz das „Pioneer House“ angeführt?

Das Fallbeispiel Danny aus dem Pioneer House dient dazu, die theoretisch erarbeiteten Zusammenhänge zwischen Misshandlung, Bindungsverlust und späterer Aggression an einem konkreten Beispiel zu verdeutlichen.

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Details

Title
Familiale Gewalt gegen Kinder
Subtitle
Haben Misshandlungserfahrungen im frühkindlichen Alter Auswirkungen auf spätere Delinquenz? Eine Darstellung anhand Fritz Redls und David Winemans „Kinder, die hassen“.
College
University of Marburg
Grade
12
Author
Bachelor of Arts Kathrin Mütze (Author)
Publication Year
2009
Pages
19
Catalog Number
V268533
ISBN (eBook)
9783656596011
ISBN (Book)
9783656595878
Language
German
Tags
familiale gewalt kinder haben misshandlungserfahrungen alter auswirkungen delinquenz eine darstellung fritz redls david winemans
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Bachelor of Arts Kathrin Mütze (Author), 2009, Familiale Gewalt gegen Kinder, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/268533
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