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Zur Bedeutung der Sozialpädagogik im Handlungsfeld der Psychiatrie

Title: Zur Bedeutung der Sozialpädagogik im Handlungsfeld der Psychiatrie

Term Paper (Advanced seminar) , 2013 , 19 Pages , Grade: 13 Punkte

Autor:in: Master of Arts Kathrin Mütze (Author)

Social Work
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„Die Psychiatrie ist keineswegs allein die Wissenschaft von der ärztlichen Behandlung seelischer Störungen“ (Clausen, Dresler, & Eichenbrenner 1997, Soziale Arbeit im Arbeitsfeld Psychiatrie, S.15), vielmehr sind psychische Krankheiten hinsichtlich ihres Doppelcharakters zu verstehen – als eine Form „gesellschaftlich stigmatisierter Abweichung von eingelebten alltäglichen Erwartungen und der vom psychisch kranken Menschen oft schmerzlich empfundenen Störungen seines Erlebens, Wahrnehmens, Denkens und Scheiterns seiner Bemühungen, vertrauten Kontakt zu anderen Menschen und zur Welt aufrechtzuerhalten.“ (von Kardorff 2005, S.1434) Anhand beider Zitate wird sehr schnell deutlich: das ärztlich-pflegerisch geprägte Gesundheitssystem gerät zunehmend an seine Grenzen. Auch der Bericht der Weltgesundheitsorganisation zur psychischen Gesundheit belegte anhand neuer wissenschaftlicher Forschungsergebnisse im Jahr 2001 sehr eindrücklich den engen Zusammenhang biologischer, psychischer und sozialer Prozesse und Strukturen in ihrer Bedeutung für die Gesundheit (vgl. WHO 2001). Vor diesem Hintergrund ist der aktuelle Fachdiskurs der Sozialen Arbeit zum Thema Psychiatrie zu verstehen, der mit seinem Plädoyer, mit der Klinischen Sozialarbeit eine neue Fachsozialarbeit zu entwickeln und zu systematisieren, dem Umstand Rechnung trägt, dass Sozialarbeit an der Behandlung von psychischen Krankheiten durch ihre Profession mitwirken kann und für eine „problemangemessene Behandlung immer bedeutsamer“ (Ansen 2011, S.796) wird. Kritiker der klinischen Sozialarbeit sehen dagegen in dieser Entwicklung einen Angriff auf die berufliche Identität, von der man sich letztlich nur erhoffe „mehr personale und gesellschaftliche Anerkennung zu finden als dies das ‚Grundständige‘ des Berufs biete“ (Crefeld 2002, S.24). Während der Auseinandersetzung mit diesem Diskurs kam die Frage auf, welchen theoretischen Beitrag die Sozialpädagogik im Arbeitsfeld der Psychiatrie tatsächlich leisten kann. Da es für den Umfang dieser Arbeit einer Eingrenzung bedarf, soll die Fragestellung auf ein Konzept heruntergebrochen werden. Im Rahmen mehrerer Seminare und auch in der eigenen praktischen Arbeit konnte das Konzept der Lebensweltorientierung nach Hans Thiersch kennengelernt werden, welches als „Votum gegen die Abstraktion und Generalisierung von Lebensverhältnissen“ (Thiersch et al. 2010, S.181) verstärkt das Interesse an einer differenzierteren Betrachtung geweckt hat. [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Klinische Sozialarbeit im Fachdiskurs

2. Das multiprofessionelle Handlungsfeld der Psychiatrie

2.1. Aufgabenbereiche von SozialpädagogInnen

3. Lebensweltorientierung nach Thiersch als originär sozialpädagogisches Konzept

3.1. Grundlagen lebensweltorientierten Handelns

3.2. Praxis lebensweltorientierter Sozialer Arbeit im Handlungsfeld der Psychiatrie

4. Fazit und Ausblick

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung des Konzepts der Lebensweltorientierung nach Hans Thiersch für die Arbeit von Sozialpädagogen im psychiatrischen Handlungsfeld. Dabei wird die Forschungsfrage beantwortet, welchen Beitrag dieser sozialpädagogische Ansatz zur Unterstützung von psychisch kranken Menschen in einem multiprofessionellen Setting leisten kann.

  • Klinische Sozialarbeit im aktuellen fachlichen Diskurs
  • Multiprofessionelle Zusammenarbeit im psychiatrischen Bereich
  • Theoretische Grundlagen und Maximen der Lebensweltorientierung
  • Praktische Übertragung des Lebensweltkonzepts auf die psychiatrische Versorgung
  • Rolle und Identität der Sozialpädagogik als Profession im Gesundheitswesen

Auszug aus dem Buch

3.1. Grundlagen lebensweltorientierten Handelns

Lebensweltorientierte Soziale Arbeit „verbindet die Analyse von gegenwärtig spezifischen Lebensverhältnissen mit pädagogischen Konsequenzen. Sie betont […] das Zusammenspiel von Problemen und Möglichkeiten“ (Thiersch, Grunwald & Köngeter 2010, S.175). Lebensweltorientierung bezeichnet sowohl ein Rahmenkonzept sozialpädagogischer Theorieentwicklung, also eine spezifische Sichtweise, entwickelt in den 1970er Jahren als „Antwort auf politische und fachliche Entfremdung“ (von Spiegel 2004, S.29). Zum anderen gilt Alltagorientierung auch als eine grundlegende Orientierung sozialpädagogischer Praxis.

Vor dem Entstehungshintergrund der 70er Jahren können lebensweltrorientierte Überlegungen als Gegenbewegung zum Trend der Spezialisierung innerhalb der Profession verstanden werden, die zudem nicht länger der „politischen Funktionsbestimmung der Sozialen Arbeit als Agent des Kapitals“ (Grunwald & Thiersch 2011, Lebensweltorientierung, S.855) unterliegen wollte. Lebensweltorientierung verweist auf die „Notwendigkeit einer konsequenten Orientierung an den AdressatInnen mit ihren spezifischen Selbstdeutungen und individuellen Handlungsmustern in gegebenen gesellschaftlichen Bedingungen“ (Grunwald & Thiersch 2005, S.1136), wendet sich demnach ab von der „Expertenherrschaft“ (von Spiegel 2004, S.29) der Professionellen und der Gefahr, Alltagserfahrungen der AdressatInnen auf diese Weise kolinalisierend zu übergehen (vgl. Grunwald & Thiersch 2011).

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den aktuellen Diskurs über die Klinische Sozialarbeit im psychiatrischen Feld und stellt die Forschungsfrage nach der Bedeutung des Lebensweltkonzepts für dieses Setting.

1. Klinische Sozialarbeit im Fachdiskurs: Dieses Kapitel verortet die Klinische Sozialarbeit als Teildisziplin der Sozialpädagogik und diskutiert deren Notwendigkeit sowie kritische Positionen zur Spezialisierung im Gesundheitswesen.

2. Das multiprofessionelle Handlungsfeld der Psychiatrie: Das Kapitel analysiert die Rollenverteilung und die spezifischen Anforderungen an SozialpädagogInnen innerhalb von interdisziplinären Teams in der Psychiatrie.

3. Lebensweltorientierung nach Thiersch als originär sozialpädagogisches Konzept: Hier werden die theoretischen Maximen der Lebensweltorientierung dargestellt und ihre praktische Anwendbarkeit auf die psychiatrische Arbeit reflektiert.

4. Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und diskutiert die Herausforderungen für die Professionalisierung der Sozialpädagogik in einem medizinisch geprägten Umfeld.

Schlüsselwörter

Sozialpädagogik, Psychiatrie, Lebensweltorientierung, Klinische Sozialarbeit, multiprofessionelle Zusammenarbeit, Hans Thiersch, psychosoziale Beratung, Patientenorientierung, Partizipation, Alltagsbewältigung, Gesundheitswesen, Professionalisierung, Sozialarbeit, Psychiatrie-Personalverordnung, Ressourcenorientierung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Rolle und dem professionellen Beitrag der Sozialpädagogik innerhalb psychiatrischer Einrichtungen unter besonderer Berücksichtigung des Konzepts der Lebensweltorientierung.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Klinische Sozialarbeit, die multiprofessionelle Kooperation in psychiatrischen Teams sowie die Anwendung theoretischer sozialpädagogischer Maximen in einem primär medizinisch geprägten Arbeitsfeld.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es zu untersuchen, welche Bedeutung das Konzept der Lebensweltorientierung nach Thiersch für die Arbeit von Sozialpädagogen in der Psychiatrie hat und wie es zur Verbesserung der psychosozialen Versorgung beitragen kann.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Auseinandersetzung mit Fachliteratur und aktuellen Diskursen zur Klinischen Sozialarbeit und Lebensweltorientierung.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Klinischen Sozialarbeit, die Analyse der Aufgaben von Sozialpädagogen im psychiatrischen Alltag sowie die detaillierte Ausarbeitung des lebensweltorientierten Konzepts und dessen praktischer Übertragung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Sozialpädagogik, Lebensweltorientierung, Psychiatrie, Klinische Sozialarbeit und Partizipation sind die prägenden Begriffe.

Wie unterscheidet sich die lebensweltorientierte Perspektive vom medizinischen Blick?

Während der medizinische Blick oft defizitorientiert auf Symptome fokussiert, betrachtet die Sozialpädagogik den Menschen als Experten seiner Lebenswelt und bezieht soziale Kontexte sowie individuelle Handlungsressourcen in den Heilungsprozess mit ein.

Warum wird die Spezialisierung als Klinische Sozialarbeit kritisch diskutiert?

Kritiker befürchten eine Anpassung an medizinische Standards, die den spezifisch sozialpädagogischen Blick auf soziale Lebenswelten verdrängen und die professionelle Identität zugunsten einer „fachlichen Restkategorie“ schwächen könnte.

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Details

Title
Zur Bedeutung der Sozialpädagogik im Handlungsfeld der Psychiatrie
College
University of Marburg
Course
Erziehungs- und Bildungswissenschaft
Grade
13 Punkte
Author
Master of Arts Kathrin Mütze (Author)
Publication Year
2013
Pages
19
Catalog Number
V268542
ISBN (eBook)
9783656599715
ISBN (Book)
9783656599692
Language
German
Tags
bedeutung sozialpädagogik handlungsfeld psychiatrie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Master of Arts Kathrin Mütze (Author), 2013, Zur Bedeutung der Sozialpädagogik im Handlungsfeld der Psychiatrie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/268542
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