Jugend und Gewalt. Einflussfaktoren auf Grundlage der Shell Jugendstudie 2010


Forschungsarbeit, 2013
18 Seiten, Note: 14 Punkte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung in die Forschungsthematik

2. Darstellung der Hypothesen und der ausgewählten Variablen

3. Theoriebezüge zur Entstehung von Devianz
3.1. Theorie der differentiellen Kontakte
3.2. Subkulturtheorie

4. Die quantitative Evalutation mit SPSS
4.1. Hypothese I)
4.2. Hypothese II)
4.3. Hypothese III)
4.4. Hypothese IV)

5. Abschließende Interpretation der Ergebnisse

6. Anhang
6.1. Literaturverzeichnis
6.2. Internetquellen

1. Einführung in die Forschungsthematik

Forschungsgegenstand der vorliegenden Arbeit ist die Shell Jugendstudie 2010. Schon seit 1953 beauftragt Shell unabhängige deutsche Forschungsinstitute mit der Erstellung von Studien, welche empirisch Einstellungen, Werte und Erwartungen von Jugendlichen zwischen 12 und 25 Jahren dokumentieren. Die Untersuchung verdeutlicht einerseits die Sichtweisen der Jugendgeneration, regt gleichzeitig aber auch zu gesamtgesellschaftlichen Diskussionen an. Aufgrund der Langzeitberichterstattung lassen sich Veränderungen und Vergleiche zwischen den Forschungsergebnissen sichtbar machen (vgl. Shell Holding GmbH 2010). Bereits zu Beginn des Masterstudiengangs Erziehungs- und Bildungswissenschaften der Universität Marburg wurden im Rahmen des Seminars Sozialwissenschaftliche statistische Datenanalyse in der Praxis Teilbereiche der Shell Jugendstudie 2010 eigenständig in Kleingruppen analysiert und evaluiert. Sowohl die erlernten quantitativen Analysemethoden als auch die Beschäftigung mit den Themen der Studie weckten das persönliche Interesse, da letztere stets einen besonders hohen Aktualitätsbezug aufweisen, wie auch die Initiatoren der Studie hervorheben, wenn sie betonen, dass es „immer besondere Anlässe oder vermutete gesellschaftliche Veränderungen (waren), die die Anregung gaben, eine neue Shell Jugendstudie in Auftrag zu geben“ (Albert, Hurrelmann, & Quenzel 2010, S.11).

Insbesondere in Bezug auf Jugend und Gewalt erweckt die mediale Berichterstattung mit Schlagzeilen wie ‚S-Bahn-Drama: Wie lange müssen die Mörder in Haft?‘ – ‚Killer von München: Warum sperren wir so ein Pack nicht einfach weg?‘ – ‚22 Schläge und Tritte auf das Opfer‘ (vgl. u.a. Thomsen 2009) gegenwärtig den Eindruck, die Gewaltbereitschaft unter den Jugendlichen nehme zu, sei als gesamtgesellschaftliches Problem zu interpretieren und mit „entsprechend härteren Jugendstrafen zu bekämpfen“ (Günzel 2001, S.107). Im Rahmen der eigenen, sowohl das Bachelor- als auch das Masterstudium begleitenden, Tätigkeit in einem Jugendwohnheim für psychisch kranke Jugendliche hat sich bereits früh der persönliche Fokus auf Themen devianten[1] Verhaltens, emotional-instabiler und/ oder dissozialer Störungen, welche nicht selten in engem Zusammenhang mit gewaltsamen Konflikten und entsprechend strafrechtlichen Konsequenzen stehen, entwickelt. Bereits in anderen Arbeiten konnte daher während des Studiums anhand von Literaturrecherchen konstatiert werden, dass Forderung nach härteren Sanktionen im Jugendstrafrecht Ausdruck von Ratlosigkeit, mangelndem Wissen über Ursachen von Jugendkriminalität und vor allem utopische Vorstellungen über die Effektivität von Jugendstrafe als Erziehungsmittel zu sein scheinen. Auch Peters hält fest, dass Jugenddelinquenz erst dann adäquat begegnet werden kann, wenn Ursachen und Konflikte, welche die Jugendlichen zu deviantem Verhalten motivieren, erkannt und verstanden werden (vgl. Peters 2009, S.88). Die bisher ausschließlich theoretisch erarbeiteten Ursachen delinquenten Verhaltens sollen im Verlauf der vorliegenden Arbeit anhand der Fragestellung ‚Welche Faktoren beeinflussen die Ausbildung inadäquater/ devianter Problemlösungsstrategien?‘ empirisch untersucht, in den theoretischen Diskurs eingebettet und dahingehend interpretiert werden, welche Anforderungen sich aus den Ergebnissen für die Pädagogik ergeben.

Auf Grundlage dieser Intention gliedert sich die vorliegende Arbeit wie folgt: Nachdem einleitend die Forschungsthematik und die Fragestellung hinreichend erläutert wurde, werden im zweiten Kapitel das Datenmaterial beschrieben, indem die vier aufgestellten Hypothesen und die dazu ausgewählten Variablen dargestellt werden. Kapitel drei skizziert anschließend zwei ausgewählte Devianztheorien, welche Aufschluss über mögliche Ursachen von Jugenddelinquenz geben können und die Ergebnisse der quantitativen Evaluation untermauern können. Die statistische Auswertung mithilfe von SPSS wird in Kapitel vier thematisiert, welches sowohl die angewandten Auswertungs- und Analysemethoden als auch die inhaltlichen Ergebnisse in Bezug auf die jeweiligen Hypothesen repliziert. Kapitel fünf wird die Ergebnisse vor dem Hintergrund der dargestellten Theoriebezüge abschließend interpretieren und Aufschluss darüber geben, welche Bedeutung die Ergebnisse für die Pädagogik haben.

2. Darstellung der Hypothesen und der ausgewählten Variablen

Anders als erwartet, befasst sich die Shell Jugendstudie 2010 nur randständig mit dem Thema ‚Jugend und Gewalt‘. Bei der Durchsicht des Fragebogens erschien Item F46n am ehesten geeignet, deviantes Verhalten unter den Jugendlichen zu untersuchen. Unter dieser Variable werden zunächst verschiedenste Formen zur Problemlösung in schwierigen Situationen aufgeführt, welche hinsichtlich der Häufigkeit ihrer Anwendung von den Befragten beurteilt werden sollen. Für den Rahmen dieser Arbeit wurden allerdings nur jene Antwortmöglichkeiten herausgefiltert, die deshalb als inadäquat definiert wurden, weil sie mit einem erhöhten Maß an Aggressivität, emotionalem Kontrollverlust und selbstschädigendem Verhalten wie beispielsweise Alkoholkonsum einhergehen – Verhaltensweisen, welche neben weiteren in der gegenwärtigen, westlichen Gesellschaft als deviant bewertet werden (vgl. Albrecht & Groenemyer 2012).

Für die Beantwortung der Forschungsfrage nach den Einflussfaktoren bei der Ausbildung inadäquater, delinquenter Problemlösungsstrategien wurden folgende vier Hypothesen formuliert:

I. Die Befragten unterscheiden sich je nach Verhältnis zu ihren Eltern hinsichtlich ihrer Problemlösungsstrategien.
II. Je niedriger die besuchte Schulform, desto eher verfügen die Befragten über inadäquate, delinquente Problemlösungsstrategien.
III. Je niedriger die soziale Schichtzugehörigkeit, desto eher wenden die Befragten inadäquate, delinquente Problemlösungsstrategien an.
IV. Die Verwicklung in gewaltsame Auseinandersetzungen ist abhängig von den vorhandenen Problemlösungsstrategien der Befragten

Als Bezugsvariable wurde Item F46n ausgewählt und entsprechend der oben beschriebenen Überlegungen zu einer neuen Variable zusammengefasst.[2]

F46n. Man kann ja verschieden reagieren, wenn man einmal in Schwierigkeiten ist oder ein größeres Problem hat. Was tun Sie dann gewöhnlich? (Liste vorlegen!)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

-diskutiere ich das Problem mit meinen Eltern oder anderen Erwachsenen
-vertraue ich mich einem Freund / einer Freundin an, um mit ihm/ihr gemeinsam meine Probleme zu lösen
-lasse ich mir nichts anmerken und tue so, als ob alles in Ordnung wäre
-ziehe ich mich zurück, da ich doch nichts ändern kann
-glaube ich fest daran, dass alles irgendwie von selbst wieder gut wird
-mache ich meinem Ärger und meiner Ratlosigkeit Luft durch Schreien, Heulen, Türenknallen
-mache ich etwas, das mir richtig Spaß macht, dann sieht alles schon viel besser aus
-mache ich mir einen Plan, wie ich das Problem lösen kann, und arbeite diesen Schritt für Schritt ab
-werde ich aggressiv und würde am liebsten anderen weh tun
-lasse ich alles andere liegen, bis ich das Problem gelöst habe
-lenke ich mich mit Partys, Clubs oder Feiern ab
-lenke ich mich mit Fernsehen oder Computerspielen ab
-rauche ich oder trinke mehr Alkohol
-versuche ich, das Ganze mit Humor zu nehmen, es ist schließlich

nicht das Ende der Welt

[...]


[1] Im Rahmen dieser Arbeit werden die Begriffe Devianz und Delinquenz synonym verwendet, da unter deviantes (abweichendes) Verhalten auch die Delinquenz im Sinne des juristisch bedeutsamen „Straffälligwerdens“ fällt (vgl. Fuchs-Heinritz 2011).

[2] Abgebildet ist die ursprüngliche Variable. Die als inadäquat, delinquent definierten Problemlösungsstrategien sind orange markiert. Das konkrete Vorgehen bei der Erstellung der neuen Variable (F46_inadäquateProblemlösung) wird in Kapitel 4 ausführlich beschrieben.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Jugend und Gewalt. Einflussfaktoren auf Grundlage der Shell Jugendstudie 2010
Hochschule
Philipps-Universität Marburg
Note
14 Punkte
Autor
Jahr
2013
Seiten
18
Katalognummer
V268544
ISBN (eBook)
9783656597063
ISBN (Buch)
9783656693451
Dateigröße
578 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
jugend, gewalt, einflussfaktoren, grundlage, shell, jugendstudie
Arbeit zitieren
Master of Arts Kathrin Mütze (Autor), 2013, Jugend und Gewalt. Einflussfaktoren auf Grundlage der Shell Jugendstudie 2010, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/268544

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