Ausgehend von Chuck Berrys programmatischen Song "Roll Over Beethoven" wird der irrationalistische Grundgehalt der Popmusik schwerpunktmäßig der der 60er Jahre aufgezeigt, aus dem heraus es zur Altamontkatastrophe und zur Mordserie in Los Angeles durch Hippiedirnen im Auftrag von Charles Manson kam. Manson ist noch heute eine Ikone sowohl der Satanisten als auch der Faschisten in den USA. Der Manson anklagende Staatsanwalt Bugliosi hatte John Lennon als Zeugen geladen, weil der Zuhälter und Anstifter des Mordfeldzuges, dem auch die schwangere Schauspielerin Sharon Tate zum Opfer fiel,durch den Beatles-Song "Helter Skelter" zu dieser Bluttat inspiriert worden sei.
Das diffuse Aufbegehren der Jugendlichen in den 60ern gegen eine verwaltete Welt, das unterschwellig auch von der chinesischen Kulturrevolution beeinflußt worden war, wird verglichen mit dem rotgardistischen Umgang mit dem kulturellen Erbe der Klassik, wie es in der "Anti-Konfuzius und Anti-Beethoven-Kampagne" zum Ausdruck kam.In diesem Zusammenhang wird Lenins generelle Haltung zur Musik durchleuchtet, die Überraschendes zutage fördert. Unter Berücksichtigung von Lenins Kritik am Proletkult Bogdanovs fand in der Kulturrevolution eine tiefere Auseinandersetzung mit der Musik Beethovens statt als im freien Westen, in dem etliche hochsensible Popmusiker an einer nur profitorientierten Kulturindustrie zerbrachen: Brian Jones, Jimi Hendrix, Keith Moon, Jim Morrison und Janis Joplin...um nur einige zu nennen.
Inhaltsverzeichnis
MUSIK ALS KULTURELLES PROBLEM AM BEISPIEL DER POPMUSIK DER 60ER JAHRE – ZUM TOD VON MEREDITH HUNTER UND SHARON TATE
EIN MUSIK-SOZIOLOGISCHER SPAZIERGANG
ANMERKUNGEN
LITERATURLISTE
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die soziologische Rolle der Popmusik in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und hinterfragt kritisch deren vermeintlich emanzipatorisches Potenzial. Dabei wird insbesondere analysiert, wie Popkultur als Ausdruck spätbürgerlicher Dekadenz fungiert und wie die Musikindustrie durch die Kommodifizierung von Rebellionen das kritische Bewusstsein der Konsumenten manipuliert.
- Die Popmusik der 60er Jahre als Instrument der Entpolitisierung und Konsumsteuerung.
- Die ideologische Verwandtschaft zwischen Popkultur-Phänomenen und faschistischen Massenbewegungen.
- Die kritische Bewertung der Rolle von Musikidolen und deren Einfluss auf die Jugend.
- Der Gegensatz zwischen revolutionärem Potenzial im Sinne des Marxismus und dem "Pop-Eskapismus".
- Die Rolle der Massenmedien bei der Standardisierung und Trivialisierung von Musik.
Auszug aus dem Buch
MUSIK ALS KULTURELLES PROBLEM AM BEISPIEL DER POPMUSIK DER 60ER JAHRE – ZUM TOD VON MEREDITH HUNTER UND SHARON TATE
Es hatte Jahrtausende der Entwicklung der Gesellschaftsformationen gebraucht, bis Karl Marx die "Wertform, deren fertige Gestalt die Geldform" 1. ist, ergründete und den Fetischcharakter der Politik entschlüsselte. Politik macht nicht das Erhebliche aus, sondern ist ein von der jeweiligen Ökonomie Abgeleitetes, Sekundäres, aber mit Rückwirkung auf sie. Politik behauptete und behauptet sich, weil die menschliche Arbeit in allen bisherigen ökonomischen Gesellschaftsformationen außer der staatenfreien Urgesellschaft eine entfremdete war, eine Last.
Gelänge es auf revolutionärem Weg, diese in eine Lust umzukehren dadurch, dass die Produktionsprozesse kollektiv gestaltet würden, erübrigte sich Politik, was die Band "Ton, Steine, Scherben" in der Zeile ausdrückte: "Keine Macht für niemanden". Oder wie es Rousseau ausdrückte: ein Mensch, der anderen Menschen Befehle geben will, muß krank sein, oder der Atheist Arno Schmidt: „Ein anständiger Mensch schämt sich, Vorgesetzter zu sein“. Der utopische Sozialist Saint Simon hatte 1802 in seinen Genfer Briefen die Vision einer gesellschaftlichen Kooperation, in der die Herrschaft des Menschen über den Menschen abgelöst worden sei durch die kollektive Verwaltung von Sachen und von der kollektiven Leitung von Produktionsprozessen.
Edgar Broughton stampfte sein "Out, Demons, Out !" ins Mikrofon. In der Anarchie als absoluter ändert sich nicht nur das Verhältnis der freien Gesellschaftsmitglieder zu den Künsten; sie verhalten sich hier erst wirklich humanistisch. Eine der ersten Beatgruppen der Popmusik der 60er Jahre nannte sich Eric Burdon & The Animals, weil die Bandmitglieder sich auf der Bühne so tierisch benahmen. Lennon hielt keinen seiner Liedtexte für tiefsinnig, nach eigener Aussage schrieb er Liedtexte für diese Art von Fleischmarkt.
Zusammenfassung der Kapitel
MUSIK ALS KULTURELLES PROBLEM AM BEISPIEL DER POPMUSIK DER 60ER JAHRE – ZUM TOD VON MEREDITH HUNTER UND SHARON TATE: Einleitende Betrachtung der gesellschaftlichen Voraussetzungen für die Entstehung der Popmusik als Gegenstand musiksoziologischer Kritik.
EIN MUSIK-SOZIOLOGISCHER SPAZIERGANG: Detaillierte Analyse verschiedener Popkultur-Strömungen und ihrer ideologischen Einbettung in das kapitalistische System.
ANMERKUNGEN: Aufstellung sämtlicher Quellenverweise und weiterführender Erläuterungen zum Text.
LITERATURLISTE: Vollständiges Verzeichnis der zitierten wissenschaftlichen Literatur und Quellen.
Schlüsselwörter
Popmusik, Soziologie, Klassenkampf, Kapitalismus, Kulturindustrie, Entfremdung, Ideologie, 60er Jahre, Beatles, Musikpädagogik, Konsumterror, Rebellion, Massenmedien, Beatlesmania, Marxismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Popmusik der 60er Jahre als ein soziologisches Phänomen und kritisiert deren Rolle als Werkzeug des spätbürgerlichen Kapitalismus zur Manipulation und Verdummung der Massen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Untersuchung konzentriert sich auf die Wechselwirkung zwischen Musik, gesellschaftlicher Organisation, politischer Ideologie und der Rolle der Kulturindustrie als Vermittlerin falscher Versprechungen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die Illusion der Popmusik als emanzipatorische Kraft zu demaskieren und aufzuzeigen, wie sie stattdessen die herrschenden Machtverhältnisse stabilisiert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt eine dialektisch-materialistische Methode, die insbesondere marxistische und adorno-kritische Ansätze kombiniert, um kulturelle Artefakte in ihren ökonomischen Kontext zu setzen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Mechanismen hinter der Popkultur, die Rolle prominenter Musiker, die mediale Vermarktung, die Auswirkungen von Drogen sowie die ideologische Nähe zwischen Pop-Mania und faschistischen Strukturen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Popmusik, Soziologie, Kapitalismus, Kulturindustrie, Entfremdung, Ideologie, 60er Jahre, Beatles, Konsumterror.
In welchem Zusammenhang stehen die "Beatlesmania" und der Faschismus?
Der Autor argumentiert, dass beide Phänomene eine "kollektive Geistesstörung" und eine Sehnsucht nach Führung und Identität in einer entfremdeten Gesellschaft widerspiegeln, die durch emotionale Massenphänomene gestillt werden.
Warum kritisiert der Autor die Beatles so scharf?
Die Beatles werden als Prototyp einer "banalen" Kulturindustrie-Band gesehen, deren Erfolg auf der Ausbeutung von Bedürfnisstrukturen basiert und die den gesellschaftlichen Status Quo eher zementiert als infrage stellt.
Welche Rolle spielt die chinesische Kulturrevolution im Text?
Sie dient als Kontrastpunkt, an dem der Autor eine kollektive künstlerische Praxis zeigt, die sich (im Gegensatz zur westlichen Popkultur) der totalen Kommodifizierung zu entziehen versucht.
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- Heinz Ahlreip (Author), 2014, Musik als kulturelles Problem. Popmusik der 60er Jahre, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/268561