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Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit im Nibelungenlied

Titel: Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit im Nibelungenlied

Seminararbeit , 2014 , 25 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Eva Sailer (Autor:in)

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
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Zusammenfassung Leseprobe Details

„Sein und Schein“ – Die Fragen nach Wirklichkeit und Erscheinungsbild sind keine Neuerfindung unserer heutigen Gesellschaft und auch kein Überrest aus der Romantik. Abgesehen von unterschiedlichen Akzentuierungen lassen sich diese Fragen nämlich schon in früheren Epochen der Literatur wiederfinden.

Dies gilt nicht nur in unserer heutigen Gesellschaft als Frage nach Wirklichkeit und Erscheinungsbild.
Das Nibelungenlied , die Geschichte von Siegfrieds Tod, der Rache Kriemhilds und dem Untergang der Burgunden, ist mitunter eines der bekanntesten Werke des deutschen Mittelalters und lässt sich an Popularität kaum übertreffen. Die Werte einer heroischen Welt – Ruhm, Ehre und Rache – stehen hier höfischen Verhaltensmodellen – Minne, Ehe, Recht, Vasallität und Verwandtschaft – gegenüber, und ziehen sich wie ein roter Faden durch die Handlung.
Das gesellschaftliche Leben am königlichen Hof richtete sich nach einem festen Protokoll, welches vor allem bei feierlichen Anlässen, zu denen unter anderem Krönungen, Hochzeiten und Schwertleiten zählten, in Erscheinung trat. „Die Literatur als Repräsentation der Repräsentation fungiert dabei zugleich als Metaebene, von der aus höfische Repräsentation beobachtet und in ihren Möglichkeiten und Grenzen dargestellt […] werden kann.“ Das Nibelungenlied zeigt jedoch, dass selbst die Sichtbarkeit dieser höfischen Rituale verfälscht und manipuliert werden kann.

Erst durch das Auftreten von Sicht- und Unsichtbarkeit kommt die Handlung des Nibelungenlieds zustande. Täuschungen prägen das Agieren der Helden und sind für die Entstehung jeglicher Konflikte verantwortlich. Die Folgen der Manipulation lassen die Spannungen im Laufe der Handlung immer mehr ansteigen und enden schließlich in der unvermeidbaren Katastrophe. Das Verhältnis zwischen Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit gestaltet sich im Nibelungenlied äußerst schwierig. Die Geltung der Sichtbarkeit versucht sich zu behaupten, obwohl das, was vor aller Öffentlichkeit gesagt und dadurch sichtbar gemacht wird, sich immer klarer als falscher Schein herausstellt.

In dieser Arbeit soll besonders anhand der Aventiuren 1-14 gezeigt werden, welche große Rolle Sicht- und Unsichtbarkeit im Nibelungenlied spielt und wie sich die Konsequenzen der (un-)sichtbaren Handlungen auf die Protagonisten auswirken.

Leseprobe


Gliederung

1. Einleitung

2. Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit

2.2.1 Sichtbarkeit

2.2.2 Unsichtbarkeit

3. Manipulation der Sichtbarkeit

3.1 Steigbügeldienst und Standeslüge

3.2.Brautwerbung um Brünhild

3.3 Brautnachtbetrug

3.4 Königinnenstreit

3.4.1 Konkurrenz zwischen Kriemhild und Brünhild

3.4.2 Eskalation des Königinnenstreits

4. Schluss

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die zentrale Rolle von Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit im Nibelungenlied. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Manipulationen, Täuschungen und das Spiel mit dem "Sein und Schein" die Handlung vorantreiben, Konflikte zwischen den Protagonisten erzeugen und letztlich in der unvermeidbaren Katastrophe münden.

  • Die Funktion von Sicht- und Unsichtbarkeit als handlungsmotivierende Elemente.
  • Die Analyse von Täuschungshandlungen wie der Standeslüge und dem Brautnachtbetrug.
  • Die Bedeutung von Sagengedächtnis und öffentlicher Wahrnehmung für den Status der Helden.
  • Die Eskalation des Konflikts im Königinnenstreit als Folge aufgedeckter Manipulation.

Auszug aus dem Buch

3.1 Steigbügeldienst und Standeslüge

Als sich Siegfried bei der Begegnung mit Brünhild und ihrem Gefolge als Lehnsmann Gunters ausgibt, begeht er seinen ersten und wichtigsten Fehler, der in Form der Standeslüge den Betrug an Brünhild einleitet und die Katastrophe ankündigt. Gunther möchte Brünhild erobern. Dieses Vorhaben gerät aber ins Wanken, als man von den Erzählungen über Brünhild und ihren enormen Anforderungen an ihre Werber hört. Siegfried bietet sich als Retter in der Not an und will Gunther mit der Standeslüge helfen, die scheinbar unüberwindbaren Hürden zu bewältigen.

Siegfried leugnet also seine königliche Herkunft und seinen heroischen Status, um Gunther als den einzigen berechtigten Werber erscheinen zu lassen. Diese List ist jedoch notwendig, „(d)enn hätte sich Siegfried in seiner eigentlichen Person als unabhängiger Herrscher vorgestellt, wäre er in den Augen Brünhilds zweifellos der bevorzugte Bewerber gewesen.“ Bei der Ankunft der Burgunden ordnet sich Siegfried durch seinen demonstrativen Steigbügeldienst an Gunther unter und gibt sich dadurch als dessen Lehensmann zu erkennen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung stellt die Fragestellung nach Wirklichkeit und Erscheinungsbild in den Kontext des Nibelungenliedes und betont die Relevanz von Sicht- und Unsichtbarkeit für die Handlung.

2. Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Konzepte von Sichtbarkeit als Norm und deren Komplement Unsichtbarkeit, die oft mit List und Betrug assoziiert wird.

3. Manipulation der Sichtbarkeit: Der Hauptteil analysiert spezifische Täuschungen wie die Standeslüge, die Brautwerbung, den Brautnachtbetrug und den Königinnenstreit als zentrale Mechanismen der Konfliktentstehung.

4. Schluss: Das Fazit fasst zusammen, dass Manipulation der Sichtbarkeit unerlässlich ist, um die dramatische Handlung des Epos in Gang zu setzen und zum tragischen Ende zu führen.

Schlüsselwörter

Nibelungenlied, Sichtbarkeit, Unsichtbarkeit, Täuschung, Standeslüge, Brautwerbung, Brautnachtbetrug, Königinnenstreit, Manipulation, Sagengedächtnis, höfische Repräsentation, Siegfried, Gunther, Brünhild, Kriemhild.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?

Die Arbeit untersucht das komplexe Verhältnis von Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit im Nibelungenlied und analysiert, wie diese Kategorien die Handlung und das Verhalten der Helden steuern.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Im Zentrum stehen höfische Rituale, das Motiv der Täuschung, die Bedeutung von öffentlicher Anerkennung (Sagengedächtnis) sowie die juristische und moralische Bewertung von Verrat und List.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie die Manipulation von Sichtbarkeit – etwa durch die Standeslüge oder den Tarnkappenbetrug – als treibende Kraft hinter den zentralen Konflikten und der finalen Katastrophe fungiert.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Arbeit nutzt eine mediävistische Textanalyse, bei der zentrale Aventiuren (1-14) auf ihre inhaltlichen Täuschungsstrukturen untersucht werden, gestützt durch Forschungsliteratur zur höfischen Epik.

Was wird im Hauptteil der Arbeit analysiert?

Der Hauptteil gliedert sich in verschiedene Fallbeispiele der Manipulation: vom Steigbügeldienst über die Brautwerbung und den Brautnachtbetrug bis hin zur Eskalation im Königinnenstreit.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?

Zentrale Begriffe sind Sichtbarkeit, Unsichtbarkeit, Standeslüge, Brautnachtbetrug, Königinnenstreit, Täuschung, höfische Repräsentation und Sagengedächtnis.

Wie beeinflusst die Standeslüge das Schicksal von Siegfried und Brünhild?

Die Standeslüge ist der Ausgangspunkt der Täuschung; sie ermöglicht die Brautwerbung, täuscht Brünhild über Siegfrieds wahren Status und schafft die Basis für ihren späteren tiefen Fall und Rachewunsch.

Warum ist der Königinnenstreit für die Handlung so entscheidend?

Der Königinnenstreit fungiert als Aufdeckungsmoment: Durch das Vorzeigen der Beweise (Ring und Gürtel) wird der vorher unsichtbare Betrug öffentlich und zwingt die Protagonisten in eine Konfrontation, die im Tod Siegfrieds mündet.

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit im Nibelungenlied
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Deutsche Philologie)
Note
1,3
Autor
Eva Sailer (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2014
Seiten
25
Katalognummer
V268579
ISBN (eBook)
9783656597094
ISBN (Buch)
9783656597087
Sprache
Deutsch
Schlagworte
sichtbarkeit unsichtbarkeit nibelungenlied
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Eva Sailer (Autor:in), 2014, Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit im Nibelungenlied, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/268579
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Leseprobe aus  25  Seiten
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