Qigong – Alternative Heilmethode und neuer Therapieansatz


Fachbuch, 2014
109 Seiten

Leseprobe

Inhalt

Qigong im Alter von Christian Kunow
Einleitung
Qigong als Anwendungsgebiet für ältere Menschen
Qigong für Krankheiten des Herz-Kreislauf-Systems
Fazit
Literatur

Qigong mit geistig behinderten Schülern. Das Spiel der Tiere nach Prof. Jiao Guorui von Anne Merz
Geistige Behinderung - Was bedeutet dieser Begriff?
Schulgesetz für Schulen mit dem Förderschwerpunkt ganzheitliche Entwicklung
Eigene Erfahrungen
Methodik und Didaktik
Qigong-Übungen
Literatur

Qigong in der Suchttherapie. Mertens' Modell zur Suchtentstehung und -therapie. Biophotonenforschung von Angela Kowsky
Einleitung
Das „offene System Mensch“ nach MERTENS
MERTENS’ Modell der Suchtentstehung
Der abhängige Mensch
Qigong
Traditionelles chinesisches Denken im Licht der Biophotonentheorie
Wirkzusammenhänge
Zusammenfassung
Ausblick und Hoffnungen
Anhang
Literatur

Einzelbände

Qigong im Alter
von Christian Kunow
2012

Einleitung

Die fortschreitende demografische Entwicklung, bei der der Anteil der älteren Bevölkerung immer weiter zunimmt, führt dazu, dass sich die medizinischen Aufgaben qualitativ und quantitativ verschieben.[1]

Für ältere Menschen ist typisch, dass sie nicht nur eine Krankheit haben, sondern unter einer Vielzahl von Erkrankungen (Multimorbidität) leiden. Dazu kommen eine überdosierte Medikation und eine psychosoziale Isolation. Dies kann akute Krankheiten verursachen.[2] Häufig im Alter vorkommende Krankheiten sind die des Bewegungsapparates. Solche Krankheiten können dazu führen, dass ältere Menschen in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, die Mobilität sogar verlieren und sie dadurch in ihrem Zuhause gefangen werden und vereinsamen. Daneben lassen die kognitiven sowie sensorischen Leistungen nach. Zusammen mit anderen Krankheiten entsteht ein Merkmalskomplex aus Immobilität, Inkontinenz, intellektueller Abbau und Instabilität. Die vier „I‘s“ der Geriatrie verstärken sich gegenseitig und bedrohen die letzten Lebensjahre älterer Menschen.[3]

Die Frage ist nun, mit welchen therapeutischen Maßnahmen diesen Problemen begegnet werden kann? Von einer herkömmlichen kurativen und diagnosebetonten Therapie sollte Abstand genommen werden. Im Mittelpunkt der Therapie steht die Aufrechterhaltung der Funktion und nicht die Wiederherstellung und Heilung. Funktionelle Einschränkungen von älteren Menschen sind reversibel oder können zumindest kompensiert werden. Eine mögliche Lösung stellt die chinesische Heilkunst Qigong dar. Als komplementärer selbsttherapeutischer Ansatz kann Qigong Einschränkungen lindern oder gar beheben.[4]

Die vorliegende Arbeit untersucht zunächst, inwieweit Qigong eine sinnvolle Methode für das Anwendungsgebiet für ältere Menschen ist. Danach wird Qigong auf ausgewählte Krankheiten des Herz-Kreislauf-Systems, die für Ältere typisch sind, bezogen. Ein Fazit rundet die Arbeit ab.

Qigong als Anwendungsgebiet für ältere Menschen

Allgemeines zur Durchführung[5]

Der Raum, in dem Qigong ausgeübt wird, sollte entweder ebenerdig oder zumindest mit einem Aufzug zu erreichen sein. Im Übungsraum haben ausreichend Hocker und Stühle zu stehen. Damit können auch ältere Teilnehmer mit körperlichen Einschränkungen und die nicht in der Lage sind zu stehen, Qigong im Sitzen durchführen. Die Teilnehmerzahl der Gruppe sollte zwischen zehn und zwölf Personen liegen. Somit kann der Übungsleiter leichter die Probleme jedes Teilnehmers erkennen und darauf individuell eingehen. Der Übungsleiter hat eine einfache, klare und laute Artikulation zu finden, damit auch Teilnehmer, die eine nachlassende Hörfähigkeit haben, ihm akustisch folgen können. Er sollte sich stets vergewissern, ob er von den Teilnehmern verstanden wird.[6]

Besonderheit der Atmung

Beim Qigong ist die Natürlichkeit der Atmung wichtig. Ein ungestörtes und natürliches Atmen, das als lang, tief, gleichmäßig, fein und sanft zu beschreiben ist, hat einige Vorteile. Es gewährleistet die Erwärmung der Atemluft in der
Nase, nutzt die Kapazität der Lungen aus und vergrößert die Schwingungsweite der Zwerchfellbewegungen, was eine sanfte Massage der Bauchorgane bewirkt. Tiefe Atemzüge führen im Gegensatz zu einer flachen Atmung dazu, dass die Atemluft gleichmäßiger in den Lungen verteilt wird. Dazu kommt eine bessere Ventilation der Lungenbläschen (Alveolen). Bei älteren Menschen kann „air trapping“ vorliegen, bei dem manche Lungenareale nicht mehr Atemluft austauschen können. Die Gefahr einer Lungenentzündung wird größer. Daher ist es umso bedeutender, dass ältere Menschen bei der Ausübung des Qigong auf die Natürlichkeit ihrer Atmung achten, um dem „air trapping“ vorzubeugen.[7]

Vier „I’s“ der Geriatrie

Instabilität

Qigong eignet sich für die Stärkung der Stabilität des Körpers und des Gleichgewichtssinns. Die langsamen Bewegungen der Übungen verbessern die Wahrnehmung der verschiedenen Körperpositionen. Bestandteil und Prinzip jeder Übung ist die Entwicklung der unteren Festigkeit: also mehr Bodenständigkeit. Die Kraft, die im unteren Körperbereich (Yin) entspringt, entfaltet sich in dem oberen Körperbereich (Yan) nach oben. Der untere Körperteil soll fest mit dem Boden verbunden sein (Erdung, Verwurzelung) und sich kraftvoll anfühlen, der obere Körperteil dagegen locker, leicht und leer. Das konsequente Üben des Stehens und Abrollens der Füße bewirkt eine Veränderung der Fußstatik. Dies führt zu einer verbesserten Abfederung, aus der eine Veränderung der Muskulatur des Bewegungs- und Halteapparates und in der Folge eine bessere Aufrichtung des Körpers resultieren kann. Zudem kann das Üben der Aufrichtung des Rumpfes und speziell der Wirbelsäule die Bewegungskoordination und Körperstatik verbessern. So können alte und in den Jahren eingefahrene, konservierte Halte- und Bewegungsmuster verändert werden.[8]

Nach der chinesischen Medizin wird die ursprüngliche Lebenskraft in der Niere gespeichert. Die Niere ist dabei eng mit bspw. den Beinen und Füßen verbunden. Ein Nachlassen der Lebenskraft führt zur Schwächung dieser Bereiche und zu Funktionseinbußen in allen anderen Bereichen. Einige Übungselemente dienen dazu, dies zu verhindern und ein festes Fundament zu entwickeln. Dazu zählen u.a. die Vorstellung eines festen Stehens auf der Erde wie ein fest verwurzelter Baum sowie das Einnehmen einer Körperhaltung mit leicht gebeugten Knien, wobei die Gesäßkraft nach unten gerichtet ist. Es gilt dabei die Vorstellung zu gewichten: die nach unten gerichtete Vorstellung mit 70 Prozent und die nach oben gerichtete Vorstellung mit 30 Prozent zu üben. Zusammen mit der Wahrnehmungsschulung in Beinen und Füßen fördern die Übungen des Qigong die Stabilität älterer Menschen. Zugleich dienen die Übungen indirekt als Sturzprophylaxe.[9] Sie können die Koordinationsfähigkeit fördern, die Stützfunktion des Bewegungsapparates verbessern und somit die Sturzgefahr verringern.[10]

Immobilität

Ältere Menschen leiden aus verschiedenen Gründen unter Immobilität, die mit dem älter werden immer weiter zunimmt. Zu den Ursachen gehören u.a. Übergewicht und chronische Schmerzen im Bewegungsapparat. Lediglich die zum An- und Auskleiden, Essen, Waschen, Hausarbeiten etc. benötigten Bewegungsabläufe werden noch ausgeführt. Die allgemeine Leistungsminderung älterer Menschen kann auf das Fehlen adäquater Belastungsanreize zurückgeführt werden. Zwar treten im natürlichen Alterungsprozess bspw. Muskelatrophie und eine geringere Beweglichkeit auf, die unvermeidbar sind. Der Prozess lässt sich jedoch durch sportliche Betätigung erheblich verlangsamen. Aber Ältere ziehen die Bequemlichkeit und die körperliche Inaktivität vor. Sie betrachten es als Entspannung und Erholung.[11] Ihre innere Haltung, die sie nach außen kommunizieren, sagt einen körperlichen Verschleiß und Verbrauch aus.[12]

Übungen des Qigong tragen dazu bei, die Beweglichkeit zu verbessern, die Ausdauer zu steigern, die Körperwahrnehmung zu schulen und Koordination und Kraft besonders in den unteren Extremitäten zu entfalten und zu stärken.[13] Qigong fügt sich daneben in das multimodale Konzept der Schmerztherapie ein. Die Übungen können Bestandteil nichtinvasiver und nichtmedikamentöser Schmerztherapie sein.[14] Außerdem regt regelmäßiges Qigong das Wachstum von Knochenzellen an. Dies wiederum bewirkt eine Verbesserung der Knochenstabilität und -flexibilität in den trainierten Bereichen. Qigong eignet sich demnach zur Osteoporoseprophylaxe.[15]

Intellektueller Abbau

Vergesslichkeit und Konzentrationsmängel nehmen mit dem Alter zu. Geistige Fitness und geistige Leistungsfähigkeit sind aber nicht vom Alter abhängig, sondern vom geistigen Training. Aus der hirnphysiologischen Forschung ist bekannt, dass zwischen Körper, Geist und Seele eine Wechselwirkung besteht. So fördert körperliche Aktivität die geistigen Fähigkeiten. Hirntraining aktiviert und vitalisiert umgekehrt den Körper. Qigong-Übungen sprechen neben der körperlichen auch die geistige Ebene an. Sie erhöhen die allgemeine Lernfähigkeit und entsprechen einem ganzheitlichen Gedächtnistraining. Dabei werden Kreativität, Fantasie, assoziatives Denken, Merkfähigkeit, Konzentration, Wahrnehmung und Entspannung angesprochen.[16]

Qigong beinhaltet aktive Übungen unter der kontrollierenden, steuernden und leitenden Funktion des Geistes. Bei den Übungen des Qigong verkörpert der Körper die Basis, der Geist gilt als Anführer. Unter dem Begriff Geist werden alle geistigen Aktivitäten zusammengefasst. Er versteht sich als konstellierende Kraft. Der Geist leitet die Übungen in verschiedenen Ebenen an: als betrachtende Aufmerksamkeit, als Vorstellungskraft, als Gedanken oder als Bewusstsein.[17]

Inkontinenz

Ältere Menschen können unter Inkontinenz leiden. Die beim Qigong ständig wiederholende Anspannung der Beckenbodenmuskulatur kann nach längerem Üben zur Inkontinenzvorbeugung beitragen. Im Qigong sind drei schließende Kräfte ein Hauptbestandteil der Übungen: die Kraft der Knie, die Kraft des Beckens und die Kraft in den Schultern. Die schließende Kraft des Beckens stellt man sich so vor, dass sich die Hüftgelenke und die Beckenschaufeln nach vorne ein wenig zu einem Rund schließen. Dabei geht man von der Vorstellung aus, dass das Becken mit einem Tuch umschlungen und der Unterbauch geringfügig eingezogen sei. Zudem werden die unteren Körperöffnungen leicht geschlossen. Man stellt sich vor, das Becken ist ein Gefäß, aus dem keine Flüssigkeit entweichen dürfte.[18]

Persönliche Erfahrungen von älteren Praktizierenden

Die von Düwal beschriebenen Erfahrungen von drei Personen, die zwischen 73 und 87 Jahre alt sind und seit über drei Jahren in einer Gruppe von acht Teilnehmern Qigong praktizieren, vermitteln ein positives Bild des Qigong. Alle drei Personen übten täglich. Aufgrund des selbstständigen Übens sammelten sie wertvolle Erfahrungen.[19]

Gerda Z., 87 Jahre alt, war zu Beginn der Übungspraxis unruhig und überaktiv. Zudem fiel es ihr schwer, die Vorstellungskraft im unteren Körperbereich aufzubringen, da sie ihre Gedanken nicht ordnen konnte. Mit der Übung „Sitzen wie eine Glocke“ erreichte sie eine innere Ruhe und eine tiefe Atmung. Nach dieser Übung fühlte sie sich gestärkt und ausgeruht. Sie fand das richtige Verhältnis von Spannung und Entspannung und sie bekam ein Gefühl für die Körperhaltung. Sie lernte, ihre Lebenskraft zu bewahren.[20]

Hanna K., 81 Jahre alt, übte Qigong ohne ein vorgegebenes Konzept. Mit dem obersten Prinzip des Qigong, dem Üben nach den Naturgesetzen, konnte sie ihre inneren Körperfunktionen besser koordinieren. Damit wurden den Körper stärkende und heilende Wirkungen erzielt. Da sie morgens vor dem Aufstehen übte, verbesserten sich die Blut- und Lymphzirkulation und die Muskelkoordination. Seit Beginn des Übens ist sie beweglicher, hat ein anderes Lebensgefühl und geht besser mit Stresssituationen um.[21]

Ruth F., 73 Jahre alt, begann Qigong mit dem Ziel, ihren Gesundheitszustand zu verbessern und sich nicht aufzugeben. Die Übungen fielen ihr spontan ohne nachzudenken ein. Besonders angenehm empfand sie die Übung des „Kranichs“, wo die Bewegungen eine lockere Ausdehnung und Leichtigkeit besaßen. Es kam zu einer pulsierenden Wärme im Kreuzbeinbereich, die sie tief und frei aufatmen ließ. Ihr Brustraum entspannte sich.[22]

Qigong für Krankheiten des Herz-Kreislauf-Systems

Dem Qigong wird in vielen Bereichen eine positive Wirkung zugeschrieben. Neben den Bereichen der Lunge und der Atemwege, des Immunsystems, des Nervensystems[23][24] und des bereits thematisierten Bewegungsapparates, hat Qigong eine positive Wirkung auf das Herz-Kreislauf-System. Erkrankungen des Herzens sowie des Kreislaufs sind typisch für ältere Menschen. Sie leiden z.B. unter Hypertonie, Hypotonie oder Koronaren Herzerkrankungen.

Hypertonie

Bluthochdruck (Hypertonie) entsteht dadurch, dass die obere Körperhälfte energetisch überladen und die untere Körperhälfte energetisch geschwächt ist. Für die Überladung im oberen Körperbereich ist das Yang des Funktionskreises (FK) Leber verantwortlich. Das Yang schlägt dabei aufgrund von Wind, Glut oder Hitze unkontrolliert empor. Für die Schwäche des unteren Körperbereichs ist das Xue oder Yin des FK Leber und/oder des FK Niere ursächlich. Der FK Leber und der FK Niere reichen als Widerlager nicht mehr aus, was zur Folge haben könnte, dass das Yang des FK Herz oder des FK Leber überhand nimmt. Die FK der oberen und der unteren Körperhälfte verursachen der Hypertonie zuzuschreibenden Symptome wie z.B. Kopfschmerzen, Schwindel, Ohrgeräusche etc.[25]

Der therapeutische Ansatz des Qigong umfasst unter anderem das Besänftigen und Absenken des Yang des FK Leber. Zudem beinhaltet der Ansatz das Stützen des Xue oder des Yin des FK Leber als Widerlager zum Yang. Die FK der Mitte, der FK Milz und der FK Magen sind zu kräftigen, falls eine Schleimbelastung dies ergänzt. Außerdem gehört zum Ansatz des Qigong das Beruhigen geistiger Kräfte und das Sedieren des FK Herz.[26]

Für die Therapie gegen Bluthochdruck sind besonders die Qigong-Übungen
geeignet, die Ruhe und Ausgewogenheit vermitteln und keine dynamisierende Wirkung aufweisen. Dazu zählen auch solche Übungen, die den Grundsatz „Oben leer, unten fest“ beachten. Die Ausführung der Übungen sollte den sinkenden Elementen Aufmerksamkeit geben. Damit wird das Yang des FK Leber besänftigt und abgesenkt sowie die geistigen Kräfte beruhigt. Bei den Übungen sind die Arme maximal auf Schulter- oder Brusthöhe zu heben. Zudem darf der Rumpf nicht zu weit nach vorne gebeugt werden, so dass der Kopf über die
Taillenhöhe kommt.[27]

Die „Kranich-Übungen“ haben stark den Grundsatz „Oben leer, unten fest“ integriert, da sich die Bewegungen nur langsam von unten nach oben entwickeln und wieder zurückkehren. Von der Übung „Sechs Laute“ ist der Laut xu, der dem FK Leber zugeordnet ist, und der Laut ke, der dem FK Herz zugehörig ist, empfehlenswert. Die Laute sind erst dann zu üben, wenn in der unteren Körperhälfte eine bestimmte Festigkeit vorhanden ist. Die „Übungen im Gehen“
können den gleichmäßigen, freien Fluss des Qi gewährleisten und somit das Yang des FK Leber besänftigen. Zudem sind Entspannungsübungen zu empfehlen, wie z.B. die „Drei-Linien-Übung“, die dazu ausgerichtet sind, das Qi
abzusenken.[28]

Hypotonie

Grundsätzlich liegt bei Hypotonie eine energetische Schwäche vor. Die Schwäche kann drei Bereiche betreffen: das Qi und Xue des FK Milz und des FK Magen (= FK Mitte), das Qi oder Yang des FK Herz und/oder das Yang des FK Niere. Die FK verursachen die typischen Symptome der Hypotonie wie z.B. Kältegefühl, blasser Teint, Kurzatmigkeit, Müdigkeit, allgemeine Schwäche, erschöpfter oder tiefer Puls, Schweiß, verminderter Appetit etc.[29]

Der therapeutische Ansatz des Qigong beruht darauf, dass die FK Mitte (FK Milz und der FK Magen) gestützt werden sollen, um so das Qi und Xue hervorzubringen. Zudem werden das Qi bzw. Yang des FK Herz gestärkt. Damit soll ihre Entfaltung gewährleistet werden. Hinzu kommt das Kräftigen des Yang des FK Niere, um den Erhalt der stützenden und wärmenden Funktion von unten zu ermöglichen.[30]

Es sind besonders die Qigong-Übungen geeignet, die zum einen den sammelnden und zuführenden Aspekt betonen und zum anderen zur notwendigen Entfaltung von Qi und Xue beitragen. Wenn der sammelnde und zuführende Aspekt im Vordergrund steht, ist mit Übungen zur Sammlung der Vorstellungskraft oder mit einfachen Entspannungsübungen zu beginnen. Diese werden im Sitzen oder Liegen ausgeführt. Am Anfang der Übungen sollten aber solche im Sitzen vorgezogen werden. Übungen in Ruhe sind nicht empfehlenswert, da sie die Hypotonie verschlimmern können. Eine ideale Balance zwischen Ruhe und Bewegung liefern die „Acht-Brokat-Übungen“ im Sitzen. Für Übungen in Bewegung eignen sich insbesondere die ersten drei Formen aus dem „Spiel der Fünf Tiere“ im Sitzen, die „Acht-Brokat-Übungen“ im Stehen oder die „Kranich-Übungen“ im Sitzen.[31]

Mit den „Kranich-Übungen“ lässt sich durch die Möglichkeit der gezielten sammelnden und zuführenden Ausführung so eine gute Basis schaffen, dass im Anschluss eine betonte Entfaltung nach oben möglich werden kann. Von der Übung der „Sechs Laute“ ist besonders der Laut hu, der den FK Milz und Magen zuzuordnen ist, der dem FK Herz entsprechende Laut ke und der dem FK Niere zugeordnete Laut chuyu empfehlenswert. Erst ab einer gewissen Festigkeit im unteren Körperbereich sollten die Laute geübt werden. Bei der Übung der Laute sind die sammelnden und zuführenden Aspekte zu betonen. Die Ein- und Ausatmung sollte gleich lang sein und der Laut leise bis lautlos geübt werden. Damit Qi und Xue ausreichend nach oben entfaltet werden können, das Yang dynamisiert und der Körper erwärmt wird, sind die „Acht-Brokat-Übungen“ im Stehen geeignet. Mit diesen Übungen können die FK Milz und Magen aufeinander abgestimmt, das Yang des FK Milz nach oben entfaltet, das Feuer des FK Herz vertrieben, das Yang des FK Niere gestärkt und der FK Niere und die Hüfte gestützt werden.[32]

Koronare Herzerkrankungen

Koronare Herzerkrankungen werden in der chinesischen Medizin in folgende Kategorien unterteilt: Qi-Blockaden im Thoraxbereich, Brustschmerzen, Qi-Obstruktion des Herzens, Schmerzen aufgrund von Zurückweichen des FK Herz und echte Herzschmerzen. Sie zeichnen sich durch Blockaden des Qi und Xue aus, die mit Kälte und Schleim einhergehen. Möglich ist zudem eine energetische Schwäche des Yin der FK Niere und Herz oder des Yang der FK Herz und Milz. Ursachen von Koronaren Herzerkrankungen können neben Kälte, Schleim und Unausgewogenheit der Emotionen auch das Alter des Yang des FK Herz sein. Typische Symptome sind Schmerzen auf der Brust, Beklemmungsgefühl, Schweregefühl auf der Brust, Kurzatmigkeit, Schlafstörungen etc.[33]

Der therapeutische Ansatz fußt in der Dynamisierung des Qi- und Xue-Flusses und der Auflösung der Stasen. Das Yang der FK Niere, Herz und Milz wird erwärmt oder das Yin der FK Niere und Herz werden gestützt. Unter Umständen muss das Yang des FK Leber abgesenkt und besänftigt werden. Die FK Milz und Magen sind zu kräftigen, falls eine Belastung durch Schleim vorliegt. Der Schleim soll ausgeleitet und umgewandelt werden.[34]

Falls eine energetische Schwäche im Vordergrund steht, ist mit Übungen zur Sammlung der Vorstellungskraft oder mit einfachen Entspannungsübungen anzufangen, die sitzend oder liegend durchzuführen sind. Die „Kranich-Übungen“ können mittels absenkender und anhebender Armbewegungen die FK Niere und Milz stärken und die Durchgängigkeit der Leitbahnen in den Armen und in der Brust unterstützen. Von den Übungen der „Sechs Laute“ ist der dem FK Herz zugeordneten Laut ke und der dem FK Niere zugeordneten Laut chuyu empfehlenswert. Es ist sinnvoll, alle sechs Laute zu üben und im Anschluss daran gezielt die Laute ke und chuyu zu widerholen. Die Übungen aus dem „Spiel des Bären“ des „Spiels der Fünf Tiere“ bieten eine gute Balance zwischen Stützen der FK Niere, Herz und Milz und Bewegung. Bei einer wenig körperlichen Belastung werden Qi und Xue bewegt und die Armbewegungen im mittleren Körperbereich ausgeführt.[35]

Fazit

Das Alter ist kein Grund, um auf Qigong-Übungen mit dem Ziel der Wiederherstellung der Gesundheit oder der Gesunderhaltung zu verzichten. Wenn die Übungen in der richtigen Art und Weise praktiziert und ihre Prinzipien beachtet werden, können eine Reihe von positiven Veränderungen des Körpers bewirkt werden.[36]

Gerade für ältere Menschen stellt Qigong eine Möglichkeit dar, um das eigene Sein und Veränderungen, die mit dem älter werden verbunden sind, zu beeinflussen und um den Gesundheitszustand zu verbessern. Voraussetzung ist aber, dass bei den Älteren sportliche Aktivität und Motivation vorhanden sind. Die mit den Qigong-Übungen gemachten Erfahrungen und das Erleben des eigenen Körpers, der eigenen Beweglichkeit und Kraft steigern das Ich-Gefühl und die eigene Sicherheit.[37]

Qigong kann dabei helfen, die Lebendigkeit sowie die geistige und körperliche Beweglichkeit älterer Menschen zu fördern. Die beim Qigong praktizierten fließenden Bewegungen lösen Erstarrungen und Verspannungen. Bereiche des Körpers, die unbelebt und erschlafft waren, werden vom Qi durchströmt und können sich dadurch erwärmen, besser empfunden und in das eigene Körperbild integriert werden. Die Lust, sich zu bewegen, sich auszudrücken und zu leben, wird angeregt.[38]

Die Ausübung des Qigong in der Gruppe fördert den Kontakt mit anderen und holt die Älteren aus der Isolation. Die Übungen können verändert und für verschiedene Situationen angepasst werden. Damit kann in jedem gesundheitlichen Zustand Qigong ausgeübt werden. Es ist festzuhalten, dass Qigong das seelische und körperliche Wohlbefinden positiv beeinflusst, was dazu verhelfen kann, ein hohes Alter zu erreichen.[39] Durch das Zusammenwirken der beim Qigong geübten Trainingsaspekte Entspannung, Ausdauer, Kraft, Koordination, Beweglichkeit, Geschwindigkeit, Dehnung und Reaktion kann die Fitness und die Gesundheit bis ins hohe Alter erhalten werden.[40]

Literatur

Basler, H.-D./Grassl, C./Griessinger, N./Heinrich, R./Nehen, H.G./Siegel, R. (1999): Schmerz im Alter Band 1: Grundlagen der schmerztherapeutischen Versorgung älterer Menschen. Lukon: Puchheim.

Blum, U. (2006): Übungen des Qigong – das Werkzeug des weisen Menschen. In: Noll, A./Ziegler, B.: Der ältere Patient in der chinesischen Medizin. Elsevier: München, S. 241-261

Düwal, H. (2006): Qigong in der Geriatrie – Aufrichtung und Beweglichkeit im Alter. In: Noll, A./Ziegler, B.: Der ältere Patient in der chinesischen Medizin. Elsevier: München, S. 263-267

Engelhardt, U./Zumfelde-Hüneburg, C. (2007): Erkrankungen des Herzens und des Kreislaufs. In: Engelhardt, U./Hildenbrand, G./Zumfelde-Hüneburg, C.: Leitfaden Qigong. Gesundheitsfördernde und therapeutische Übungen der chinesischen Medizin. Elsevier: München, S. 99-111.

Noll, A./Ziegler, B. (2006): Der ältere Patient in der chinesischen Medizin. Elsevier: München

Plötz, M. (2006): Qigong (auch für Bettlägerige). In: Noll, A./Ziegler, B.: Der ältere Patient in der chinesischen Medizin. Elsevier: München, S. 175-192.

Statistisches Bundesamt (2003): Bevölkerungsentwicklung Deutschlands bis zum Jahr 2050. Pressemitteilung 6.Juni 2003.

Zumfelde-Hüneburg, C. (1994): Einfluss der Qigong-Übungsmethode „Tuna“ auf Parameter der Kreislauf- und Atemfunktion. In: Zeitschrift für Qigong Yangsheng. 1994, S. 13-19.

Zumfelde-Hüneburg, C. (2004): Qigong Yangsheng in der Schmerztherapie. Deutsche Zeitschrift für Akupunktur. 47/1, S. 18-24.

Zumfelde-Hüneburg, C. (2007): Qigong mit Senioren – auf festem Fuß ins hohe Alter. In: Engelhardt, U./Hildenbrand, G./Zumfelde-Hüneburg, C.: Leitfaden Qigong. Gesundheitsfördernde und therapeutische Übungen der chinesischen Medizin. Elsevier: München, S. 317-323.

Zumfelde-Hüneburg, C./Hüneburg, H. (1996): Auswirkungen der Qigong-Übungsmethode „Tuna“ auf Energieverbrauch und Atmung. In: Zeitschrift für Qigong Yangsheng. 1996, S. 51-55.

Weiterführende Literatur

Krafft, C. (1998): Fallbericht über die Arbeit mit Qigong Yangsheng bei einer Patientin mit Bluthochdruck. In: Zeitschrift für Qigong Yangsheng. 1998, S. 69-70.

Hofmann, I. (1999): Qigong Yangsheng in der Bewegungstherapie bei koronarer Herzerkrankung. In: Zeitschrift für Qigong Yangsheng. 1999, S. 105-106.

Ritter, C. (2000): Qigong Yangsheng als Zusatztherapie bei Bluthochdruck im Vergleich zu einer westlichen Entspannungstherapie. Eine randomisierte, kontrollierte Pilotstudie. In: Zeitschrift für Qigong Yangsheng. 2000, S. 82-87.

Wersche, K. (1994): „Frühe“ klinische Studien aus China über den Effekt von Qigong bei Asthma bronchiale, Ulcus ventriculi et duodeni und Hypertonus. In: Zeitschrift für Qigong Yangsheng. 1994, S. 42-49.

Qigong mit geistig behinderten Schülern.
Das Spiel der Tiere nach Prof. Jiao Guorui
von Anne Merz
2010

Wenn wir die Menschen nur nehmen, wie sie sind,
so machen wir sie schlechter;
wenn wir sie behandeln, als wären sie, was sie sein sollten,
so bringen wir sie dahin, wohin sie zu bringen sind.
(Johann Wolfgang von Goethe)

Geistige Behinderung - Was bedeutet dieser Begriff?

Heinz Bach 1976

Als geistigbehindert gelten Personen, deren Lernverhalten wesentlich hinter der auf das Lebensalter bezogenen Erwartung zurückbleibt. Dies ist gekennzeichnet durch ein dauerndes Vorherrschen des anschauend-vollziehenden Aufnehmens, Verarbeitens und Speicherns von Lerninhalten sowie eine Konzentration des Lernfeldes auf direkte Bedürfnisbefriedigung, was sich in der Regel bei einem Intelligenzquotienten von unter 55/60 findet. Geistig Behinderte sind zugleich im sprachlichen, emotionalen und motorischen Bereich beeinträchtigt und bedürfen dauernd umfänglicher pädagogischer Maßnahmen. (1)

Juristische Definition in Deutschland

Im bundesdeutschen Recht wird die Behinderung im Sozialgesetzbuch IX (§ 2 Abs. 1) so festgelegt: Menschen sind behindert, wenn ihre körperliche Funktion, geistige Fähigkeit oder seelische Gesundheit mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate von dem für das Lebensalter typischen Zustand abweichen und daher ihre Teilhabe am Leben in der Gesellschaft beeinträchtigt ist. Sie sind von Behinderung bedroht, wenn die Beeinträchtigung zu erwarten ist.

Schulgesetz für Schulen mit dem Förderschwerpunkt ganzheitliche Entwicklung

In den Richtlinien der Schulen mit dem Förderschwerpunkt ganzheitliche Entwicklung (im folgenden Förderschule genannt) steht zum Recht auf schulische Bildung folgendes:

Kinder und Jugendliche zwischen sechs und achtzehn Jahren haben in unserem Land das Recht, verbunden mit der Pflicht, eine systematische Unterstützung ihrer Entwicklung in Anspruch zu nehmen. Ihre Fähigkeiten, ihre Möglichkeiten sollen genutzt, ihre Kenntnisse und Handlungsmöglichkeiten ausdifferenziert und ihre sozialen und emotionalen Anlagen vertieft werden. (2)

Lehrplan der Förderschule für ganzheitliche Entwicklung

Der Lehrplan der Förderschule fordert psychomotorische Bewegungserziehung als wichtiges Lern-, Erfahrungs- und Bewährungsfeld, in dem im besonderen Maße auch soziale Kompetenzen vermittelt werden können:

- Zur Entwicklung von Wahrnehmungs- und Orientierungsfähigkeit und zur Freude an der eigenen Bewegung
- Zur Förderung von Eigenaktivität, Fantasie und der Koordinationsfähigkeit
- Zur Herausbildung einfacher Bewegungsmuster und zur Überwindung körperlicher Hemmungen/Beeinträchtigungen
- Zur Überwindung von sprachlichen Hemmungen, zur Anbahnung von Partner- und Gruppenfähigkeit und zum Informationsaustausch
- Zur Bewältigung von emotionalen Konflikten, Aggressionen, Misserfolgserlebnissen u.a.m
- Der Auswahl und der Einhaltung von Spielregeln, des fairen Umgangs miteinander und Schaffung eines sozialen Wohlbefindens

Motorische Kompetenzen sind grundlegend und unentbehrlich für die Ausführung komplexerer Bewegungen und Alltagshandlungen sowie für alle sportlichen Aktivitäten.

Dies ist nicht durch bloße motorische Ertüchtigung und physiotherapeutische Funktionsübungen zu erreichen. Vielmehr ist es erforderlich, dass das Kind über bzw. durch Bewegung sich und seine Umwelt wahrnimmt. Den eigenen Körper kann ein Kind nur erfahren und erleben, ein Bewusstsein davon entwickeln, wenn es sich bewegt oder bewegt wird und dabei seinen Körper und dessen einzelne Teile in unterschiedlichen Lagen und im Rahmen vielfältiger Handlungen wahrnimmt. Hinzu kommen soziale und emotionale wie auch kognitive und kommunikative Prozesse. (2)

Eigene Erfahrungen

Die defizitäre Sicht, wie Bach 1976 geistige Behinderung definiert, die hauptsächlich das Nicht-Können beschreibt, möchte ich so im Schulalltag nicht aufrechterhalten.

Von ökologischen Ansätzen wissen wir, dass sich menschliche Entwicklung, und damit auch geistige Behinderung, dynamisch im Austausch von Individuum und Umwelt vollzieht. Aus dieser Sicht besteht Behinderung in gestörter
Integration des betreffenden Menschen in sein Umfeldsystem.

So entwickeln sich auch geistig behinderte Kinder dynamisch im Austausch mit ihrem Umfeld. Durch verbesserte Umfeldbedingungen kann ein Mensch demnach weniger behindert sein als zuvor.

Auch geistig behinderte Schüler und Schülerinnen haben sehr viele Ausdrucksmöglichkeiten und Fähigkeiten ihren Alltag zu gestalten. Sie unterscheiden sich aber in Tempo und Intensität der Verarbeitung der angebotenen Lerninhalte deutlich von der Gruppe der gleichaltrigen normalbegabten Schüler.

Geistig behinderte Kinder lernen unter anderem, durch Nachahmung und emotionale Koppelung an ihre sozialen Bezugspersonen. So hat der Lehrer/die Lehrerin zunächst die Aufgabe durch Empathie das Vertrauen des Kindes zu gewinnen, um so den Schulalltag zu gestalten, und ein angenehmes Lernklima zu schaffen.

Daraus ergibt sich für mich die Aufgabe, jede(n) einzelne(n) SchülerIn individuell zu akzeptieren, den aktuellen Wissens- und Könnensstand zu eruieren und ein Konzept zur Förderung zu entwickeln.

Seit vielen Jahren übe ich Qigong und habe immer wieder kleine Übungen wie Hände reiben, Gesicht waschen, Ohren reiben, Haare kämmen und sammeln im Dantian in meiner Klasse mit Schülern zwischen acht und zwölf Jahren praktiziert. Dabei konnte ich feststellen, dass schon nach recht kurzen Übungsphasen (circa 5 Minuten) die Konzentration und Ausdauer meiner SchülerInnen bei nachfolgenden kognitiven Aufgaben deutlich zunahm. Dadurch ermutigt, wählte ich zunächst einfache Übungen aus dem Lehrsystem des Qigong Yangsheng von Professor Jiao Guorui und „erfand“ dazu Geschichten (kursiv), die den Kindern ermöglichten sich mit den Bewegungsabläufen vertraut zu machen und sich damit zu identifizieren. Anhand von Bildern, Fotos oder konkreten Gegenständen konnten die Schüler „begreifen“ was sie darstellten.

Methodik und Didaktik

Zum Stundenaufbau und der Methodik des Lehrens muss das besondere Lernverhalten der Schüler berücksichtigt werden.

1. Sie sind überwiegend sachverhaftet ansprechbar:
- Angebotene Inhalte müssen real begreifbar gemacht werden.

2. Sie sind vor allem sensorisch und motorisch aufnahmebereit:
- Inhalte müssen anschaulich dargestellt und vermittelt werden
- Bewegungsmuster müssen „erarbeitet“ werden, oft fehlt Bewegungserfahrung.

3. Sie benötigen spezielle Führung:
- Die Kinder brauchen die positive Zuwendung des Lehrers
- Sie benötigen häufige Motivation zur Weiterarbeit
- Die Vorhaben müssen in kleine Schritte gegliedert/strukturiert werden
- Ziele müssen für die Kinder erreichbar sein – Erfolgserlebnisse sind wichtig.

4. Sie besitzen eine sehr gemäßigte Lerndynamik:
- Die Lernprozesse sind verlangsamt
- Die Lernprozesse sind zeitlich begrenzt
- Die Lernprozesse sind verflacht.

5. Sie benötigen permanente Anregung:
- Sie besitzen einen eigenen Lernrhythmus
- Sie benötigen häufige Übungen, Wiederholungen, bis hin zum Einschleifen.

6. Sie sind oft motorisch gestört:
- Sie besitzen häufig ein verlangsamtes Bewegungstempo
- Es treten oft Mängel in der Bewegungskoordination auf
- Sie haben meist Schwächen in der Bewegungsgenauigkeit.

Qigong-Übungen

Kiefer

Nachdem wir uns in der Natur verschiedene Bäume, auch Kiefern angeschaut hatten, konnten die Schüler sich Fotos, Baumpuzzle, Zeichnungen und Bücher ansehen und auch malen.

Danach forderte ich die Kinder auf, im Raum einen Baum darzustellen. Beim gegenseitigen Betrachten stellten wir fest, dass jeder „Baum“ anders aussah. Arme und Hände nach unten oder oben. Füße eng aneinander oder nur auf einem Fuß stehen usw. Nach dieser Phase des Ausprobierens kam dann das Üben des korrekten Stehens.

Manche Schüler benötigten am Anfang Hilfe zum festen Stehen. So beschaffte ich Fußsohlen aus Teppichboden, auf denen die Schüler stehen konnten. Dadurch konnte ich den Abstand der Füße zueinander vorgeben, und auch für die Kinder die Orientierung im Raum erleichtern. Nach dieser Vorbereitung „unten fest – oben leicht“ konnte die Geschichte beginnen.

Kurzinformation zur Kiefer

Die Kiefer ist ein Nadelbaum, der in nördlichen, gemäßigten Zonen der Erde wächst. Es gibt über 80 Arten. Bei uns sind Föhre und Latsche heimisch. (6)

Auf einer Wiese steht eine wunderschöne große Kiefer. Ihre Wurzeln sind ganz tief in die Erde gewachsen. So kann der Baum nach oben wachsen und trotzdem fest auf der Wiese stehen. Die Kiefer reckt die Äste nach oben (Hände und Arme) um sich der Sonne entgegen zu strecken. Ganz weit und hoch wachsen die Äste. Spürt ihr schon die warmen Sonnenstrahlen? Die Kiefer freut sich. Da kommt ein leichter Wind, der die Äste hin und her bewegt, auch ein wenig auf und ab. Die Wurzeln (Füße) bleiben fest in der Erde, auf dem Boden. Aus dem leichten Wind wird plötzlich ein Sturm. Die Kiefer schaukelt hin und her, nach vorn und zurück, aber die Füße bleiben fest stehen, Die Kiefer fällt nicht um. Der Sturm lässt nun wieder nach und die Kiefer steht noch immer fest auf der Wiese. Als es Abend wird sinken die Äste langsam nach unten. (Arme seitlich nach unten, Handflächen zur Hosennaht) Die Kiefer ruht sich nun aus. Die Äste bewegen sich nur noch ganz wenig nach außen und wieder zurück.

Die Geschichte kann beliebig erweitert oder gekürzt werden, je nach Aufnahmebereitschaft und Durchhaltevermögen der SchülerInnen. So kann es noch regnen oder schneien. Es kann ein Gewitter kommen. Ein Schmetterling oder ein Vogel landet im Baum u.s.w.

- Im weiteren Verlauf können einzelne Kinder selbst eine kleine Geschichte erfinden
- Es kann ein kleiner Wettbewerb entstehen: Wer kann am längsten wie eine Kiefer stehen?

Beobachtung und Auswertung der Kiefer

Während dieser Übungen konnte ich sehr gut beobachten, wie Kinder, die vorher oft unruhig im Klassenraum umherstreifen, nun über einen längeren Zeitraum ruhig auf einem vorgegebenen Platz stehen konnten. Das feste Stehen vermittelte ihnen Sicherheit im Raum. Sie konnten sich gut mit der Kiefer identifizieren, kamen dadurch zur Ruhe und nahmen ihre Beine und Füße anders als gewohnt wahr.

Qigong Übungen ermöglichen dem Kind, den eigenen Körper oder einzelne Körperteile ganz bewusst und intensiv wahrzunehmen, und vor allem sich im Rahmen der eigenen Möglichkeiten zu bewegen oder sich in einer Position zu halten.

Im Gegensatz zur Krankengymnastik (die notwendig ist und von mir nicht in ihrer Auswirkung angezweifelt wird), wo die Kinder eher passiv durchbewegt, einzelne Muskeln und Sehnen gedehnt werden, können die Kinder sich beim Qigong mit den Übungen identifizieren. Das Kind selbst wird „Kiefer“. So kann ein intensiver Bezug zum eigenen Körper gefunden werden.

Vor allem nach dem Üben der Kiefer konnte ich beobachten, dass SchülerInnen besser in der Lage waren beide Füße fest auf dem Boden zu lassen – auch bei anderen Gelegenheiten. Das verbessert die aufrechte Haltung, ein korrektes Körperschema kann so aufgebaut werden, und die Kinder haben auch noch Spaß daran.

Diese Erfahrung ermutigte mich, klassenübergreifend eine Arbeitsgemeinschaft (AG) für Qigong Yangsheng, nach dem Lehrsystem von Professor Jiao, mit dem Inhalt „das Spiel der 5 Tiere“ anzubieten. Die SchülerInnen an unserer Schule können sich jeweils für ein Schulhalbjahr eine AG auswählen. Es arbeiteten drei Schüler und drei Schülerinnen in dieser AG mit.

Qigong Yangsheng klassenübergreifend

Das Spiel der fünf Tiere nach Professor Jiao Guorui (3). Mit Einbeziehung verschiedener Ideen aus dem Buch Qigong in der Schule (5).

Vorbereitung

Da sich die Gruppe nur vierzehntägig in der Turnhalle trifft, halte ich es für besonders wichtig die Stunde immer gleichbleibend zu gestalten. Wir beginnen also immer mit dem Ritual des Abklopfens, stehen dann wie eine Kiefer, und enden nach dem Abschluss immer mit: Reibe die Shenshu (Nieren), schließe den Daimai (Kräftegürtel), reibe das Dantian (Bauch) und schließlich Sammeln im vorderen Dantian. Danach legen sich die Schüler auf eine Wolldecke, ruhen in Stille oder mit leiser Musik im Hintergrund. Wenn wir noch genügend Zeit haben, können sich die Schüler gegenseitig in der entsprechenden Tierform massieren. (Diese „Massage“ wurde vorher erarbeitet.) Die SchülerInnen genießen diese Ruhephase sehr. Ganz zum Schluss werden sie von mir mit dem Gong einer Klangschale wieder „geweckt“. Wichtig ist auch, dass der Lehrer die Übungen korrekt vormacht. Die Schlüsselpunkte für Qigong und für das Spiel der fünf Tiere sollten dem Lehrenden bekannt sein, und den SchülerInnen vermittelt werden. Bei geistig behinderten Kindern geschieht dies am besten durch Nachahmung. Durch wiederholtes Üben können auch Haltungsfehler oder Bewegungsmuster verbessert werden, die Freude am Spiel der Tiere gilt es aber vorrangig zu erhalten. Deshalb gilt für alle Geschichten das Prinzip:

- Das Vorgegebene muss nicht exakt eingehalten werden, sondern auch auf spontane Einfälle der SchülerInnen sollte reagiert werden können
- Hier können und dürfen SchülerInnen ihre Fantasie zum Teil ausleben. Qigong bietet den Kindern eine Chance sich zu profilieren, die vielleicht beim Gebrauch der Kulturtechniken – Lesen, Schreiben, Rechnen – weniger stark sind. Auch verbale Fähigkeiten müssen nicht im Vordergrund stehen – vormachen genügt
- Als pädagogische Wirkung ist zu nennen: Qigong baut Stress ab, verbessert den Lernzustand und fördert die Gesundheit.

[...]


[1] Vgl. Statistisches Bundesamt 2003 zit. in: Zumfelde-Hüneburg 2007, S. 317.

[2] Vgl. Zumfelde-Hüneburg 2007, S. 317.

[3] Vgl. Basler et al. 1999 zit. in: Zumfelde-Hüneburg 2007, S. 317.

[4] Vgl. Zumfelde-Hüneburg 2007, S. 317.

[5] Einen vertieften Einblick in Qigong-Übungen für ältere Menschen gibt Blum (2006, S. 241ff).

[6] Vgl. Zumfelde-Hüneburg 2007, S. 322f.

[7] Vgl. Zumfelde-Hüneburg 1994; Zumfelde-Hüneburg/Hüneburg 1996; Zumfelde-Hüneburg 2007.

[8] Vgl. Plötz 2006, S. 179; Zumfelde-Hüneburg 2007, S. 318; dazu auch Düwal 2006, S. 263.

[9] Vgl. Zumfelde-Hüneburg 2007, S. 318f.

[10] Vgl. Plötz 2006, S. 178.

[11] Vgl. Zumfelde-Hüneburg 2007, S. 319.

[12] Vgl. Plötz 2006, S. 178.

[13] Vgl. Plötz 2006, S. 178ff; Zumfelde-Hüneburg 2007, S. 319f.

[14] Vgl. Zumfelde-Hüneburg 2004 zit. in: Zumfelde-Hüneburg 2007, S. 320; auch in Plötz 2006, S. 179.

[15] Vgl. Plötz 2006, S. 179f.

[16] Vgl. Zumfelde-Hüneburg 2007, S. 320f.

[17] Vgl. Zumfelde-Hüneburg 2007, S. 321.

[18] Vgl. Zumfelde-Hüneburg 2007, S. 321.

[19] Vgl. Düwal 2006, S. 263.

[20] Vgl. Düwal 2006, S. 263f.

[21] Vgl. Düwal 2006, S. 264.

[22] Vgl. Düwal 2006, S. 265.

[23] Zu Beschwerden und Krankheiten im Alter im Bezug zur allgemeinen chinesischen Medizin gibt der Sammelband von Noll/Ziegler (2006) Auskunft.

[24] Zu den Wirkungen des Qigong in diesen Bereichen ausführlich Plötz 2006, S. 181ff.

[25] Vgl. Engelhardt/Zumfelde-Hüneburg 2007, S. 103f.

[26] Vgl. Engelhardt/Zumfelde-Hüneburg 2007, S. 104.

[27] Vgl. Engelhardt/Zumfelde-Hüneburg 2007, S. 104.

[28] Vgl. Engelhardt/Zumfelde-Hüneburg 2007, S. 104f.

[29] Vgl. Engelhardt/Zumfelde-Hüneburg 2007, S. 99f.

[30] Vgl. Engelhardt/Zumfelde-Hüneburg 2007, S. 100.

[31] Vgl. Engelhardt/Zumfelde-Hüneburg 2007, S. 100.

[32] Vgl. Engelhardt/Zumfelde-Hüneburg 2007, S. 101.

[33] Vgl. Engelhardt/Zumfelde-Hüneburg 2007, S. 108.

[34] Vgl. Engelhardt/Zumfelde-Hüneburg 2007, S. 108.

[35] Vgl. Engelhardt/Zumfelde-Hüneburg 2007, S. 109.

[36] Vgl. Düwal 2006, S. 263.

[37] Vgl. Plötz 2006, S. 192.

[38] Vgl. Zumfelde-Hüneburg 2007, S. 323.

[39] Vgl. Zumfelde-Hüneburg 2007, S. 323.

[40] Vgl. Plötz 2006, S. 177.

Ende der Leseprobe aus 109 Seiten

Details

Titel
Qigong – Alternative Heilmethode und neuer Therapieansatz
Autoren
Jahr
2014
Seiten
109
Katalognummer
V268675
ISBN (eBook)
9783656588757
ISBN (Buch)
9783956871252
Dateigröße
2238 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
qi gong, tai chi, yoga, entspannung
Arbeit zitieren
Christian Kunow (Autor)Anne Merz (Autor)Angela Kowsky (Autor), 2014, Qigong – Alternative Heilmethode und neuer Therapieansatz, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/268675

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