Von Pferden und Kokosnüssen. Das Ritterbild in „Monty Python and the Holy Grail“.


Hausarbeit (Hauptseminar), 2012

37 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Die Ausrüstung
2.1 Die Schutzausrüstung der Ritter
2.2 Die Bewaffnung
2.3 Pferde und Kokosnüsse

3. Benehmen und Verhalten der Ritter
3.1 Das ritterliche Streben
3.2 Die Ritter der Tafelrunde
a) Der strahlende Herrscher - König Artus
b) Weisheit und Gerechtigkeit - Sir Bedevere
c) Sündenfreiheit - Sir Galahad
d) Tapferkeit und religiöser Dienst - Sir Lancelot und Sir Robin

4. Fazit

5. Quellen

6. Literaturangaben

7. Anhang

1. Einleitung

Das moderne Mittelalterbild besticht durch zahlreiche Vorstellungen, Träume und Fantasien unserer Zeit, die mit der historischen Wirklichkeit des Mittelalters vermischt werden.[1] Maurice Keen spricht in ähnlicher Weise von Bildern „vor dem geistigen Auge“[2], die den Menschen gemeinhin einfallen, wenn sie an mittelalterliche Ritter denken: Ritter in voller Rüstung, möglicherweise mit dem roten Kreuz der Kreuzfahrer, kriegerische Abenteuer in fremden Ländern, Bürgen mit hohen Türmen und schönen Frauen, die in diesen wohnen.[3] Der Ritter gilt daher in der heutigen Wahrnehmung als „Ehrfurcht gebietende Erscheinung“[4] des Mittelalters, die aufgrund ihres strengen Verhaltenskodexes und ihrer glanzvollen (Aus-) Rüstung eine gehobene Stellung in der Gesellschaft innehatte. Das stets zur Verfügung stehende Pferd und die schwere Bewaffnung verstärkten diese Wirkung noch. Ursprünglich gab es für den Ritter im Mittelalter mehrere Begriffe, die zwar synonym verwendet werden konnten, aber durchaus unterschiedliche Aspekte des Ritters betonten. Die Bezeichnung „miles“ stammt beispielsweise aus der Antike und bezeichnete dort den Fußsoldaten. Da diese Begriffsdefinition auf den mittelalterlichen mit seinem Pferd nicht mehr zutraf, unterschied man bald zwischen dem „miles“ als berittenem Kämpfer und dem „pedites“ als dem klassischen Fußsoldaten. Hier zeigt sich folglich ein Bedeutungswandel beim Begriff „miles“, der an das mittelalterliche Attribut des Beritten-Seins angepasst wurde.[5] Eine weitere verbreitete Bezeichnung für den Ritter war der Begriff „chevalier“, der vom Lateinischen „caballorius“ abstammt und die enge Verbindung zwischen Ritter und Pferd verdeutlicht. Hier steht, ähnlich wie beim mittelhochdeutschen Begriff „rîter“ oder „ritter“ die Ausstattung der Person mit einem Pferd im semantischen Vordergrund, doch bezogen sich die Begriffe in den allermeisten Fällen nicht auf „normale“ berittene Krieger, sondern lediglich auf die adligen Ritter. Neben diesen Eigenschaften des Reiters und des Kriegers kam jedoch noch ein weiteres Merkmal in den Bezeichnungen des Ritters zum Vorschein, nämlich der Dienstgedanke beziehungsweise die Aufgabe als gehobene Verwaltungseinheit in einem regional begrenzten Gebiet. Diese Eigenschaften des Ritters wurden zwar mit der Zeit in die bestehenden Begriffe integriert, doch es gab auch weitere Möglichkeiten, diesen Aspekt besonders hervorzuheben. Zu nennen ist hierbei der Begriff „ministerialis“, der zwar synonym zum mittelalterlichen „miles“ benutzt werden konnte, doch eher auf den Dienst- und Verwaltungsgedanken abzielt.[6]

Im Film Monty Python and the Holy Grail der britischen Komikergruppe Monty Python werden die Ritter durchweg als „knights“ bezeichnet, was dem deutschen Begriff „Ritter“ entspricht. Der Film wurde im Jahr 1975 veröffentlicht und war der vierte gemeinsame Film von Graham Chapman, John Cleese, Eric Idle, Terry Gilliam, Terry Jones und Michael Palin. Der Film parodiert die Erzählung von König Artus und der Suche nach dem Heiligen Gral.[7] Er spielt im Jahr 932[8], also etwa fünf Jahrhunderte später als die eigentliche Sage, im mittelalterlichen England.[9] In diesem Film reitet König Artus durch England, um Ritter zu finden, die ihn an seinen Hof nach Camelot begleiten möchten. Nachdem sich ihm einige Ritter angeschlossen haben, erscheint ihnen Gott und beauftragt sich mit der Suche nach dem Heiligen Gral. Im Zuge dieser Aufgabe erleben die Ritter zahlreiche Abenteuer, manche allein, manche in der Gruppe, bis schließlich nur noch Sir Bedevere und Artus zu einer besetzten Burg gelangen. Als sie diese Burg stürmen wollen, werden sie von einer Gruppe vorbeifahrender Polizisten verhaftet.

Die Ritter der Tafelrunde sowie König Artus stehen im Zentrum der Handlung des Films, weshalb gerade ihr Aussehen und ihr Verhalten das Bild prägt, welches der Zuschauer durch diesen Film vom Mittelalter aufnimmt. Daher soll in dieser Arbeit untersucht werden, wie die Ritter äußerlich und charakterlich dargestellt werden, was ihre Handlungsmotive sind und wie sie ausgewählte Situationen zu bewältigen versuchen. Da es sich bei diesem Film um eine satirische Komödie handelt, müssen auch die zahlreichen Brechungen und Überzeichnungen klischeebehafteter Darstellungen in die Analyse mit einfließen, wobei dieser Punkt jedoch eher im Hintergrund bleiben soll.

Problematisch an der Quellenlage zum Krieg im Mittelalter ist, dass die Texte oftmals tendenziös geschrieben waren, mitunter eindeutige Lügen waren oder zu Propagandazwecken formuliert und daher häufig fern der Realität gehalten waren.[10] Daher wird für diese Arbeit in erster Linie auf wissenschaftliche Literatur zurückgegriffen, die sich ausgiebig mit den mittelalterlichen Quellen beschäftigt hat, um den aktuellen Stand der Forschung zum Thema des Ritterbildes zu beleuchten.

2 .Die Ausrüstung

2.1 Die Schutzausrüstung

Die Kleidung der Ritter im Mittelalter orientierte sich in der Regel ähnlich dem heutigen Maßstab an dem Anlass, zu dem sie sich kleideten. Aufgrund der Tatsache, dass in dieser Arbeit die wissenschaftlichen Erkenntnisse mit dem Bild der Ritter in Monty Python and the Holy Grail in Bezug gesetzt werden sollen, wird im folgenden Abschnitt ausschließlich auf die Kleidung der Ritter zu Turnieren oder in Kriegseinsätzen eingegangen. Beachtet werden muss außerdem, dass sich die Ausrüstung im Laufe des Mittelalters teilweise stark gewandelt hat, weshalb hier auch bestimmte Entwicklungen dargestellt werden sollen.

Zur Panzerung der Ritter besteht in der Wissenschaft weitestgehend ein Konsens über die Verbreitung und die Form der Ausstattung im Mittelalter. Viele Hinweise hierauf geben die mittelalterlichen Texte, aber auch erhaltene Bildzeugnisse wie der Teppich von Bayeux[11] oder im Codex Manesse[12].

Typisch für einen Ritter, der sich im Einsatz bei einem Turnier oder in einem Krieg befand, ist seine charakteristische Rüstung. Sein Körper war im Hochmittelalter in der Regel bedeckt von einem Kettenhemd, welches aus einer großen Zahl ineinander verhakter Metallringe bestand.[13] Dieses Hemd schützte den Ritter im Kampf recht effektiv vor Stichverletzungen und ermöglichte aufgrund der Kettenkonstruktion eine weitgehend freie Bewegung. Über dem Kettenhemd wurde zudem ein Waffenrock getragen.[14] Zu Beginn des 13. Jahrhunderts wurde die Rüstung des Ritters allmählich deutlich verstärkt. Der Plattenharnisch stellte von der Panzerung her eine deutliche Weiterentwicklung für den Ritter dar, denn diese Rüstung umgab den Körper vollständig mit Metall und bot obendrein noch verstärkten Schutz gegen Hiebwaffen, gegen die das Kettenhemd aufgrund seiner Flexibilität nur sehr begrenzt schützen konnte.[15] Der Preis für diese verstärkte Panzerung des Ritters war jedoch eine allmähliche Reduktion seiner militärischen Effizienz. Der Ganzkörperpanzer bot zwar deutlich mehr Schutz als das Kettenhemd, er schränkte jedoch die Beweglichkeit des Ritters sehr stark ein.[16]

Eine ähnliche Entwicklung zeigte sich bei einem weiteren Rüstungsgegenstand, dem Helm des Ritters. Der Helm schützte den Kopf vor Verletzungen, war zu Beginn des Mittelalters jedoch im Gesichtsfeld, abgesehen von einem Nasenbügel, weitestgehend offen, so dass eine recht gute Sicht gewährleistet und das Gehör nur wenig beeinträchtigt war.[17] Mit Einführung des Plattenharnischs wurde auch der Schutz des Kopfes verstärkt, indem man sogenannte Topfhelme oder Beckenhauben einführte. Diese boten für den Kopf einen Rundumschutz, allerdings auf Kosten von Sicht und Gehör. Es gab zwar oftmals ein Visier, welches bei Bedarf hochgeklappt werden konnte, doch musste dieses aus Sicherheitsgründen im Kampf geschlossen bleiben. Ein kleiner Sehschlitz schränkte die Sicht aus dem Helm sehr stark ein. Zudem wurde durch den Helm die Atmung sehr stark erschwert, da lediglich einige wenige Atemlöcher in die Kopfpanzerung eingelassen wurden. Dies beeinträchtigte wohl ebenfalls die Effizient des Ritters im Kampf.[18]

Zusätzlich zur Panzerung trugen die Ritter in der Regel noch einen Schild zur Abwehr von Schlag- und Stoßangriffen. Dieser Schild bestand aus Holz, welches mit Metallbeschlägen verstärkt wurde und oftmals mit Leder überzogen war. Bei der Größe des Schilds gab es deutliche Unterschiede. So waren die Schilde im Hochmittelalter nahezu mannshoch und schützten somit fast den gesamten Körper. Im Spätmittelalter setzten sich jedoch kleinere Schilde durch, die wohl eine höhere Flexibilität boten.[19]

Die Ausrüstung der Ritter im Film von Monty Python entspricht weitestgehend den wissenschaftlichen Erkenntnissen, wie sie bisher dargestellt wurden, obgleich ihre Kleidung sich durchaus untereinander unterscheidet. Eine angemessene Gegenüberstellung der Ritter der Tafelrunde findet sich bei Zeitindex 26:51 min, auf die sich die folgende Beschreibung der Ritter bezieht.

Die einzige Gemeinsamkeit bei der Schutzausrüstung, die die Ritter der Tafelrunde und König Artus tragen, ist die Kettenrüstung zum Schutz ihres Körpers sowie der Waffenrock, den sie über der Rüstung tragen. Abgesehen hiervon sind alle Ritter unterschiedlich gekleidet und ausgestattet. König Artus‘ Waffenrock ist weiß und zeigt eine goldene, lachende Sonne, welche möglicherweise für das bereits in der Antike bekannte Symbol des Sol Invictus, also des unbesiegbaren, gottgleichen Herrschers steht und seinen von einer höheren Macht vergebenen, selbstverständlichen Herrschaftsanspruch und seine Führungsrolle wiederspiegelt. Er trägt keinen Schild und als Helm lediglich einen Kronenhelm, wie er auch im Mittelalter durchaus zu finden war.[20] Sein Kopf ist unterhalb seiner Stirn unbedeckt. Unter der Krone trägt er zusätzlich zum Schutz des Halses eine Haube aus dem gleichen Kettenstoff wie die Körperrüstung.

Der Rock von Sir Bedevere ist im Bereich des Oberkörpers oberhalb einer Linie von der linken Taille bis zur rechten Schulter blau gefärbt und zeigt einen weißen Baum, der für seine Verbundenheit zu Wissenschaft und Natur steht, welche er mehrfach unter Beweis stellt.[21] Dieses Symbol findet sich auch auf dem Schild wieder, welchen er bei sich trägt. Zum Schutz des Kopfes trägt Sir Bedevere einen schwarzen Helm, der zwar den Kopf gänzlich umschließt, allerdings eine große Gesichtsöffnung hat, die mit einem vergitterten Visier verschlossen werden kann. Die Vergitterung des Visiers ist so großzügig, dass sie weder bei einer Unterhaltung stört, noch die Sicht merklich behindert. Dennoch hebt Sir Bedevere das Visier in Gesprächen regelmäßig an.[22]

Sir Robins Waffenrock ist rot-weiß kariert und zeigt auf Brusthöhe ein Huhn , welches für seine Furcht und die damit verbundene Feigheit steht.[23] Er trägt wie Sir Bedevere einen Schild, der das Symbol auf seiner Brust trägt, allerdings trägt er keinen Helm, sondern lediglich eine Haube aus Kettenstoff über dem Kopf.

Sir Galahad trägt wie König Artus einen weißen Waffenrock, doch ist auf diesem ein großes, rotes Kreuz abgebildet, wie auch auf seinem Schild. Das große Kreuz ist allerdings kein Hinweis auf seine Herkunft als Kreuzritter[24], sondern verweist auf die religiöse Enthaltsamkeit, die in seiner Person einen besonderen Ausdruck findet. Eine Kopfbedeckung fehlt ihm.

Sir Lancelot trägt schließlich einen Waffenrock, der auf der linken Körperhälfte weiß und auf der rechten Körperhälfte schwarz ist. Auf seiner Brust als auch auf seinem Schild prangt ein silberner Drache, welcher für den Mut und den kriegerischen Charakter von Sir Lancelot steht. Zum Schutz des Kopfes trägt er wie Sir Robin eine Kettenhaube.

Trotz der unterschiedlichen Ausrüstung ähneln sich die Ritter der Tafelrunde sehr. Die Kettenrüstung und der Waffenrock bilden hier das verbindende Element, da sie zugleich die größten Elemente der Kleidung der Ritter darstellen. Die unterschiedliche Kopfbedeckung ist zwar auffallend, beeinträchtigt jedoch nicht das Bild der mittelalterlichen Ritter. Aufgrund dieser Bekleidung lassen die Ritter sich in das wissenschaftliche Bild des Hochmittelalters einordnen, in welchem Kettenrüstungen und Kopfbedeckungen mit tendenziell weniger starker Sichtbeeinträchtigung vorherrschten.

Neben den Rittern der Tafelrunde treten jedoch noch andere Ritter in „Monty Python and the Holy Grail“ auf. Einen Kontrast zu den fünf Hauptpersonen des Films bildet der Schwarze Ritter.[25] Er trägt eine vollständig schwarze Ausrüstung, was äußerlich keinerlei Rückschlüsse auf seine Rüstung zulässt. Ein Plattenharnisch kann aufgrund seiner Beweglichkeit und seines äußeren Erscheinungsbildes jedoch ausgeschlossen werden. Aufgrund der schweren Verletzungen, die ihm König Artus scheinbar mühelos zufügen kann – der Schwarze Ritter verliert beide Arme und beide Beine – liegt der Verdacht nahe, dass er unter seinem Waffenrock keine Rüstung trägt. Auf seiner Brust ist ein orange-roter Drachenkopf abgebildet, welcher wie bei Lancelot seinen Mut und seine Tüchtigkeit, aber auch seine Gefährlichkeit darstellen soll.[26] Er trägt einen schwarzen Helm, der seinen Kopf vollständig umschließt und lediglich ein paar wenige Atemlöcher und einen Sehschlitz nach vorne bietet. Ein Visier scheint der Helm ebenfalls nicht zu besitzen. Dieser Ritter unterscheidet sich merklich von den Rittern der Tafelrunde. Diese tragen eher helle Farben und eine deutlich erkennbare Rüstung, während der Schwarze Ritter scheinbar keine Rüstung trägt und vollständig in schwarz gekleidet ist. Dafür erinnert der Helm deutlich stärker an die Schutzkleidung der Ritter aus dem Spätmittelalter.

Einen weiteren Kontrast zur Tafelrunde um König Artus stellen die französischen Ritter dar, auf die der englische Rittertrupp mehrmals trifft. Sie tragen einen Kettenpanzer, aber darüber außerdem noch eine mit Metallnieten gespickte Lederrüstung. Als Helm tragen sie einen Spangenhelm, wie er im Mittelalter durchaus üblich war.[27] Die äußerliche Farbe der französischen Ritter ist grau-schwarz, was wiederum im Kontrast zu den mehr oder weniger hellen Rittern der Tafelrunde steht.

Die Kleidung der Ritter in Monty Pythons Film entspricht im Wesentlichen den wissenschaftlichen Erkenntnissen zum Ritterbild im Hoch- und Spätmittelalter. Zwar ist jeder Ritter individuell gekleidet und unterschiedlich stark gerüstet, dennoch ergibt sich für den Betrachter ein weitestgehend homogenes Bild der Ritter. Zusätzlich wird durch die farbliche Gestaltung der Ausrüstung ein Hinweis auf die zugewiesene Rolle der Ritter gegeben. Die Ritter um König Artus werden in recht hellen Farben dargestellt mit Ausnahme des recht brutalen Lancelot, der halb weiß, halb schwarz gekleidet ist. Die Ritter, mit denen sich Artus und seine Männer auseinandersetzen müssen, sind hingegen in deutlich düsterere Farben gekleidet und bilden so ein optisches Gegenstück zu den Gralsrittern.

2.2 Die Bewaffnung

Die Hauptwaffe des Ritters war nach wissenschaftlichen Erkenntnissen die Lanze. Diese wurde beim Angriff auf den Gegner vom Pferd aus als Stich- oder Rammwaffe benutzt oder aber auf etwas größere Entfernung als Wurfwaffe eingesetzt. Die Lanze bot durch ihre Länge einerseits die Sicherheit, nicht zu allzu nahe an den Gegner heranreiten zu müssen, und andererseits war sie aus der erhöhten Position gegenüber dem eher kurzen Schwert im Vorteil.[28] Das Schwert wurde vom Ritter als Sekundärwaffe geführt und in der Regel erst dann eingesetzt, wenn er von seinem Pferd herabgestiegen war. Das Schwert hatte einen kurzen Griff und eine gerade Parierstange; Griff und Knauf waren häufig verziert, was darauf hinweist, dass das Schwert nicht nur einen praktischen, sondern auch einen symbolischen Wert hatte.[29]

Die Bewaffnung der Ritter in Monty Pythons Film ist sehr einfach gehalten. Die Hauptwaffe, die im Film zum Einsatz kommt, ist das Schwert. Jeder Ritter trägt ein Schwert bei sich und ist auch mehr (Lancelot) oder weniger (Robin) gewillt, es häufig einzusetzen. Die Lanze kommt im Film nicht vor, was jedoch wohl dem Umstand geschuldet ist, das die Ritter nicht auf Pferden reiten, sondern sich zu Fuß fortbewegen. Das Schwert wird in der Regel in seiner gewohnten Funktionsweise als Hiebwaffe benutzt, der Schwarze Ritter nutzt es jedoch auch als Wurfwaffe im Kampf gegen den unbekannten Ritter, wodurch es diesen durch dessen Sichtschlitz im Visier durchbohrt.[30] In diesem Zweikampf kommen noch weitere Waffen zum Einsatz. Der unbekannte Ritter nutzt neben seinem Schwert einen Morgenstern[31] und eine Streitaxt. Von beiden Waffen ist bekannt, dass sie im Mittelalter durchaus verbreitet waren und in kriegerischen Auseinandersetzungen zum Einsatz kamen.[32] Die außergewöhnlichste Waffe, die im Film Verwendung findet, ist die Heilige Handgranate von Antiochia, die der Mönch Bruder Maynard aus dem Gefolge der Artusritter mit sich führt und mit derer Hilfe das Killerkaninchen vor der Höhle von Caerbannog besiegt wird. Diese Waffe ist ein Anachronismus im Film, da Granaten in der Kriegsführung europäischen Mittelalter keine Anwendung fanden.

Angesichts des Umstandes, dass die Ritter in Monty Python and the Holy Grail nicht auf Pferden reiten, sondern zu Fuß unterwegs sind, scheint es vertretbar, dass die eigentliche ritterliche Hauptwaffe, die Lanze, hier nicht benutzt wird. Stattdessen greifen die Ritter in der Mehrzahl direkt auf das Schwert zurück, welches für den Kampf am Boden konzipiert war. So ist die Darstellung der Bewaffnung der Ritter zwar sehr eintönig, aber sie orientiert sich, abgesehen von der Handgranate von Antiochia, an wissenschaftlichen Erkenntnissen und Darstellungen in Quellen.

2.3 Von Pferden und Kokosnüssen

Der Begriff Ritter sowie sein mittelalterliches Synonym Chevallier weisen direkt darauf hin, dass es sich hierbei um eine Person handelt, die beritten ist.[33] Das Pferd ist folglich neben der Rüstung und der Bewaffnung das stärkste äußerliche Zeichen für einen Ritter. Es verleiht dem Ritter in der Schlacht eine erhöhte Position, es bietet eine den Fußsoldaten bei weitem überlegene Agilität, Flexibilität und Schnelligkeit und durch die Kraft des Pferdes beim Ritt gegen den Feind auch eine nicht zu verachtende Durchschlagskraft.[34] Im Ritterturnier kam das Pferd ebenfalls zum Einsatz. Häufig besaß ein Ritter nicht nur ein Pferd, sondern mehrere, und war auch häufig mit zwei Pferden unterwegs, wenn er sich in die Schlacht begab oder reiste. Ein Pferd diente hierbei als Lastentier, welches Teile der Ausrüstung des Ritters transportierte, das andere Pferd fungierte im Ernstfall als Streitross. Ein Knappe, der den Ritter häufig begleitete, war für die Pflege der Tiere und für den Transport von Schild und Lanze verantwortlich.[35] Verlor der Ritter in der Schlacht sein Pferd, beispielweise durch einen Unfall oder durch eine Verwundung oder den Tod des Tieres, war er, auch im Hinblick auf die Einschränkung von Bewegung und Wahrnehmung, die die Rüstung mit sich brachte, sehr verwundbar. Eine schnelle Flucht aus gefährlichen Situationen, wie sie das Pferd bot, war nicht mehr möglich, und auch die vorteilhafte Position war nicht mehr gegeben. Stellte sich ein Ritter seinem Feind im Kampf ohne Pferd galt dies daher als besonderes Zeichen für Mut und Entschlossenheit.[36] Dennoch war das Pferd für den Ritter ein nahezu unverzichtbares Element seines Wesens.

[...]


[1] Vgl. Clauss, Martin, Ritter und Raufbolde. Vom Krieg im Mittelalter. Darmstadt 2009, S. 7.

[2] Vgl. Keen, Maurice, Das Rittertum. München, Zürich 1991, S. 7-8.

[3] Vgl. ebd.

[4] Vgl. Clauss (2009), S 113.

[5] Vgl. Bumke, Joachim, Höfische Kultur. Literatur und Gesellschaft im hohen Mittelalter. 11. Aufl., München 2005, S. 65.

[6] Vgl. Bumke (2005), S. 65-66.

[7] Vgl. Malory, Thomas, Die Geschichte von König Artus und den Rittern seiner Tafelrunde. 3 Bände, Frankfurt am Main 1998.

[8] Die exakte Einblendung im Film ist 93² A.D.; vgl. Sequenz 2, Zeitindex 0:02:04.

[9] Der britische Historiker Maurice Keen schätzt, dass das mittelalterliche Rittertum auf die Zeit 1100 – 1500 zu beschränken ist, weshalb an dieser Stelle bereits kritisch angemerkt werden muss, dass der Film von Monty Python sowie die Sage um König Artus keine korrekten mittelalterlichen Rittererzählungen sein können. Da die Darstellung der Ritter in „Monty Python and the Holy Grail“ sich jedoch sehr am mittelalterlichen Ritterbild orientiert, soll dieser Widerspruch in dieser Arbeit außen vor gelassen werden. Vgl. Keen (1991), S. 7.

[10] Vgl. Clauss (2009), S. 138.

[11] Vgl. Darstellungen des Teppichs von Bayeux, siehe http://hastings1066.com/baythumb.shtml.

[12] Vgl. Darstellungen der Liederhandschrift auf der Internetseite der Universitätsbibliothek Heidelberg, siehe http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/cpg848

[13] Vgl. Fleckenstein, Josef, Rittertum und ritterliche Welt. Berlin 2002, S. 175.

[14] Vgl. ebd.

[15] Vgl. ebd.

[16] Vgl. ebd., S. 177.

[17] Vgl. ebd., S. 175.

[18] Vgl. Keen (1991), S. 338.

[19] Vgl. Fleckenstein (2002), S. 176.

[20] Vgl. Bumke (2005), S. 216.

[21] Vgl. Sequenz 6.

[22] Vgl. ebd.

[23] Siehe auch die Textzeile im Lied des Troubadours in Sir Robins Gefolge: „Yes, brave Sir Robin turned about // and gallantly he chickened out.“ ; vgl. Sequenz 12, Zeitindex 0:33:48.

[24] Zumindest lässt sich eine derartige Interpretation nicht aus dem Kontext des Films herleiten.

[25] Vgl. Sequenz 5.

[26] Es handelt sich beim Schwarzen Ritter um einen Gegenspieler von König Artus, dem er die Passage durch den Wald verweigern möchte.

[27] Vgl. Fleckenstein (2002), S. 175

[28] Vgl. ebd., S. 176

[29] Vgl. ebd.

[30] Vgl. Sequenz 5, Zeitindex 0:11:20 – 0:11:25.

[31] Vgl. Gamber, O.: s.v. „Morgenstern“, in: Lexikon des Mittelalters 1993, Bd. VI, Sp. 839-840.

[32] Vgl. Abbildung des Teppich von Bayeux, zu finden unter http://de.wikipedia.org/wiki/Teppich_von_Bayeux (Quelle durch Abgleich mit den Fotografien auf http://hastings1066.com/baythumb.shtml verifiziert.)

[33] Vgl. Bumke (2005), S. 66.

[34] Diese Vorteile sind nicht erst seit dem Mittelalter bekannt, sondern werden schon von den berittenen Reiternomaden der (Spät-)Antike berichtet, vgl. Scharlipp, W.-E.: Die frühen Türken in Zentralasien. Eine Einführung in ihre Geschichte und Kultur. Darmstadt 1992, S. 6.

[35] Vgl. Fleckenstein (2002), S. 178.

[36] Vgl. Clauss (2009), S. 120.

Ende der Leseprobe aus 37 Seiten

Details

Titel
Von Pferden und Kokosnüssen. Das Ritterbild in „Monty Python and the Holy Grail“.
Hochschule
Universität des Saarlandes  (Historisches Institut)
Veranstaltung
Die moderne Mittelalter-Rezeption
Note
2,3
Autor
Jahr
2012
Seiten
37
Katalognummer
V268682
ISBN (eBook)
9783656589785
ISBN (Buch)
9783656600800
Dateigröße
3663 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
ritterbild, monty, python, holy, grail, Ritter der Kokosnuss
Arbeit zitieren
Patrik Grün (Autor), 2012, Von Pferden und Kokosnüssen. Das Ritterbild in „Monty Python and the Holy Grail“., München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/268682

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