Mediendidaktische Analyse einer Radiosendung

Am Beispiel von Faustschlag am 09.12.2010 auf mephisto 97.6


Hausarbeit, 2010

23 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Sendung im Überblick

3 Die Nachrichten

4 Die Themen in der Übersicht

5 Die Lage der Leipziger Verkehrsbetriebe: Telefoninterview

6 Situation am Leipziger Hauptbahnhof: Gebaute Reportage

7 Filmtips am Kinotag: KollegenInnengespräch

8 CD der Woche: Moderation und Interview

9 Was ist Kultur wert?  Beitrag mit Einbledungen

10 Fazit

1 Einleitung

In der vorliegenden Arbeit wird eine einstündige Radiosendung des Lokalsenders der Uni­versität Leipzig mephisto97.6 unter mediendidaktischen Gesichtspunkten analysiert. Dazu gebe ich zunächst einen Überblick über das Format der Sendung und gehe anschließend kurz auf die zu analysierenden Themen ein. In den darauffolgenden Kapiteln widme ich mich den einzelnen Beiträgen der Sendung und setze mich anhand  mediendidaktischer Rahmenpunkte mit ihnen auseinander. Dazu betrachte ich die drei Determinanten in der Mediendidaktik: Ziel, Inhalt und Methode. Die Mediendidaktik befasst sich mit Fragen der Mediengestaltung und- auswahl. Die Analyse betrachtet demnach sowohl Darstellungs­form wie auch Umsetzung der einzelnen Themen. Analysiert werden die Moderationen, die Beiträge und der Nachrichtenblock, die Schlagzeilen hingegen werden vernachlässigt. Innerhalb der Untersuchung werde ich Schwachstellen und Problematiken herausstellen und auf dieser Grundlage Verbesserungsvorschläge machen. Um Widerholungen zu ver­meiden, wird nicht jeder Beitrag zum Anfang explizit  nach den Rahmenpunkten Ziel, In­halt und Methode aufgearbeitet. Eine Analyse der drei Punkte erfolgt in der fortlaufenden Untersuchung, um einen logischen Zusammenhang darzustellen. Zum Abschluß der Arbeit werden in einem Fazit die aufgestellten Thesen zusammengefasst und kurz diskutiert.  Die zu analysierende Sendung ist eine Stunde des zweistündigen Magazins Faustschlag und endet daher nicht nach einer Stunde. Ein Ausstieg aus der Sendung mit Verabschiedung findet also nicht statt und kann daher nicht in die Analyse miteinbezogen werden.

2 Die Sendung im Überblick: Format und Themen

Der Faustschlag ist das Vormittagsmagazin auf dem Lokalsender der Universität Leipzig mephisto 97.6. Das Magazin geht Werktags zwischen zehn und zwölf Uhr auf Sendung und bietet dem Hörer, sowohl aktuelle wie auch spezielle Themen. Das Spektrum reicht von lokaler Kultur und Politik, über Jugendarbeit und Sport bis hin zu wissenschaftlichen Themen. Im Faustschlag werden alle Darstellungsformen des Rundfunks genutzt. Themen können sowohl in gängigen Formen wie dem Beitrag mit Einblendungen oder der gebauten Reportage aufgearbeitet werden, als auch in spezielleren Formen wie dem Feature (Mini-Feature) oder der Glosse. Im Faustschlag gibt es spezielle Rubriken die in jeder Sendung thematisch bearbeitet werden wie das Tagesaktuelle oder die CD der Woche. Innerhalb dieser Vorgaben ist der Faustschlag individuell und offen gestaltbar, da er sich nicht wie das Abendmagazin Direkt nur mit tagesaktuellen Geschehnissen beschäftigt. Jedoch müs­sen sowohl Faustschlag wie auch Direkt ihre Themen mit einem lokalen Bezugspunkt be­trachten. Mephisto97.6 ist ein Lokalsender der nur innerhalb Leipzigs auf UKW zu hören ist, daher werden die Themen nach Lokalität rausgesucht und bearbeitet.

Die zu analysierende Sendung, ist die erste Stunde Faustschlag vom 09.12.2010. Die Si­tuation in Leipzig war zu der Zeit stark von den schlechten Wetterbedingungen geprägt. Die Kälte und die gefrierende Nässe hatten den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPVN) der Stadt am Abend des 08.12.2010 lahm gelegt. Die Leipziger Verkehrsbetriebe(LVB) konnten zeitweise überhaupt keine Trams einsetzen und die Busse fuhren unregelmäßig. Am Morgen der Sendung hatte sich die Situation des ÖPVN in Leipzig nicht verändert. Daher war die Situation der LVB Aufmacher Thema der Sendung. Es wurde zum einen ein Telefoninterview mit dem Sprecher der LVB gemacht zum anderen eine gebaute Repor­tage über die Situation der LeipzigerInnen und des Berufsverkehrs.

Auf dem dritten Sendeplatz folgt eine feste Kategorie im Faustschlag die Kinotips. Hierzu führen ModeratorIn und KollegIn ein Studiogespräch über den vorzustellenden Film. An diesem Tag ging es um die italienische Produktion: „Was will ich mehr“. Im Gespräch werden sowohl Informationen über den Film gegeben als auch Kritik geübt.

Der nächste Beitrag ist die sogenannte CD der Woche. Auch dieses Format ist ein fester Sendeplatz beim Faustschlag. Die CD der Woche besteht an vier Tagen der Woche aus Moderation und Song. An Donnerstagen wird das Album genauer vorgestellt, das kann durch Interviews oder Studiogesprächen mit der Band oder durch ein Kollegengespräch mit dem oder der zuständigen MusikredaktuerIn geschehen. An diesem Donnerstag, hat die Moderatorin der Sendung ein Interview mit der Band geführt. Der Beitrag besteht aus Mo­deration, Interview und Song.

Auf dem fünften und letzten Sendeplatz der Stunde ist ein Beitrag mit Einspielern (BmE) zum Thema: Was ist Kultur wert? Zu hören. Der Beitrag betrachtet das Thema Kulturwert in Leipzig mal unter einem anderen Gesichtspunkt. Im BmE wird die Diskussionsplattform Fachschaftsrat Theaterwissenschaft trifft vorgestellt und mit einem der Verantwortlichen über Kultur in Leipzig zu Zeiten der Kulturetatkürzungen gesprochen.

3 Der Einstieg mit Opener und Nachrichten

Der Faustschlag beginnt mit dem Opener von mephisto 97.6. Da das Lokalradio der Uni­versität Leipzig kein Vollprogramm anbietet sondern täglich vier Stunden auf den Fre­quenzen von RSA in Leipzig sendet, dient der Opener den HörerInnen zur Einordnung und signalisiert das für die kommenden zwei Stunden mephisto 97.6 auf dieser Frequenz sen­det. Danach folgt ein Jingle, der auf die aktuelle Uhrzeit und die kommenden Nachrichten verweist. Da mephisto 97.6 sowohl morgens als auch abends zur vollen Stunde on Air geht, sind die Nachrichten immer der Einstieg in die Sendung. Mephisto 97.6 ist ein  Lo­kalradio, deswegen sind die Nachrichten immer aus der Region oder haben einen lokalen Bezug. Dieser Bezug kann durch in Leipzig ansässige ExpertInnen als O-Ton Geber ver­stärkt werden. Oftmals kann er aber auch durch ein Runterbrechen des nationalen oder internationalen Themas auf die Region Leipzig erreicht werden. Weitere Merkmale der mephisto 97.6 Nachrichten sind die konstante Form der Präsentation, sowie die nach dem Lead-Satz-Prinzip aufgebauten Nachrichten. Zunächst stellt sich der oder die Nachrichten­sprecherIn namentlich vor und nennt die Nachrichtenthemen und das Wetter in der Über­sicht. Anschließend folgen die Themen im Einzelnen. Für die Themenübersicht werden klassisch drei Themen ausgewählt, in der zu analysierenden Sendung sind es die Themen: Schneechaos sorgt für Behinderungen in der Stadt, neuer Streitpunkt um  Outletcenter in Wiedemar und Bacharchiv erhält wertvolle Sammlung. Die Topnachricht an dem Morgen und damit auch an erster Stelle, ist das große Schnee- und Verkehrschaos in Leipzig. Die Nachricht übersteigt die übliche Länge einer Hörfunknachricht, da sie sowohl informiert, wie auch den HörerInnen einen Service bietet. Auch der typische Aufbau vom Lead-Satz-Prinzip, bei dem er erste Satz (Lead-Satz)  auf den Kern des Themas hinweist, im zweiten Satz die Quelle nennt, danach auf Einzelheiten und schließlich auf Hintergründe eingeht wird bei dieser Nachricht nicht stringent verfolgt. Die Meldung beleuchtet mehrer Teile des Themas.  Zunächst weist der Lead-Satz der Nachricht: „Vereiste Straßen und bis zu 20 Zentimeter Neuschnee haben am Morgen zu Behinderungen im Berufsverkehr geführt.“[1], auf die aktuellen Geschehnisse in Leipzig hin und stellt einen unmittelbaren Bezug zu den HörerInnen her. Im weiteren Verlauf werden genaue Behinderungen genannt, zum Beispiel im Bahnverkehr, welche durch eine Quellenangabe gestützt werden. Nach dem Nah- und Fernverkehr wird auf den öffentlichen Personennahverkehr in Leipzig eingegangen. Die Meldung verweist zusätzlich auf die Geschehnisse am vergangenen Abend, an dem mehrer Trams ausgefallen sind und Busse nur unregelmäßig fuhren. Durch dieses Einordnung werden auch die HörerInnen in Kenntnis gestezt, die noch nichts von der Lage mitbekom­men haben. Anschließend wird die momentane Lage geschildert und Zukunftsprognosen gestellt.  Die Nachricht enthält einen O-Ton vom Sprecher der LVB Reinhard Bohse, der über die Geschehnisse informiert und eine Aussicht für den Tag gibt. Der O-Ton Geber und auch der O-Ton sind sehr gut gewählt, da sie Authentizität und Aktualität bieten. Der Sprecher der LVB kann  die Lage der LVB authentischer beschreiben als die Nachrichten­sprecherin es in diesem Moment könnte. Die Nachricht hatte das Ziel, den ZuhörerInnen die aktuellen Geschehnisse darzustellen und über den Verlauf zu informieren, sowie eine Prognose für den öffentlichen Personennahverkehr im Laufe des Tages zu geben. Umge­setzt wurde dies durch eine  ungewöhnlich lange Nachricht mit O-Ton. Auf Grund der da­maligen akuten Lage im ÖPVN ist der erste Nachrichtenplatz, sowie die Länge der Mel­dung innerhalb von Lokalnachrichten gerechtfertigt. Jedoch bereitet der Lead-Satz die Hö­renden nicht auf die Menge an Informationen vor, die im Laufe der Meldung folgen. Damit verschenkt die Nachricht eventuell von vornherein Aufmerksamkeit und ZuhörerInnen. Weiterhin könnte die Länge der Meldung zu Unverständnis führen, da sie zu viele Infor­mationen enthält und am Ende der Nachricht die Hörenden die Details vom Anfang wieder vergessen haben.

Die zweite Meldung an dem Tag beginnt mit dem Lead-Satz: „ Die Stadt befürchtet nega­tive Auswirkungen wenn das Factory Outletcenter in Wiedemar Leipzig Halle genannt werden sollte.“[2] Im zweiten Satz nennt die Nachrichtensprecherin die Stadt als Quelle und versucht den Zusammenhang herzustellen. Jedoch verspricht sie sich während ihrer Aus­führungen und beginnt danach nicht am Satzanfang sondern in der Mitte des Satzes. Die HörerInnen können deswegen den Inhalt der Meldung schwer nachvollziehen, da sie dem Gehörten nicht so schnell folgen können. Im weiteren Verlauf der Meldung werden die Einzelheiten und Hintergründe durch einen Aufsager dargestellt. Dieser wird von der Nachrichtensprecherin mit den Worten: „Mit den Einzelheiten Ben Hännchen.“[3] eingelei­tet. Im Aufsager werden klassisch Zusammenhänge und Hintergründe dargestellt jedoch unabhängig vom Lead-Satz-Prinzip der Nachrichten. Bei dieser Meldung einen Aufsager zu benutzen bietet sich an, damit die HörerInnen zunächst einordnen können worum es in dieser Auseinandersetzung überhaupt geht. In dem Aufsager erklärt Hännchen die Ansicht der Stadt, die nicht wolle das, dass Ouletcenter nach Leipzig benannt würde. Er führt die Gründe der Stadt zur Erklärung der Haltung an. Dabei wird auch auf Kaufkraft in Leipzig und die befürchtete Konkurrenz durch das Outletcenter verwiesen. Der Aufsager und in diesem Fall auch die Nachricht endet mit der Information, dass das Outletcenter im April 2011 gebaut werden soll. Die Meldung vermittelt den HörerInnen durchaus den Streitpunkt und die Ansicht der Stadt Leipzig, lässt sie aber über weitere Geschehnisse im Unklaren.  Die LeipzigerInnen erfahren weder, wer diese Entscheidung zu treffen hat, noch welche Schritte die Stadt Leipzig nun einschlägt.

Die dritte Nachricht des Tages beschäftigt sich mit dem Beginn eines Prozesses gegen den ehemaligen Chef der Kommunalen Wasserwerke (KWL). Im Lead-Satz wird der Umstand benannt, das am Nachmittag des Tages der zweite Prozess gegen den  KWL-Chef Klaus Heininger beginnt. Erst im darauffolgenden Satz folgt die Erklärung, das Heininger wegen Bestechlichkeit angeklagt ist. Generell ist der Grund ein Fakt, der in den Leadsatz muss, jedoch sind die Fakten schon seit Tagen in der Berichterstattung von mephisto 97.6 gewe­sen. So baut die Nachricht schon auf alte Gegebenheiten auf, von deren Wissen der HörerInnen ausgegangen wird. Der Aufbau der Meldung geht in diesem Fall davon aus, dass die LeipzigerInnen wissen das der ehemalige KWL-Chef angeklagt wurde und des­halb eine Einordnung erst im zweiten Satz genügt. Der Lead-Satz dient in der Meldung, dafür die neuen Umstände als erstes und als Kern zu präsentieren. Das Ziel der Nachricht ist es die HörerInnen darüber zu informieren, dass ein zweiter Prozess um den ehemaligen KWL-Chef am Nachmittag des Tages beginnt und das gelingt mit dem Lead-Satz. Die darauffolgenden Informationen dienen zur Einordnung in das gesamte Verfahren. Mit Be­zug zu der Quelle wird im zweiten Satz der Prozessgegenstand genannt. Danach folgt eine Information über einen weiteren Angeklagten, den ehemaligen Stadtkämmerer sowie die genauen Anklagepunkte der Staatsanwaltschaft. Die Meldung ist logisch strikt und ver­ständlich aufgebaut und erfüllt ihr Ziel der Information über aktuelle Entwicklung mit an­schließender Einordnung.

Nachricht vier an diesem Tag, beschäftigt sich mit einer Sammlung die dem Bacharchiv zur Verfügung gestellt wird. Im Lead-Satz informiert die Meldung das, dass Archiv eine wertvolle Sammlung zur Familie des Komponisten erhält. Im zweiten Satz folgt unter Be­nennung der Quelle, in diesem Fall das Bacharchiv, die Erklärung das es sich um eine pri­vate Sammlung eines New Yorkers handelt. In den darauffolgenden Sätzen werden Ein­zelheiten zur Leihgabe und Inhalt der Sammlung gegeben. Abschließend wird gesagt, dass die Sammlung noch nie der Öffentlichkeit gezeigt wurde und in zwei Wochen in Leipzig eintrifft. Die Meldung zielt darauf ab, den Hörenden zu vermitteln, dass dem Bacharchiv eine wertvolle Sammlung zur Verfügung gestellt wird. Das brisante an der Meldung ist jedoch, das diese Sammlung noch nie der Öffentlichkeit präsentiert wurde und gerade deswegen wertvoll und bedeutend für das Leipziger Bacharchiv ist. Diese Information er­folgt jedoch erst am Ende der Meldung wo sie unter Umständen, wie zum Beispiel Zeit­mangel, hätte weggekürzt werden können. Die Information hätte logisch im zweiten Satz erfolgen könne, in welchem das Archiv als Quelle und der Besitzer, seine Herkunft und Beruf genannt wurde. Der Beruf des Sammlers, hat durchaus weniger Informationsgehalt und Bedeutung für die Nachricht, als der Fakt, dass die Sammlung noch nie öffentlich ge­zeigt wurde. Mit dem Aufbau der Nachricht wurde die Gewichtung der Information falsch gesetzt und die Bedeutung der Sammlung geht in den zuletzt genannten Einzelheiten unter.

[...]


[1] Kohlmann: Faustschlag vom 09.12.2010. 00 min. 45 sec.

[2] Kohlmann: Faustschlag vom 09.12.2010. 02 min. 01 sec.

[3] Kohlmann: Faustschlag vom 09.12.2010. 02 min. 17 sec.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Mediendidaktische Analyse einer Radiosendung
Untertitel
Am Beispiel von Faustschlag am 09.12.2010 auf mephisto 97.6
Hochschule
Universität Leipzig
Veranstaltung
Radio: Mediendidaktik
Note
1,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
23
Katalognummer
V268718
ISBN (eBook)
9783656597551
ISBN (Buch)
9783656597599
Dateigröße
511 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Radio, mephisto97.6, Mediendidaktik, Radioanalyse, Radiosendung
Arbeit zitieren
BA Julia Böhm (Autor:in), 2010, Mediendidaktische Analyse einer Radiosendung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/268718

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