Auf der UNESCO-Weltkonferenz 2010 in Seoul war die Forderung nach einer fundamentalen und nachhaltigen Berücksichtigung von Kultur in der Erziehung und Bildung
ein Schwerpunkt der Erörterungen. Gefordert wurde insbesondere die ‚Erreichbarkeit von Kultur für jedermann’ sowie eine Bereitstellung einer hohen Qualität in Konzepten und Praxis, die Lösungen für gegenwärtige und zukünftige, soziale und kulturelle Herausforderungen anbieten können.
Dass der kulturellen Bildung bereits seit vielen Jahren im internationalen Bereich und in wissenschaftlichen Konferenzen von Komitees, wie etwa im Internationalen Museumsrat (ICOM), ein hoher Stellenwert zugesprochen wird, versteht sich als Reaktion auf den schnellen und tief greifenden Wandel in vielen gesellschaftlichen Bereichen der westlichen Welt. Im heutigen Zeitalter der Technisierung und der damit einhergehenden beschleunigten
Lebensverhältnisse unterliegen auch die kindlichen Lebenswelten immer schnelleren und vielfältigeren Modernisierungsprozessen. So wachsen Kinder einerseits in einer Informationsgesellschaft auf, in der man heute davon ausgeht, dass sich ihre Disziplinen auf
technischen, naturwissenschaftlichen oder ökonomischen Bereichen alle drei Jahre erneuern. Diese Innovationsgeschwindigkeit hat zur Folge, dass Lernprozesse für soziale und personale Kompetenzen als permanente und lebensbegleitende Weiterbildungsprozesse verstanden werden müssen. Andererseits wachsen Kinder in einer medialisierten Gesellschaft auf, in der
Informationen nicht mehr aus erster Hand übermittelt werden, sondern vielmehr Medien wie Fernsehen, Computer oder Handys der Informations- und Erkenntnisbeschaffung dienen. Einer Studie von JÜRGENS zufolge ist das Fernsehen das anteilig größte Medium, über das die Vermittlung von Erfahrungen aus zweiter Hand überliefert wird. Über das Fernsehprogramm können sich Kinder eine Vielfalt von Verhaltensmöglichkeiten abschauen oder sich durch Computerspiele in andere Lebenswelten versetzen lassen. Der Zugang zur Unmittelbarkeit von Erfahrungen bleibt Kindern aufgrund dieser medialen Fortschrittlichkeit oftmals verwehrt. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung
1.3 Aufbau und Vorgehensweise
2.1 Der traditionelle Lernort Schule
2.2 Der außerschulische Lernort Museum
3. Das Museum als Lernort
3.1 Grundlagen der Museumspädagogik
3.1.1 Begriffsbestimmung: Museumspädagogik
3.1.2 Die historische Entwicklung der Museumspädagogik in der BRD
3.1.3 Pädagogische Potenziale im Museum
3.1.4 Aufgaben der Museumspädagogik
3.1.5 Zur aktuellen Situation der Museumspädagogik
3.2 Die museumspädagogische Didaktik
3.2.1 Das Museum als Lernfeld
3.2.2 Vermittlungsarbeit im Museum
3.2.3 Das Museum in Bezug zur Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen
3.3 Die Diskussion um die Lernziele im Museum
3.3.1 Die Offenheit der Lernziele im Museum
3.3.2 Zur Legitimität von Intentionen im Museum
4.1 Das Porträt des Museums Kalkriese
4.1.1 Das Museumsgebäude
4.1.2 Das Gehöft
4.1.3 Der archäologische Park
4.1.4 Das Besucherzentrum
4.2 Das museumspädagogische Angebot für Schulklassen
4.3 Praktische Umsetzung des Museumsprogramms am Beispiel der Führung ‚Auf den Spuren der Römer und Germanen’
4.3.1 Der Führungsverlauf mit didaktischen Erläuterungen
4.3.2 Einbindungen in das Kerncurriculum
4.4 Die Bedeutung des Museums in Kalkriese für regionale Schulen
5. Lehrer- und Schülerbefragung im Museumspark Kalkriese
5.1 Untersuchungsbeschreibung
5.1.1 Hintergrund der empirischen Untersuchung
5.1.2 Forschungsziel und Forschungsfragen
5.1.3 Untersuchungsanlage und Methode
5.1.4.1 Operationalisierung der Besuchsmotive der Lehrer
5.1.4.2 Operationalisierung der Erwartungen der Lehrer
5.1.4.3 Operationalisierung der zukünftigen Visionen der Lehrer
5.1.4.4 Operationalisierung der Vorkenntnisse der Schüler
5.1.4.5 Operationalisierung der Schülerbewertung des museumspädagogischen Programms
5.1.4.6 Operationalisierung der erworbenen Wissenskompetenzen der Schüler
5.2 Untersuchungsergebnisse
5.2.1 Die Besuchsmotive der Lehrer
5.2.2 Die Erwartungen der Lehrer
5.2.3 Die zukünftigen ‚Visionen’ der Lehrer
5.2.4 Vorkenntnisse der Schüler
5.2.5 Bewertung des museumspädagogischen Programms
5.2.6 Zusammenfassung der Ergebnisse
6. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Museum als außerschulischen Lernort und analysiert die museumspädagogische Didaktik anhand des Beispiels Museumspark Kalkriese. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie durch eine gezielte didaktische Gestaltung museumspädagogische Angebote Lernprozesse initiieren und als Alternative zum traditionellen Schulunterricht fungieren können, wobei insbesondere die Perspektiven von Lehrern und Schülern durch eine empirische Befragung einbezogen werden.
- Museumspädagogik als Bildungsinstitution
- Didaktische Konzepte und Methoden im Museum
- Einbindung in schulische Curricula und Lehrpläne
- Empirische Evaluation von Vermittlungsangeboten
- Die Bedeutung von Regionalmuseen für Schulen
Auszug aus dem Buch
3.2.2.1 Vermittlungsformen im Museum
Vermittlungsformen im Museum dienen als Hilfestellung für informelle Bildungsprozesse, die dem Besucher jederzeit zur Verfügung stehen sollten und die eine individuelle Auseinandersetzung und Aneignung mit den jeweiligen musealen Inhalten gewährleisten müssen.
Die Ausstellung zählt zu den klassischen und zentralen Präsentations- und Vermittlungsformen der Museen. Sie ist durch „Materialität und – untrennbar damit verbunden – durch die so besondere, ganz unmittelbar auf den Betrachter wirkende Kraft, die Aura der Exponate“, gekennzeichnet. Diese ‚Aura’ wird durch Authentizität der Museumsobjekte hervorgerufen, die den Kontakt zwischen den originalen Exponaten und dem Museumsbesucher herstellt. Ausstellungen werden von Präsentationsformen getragen, „die die Authentizität der Exponate weder unangemessen überhöhen, noch diese besondere Qualität verspielen“. Die getroffene Auswahl der Exponate, deren Zusammenstellung sowie die Präsentationsart der Objekte, die vom Stil der Zeit bestimmt wird, können bereits Interpretationen hervorrufen.
Als eine meistverbreitete Vermittlungsform gilt die mündliche Führung, bei der sich die Sprache zwischen das Objekt und den Betrachter schiebt. Die Entschlüsselung durch den sprachlichen Ausdruck führt zu dem Ergebnis der Interpretation. Die personale Vermittlungsform der Führung erstreckt sich „von der rein fachlichen, ohne spezielle pädagogische Intention abgehaltenen und an jedermann gerichteten […] bis zur didaktisch aufbereiteten und spezifisch auf einzelne Zielgruppen zugeschnittenen Führung“. Der Inhalt der Führungen hängt vom jeweiligen Führungsangebot ab. So bieten die Museen Einführungsangebote sowie Führungen an, die vertieft bestimmte Techniken oder Epochen thematisieren. Viele Führungen haben sich in den letzten Jahren dahingehend geändert, dass sie dialogischen Charakter besitzen und die Museumspädagogen die Rolle der vermittelnden Moderatoren einnehmen. Die Interaktion wird dadurch gefördert, dass der Museumsführer mit den ‚Geführten’ in einen Dialog tritt und der Vermittlungsauftrag als Verbindung zwischen dem Museum und dem Besucher aufgefasst wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die steigende Bedeutung kultureller Bildung in einer technisierten Gesellschaft und stellt die Zielsetzung der Arbeit sowie den Aufbau der Argumentation vor.
2. Der Begriff des Lernortes: Dieses Kapitel definiert theoretisch den Begriff Lernort und grenzt ihn von schulinternen Räumen sowie dem spezifischen Lernort Museum ab.
3. Das Museum als Lernort: Hier werden die Grundlagen der Museumspädagogik, didaktische Ansätze der Vermittlung sowie die Bedeutung des Museums für die Lebenswelt von Kindern erörtert.
4. Die museumspädagogische Praxis am Beispiel des Museums Kalkriese: Dieses Kapitel porträtiert das Museum Kalkriese, erläutert die museumspädagogischen Angebote für Schulklassen und zeigt beispielhaft die Einbindung in das Kerncurriculum auf.
5. Lehrer- und Schülerbefragung im Museumspark Kalkriese: Das Kernstück der empirischen Arbeit, in dem die Untersuchungsmethode beschrieben und die Ergebnisse der Befragungen von Lehrern und Schülern detailliert analysiert werden.
6. Schlussbetrachtung: Die Arbeit schließt mit einer Synthese der Ergebnisse, die das Museum als einen unverzichtbaren, eigenständigen Ort des Lernens in der heutigen Bildungslandschaft bestätigt.
Schlüsselwörter
Museumspädagogik, Außerschulischer Lernort, Museumspark Kalkriese, Varusschlacht, Kulturelle Bildung, Vermittlung, Didaktik, Empirische Untersuchung, Schülerbefragung, Lehrerbefragung, Lernprozesse, Aneignung, Kompetenzerwerb, Geschichtsunterricht, Museumsdidaktik.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das zentrale Thema dieser Arbeit?
Die Arbeit untersucht das Museum als außerschulischen Lernort und analysiert die dort stattfindende museumspädagogische Didaktik.
Welches Beispiel wird zur Veranschaulichung herangezogen?
Als praktisches Fallbeispiel dient der Museumspark Kalkriese, der den Ort der historischen Varusschlacht museal aufarbeitet.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Es soll empirisch belegt werden, wie das Museum als Lernort zur Erreichung bildungspolitischer Ziele beiträgt und welche Anforderungen Lehrer und Schüler an dieses Angebot stellen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt einen theoretischen Grundlagenteil sowie eine empirische Untersuchung in Form von Fragebögen, die sowohl Lehrkräfte als auch Schüler nach einem Museumsbesuch ausfüllten.
Welche inhaltlichen Schwerpunkte werden im Hauptteil behandelt?
Themen sind unter anderem die Grundlagen der Museumspädagogik, die Vermittlungsarbeit, der Bezug zur kindlichen Lebenswelt sowie die konkrete didaktische Umsetzung von Führungen im Museum Kalkriese.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die zentralen Konzepte sind Museumspädagogik, außerschulisches Lernen, Kompetenzorientierung und die Verbindung von theoretischer Didaktik mit der schulischen Praxis.
Wie bewerten die befragten Lehrer den Museumsbesuch?
Die Lehrer bewerten das Angebot durchweg positiv, insbesondere hinsichtlich der motivierenden Wirkung auf die Schüler, sehen jedoch keinen Bedarf an einer stärkeren Vernetzung mit dem Museum vor oder nach dem Besuch.
Was ergab die Befragung der Schüler bezüglich des Wissenserwerbs?
Ein Großteil der Schüler gab an, durch den Besuch neues Wissen über die Varusschlacht erworben zu haben und sich nun in der Lage zu sehen, diese Zusammenhänge auch Dritten erklären zu können.
- Arbeit zitieren
- Luisa-Kristina Paetsch (Autor:in), 2011, Das Museum als außerschulischer Lernort. Eine Analyse der museumspädagogischen Didaktik am Beispiel des Museumsparks Kalkriese, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/268875