Krisen gehören genauso zu einem Finanzsystem wie der Aufschwung. Sie betreffen entweder eine einzelne Ökonomie oder die gesamte Weltwirtschaft. Die Weltwirtschaftkrise der 1930er Jahre und die „Dotcom-Blase“ Anfang dieses Jahrhunderts wirkten sich weltweit aus. Dagegen blieb die Bankenkrise in Schweden in den frühen 1990ern oder die Krise der amerikanischen Sparkassen Anfang der 1980er auf die nationale Wirtschaft beschränkt. Auslöser der beiden zu letztgenannten Krisen war die Liberalisierung des Finanzsystems. Seit 2007 beschäftigt die internationale Finanzkrise die Weltwirtschaft.
Seine Ursache hat die Krise in der Niedrigzinspolitik der amerikanischen Notenbank infolge der „Dorcom-Krise“. Das niedrige Zinsniveau ermöglichte u.a. den Erwerb von Immobilien für eine breite Bevölkerungsschicht, der der Immobilienerwerb aus finanziellen Gründen verwehrt blieb. Mittels Strukturierung wurden diese sog. Subprime-Kredite als vermeintlich erstklassische Wertpapiere für ausländische Investoren interessant gemacht. Insbesondere deutsche Landesbanken nutzten für den Erwerb dieser langfristigen Assets extra dafür gegründete Zweckgesellschaften. Die Refinanzierung erfolgte kurzfristig mittels Commercial Papers. Mit dem erhöhten Anstieg von Ausfällen bei Subprime-Krediten schwand die Bereitschaft der Inhaber von Commercial Papers diese erneut zu kaufen. Die Zweckgesellschaften mussten folglich auf zuvor zugesagte Kreditlinien von Finanzinstituten zurückgreifen, wodurch letztere ebenso in den Strudel gezogen wurden. Verstärkend kam hinzu, dass eine Bewertung der komplexen Finanzinnovationen kaum mehr möglich war. Das Fass zum Überlaufen brachte der Zusammensturz der amerikanischen Investment Bank Lehmann Brothers. In Folge dessen sank das Vertrauen der Banken untereinander auf ein sehr niedriges Niveau. Die Zinsen für unbesicherte kurzfristige Bankkredite stiegen rasant an. Die Banken untereinander waren nicht mehr breit sich gegenseitig Geld zu leihen. Der Interbankenhandel kam faktisch zum Erliegen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Bad Bank
2.1. Theoretische Grundlagen
2.2. Das deutsche Modell
3. Kritische Würdigung
3.1. Kritische Betrachtung der volkswirtschaftlichen Bedeutung
3.2. Die schwedische Lösung als möglicher Lösungsansatz
3.3. Lösungsansätze in den USA während der Krise der 1990er Jahre und während der aktuellen Finanzmarktkrise
3.4. Kritische Würdigung des deutschen Modells
4. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Konzept der "Bad Bank" als Instrument zur Bewältigung von Finanzkrisen, insbesondere vor dem Hintergrund des deutschen Finanzmarktstabilisierungsgesetzes und internationaler Erfahrungen.
- Funktionsweise und theoretische Grundlagen von Bad-Bank-Modellen
- Vergleichende Analyse der Ansätze in Deutschland, Schweden und den USA
- Volkswirtschaftliche Auswirkungen von Bankenkrisen und staatlichen Eingriffen
- Herausforderungen bei der Entlastung von Kreditinstituten und Wiederherstellung von Vertrauen
Auszug aus dem Buch
2.1. Theoretische Grundlagen
Bad Bank bedeutet aus dem Englischen übersetzt schlechte Bank. Das Bundesfinanzministerium versteht darunter eine Bank, in die risikobehaftete Aktiva übertragen werden. Benzler/Breilmann/Schmid erweitern diese Definition um die Wirkung der Übertragung auf das Eigenkapital der abgebenden Bank. Die Auslagerung „toxischer“ Vermögenswerte soll zu einer zukünftigen Eigenkapitalentlastung führen. Die Bad Bank verwaltet diese Vermögenswerte und veräußert sie am Markt. Vor diesem Hintergrund ist es nachvollziehbar, dass die Laufzeit dieser Zweckgesellschaft zeitlich befristet ist. Die Bezeichnung toxisch bringt zum Ausdruck, dass die risikobehaftete Aktiva Gift für die Bilanzen ist und entsorgt werden muss. Den Kapitalbedarf der Bad Bank bestimmen die Unterhaltskosten und die Übernahmekosten für die Assets.
Erfahrungen mit ihnen sammelte bereits die USA, Schweden und auch Deutschland. Dort wickelt die BAG Hamm für Genossenschaftsbanken Problemkredite ab. Diese werden von der entsprechenden Bank an die BAG Hamm verkauft, so dass das Risiko und die Betreuung für diese Aktiva nicht mehr bei der Volks- oder Raiffeisenbank liegen. Letztere kann sich somit wieder auf das Kerngeschäft konzentrieren.
Die USA bedienten sie bei der Krise der Saving and Loans sogenannter Resolution Trust Corporation. Deren Aufgabe bestand darin, die betroffenen Institute möglichst sparsam abzuwickeln und deren Vermögenswerte zu veräußern. Die Gesamtkosten für die Abwicklung wurden mit $ 145 Billion beziffert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Entstehung der Finanzkrise seit 2007 und die Rolle von Zweckgesellschaften zur Stabilisierung von Banken ein.
2. Die Bad Bank: Dieses Kapitel definiert den Begriff der Bad Bank, erläutert die theoretischen Hintergründe und beschreibt das spezifische deutsche Modell zur Umsetzung.
3. Kritische Würdigung: Hier werden die volkswirtschaftlichen Konsequenzen von Bankenkrisen analysiert und die Lösungsansätze aus Schweden, den USA und Deutschland kritisch miteinander verglichen.
4. Zusammenfassung: Das abschließende Kapitel fasst die gewonnenen Erkenntnisse zur Wirksamkeit von Bad Banks und den Herausforderungen für den Finanzstandort Deutschland zusammen.
Schlüsselwörter
Finanzmarktkrise, Bad Bank, Zweckgesellschaft, Finanzmarktstabilisierungsgesetz, toxische Wertpapiere, Eigenkapitalentlastung, Bankenkrise, Resolution Trust Corporation, Securum, Finanzintermediäre, Moral Hazard, Systemrelevanz, Bankenregulierung, Volkswirtschaft, Kreditinstitute.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Konzept der "Bad Bank" als Instrument zur Bewältigung von Finanzkrisen durch die Auslagerung risikobehafteter Aktiva.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Arbeit behandelt die theoretischen Grundlagen von Bad Banks, deren praktische Anwendung in Deutschland, Schweden und den USA sowie die Auswirkungen auf Banken und Volkswirtschaften.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Es wird untersucht, ob Bad Banks geeignet sind, das Vertrauen in den Finanzsektor wiederherzustellen und die Eigenkapitalbasis der Institute zu stabilisieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine deskriptive und vergleichende Analyse internationaler Erfahrungen sowie eine kritische Würdigung der rechtlichen Rahmenbedingungen in Deutschland.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, die Vorstellung des deutschen Modells und den detaillierten Vergleich mit den Lösungsansätzen in Schweden und den USA.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Finanzmarktkrise, Bad Bank, Zweckgesellschaft, Eigenkapitalentlastung und staatliche Regulierung.
Warum wird Schweden als Beispiel herangezogen?
Schweden dient als idealtypisches Beispiel, da der Staat dort während der Krise der 1990er Jahre erfolgreich Bad Banks einsetzte, um insolvente Banken zu restrukturieren.
Wie unterscheidet sich das deutsche Modell von den Ansätzen in den USA?
Während in den USA oft zentrale Organisationen und private Investoren eine Rolle spielen, setzt Deutschland auf eine dezentrale Verwaltung und staatliche Garantien ohne explizite Auslagerungspflicht.
- Arbeit zitieren
- Jens Pickert (Autor:in), 2010, Das Finanzmarktstabilisierungsgesetz. Nutzung von Garantien für Zweckgesellschaften ("Bad Bank"), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/268890