Tourism in K-Town. Die US-amerikanischen Streitkräfte und der Tourismus in Kaiserslautern


Bachelorarbeit, 2013

113 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

I Rahmenbedingungen und theoretische Grundlagen
1 Einführung
1.1 Untersuchungsgegenstand und Zielsetzung
1.2 Aufbau und Leitgedanke der Arbeit
2 Konzeptionelle Vorstellung & methodische Vorgehensweise
2.1 Strategie - Definition der Vorgehensweise
2.2 Forschungsdesign
2.2.1 Die qualitative Befragung - Leitfadeninterview
2.2.1.1 Personenauswahl, Datenerhebung und Datenerfassung
2.2.1.2 Datenauswertung
2.2.2 Die quantitative Befragung - Online-Befragung
2.2.2.1 Untersuchungseinheit, Datenerhebung und Datenerfassung
2.2.2.2 Datenanalyse
3 Deutschland und die US-Amerikaner - Quo Vadis?
3.1 Reise in die Vergangenheit - die Westpfalz und ihre Militärstandorte
3.2 Truppenabzug oder Standorterweiterung/-verlagerung? Diskurs über aktuelle
Entwicklungen im Raum
3.3 Auswirkungen der Omnipräsenz auf Natur & Umwelt
3.4 US-Militär in der Region - zukünftige Wirtschaftskraft in touristischer Hinsicht?
3.5 US-Bürger vs. US-Tourist - Eingrenzung und Differenzierung
3.6 Zwischenfazit

II Fallbeispiel und praktische Nachforschungen
4 US-amerikanische Streitkräfte im Blickfeld - Analyse der Zielgruppe im Raum
Kaiserslautern
4.1 Mobilitäts- und Freizeitverhalten von US-Amerikanern - auf der Suche nach
deutschen Idealbildern?
4.2 Informationsverhalten: Wo und wie informieren sich stationierte US-Amerikaner?
4.3 Visiting Friends and Relatives - Verwandtentourismus und/oder Heritage?
4.4 Zufrieden oder Unzufrieden? Akzeptanz, Bewertung und Gegenüberstellung der Angebotsstruktur
4.5 Zwischenfazit
5 Analyse der Destination - Stadt und Landkreis Kaiserslautern
5.1 Politische Rahmenbedingungen & Tourismusorganisation
5.2 T ourismusstrategie - Konzepte, Leitbilder & Marketing
5.3 Tourismusstrukturen - Quellmarkt USA?
5.4 Definition der Zielmärkte - US-Amerikaner im Visier?
5.5 Adaptierung der touristischen Infrastruktur, Themen, Angebote und Leistungen als
Konsequenz der US-amerikanischen Präsenz
5.6 Zwischenfazit

III Schlussteil

6 Schlussworte und Handlungsempfehlung

Literatur

Anhang

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Aufbau der Arbeit

Abbildung 2: Zirkuläre Strategie (qualitativ) als Forschungsansatz

Abbildung 3: Lineare Strategie (quantitativ) als Forschungsansatz

Abbildung 4: Word-Cloud der Experteninterviews

Abbildung 5: Truppen- und Stellenabbau der US-Streitkräfte in Rheinland-Pfalz (1986/87 - 2009)

Abbildung 6: US-Personalstruktur KMC 2010

Abbildung 7: Verteilung der monatl. Freizeitausgaben stationierter US-Amerikaner

Abbildung 8: Interessen und Aktivitäten

Abbildung 9:Beliebte Sehenswürdigkeiten und Orte

Abbildung 10: Bekanntheitsgrad von ausgewiesenen POIs

Abbildung 11: Halbtagesausflüge

Abbildung 12: Informationskanäle- und verhalten

Abbildung 13: Internetplattformen

Abbildung 14: Aufenthaltsgrund

Abbildung 15: Besuch von Freunden und Verwandten aus den USA

Abbildung 16: Image der Destination

Abbildung 17: Zufriedenheit der touristischen Einrichtungen und Angebote

Abbildung 18: Zwei-Säulen-Modell der Stadt und des Landkreises Kaiserslautern im strategischen Destinationsmanagement

Abbildung 19: KMC von 1990 bis 2011

Abbildung 20: ILE-Projekt Zielgruppe US-Amerikaner

Abbildung 21: Handlungsfelder

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Fragenkatalog zur Online-Befragung

Tabelle 2: Struktur des Untersuchungssamples zur Online-Befragung

Tabelle 3: Pro und Contra zum Neubau des KMCC

Tabelle 4: Wirtschaftliche Auswirkungen der KMC (lokal/regional) 2010

Tabelle 5: Präferenzen von Destinationen bei US-Amerikanern

Tabelle 6: Bewertung der Destination

Tabelle 7: Gäste/Übernachtungen aus den USA in Kaiserslautern

Tabelle 8: Gäste/Übernachtungen aus den USA im Landkreis Kaiserslautern

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

I Rahmenbedingungen und theoretische Grundlagen

1 Einführung

Die Tourismus- und Freizeitwissenschaft beschäftigt sich lediglich mit dem Phänomen des Reisens, so gesehen mit dem Erforschen von prozesshaften Szenarien in der Tourismusbranche - auf den ersten Blick sicherlich eine annehmbare These, in der Realität aber ein trügerisches Selbstbild der Genügsamkeit. Vielmehr sind weitreichende (geographische) Perspektiven gefragt, die den kompletten Zusammenhang der zu untersuchenden Materie erforschen und erklären. Gemeinhin unterliegt die vorliegende Arbeit zum Thema “Tourism in K-Town - Relevanz der US-amerikanischen Streitkräfte für den lokalen und regionalen Tourismus am Beispiel der Stadt und des Landkreises Kaiserslautern’’ den einleitenden Worten. In diesem Kapitel wird es deshalb vornehmlich darum gehen, dem/den Leser/Lesern die Grundmotivation näher zu bringen und für weitergehende Fragestellungen zu sensibilisieren. Dies erfolgt in einer zweigeteilten Untergliederung und wird mit folgenden Fragen in Verbindung gebracht: Warum habe ich mich für diesen Untersuchungsgegenstand entschieden? Welche Ziele werden verfolgt, sowohl vor als auch nach der Arbeit? Wie sieht die allgemeine Vorgehensweise aus?

1.1 Untersuchungsgegenstand und Zielsetzung

„ln K-Town, tief in Western-Germany, zwischen Automarkt und Straßenstrich, in der Prairie steht Gabys Pizza-Palace, und da beißt der GI Frank Kowalski aus Forth-Worth in seine Pizza-Pie. Und er trinkt, bis ihm der Kopf auf die Theke gefällt in K-Town, Western-Germany, am Ende der Welt. In Texas ham sie zwei Uhr, Nachmittag. Wie hoch im Westen jetzt der Weizen stehen mag? Und über Gabys Pizza-Palace steht der bleiche Pfälzer Mond, und Kowalski ist jetzt endlich total zu und stoned. „Fuck the Army“ lallt er schwankend und fällt dabei glatt auf den Knüppel der Militärpolizei...“ (Auszug aus dem Lied „ Alle Soldaten woll’n nach Haus, Reinhard Mey)

Die Vereinigten Staaten von Amerika sind für viele westliche Nationen ein wichtiger Partner. Auch mit der Bundesrepublik Deutschland werden, besonders nach dem zweiten Weltkrieg, immer wieder Kompromisse geschlossen. Mit der Bekämpfung des nationalistischen Regimes ist die Bundesrepublik Deutschland, unter maßgeblicher Beeinflussung von US- amerikanischen Konventionen, zu einem demokratisch und wirtschaftlich starken Land geworden. Die immerwährende Präsenz und Beanspruchung an amerikanischen Hoheitsgebieten in Deutschland ist diesbezüglich für viele Regionen zu einem wesentlichen Faktor geworden. Darunter fallen selbstverständlich die stationierten US-amerikanischen Bürger, die in besonderem Fokus stehen und deshalb als relevante Personengruppe in der Freizeit- und Tourismuswissenschaft zu analysieren gilt.

Deshalb ist die genannte Zielgruppe ein vielseitig zu betrachtendes Objekt, mit unterschiedlichen touristischen Intentionen und Bedürfnissen. In wie weit ist diesbezüglich davon auszugehen, dass stationierte US-Amerikaner ihre Freizeit in der Region verbringen?

Erstaunlicherweise gibt es zu der Thematik, welche Rolle die US-amerikanischen Streitkräfte im regionalen bzw. lokalen Tourismus einnehmen, nur wenige wissenschaftliche Befunde. Dabei scheint der Quellmarkt USA eine übergeordnete Rolle zu spielen und wichtiger Auslandsmarkt für das Urlaubsland Deutschland zu sein. Mit 4.854.776 Übernachtungen im Jahr 2012 sind die Zahlen enorm. In den kommenden Jahren, genauer gesagt bis 2020, sollen die Übernachtungszahlen um voraussichtlich weitere geschätzte 2,9% (bis zu 5.900.000 erwartete Übernachtungen) steigen (vgl. DZT 2012, S. 119). Welche Destinationen können von den Gästen bzw. Übernachtungen tatsächlich profitieren? Der lokale bzw. regionale Tourismus könnte unter den genannten Vorstrukturen für US- Amerikaner eine ernsthafte Rolle spielen, oder nicht? Der Anteil von ausländischen Übernachtungen an den Gesamtübernachtungen im Landkreis und der Stadt Kaiserslautern liegt im Jahr 2011 bei über 27% und ist damit im Verhältnis gleichauf mit touristisch beliebten und hochfrequentierten Regionen, die in der Eifel oder im Hunsrück liegen (vgl. STATISTISCHES LANDESAMT RHEINLAND-PFALZ 2013, S. 15ff.). Sind es unter Umständen die US-Amerikaner, die an dieser Stelle besonderen Einfluss auf die Tourismusstruktur haben?

Das Problem der Forschungsarbeit leitet sich demnach aus den zwei vorangegangen Absätzen ab und lautet wie folgt: Können die stationierten US-amerikanischen Streitkräfte als relevanter Multiplikator in einem lokalen bzw. regionalen touristischen Umfeld fungieren? Die Essenz wird es folglich sein, die US-Amerikaner als touristische Zielgruppe auszuweisen und die besonderen Anforderungen dazu aufzuzeigen. Die Untersuchung wird deshalb auf unterschiedlichste Weise dabei helfen, die Wahrnehmungen der Angebots- als auch Nachfrageseite zu analysieren. Welche Erwartungen stellen die US-Amerikaner an den Untersuchungsraum? Welche Motive sind für US-Amerikaner ausschlaggebend, um überhaupt erst Freizeit vor Ort zu verbringen oder sogar ihren Jahresurlaub in der Region zu planen? Welche touristische Struktur bietet sich den US-Amerikanern innerhalb der Region? Ist ein richtungsweisender Ansatz einer Marktsegmentierung zu identifizieren, der die stationierten US-Amerikaner miteinschließt? Wie weit kann eine Marktsondierung von US- Amerikanern vorgenommen werden?

1.2 Aufbau und Leitgedanke der Arbeit

Um eine Einordnung der touristischen Relevanz von stationierten US-Amerikanern vornehmen zu können, bedarf es zunächst einer thematischen Strukturierung. Die vorliegende Bachelorarbeit gliedert sich in insgesamt sechs Kapitel. Die Inhalte unterliegen dem Aktualitätsgedanken, sodass die progressiven Anforderungen und Bedürfnisse der Untersuchungseinheiten stets berücksichtigt werden. Des Weiteren sind auf Grund der bisher wenig vorhandenen Forschungskenntnisse die theoretischen Grundlagen, und z.T. eher non-touristischen Aspekte, zu beachten. Ein weiteres wichtiges Kriterium, welches immer wieder im Laufe der Arbeit zum Tragen kommt, ist die Berichterstattung der regionalen Presse. Diese bietet zwar nur bedingt wissenschaftliche Ansätze, ist jedoch unter den gegebenen Umständen als Sekundärquelle von besonderer Wichtigkeit, da thematisch relevante Inhalte hier am ehesten bzw. besten kommuniziert werden. Am Ende jedes Kapitels findet sich ein Zwischenfazit.

Das erste Kapitel umfasst mit der Hinführung zum gewählten Gegenstand eine wichtige Funktion und stellt erste Überlegungen bzw. Gedankenfolgen in den Vordergrund. Der/die Leser/Leserin soll hierbei für das Thema sensibilisiert werden und unter Rücksicht der formulierten Zielfragen und Motive für die mutmaßlich bedeutende Stellung der stationierten US-Amerikaner in der Region begeistert werden.

Damit einerseits wissenschaftliche Prinzipien bzw. Anwendungsmethoden und andererseits praxisnahe Informationen zu einer tragfähigen Publikation korrespondieren, stellt der zweite Abschnitt die methodischen Anforderungen vor. Hierbei finden bewährte modular angelegte Strategien der Empirik deshalb ihre Anwendung. Zwei unterschiedliche Forschungsdesigns fokussieren die relevanten Untersuchungsobjekte - stationierte US-Amerikaner als mehr oder minder polarisierende Zielgruppe in Freizeit und Tourismus (Fokus auf Nachfrage und Nachfragestruktur) und lokalübergreifende Tourismusarbeit in Richtung der US-Amerikaner (Fokus auf Destination und Angebotsstruktur).

Der dritte Abschnitt nimmt die US-amerikanischen Streitkräfte und deren regionalspezifischen Charakteristika genauer unter die Lupe. In diesem Kapitel werden daher all jene Aspekte (Interdisziplinarität) aufgenommen, die zu dem gegenwärtigen Sachverhalt beitragen und primär der weiteren Informationsgrundlage für den praktischen und angewandten Teil dienen. Dazu gehören auch raumpolitische Entwicklungen und die Beobachtung der aktuellen Einflüsse im Landkreis und der Stadt Kaiserslautern. Darunter fällt auch der abstrakte Umgang mit den US-Amerikanern, also die Frage nach der funktionellen Einordnung von unterschiedlich zu behandelnder Personengruppen im Tourismus.

Das vierte Kapitel stellt die zentralen empirisch gewonnenen Ergebnisse der quantitativen Erhebung heraus. Die Interpretation einiger Beobachtungen auf Seiten der US-Amerikaner ist dabei ein wichtiges Merkmal und ist für weitergehende Analysen unausweichlich. Neben den Freizeitkomponenten und touristischer Bedürfnissen, werden das Informationsverhalten sowie die Verbindung zu Verwandtenbesuchen überprüft. Darüber hinaus sind Qualitätsmerkmale der Angebotsstruktur ein weiteres Thema des Kapitels.

Im vorletzten Kapitel spielen dann eher die interviewbasierten Ergebnisse eine Rolle. Diese sind wichtig, um die kritische Auseinandersetzung mit dem gewählten Fallbeispiel der Stadt und des Landkreis Kaiserslautern voranzutreiben. In diesem Zusammenhang werden zum einen politische Rahmenbedingungen überprüft zum anderen Sachverhalte in Bezug auf die US-Amerikaner dargestellt und touristisch infrage gestellt. Dazu zählen vormalige Bestrebungen sowie gegenwärtige Strukturen und Maßnahmen.

Das letzte Kapitel greift die zusammengetragenen Beobachtungen letztmalig auf. Es geht hierbei v.a. darum, die im Hintergrund essenziell auftauchenden Teilfragen aus den vorangegangen Kapiteln zu beantworten, um eine klare Aussage über das Erreichen der Zielsetzung treffen zu können. Aus diesen Grundsätzen werden prozessual angelegte Handlungsfelder aufgezeigt, welche maßgeblich zu einer touristischen Progression von stationierten US-Amerikanern beitragen.

Abbildung 1: Aufbau der Arbeit

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung

2 Konzeptionelle Vorstellung & methodische Vorgehensweise

Für die weitere Bearbeitung auf Basis empirischer Sozialforschung, ist es von zwingender Notwendigkeit eine Stellungnahme abzugeben, wie der Gegenstand der Forschungsarbeit auf wissenschaftlichem Niveau beleuchtet wird. Dazu gehört die allgemeine methodische Vorgehensweise, welche die grundlegenden Denkweisen und Praktiken der Empirik mit dem besonderen Fokus auf geographische Arbeitsmethoden vereint. Die Grundfrage einer wissenschaftlichen Arbeit ist demnach nicht wie konkret sind die Erkenntnisse zum Thema in Bezug auf die Repräsentativität? Sondern wie schafft der/die Forschende seine/ihre Ziele (erfolgt meist in der Annahme und Akzeptanz/Falsifikation einer Hypothese/Theorie) der Arbeit, unter Zuhilfenahme von möglichst realistischen und maximalannähernden wissenschaftstheoretischen Arbeitsweisen, zu erreichen?".

Aufgrund dessen, dass die Thematik prinzipiell zwei Seiten konkretisieren soll, nämlich die der Angebotsseite (Stadt und Landkreis Kaiserslautern) und die der Nachfrageseite (US-amerikanische Streitkräfte), sind für die weitere Bearbeitung mehrere Methoden mit unterschiedlichem Informationsgehalt denkbar. Hinsichtlich des vorhandenen Informationsdefizits, welches u.a. auf Grundlage des mangelnden Angebots an vorliegenden Primär,- und Sekundärdaten begründet wird, ist die konzeptionelle Ausrichtung der Arbeit mit der Erhebung von Primärdaten gekoppelt. Im Umkehrschluss bedeutet dies, eine methodologische Grundlage zu schaffen, die unter Berücksichtigung der Triangulation, d.h. der Kombination verschiedener Methoden mit dem Ziel der gegenseitigen Ergänzung bzw. Präzisierung, dem Forschungsziel (Relevanz der US-amerikanischen Streitkräfte) gerecht wird (vgl. DIEKMANN 2011, S. 543; vgl. SCHNELL/HILL/ESSER 2011, S. 255; KRUKER/RAUH 2005, S. 5).

2.1 Strategie - Definition der Vorgehensweise

Die konzeptionelle Gestaltung obliegt zweier komplementären Strategien, die in ihrer Herangehensweise und Durchführung unterschiedliche Voraussetzungen mit sich bringen (vgl. WITT 2001, o. S.). In der Regel geht es dennoch um die Bildung/Entwicklung von Theorien, wobei zwei verschiedene Vorgehen berücksichtigt werden und auch Anwendung in dieser Forschungsarbeit finden.

An erster Stelle steht ein qualitatives und heuristisches Prozedere, sodass in Kapitel 2.2.1 die zirkuläre (iterative) Strategie in den Vordergrund rückt. Die Teilphasen sind, wie in Abb. 2 zu sehen, in einem kreislaufartigen Schema angeordnet, woraus sich eine dialogische Vorgangsweise erkennen lässt (vgl. WITT 2001, o. S.).

Abbildung 2: Zirkuläre Strategie (qualitativ) als Forschungsansatz

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: WITT 2001, o. S.

Nach SCHNELL/HILL/ESSER (2011, S. 4) gibt es im Forschungsprozess die Einteilung verschiedener Phasen, die das Grundprinzip einer wissenschaftlichen Forschungsdurchführung repräsentieren. Die konzeptionelle Ausrichtung findet darin Anwendung, indem aus einem Forschungsproblem Theorien abgeleitet werden, die dann wiederum auf ihre Gültigkeit (Validität) und Verlässlichkeit (Reliabilität) mit bestimmten Untersuchungsformen überprüft werden. Jene quantitative und damit deduktive Form der Forschungsstrategie benötigt jedoch ein gewisses Vorwissen (Forschungsproblem), um das Aufstellen von Hypothesen zu erlauben (vgl. WITT 2001, o. S.). Diese Methoden sind an weitere relevante Schritte gekoppelt, die in einer empirischen Erhebung nicht vernachlässigt werden sollten, und die Basis für die Veröffentlichung von Ergebnissen im praktischen Teil darstellen. Das Schema stellt somit die Grundlage für die weitere Bearbeitung der Methodik in Kapitel 2.2.2 dar.

Abbildung 3: Lineare Strategie (quantitativ) als Forschungsansatz

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: SCHNELL/ HILL/ESSER 2011, S. 4

2.2 Forschungsdesign

Neben der klassisch allgemeinen und spezifischen Literaturrecherche kommen in diesem Untersuchungsfall quantitativ-analytische sowie interpretativ-verstehende Verfahren infrage. Beide Methoden verfolgen unterschiedliche wissenschaftstheoretische Ansätze und Ziele, sodass hierbei eine genaue Differenzierung von Nöten ist, für welche Frage- und Problemstellung die jeweilige Vorgehensweise in Betracht kommt. In der Wissenschaft kommen derweil zwei methodologischen Richtungen in Frage, die empirische Daten auf ihre Qualität hin unterschiedlich fokussieren - nämlich qualitative Methoden auf der einen Seite und quantitative Methoden auf der anderen Seite. In der Folge und zur gegenseitigen Ergänzung wird im Forschungsdesign ein Methodenmix gewählt, der prinzipiell nach dem induktiven Ansatz bestimmt wird - d.h. beobachtbare Einzelphänomene lassen hierbei Rückschlüsse auf das Allgemeine zu (vgl. MEIER/KRUKER 2005, S. 4).

2.2.1 Die qualitative Befragung - Leitfadeninterview

Ist eine empirische Wissensgrundlage nur gering bis gar nicht vorhanden, bietet sich ein exploratives Forschungsdesign an, d.h. es geht im weiten Sinne um das „Erkunden und Verstehen" (MEIER/KRUKER 2005, S. 4). Dazu werden Erhebungsinstrumente eingesetzt, die flexibel und wenig standardisiert sind wie z.B. qualitative Interviews (vgl. MEIER/KRUKER 2005, S. 4; vgl. DIEKMANN 2011, S. 34). Im Gegensatz zu quantitativen Methoden liegt der Schwerpunkt dabei „stärker in die Tiefe zu gehen, die interviewten Personen ausführlich zu Wort kommen zu lassen und das gewonnene Material intensiver auszuwerten und nicht nur auf statistische Kennwerte zu verdichten" (DIEKMANN 2011, S. 532). Dennoch gilt bei dieser Art des Forschens nach gewissen Kennzeichen und Merkmalen vorzugehen, welche das qualitative empirische Vorhaben leiten sollen (FLICK 2002, in: MEIER/KRUKER 2005, S. 13ff.; FLICK/KARDOFF/STEINKE 2000, in:

REUBER/PFAFFENBACH 2005, S. 118f.):

> Gegenstandsangemessenheit - Fragen geben die Methode vor, d.h. Kongruenz zwischen Theorie und Methodik muss vorhanden sein

> Offenheit - Veränderungen in alltäglichen Situationen spielen eine Rolle, d.h. Modifikation der Erhebungsschritte als probates Mittel zur Konfliktlösung

> Vielzahl von Perspektiven - selektive Wahrnehmung eines Gegenstandes anhand unterschiedlicher Perspektiven der Beteiligten (Interessengeleitet)

> Reflexivität - persönliche Einflüsse sowie subjektives Empfinden des Forschers tragen zur Erkenntnisgewinnung bei und sind Teil des Erkenntnisprozesses

Aus den genannten Eigenschaften lässt daraus schließen, dass nur ein überschaubares Maß an Objektivität und Reliabilität vorhanden ist bzw. erst gar nicht möglich macht. Viel wichtiger ist die Validität, also die Gültigkeit von empirisch getroffenen Aussagen bzw. Ergebnissen (vgl. DIEKMANN 2011, S. 256). Dennoch kann die Verlässlichkeit der Daten anhand der Stärke von Standardisierung (Similarität der Fragen) und Strukturierung (Gliederung in Teilthemen) beeinflusst und dementsprechend erhöht werden (vgl. MEIER/KRUKER 2005, S. 64). Für die Generierung von Primärinformationen werden unterdies halbstandardisierte und teilstrukturierte face-to-face Gespräche initiiert, die mit Hilfe eines Leitfadens bzw. Fragenkatalogs (offene Fragen zu Überzeugungen, Verhalten und Meinungen) die gewünschten Ergebnisse bringen sollen (vgl. SCHNELL/HILL/ESSER 2011, S. 316; vgl. FLICK 1995, in: REUBER/PFAFFENBACH 2005, S. 129 und vgl. DIEKMANN 2011, S. 473).

2.2.1.1 Personenauswahl, Datenerhebung und Datenerfassung

Die bewusste und gezielte Auswahl von Interviewpartnern steht bei dieser Untersuchungsform außer Frage. Soll heißen, dass Fälle selektiert werden, „die am meisten Informationen versprechen“ (MEIER/KRUKER 2005, S. 54). Die Strategie lautet demnach die Gesprächspartner nach der bisher vorhandenen Wissensbasis zu ermitteln und deren Relevanz hinsichtlich der Fragestellungen bzw. Teilfragen auszuwählen. Dieses Vorgehen entspricht folglich der bewusst-spezifischen Auswahl (vgl. REUBER/PFAFFENBACH 2005, S. 152). Folgende individuelle Kriterien tragen bei der Zusammenstellung der Interviewpartner bei:

- direkter (indirekter) Bezug/Kontakt zu den US-Amerikanern in der Umgebung
- Kompetenzen und Erfahrungen im touristischen Bereich
- Regional- und lokalpolitische Verantwortungsträger und Initiatoren

Zudem wird darauf Wert gelegt, dass sich die zur Auswahl stehenden Partner an die jeweilig bevorstehende Interviewsituation einstellen können, indem sie quasi in der Kontaktphase (Anruf oder Anschreiben per Email) mit den Bedingungen konfrontiert werden: Kooperation, Aufrichtigkeit, gemeinsame Sprache, Interesse, Bereitwilligkeit (vgl. DIEKMANN 2011, S. 440f.). In dieser Phase werden also die Rahmenbedingungen vorgestellt, indem die Thematik inkl. der Fragen, dem Forschungsumfeld des Interviewers, Ziele, Nutzen, Dauer und Datenaufbereitung zum Vorschein kommt (vgl. MEIER/KRUKER 2005, S. 72). Während der Datenerhebung vor Ort wird mit der neutralen Interviewtechnik verfahren, wobei der Interviewer bei Fragen oder Anmerkungen trotzdem kooperativ einwirken kann (vgl. SCHEUCH 1973, in: DIEKMANN 2011, S. 440). Die thematische Abgrenzung sowie eine klare Linie der Fragenabfolge (inkl. Eröffnungsfrage, Überleitungen, etc.) innerhalb der Konstruktion soll eingehalten werden, um einerseits den Interaktionsfluss aufrechtzuerhalten andererseits die Auswertung zu erleichtern (vgl. DIEKMANN 2011, S.483f.; vgl.

SCHNELL/HILL/ESSER 2011, S. 379). Zum Zwecke der anschließenden Transkription wird als Datenträger (unter Zustimmung der Interviewten) ein digitales Diktiergerät verwendet. Die „wörtliche schriftliche Wiedergabe des aufgenommenen Gesprächs“ (MEIER/KRUKER 2005, S. 75) kommt wiederum der interpretativen Auswertung zugute und erfolgt in normalem Schriftdeutsch (vgl. DIEKMANN 2011, S. 154). In der Summe werden vier

leitfadengestützte Experteninterviews hinzugezogen, die in Organisationen mit unterschiedlichen Tätigkeitsfeldern durchgeführt wurden. Bei der Suche ist die erschwerende Bedingung hinzugekommen, dass offizielle US-amerikanische Vertreter (trotz anonymisierter Bedingungen) nicht bereit waren, an einer derartigen Befragung teilzunehmen. Im Anhang sind die jeweiligen Leitfäden bzw. Transkriptionen einsehbar und für das eigentliche Auswahlverfahren freigegeben.

2.2.1.2 Datenauswertung

Das vorliegende Rohmaterial bzw. Textmaterial wird mit der qualitativen Inhaltsanalyse ausgewertet. Dieser schrittweise angelegte Vorgang beschreibt die Zusammenfassung der transkribierten Antworten unter Zuhilfenahme von passenden Kategorien. Zur Orientierung bei der Kategorienbildung helfen hierbei die einzelnen Gliederungspunkte der Forschungsarbeit. Anschließend erfolgt die Explikation, d.h. die zu zitierenden oder paraphrasierenden Textstellen sind mithilfe weiteren Materials in einen kontextrelevanten Zusammenhang zu bringen. Zum Schluss werden wichtige Aspekte strukturiert, extrahiert und in die Datenauswertung mit aufgenommen (vgl. MEIER/KRUKER 2005, S. 80).

Damit eine erste Einschätzung bzw. ein erstes Bild über die Wortstruktur entstehen kann, wird mittels des Online-Tools Wordle (wordle.net) eine sog. Wordcloud erstellt. Allerdings gilt es dabei zu bedenken, dass jene Art der Auswertung keinerlei empirische Relevanz zukommt, da es sich lediglich um die numerische Auswertung von genutzten Wörtern geht. Es besteht kein Spielraum für objektive Interpretationen.

Abbildung 4: Word-Cloud der Experteninterviews

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung nach Interview KLEEMANN, Anhang II.; Interview BICKMANN, Anhang I; Interview GRIEBE, Anhang V; Interview GLANTZ, Anhang IV

2.2.2 Die quantitative Befragung - Online-Befragung

Das methodologische Paradigma des kritischen Rationalismus wird als Ausgangspunkt in der quantitativen Herangehensweise hinzugezogen, d.h. „der Kern wissenschaftlichen Arbeitens ist das Erstellen von Theorien und deren kontinuierlichen Überprüfung anhand von Beobachtungen“ (MEIER/KRUKER 2005, S. 9). Viel Wert wird auf Objektivität sowie intersubjektive Überprüfbarkeit gelegt, während das Prinzip der Falsifikation ergänzend dazu die Hypothesen überprüft (vgl. REUBER/PFAFFENBACH 2005, S. 45). Nach der Definition von SCHNELL/HILL/ESSER (siehe S. 7) gilt es nun in dem linearen Strategieprozess die einzelnen Phasen zu definieren. Dabei geht es von der Problemstellung über Teilfragen/Hypothesen hin zur Operationalisierung und der wegweisenden Untersuchungsform, sodass am Ende der Kette die Erkenntnisgewinnung steht. Erstaunlicherweise gibt es zu der Thematik, welche Rolle die US-amerikanischen Streitkräfte im regionalen bzw. lokalen Tourismus einnehmen, nur wenige wissenschaftliche Befunde. Daher sind zum einen nicht nur die personelle Identifikation und der Einfluss von Werturteilen mit dem Forschungsthema ein Kriterium, sondern liegt die eigentliche Motivation darin, ein unbekanntes Forschungsfeld zu betreten bzw. zu evaluieren, um schließlich dessen Relevanz/Irrelevanz herauszustellen. Die Herausforderung wird es demnach sein, die verschiedenen Aspekte, Positionierungen und sozialen Gruppen herauszuarbeiten bzw. gegenüberzustellen und in Teilfragen zu konvertieren. Das Forschungsinteresse liegt in der Identifizierung von touristischen Merkmalen der US-Amerikaner und deren Reichweite in Bezug auf die örtlichen Rahmenbedingungen. Welche Erkenntnisse sind dazu von Nöten, um eine genaue Aussage über die Bedürfnisse des tatsächlichen Bedarfs von US- Amerikaner treffen zu können?

Nachdem unterdies die Problemstellung in der marginal vorhandenen erkenntnistheoretischen Annahme liegt, dass den US-amerikanischen Streitkräften generell zu wenig Beachtung geschenkt wird, ist die Formulierung der Hypothesen nach deskriptiven Gesichtspunkten erfolgt. Weiterhin gilt die Prämisse, die Aussagen in empirisch prüfbare Zusammenhänge einzugliedern (vgl. DIEKMANN 2011, S. 146). Folgende Teilhypothesen sind von besonderem Interesse:

> US-Amerikaner prägen die regionale Tourismusstruktur entscheidend, sodass Potential besteht, die Zielgruppe der US-Amerikaner in einem touristischen Konzept zu integrieren.

> Die Region als auch Stadt Kaiserslautern kommt gegenüber beliebten Ausflugszielen von US-Amerikanern (z.B. Trier, Koblenz, Heidelberg) nicht infrage und ist als Destination für Tages-/Halbtagesausflüge keine ernstzunehmende Alternative.

> Stationierte US-Amerikaner informieren sich persönlich über Angebote in der Region und nutzen dazu die örtlichen Tourismusinformationen.

> Touristische Infrastruktur, Naherholungsangebote und andere Leistungen entsprechen den Ansprüchen bzw. Bedürfnissen US-amerikanischer Bürger und sind auf diese zielorientiert ausgerichtet.

> Verwandte, Bekannte und Freunde sind bei den US-amerikanischen Familien der KMC häufig zu Besuch und sind potentielle Multiplikatoren im Tourismus.

> Ehemalige Beschäftigte bzw. Angehörige des US-Militärs kommen in die Westpfalz zurück, um nach ihren Wurzeln oder sogar Vorfahren zu suchen.

Aufgrund der Eindeutigkeit bzw. Dimensionslosigkeit der theoretischen Formulierungen ist keine weitere Konzeptspezifikation notwendig. Die spezifischen Begriffsklärungen erfolgen im zweiten Kapitel, sodass es nun darum geht, die Thesen auf ihre Inhalte abzugrenzen und zu überprüfen, welche Messungen dazu beitragen das Forschungsproblem systematisch aufzubereiten. Die Operationalisierung beschränkt sich hierbei auf deren Inhalte und die Berücksichtigung der relevanten Zielgruppe. Dazu werden verschiedene Messmethoden in Betracht gezogen. Wie schon beschrieben ist die Auswahl der Untersuchungsform abhängig von der Fragestellung bzw. den aufgestellten Teilfragen. Die schriftlich standardisierte Befragung ist die am meist verbreitete Methode in der empirischen Sozialforschung, wobei die Online-Befragung einen Sonderfall der schriftlichen Befragung einnimmt (vgl. DIEKMANN 2011, S. 521f.). Bei dieser Datenerhebungstechnik bedarf es, im Gegensatz zum persönlichen Interview, an keiner direkten Anwesenheit des Forschenden (vgl. SCHNELL/HILL/ESSER 2011, S. 369). Ferner überwiegen hierbei die Vorteile, da eine schnelle und kostenlose Datenvor-, auf-, und nachbereitung zugesichert und zusätzlich das Verhalten der Befragten identifiziert wird (vgl. DIEKMANN 2011, S. 522f.). Der Fragebogen wird mithilfe einer speziellen Online-Software für Web-Surveys (EFS Survey von Unipark) konstruiert und auf einem Web-Server zugänglich gemacht. Der Einfachheit halber bietet sich im Rahmen dieser Forschungsarbeit eine internetgestützte Befragung an, da die Zielgruppe der US-Amerikaner hier am einfachsten befragt werden kann (mehr dazu im nachfolgenden Kapitel).

2.2.2.1 Untersuchungseinheit, Datenerhebung und Datenerfassung

Da die stationierten US-amerikanischen Streitkräfte der KMC im Mittelpunkt stehen und als relevanter Objektbereich definiert werden, ist die Definition der Grundgesamtheit unzweideutig gegeben. Die Grundgesamtheit beschreibt im Allgemeinen „die Menge aller Objekte, über welche die Untersuchung Aussagen treffen will" (MEIER/KRUKER 2005, S. 50). In Anbetracht einer nicht durchführbaren Vollerhebung, ist folglich eine Stichprobe zu entnehmen, was somit einer Teilerhebung gleicht. Der Repräsentationsschluss ist dabei ausschlaggebend, d.h. die Stichprobe „stellt eine Teilmenge aller Untersuchungseinheiten dar, die die untersuchungsrelevanten Eigenschaften der Grundgesamtheit möglichst genau abbilden sollen“ (REUBER/PFAFFENBACH 2005, S. 52).

Für die Stichprobe der Zielpopulation werden verschieden Wege der Distribution in Erwägung gezogen, da kein eindeutiges Verfahren (mit/ohne Zufallsauswahl) zugeordnet werden kann. Dies liegt u.a. daran, dass der Zugriff auf relevante Teilnehmer unter erschwerten Untersuchungsbedingungen eingeschränkt wird. Im Klartext sind die US- amerikanischen Militärangehörigen dazu angehalten an keinen Umfragen teilzunehmen, weshalb eine Diskrepanz zu jeglichen persönlichen Fragen oder Meinungsäußerungen vorhanden ist. Darüber hinaus kommt eine offizielle Distribution über amerikanische Kanäle und Organisationen nicht in Frage, weil dies mit einem schier langen Beantragungsprozess verbunden ist und die Aussichten auf eine Genehmigung relativ gering sind. Nachfolgende Auflistung gibt einen Überblick der gewählten Distributionskanäle und den möglichen Zugang (Link) zur Online-Umfrage, um eine gezielte Stichprobenauswahl durchzuführen:

- Soziale Netzwerke (Facebook & LinkedIn): bewusste Auswahl durch direkte Suche und persönlichem Anschreiben nach demographisch passenden Merkmalen wie aktueller Wohnort (z.B. Ramstein) und/oder Beschäftigung (z.B. US-Air Force); zudem Veröffentlichung einer Einladung zur Teilnahme an Pinnwände auf passgenauen Seiten (z.B. Ramstein Air Base Germany, USAG Kaiserslautern ACS, AFN Kaiserslautern, etc.).
- Printmedium (Flyer mit QR-Code): bewusste Auswahl durch Verteilung selbstgestalteter Flyer an stark frequentierten Standorten wie z.B. amerikanische Gastronomiebetriebe, Hotelbetriebe, deutsch-amerikanische Behörde; außerdem direkte persönliche Weitergabe der Flyer von Haus-zu-Haus in einem bei US-Amerikanern beliebten Wohngebiet (PRE-Park).
- E-Mail-Verteiler: Herr Larry Zani, Vizepräsident für Kommunikation im AGBC, verfügt über viele amerikanische Kontakte in der Region und übermittelte die Einladung zur Teilnahme über seinen E-Mail-Verteiler.

Damit die Bereitschaft zur Teilnahme steigt, gibt es zum einen die individuelle Begrüßungsseite (u.a. Vorstellung der Person, Hinführung zum Thema, Hinweise zur Teilnahme) zum anderen wird mit einem freiwilligen Gewinnspiel versucht einen zusätzlichen Anreiz zu schaffen. Der komplett in Englisch verfasste Fragebogen besteht aus insgesamt 22 Fragen, darunter drei Filterfragen zur spezifischeren Auswertung. Teilnahmeberechtigt sind Bürger mit US-amerikanischer Staatsbürgerschaft, die älter als 14 Jahre sind und sich zur Befragungszeit in Stadt bzw. Landkreis Kaiserslautern aufhalten. Nachfolgende Abb. gibt einen Überblick zum Fragenkatalog, beinhaltet somit thematische Blöcke, Thema der Frage, die Intention bzw. Dimension und Form der Frage:

Tabelle 1: Fragenkatalog zur Online-Befragung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung

2.2.2.2 Datenanalyse

Die statistische Erhebung startet am 05.07.2013 und erstreckt sich, über ca. sechs Wochen, bis zum 15.08.2013. Zur abschließenden Datenanalyse sind die Rohdaten, d.h. bei den Untersuchungseinheiten bzw. Merkmalsträgern liegt eine Zuordnung der Ausprägungen gemäß den definierten Variablen vor, weiterzuverarbeiten. Der ausgewiesene Feldbericht gibt folgende Kennzahlen zur Teilnehmerstruktur an (absolute Zahlen):

Tabelle 2: Struktur des Untersuchungssamples zur Online-Befragung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung

Knapp 51% der Leute, die dem Link gefolgt sind, haben die Umfrage gestartet. 49% dagegen sind auf der Begrüßungsseite abgesprungen. Die Beendigungsquote liegt bei ca. 34%, d.h. mehr als ein Drittel der 108 Leute haben an der Befragung erfolgreich teilgenommen und den Fragenkatalog letztendlich komplettiert. Bei einer im Vorfeld auszugehenden Grundgesamtheit von rund 50.000 US-Amerikanern (plus Anzahl der Besucher aus den USA, welche aber nicht reell zu schätzen sind), ist der Stichprobenumfang mit 37 Merkmalsträgern nur sehr gering ausgefallen. Dies hängt mit der erwähnten Problematik in Kapitel 2.2.2.1 zusammen. Soll heißen, die Zielgruppe ist gegenüber Umfragen jeglicher Art sehr distanziert. Außerdem ist davon auszugehen, dass bei der ortsabhängigen Grundgesamtheit nicht alle Merkmalsträger über einen Internetanschluss bzw. Account bei den sozialen Netzwerken verfügen oder womöglich im Auslandseinsatz sind, somit keine Zugänglichkeit besteht.

In diesem Zusammenhang steht die Repräsentativität der Stichprobe zur Debatte, wobei der Begriff als solcher nur schwer bis gar nicht anzuwenden ist (vgl. DIEKMANN 2011, S. 430f.; vgl. SCHNELL/HILL/ESSER 2011, S. 298f.). Auf die Grundgesamtheit bezogen liefert das Ziehen einer Stichprobe „stets unsichere Resultate" (HÄDER 2010, S. 142). Dennoch können im Allgemeinen gewisse Gütemaße (Stichprobenfehler und Vertrauensintervall) dabei helfen, die Stichprobengröße zu ermitteln bzw. auf ihre Verwendung hin einzuschätzen (vgl. HÄDER 2010, S. 144ff.). Nach den Berechnungen kann für die vorliegende Erhebung (n=37) folgende Aussage getroffen werden und im Falle einer Totalerhebung Gültigkeit erreichen: mit einer 45%iger Wahrscheinlichkeit liegt der tatsächliche Wert (prozentuale Verteilung der Antworten) zwischen 66% und 34%.

Die Konzentration gilt jedoch nun wieder dem vorhandenen Datensatz zuzuwenden und diesen dementsprechend zu organisieren, damit schlussendlich Analysedaten vorliegen. Die in SPSS übertragene Datenmatrix beinhaltet somit die Beobachtungseinheiten mit den zugeordneten Variablen und Eingaben der Probanden. Darüber hinaus sind die Variablen in einem Editor zu definieren. Dazu gehört die Codierung bzw. Modifizierung der Wertelabels (angepasst nach dem jeweiligen Skalierungsniveau), und die Skalenart, die darüber entscheidet welche statistischen Analysemethoden angewendet werden können (vgl. MEIER/KRUKER 2005, S. 113; vgl. SCHIRMER 2009, S. 123). Diese Analysen sind an die beschreibende bzw. deskriptive Statistik gekoppelt und „soll Datensätze verdichten und zusammenfassen, um Strukturen und Gesetzmäßigkeiten zu erkennen" (SCHIRMER 2009, S. 123). Die demographischen Merkmale der Erhebung zeigt zunächst ein leichter Frauenüberschuss (51,35%), ist aber prinzipiell als Gleichgewicht von Frauen und Männern zu werten. Die Altersstruktur spiegelt eine breite Masse im mittleren Alter wieder (22- bis 53-Jährige). Es ist kein Teilnehmer dabei gewesen, der unter 22 Jahre alt war und nur ganz wenige ältere Leute im Alter von 54 und älter.

3 Deutschland und die US-Amerikaner - Quo Vadis?

1945 - Ende des zweiten Weltkriegs: die alliierten Streitkräfte (u.a. USA) besetzen das ehemalige Deutsche Reich. Sie tragen in den Folgejahren maßgeblich dazu bei, das deutsche Territorium politisch und gesellschaftlich unter den vereinbarten demokratischen Voraussetzungen wieder aufzubauen. Die Zeit nach der nationalsozialistischen Diktatur wird dementsprechend signifikant von den alliierten Streitkräften geprägt und bestimmt ab sofort die weitere Entwicklung der Bundesrepublik Deutschland - und zwar bis in die Gegenwart. Hierbei sind die US-Amerikaner besonders hervorzuheben, nicht nur, weil diese zentraler Bestandteil der Untersuchung sind. Weit gefehlt, über Jahrzehnte entwickelt sich eine ganz besondere Beziehung.

3.1 Reise in die Vergangenheit - die Westpfalz und ihre Militärstandorte

Sechs Jahre sind bereits vergangen, als die amerikanischen Streitkräfte über Frankreich in die Westpfalz einmarschieren und der richtungsweisenden Entscheidung, im bereits geteilten Deutschland, neue Militärstandorte zu installieren. Zu dem damaligen Zeitpunkt, der Übernahme von Franzosen und US-Amerikanern, ist Kaiserslautern stark von den Nachkriegsschäden betroffen, sodass über 60% der städtischen Bausubstanz bei Luftangriffen zerstört wurde. Die Nachkriegszeit erweist sich demnach als Herausforderung für den Wiederaufbau der Infrastruktur und der heimischen lokalen Wirtschaft (vgl. GLOBALSECURITY.ORG 2013, o. S.). 1951 entschließen sich Amerikaner und Franzosen diverse Stützpunkte in Rheinland-Pfalz einzurichten, um einerseits die zugesprochenen Gebiete kontrollieren zu können andererseits in Zeiten des Kalten Kriegs militärisch und strategisch schnell handeln zu können. Die repräsentativen Stützpunkte werden damals in der Westpfalz verstärkt auf die Orte Ramstein, Sembach, Zweibrücken und Pirmasens gelegt (vgl. DIE RHEINPFALZ, 27.03.2013, Nr. 73, S. 1056; vgl. DIE RHEINPFALZ, 03.03.2012, o. Nr., o. S.; USAREUR / OSGS 1994, in: BICC 1995, S. 10; USAREUR 1993, in: BICC 1995, S. 10).

Die US-Amerikaner lassen demzufolge nicht lange auf sich warten, bis sie mit der Sanierung alter übernommener Kasernen der Franzosen, der Investition in neue Infrastruktur und dem Bau von modernen militärischen Einrichtungen anfangen. Auf der einen Seite bringt die vorgelebte Standortpolitik die Gemeinden und Zivilbevölkerung in Bedrängnis, da wertvolles Ackerland und viele bäuerliche Betriebe verloren gehen. (vgl. LANDESZENTRALE FÜR POLITISCHE BILDUNG RHEINLAND-PFALZ 2009, S. 3f.). Die einheimische deutsche Bevölkerung profitiert allerdings auf der anderen Seite von dem Investitionsboom, „indem sie Häuser oder Wohnungen an die Amerikaner vermieten oder aber als Zivilbeschäftigte bei den US-Streitkräften arbeiten“ (LANDESZENTRALE FÜR POLITISCHE BILDUNG RHEINLAND-PFALZ 2009, S. 3). Die Stadt und Region um Kaiserslautern kann sich durch die hohen Investitionen der Amerikaner somit relativ schnell erholen und entwickelt sich Anfang/Mitte der 1950er Jahre rasch zum größten militärischen Standort außerhalb der USA (vgl. GLOBALSECURITY.ORG 2013, o. S.).

Während der Standort Zweibrücken mittlerweile komplett still gelegt ist und in Pirmasens massiv Einheiten zurückgezogen wurden, gewinnt die Region Kaiserslautern (Stadt Kaiserslautern, Landkreis Kaiserslautern) immer mehr an Bedeutung. Bei einer Zählung im Jahr 2011 können ca. 50 000 US-Amerikaner identifiziert werden, die hier als Soldaten bzw. Zivilangestellte arbeiten und zugleich mit ihren Familien leben. Es ist somit weiterhin die größte bestehende Militärgemeinde außerhalb der Vereinigten Staaten von Amerika (= KMC) (vgl. Interview BICKMANN, Anhang I). Heute ist Kaiserslautern bei vielen Amerikanern unter dem Synonym K-Town bekannt (vgl. STADT KAISERSLAUTERN 2013, o. S.). Eine Übersicht über die vorhandenen Depots und weiteren relevanten Heereseinrichtungen der US-Army bzw. der US-Air Force im Raum Kaiserslautern gibt Karte 1.

Karte 1: US-Einrichtungen in der Region Kaiserslautern (2010)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: 86TH COMPTROLLER SQUADRON 2010, S. 16

Was das Thema Sozialgeschichte angeht, sind die seit über 60 Jahren vorhandenen inter- und intraregionale Beziehungen nicht außer Acht zu lassen. Beide Nationen profitieren seither von einer, laut General Mark Welsh, Kommandeur der US-Luftwaffe in Europa, „einzigartigen Beziehung“ (DIE RHEINPFALZ, 03.03.2012, o. Nr., o. S.).

Dies gilt sowohl auf der politischen Ebene als auch für gesellschaftliche und private Austausche - „man lernte eben mit den Amerikanern umzugehen“ (LANDESZENTRALE FÜR POLITISCHE BILDUNG RHEINLAND-PFALZ 2009, S. 4). Die seither intensiv bestehende deutsch-amerikanische Beziehung profitiert schließlich hauptsächlich davon, dass gemeinsame kulturelle und ideelle Werte verschmelzen. Dies führt zu einem Alleinstellungsmerkmal - auch für den Tourismus (vgl. DIE RHEINPFALZ, 03.03.2012, o. Nr., o. S., DIE RHEINPFALZ, 27.05.2013, Nr. 120, o. S). Wolfgang Tönnesmann, Leiter der Atlantischen Akademie Rheinland-Pfalz, spricht von einer „transatlantischen Gesellschaft“, wobei die „USA eine Weltordnungsmacht sind, zu der die Präsenz in Deutschland gehört“ (DIE RHEINPFALZ, 27.05.2013, Nr. 120, o. S.). Für den Innenminister von Rheinland-Pfalz, Roger Lewentz (SPD), steht respektive fest, dass der „regelmäßige Austausch mit Vertretern der US-Streitkräfte als wichtiges Anliegen der Landesregierung“ (DIE RHEINPFALZ, 06.06.2013, Nr. 128, S. 20) bewertet wird. Auch Angela Merkel (CDU), deutsche Bundeskanzlerin, beteuert bei einem Treffen mit dem US-Präsidenten Barack Obama welch hoher Stellenwert die US-Militärbasen in Deutschland, vor allem die in Ramstein und in Landstuhl, innehaben (vgl. DIE RHEINPFALZ 20.06.2013, Nr. 140, S. 1). Die amerikanische Präsenz ist somit seit Jahrzehnten beständig und spiegelt schon jetzt, ohne nähere Betrachtung der Einflüsse auf wirtschaftlicher Basis, eine hohe Relevanz wieder - „es ist das Drehkreuz, wenn Sie zu ihren Einsätzen geschickt werden“ (Interview BICKMANN, Anhang I).

3.2 Truppenabzug oder Standorterweiterung/-verlagerung? Diskurs über aktuelle Entwicklungen im Raum

Die Strukturen werden dennoch mit der Zeit komplexer und die Abhängigkeit zu den Amerikanern immer deutlicher. In diesem Kontext kommen Fragen auf, die aber eher in polemischer Hinsicht zu betrachten sind: Welche Konsequenzen ergeben sich, wenn die Amerikaner ihre Standorte, egal ob plötzlich oder sukzessiv, aufgeben? Wie können die in erster Linie nicht mehr nutzbaren Liegenschaften nachhaltig genutzt werden? Welche Maßnahmen werden ergriffen, um die wirtschaftliche Abhängigkeit, möglicherweise auch im touristischen Kontext, so gering wie möglich zu halten?

Um Klartext zu schaffen, ob und vor allem in welchem Maße das Untersuchungsgebiet von etwaigen Truppenabzügen bzw. -verlagerung betroffen ist, wird im Folgenden erläutert. Karte 2 bildet dazu die damaligen Standorte ab und gibt einen groben Überblick hinsichtlich der Verteilung im Raum Westdeutschland im Jahr 1990.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: verändert nach BICC 1995, S. 18

Mit dem inoffiziellen Ende des Kalten Krieges um 1990 und dem Zusammenschluss der BRD mit der DDR am 03. Oktober 1990 beginnt die permanente Restrukturierung einer nationalen Einheit. Die stationierten alliierten Kräfte der NATO ziehen sich zunehmend zurück, sodass sich der Abrüstungsprozess in Form von Truppenabzügen rasch bemerkbar macht (vgl. BICC 1994, S. 11). Die Auswirkungen durch die Umstrukturierungen werden in Karte 3 deutlich sichtbar gemacht. In Norddeutschland bestehen 2002 so gut wie keine Standorte mehr. Auch in Süddeutschland werden militärische Präsenzen der USA aufgegeben. Bemerkenswert ist dagegen die Persistenz der Standorte rund um Kaiserslautern in der Westpfalz.

Karte 3: Personalstruktur der US-Militärstandorte in Deutschland (1990 & 2002)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: verändert nach AUS DEM MOORE/ SPITZ-OENER 2011, S. 49

Wahrhaftig haben die Amerikaner in den 1990er Jahren angefangen, Streitkräfte in Rheinland-Pfalz abzuziehen (draw down), vermehrt Standorte aufzugeben und von Personalumlagerungen Gebrauch gemacht (vgl. LANDESZENTRALE FÜR POLITISCHE BILDUNG RHEINLAND-PFALZ 2009, S. 4). Abbildung 5 zeigt die rückläufige Entwicklung der US-Streitkräfte im Zeitraum 1986/87 und 2009. Dabei lässt sich festhalten, dass überwiegend Ende der 1980er bzw. Anfang der 1990er vermehrt Soldaten und

Zivilbeschäftigte des US-Militärs zurückgezogen wurden. Prozentual gerechnet liegt der Truppenabbau innerhalb von 23 Jahren bei 54,96%, der Stellenabbau von Zivilbeschäftigten sogar bei 65,40% (vgl. MINISTERIUM FÜR WIRTSCHAFT, VERKEHR, LANDWIRTSCHAFT UND WEINBAU 2010, S. 85f.).

Abbildung 5: Truppen- und Stellenabbau der US-Streitkräfte in Rheinland-Pfalz (1986/87 - 2009)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung nach MINISTERIUM FÜR WIRTSCHAFT, VERKEHR, LANDWIRTSCHAFT UND WEINBAU (2010), S. 95

Hinzukommen erschwerte finanzielle Rahmenbedingungen bzw. Belastungen auf amerikanischer Seite, die den Truppenabzug weiter vorantreiben. Ab dem Jahr 2013 soll „das US-Militärbudget in den kommenden zehn Jahren wegen der hohen Staatsverschuldung um 450 Milliarden Dollar (351 Milliarden Euro) schrumpfen“ (N-TV.DE 2013, o. S.). Roger Lewentz findet bei diesem Sachverhalt klare Worte und führt dabei an, dass massive Kürzungen im US-Haushaltsstreit auch „Auswirkungen auf die in Rheinland­Pfalz stationierten US-Streitkräfte haben“ (DIE RHEINPFALZ, 16.05.2013, Nr. 112, S. 13). Während im Jahr 2006 noch 72.416 amerikanische Soldaten in Deutschland gezählt wurden, waren es drei Jahre später ca. 20.000 weniger, sodass die Zahl derer nur noch bei 56.680 US-Soldaten lag (vgl. DEUTSCHER BUNDESTAG 2011, S. 14f.). Was die Zukunft betrifft, soll bis 2017 eine Reduzierung um 25 Prozent stattfinden, d.h. die US-Armee wird bis auf 30.000 Soldaten im gesamten deutschen Raum reduziert werden (vgl. HANDELSBLATT 2013, o. S.). Aufgrund jener Entwicklungen sind viele Ortschaften in Rheinland-Pfalz von vermeintlichen Schließungen betroffen, obwohl das Bundesland in den USA als Stationierungsstandort einen guten Ruf genießt (vgl. DIE RHEINPFALZ, 07.05.2013, Nr. 105, S.16). Unter Hinzunahme von Abrüstungsfolgen ein unter Umständen

besorgniserregender Zustand für die betreffenden Beteiligten vor Ort und den Raum - einesteils werden hierbei militärische Einrichtungen und Flächen zurückgelassen, die als Konversionsflächen eine Herausforderung sind. Anderenteils entstehen wirtschaftliche Lücken, die sich direkt und indirekt spürbar machen (vgl. N-TV.DE 2013, o. S.; vgl. FTD.DE 2013, o. S.):

> sinkende Kaufkraft (z.B. Einzelhandel)

> Ausfall von zusätzlichen Steuereinnahmen

> Verlust von Arbeitsplätzen für deutsche Staatsbürger

> regionale Unternehmen (z.B. Handwerksbetriebe) verlieren Auftraggeber

Bei all den Spekulationen um den Truppenabzug bleibt dennoch eine Frage offen, die für diese Arbeit als relevant und weiter nennenswert einzustufen ist: Wie sicher ist der Standort Kaiserslautern? Bleibt die KMC weitere Jahrzehnte erhalten, um nachhaltige Tourismuskonzepte platzieren zu können? De Facto wird es so sein, dass die starke Präsenz im Raum Kaiserslautern weiterhin existiert, wobei der Standort sogar von Verlagerungen anderer deutschlandweiten Militärbasen in die Region profitiert (vgl. LUFTPOST 2009, S. 4ff.; vgl. INDYMEDIA 2013, o. S.). Dazu zählt selbstverständlich die überaus wichtige Air Base Ramstein, welche laut Oberbürgermeister Klaus Weichel (SPD) „eine sogenannte dauerhafte Einrichtung des US-Militärs" (DIE RHEINPFALZ, 27.02.2012, o. Nr., o. S.) repräsentiert und mittlerweile ebenso als NATO-Kommandozentrale der Luftstreitkräfte fungiert (vgl. ebd.).

Ferner treiben die US-Amerikaner immer wieder neue Projekte voran, die im Einklang und in Abstimmung mit der rheinland-pfälzischen Landesregierung in Angriff genommen werden (vgl. DIE RHEINPFALZ, 09.10.2012, o. Nr., o. S.). Eines dieser Projekte wurde im Jahr 2009 fertig gestellt und war mit Gesamtausgaben in Höhe von 170 Millionen US-Dollar bis dato eines der größten Einzelprojekte des US-Verteidigungsministeriums (vgl. RAMSTEIN AIR BASE 2013, o. S.). Im Zuge der Schließung der US-Air Base Rhein-Main im Jahr 2005 und der verbundenen Verlagerung, sollten die Ressourcen erweitert werden, sodass in der Planungsphase im Jahr 2004 erste Maßnahmen definiert wurden. Der Leitgedanke sollte der einer Bündelung bzw. Konzentration entsprechen, damit diverse Einrichtungen und Dienstleistungen für die amerikanische Bevölkerung in einem Freizeit- und Einkaufszentrum (Kinos, Bank, Reisebüro, Supermarkt, Restaurants, Geschäfte und Hotelkomplex) verschmelzen (= KMCC) (vgl. DIE RHEINPFALZ, 04.12.2004, o. Nr., o. S.). Ob, und welche Konsequenzen aus den autarken Strukturen daraus für den Tourismus in der Region entstehen wird anschließend in 3.4 geklärt.

Vorerst wurden für den Neubau folgende Argumente ins Auge gefasst und diskutiert, die auf der einen Seite dafür sprechen und auf der anderen Seite kritische Konsequenzen aufzeigen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung nach DIE RHEINPFALZ, 04.12.2004, o. Nr., o. S.

Drei Jahre später nach der offiziellen Eröffnung des KMCC erreicht die Öffentlichkeit neue Pläne und Informationen aus Washington. Das seit 1953 bestehende US-Hospital in Landstuhl „soll bis 2019 durch einen Neubau in der Verbandsgemeinde Weilerbach nahe der Air Base Ramstein ersetzt werden" (DIE RHEINPFALZ, 24.09.2012, o. Nr., o. S.). Immer wieder schrauben die verantwortlichen Parlamentarier an den Kosten für das neue Krankenhaus, die zwischen 1,2 Milliarden und 750 Millionen US-Dollar schwanken (vgl. ebd.; vgl. STAATSKANZLEI RHEINLAND-PFALZ 2012, o. S.). Letztendlich liegt der beschlossene Etat bei 990 Millionen Dollar, sodass die Vision allmählich Gestalt annimmt und die anfangs gehegten Pläne nun in die Realität umgesetzt werden können - auch wenn von zahlreichen Gegnern und Naturschutzverbänden eine Umweltverträglichkeitsprüfung gefordert wird (vgl. DIE RHEINPFALZ. 01.01.2013, o. Nr., o. S.; vgl. DIE RHEINPFALZ, 07.05.2013, Nr. 105, S. 16). Für Kurt Beck (SPD), damaliger Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, ist die Entscheidung für ein neues Militärkrankenhaus „die erwartete gute Nachricht für Rheinland-Pfalz und besonders für die Westpfalz" und bringt „Impulse für die Wirtschaft, die Arbeitsplätze und die Menschen in der Region" mit sich (DIE RHEINPFALZ, 01.01.2013, o. Nr., o. S.).

Die Entwicklungen im Raum Kaiserslautern zeigen stets deutlich positive Tendenzen auf, sodass mit dem Verbleib der bisherigen 50.000 US-Amerikanern weiter gerechnet werden darf. Allein der Anteil der im Raum Kaiserslautern stationierten Streitkräfte inklusive ihrer Familien gemessen an der Gesamtzahl in Deutschland (2009: 66.361) sowie in Rheinland­Pfalz (2013: 62.100) impliziert den hohen Stellenwert (vgl. DEUTSCHER BUNDESTAG 2011, S. 15; vgl. DIE RHEINLAND-PFALZ, 07.05.2013, Nr. 105, S. 16). Die Standorte Kaiserslautern und Ramstein sowie weitere Einrichtungen (siehe Karte 1 in 3.1) und Bauprojekte sind demnach nicht gefährdet (vgl. DIE RHEINPFALZ, 16.05.2013, Nr. 112, S. 13).

3.3 Auswirkungen der Omnipräsenz auf Natur & Umwelt

Konflikte sind alltäglich und entstehen häufig bei gegensätzlichen Meinungen bzw. Interessen, die mehr oder minder konsequent verfolgt werden - v.a. wenn es um Natur, Umwelt und Nachhaltigkeit geht, sind die Gruppierungen oft nicht selber Meinung. Nun, wie definiert sich eine Destination wie Kaiserslautern, die solch kontroverse Tendenzen in Bezug auf die US-Amerikaner aufzeigt? In diesem Fall geht es daher um die Streitfrage zwischen ökologischer Tragfähigkeit, militärischer Omnipräsenz und deren Integration dieser in die natürliche Umwelt. Die Verträglichkeit zwischen touristischer Wertschätzung, bezogen auf natürliche Ressourcen, konkurriert dabei mit den Folgen diverser militärischer Handlungen wie z. B. Flugübungen (Fluglärm). Fakt ist, dass jeder ländliche bzw. städtische Raum, der sich als touristische Destination vermarkten möchte, attraktive Impulse wie z. B. natürliche Reize oder kulturelles Erbgut wahren sollte und mögliche Störfaktoren beseitigen sollte.

Wie hoch ist die militärische Belastung tatsächlich? Die Auswirkungen des US- Besatzungsstandorts sind seit den 1950er Jahren zu spüren, als der Ausbau des Flugplatzes in Ramstein begann. Der Eingriff in landschaftliche Prozesse macht dabei keinen Halt, sodass u.a. ein Naturschutzgebiet, Wasserschutzgebiet sowie mehrere Waldflächen schon eh und je den Maßnahmen zum Opfer fallen (vgl. JUNG 2013, S. 4).

Kritische Stimmen erheben sich, wenn es um das Thema Fluglärm, Bodenlärm und Umweltverschmutzung geht. Dabei sind folgende Risiken anzuführen, die für Mensch und Natur gleichgültig sind (vgl. DIE RHEINPFALZ, 04.10.2012, o. Nr., o. S.; vgl. JUNG 2013, S. 5ff.; vgl. DEUTSCHER BUNDESTAG 2012, S. 1) :

> Schadstoffe der Flugzeuge führen zu Erkrankungen

> Hohe Lärmbelästigung (Schlafstörungen) durch militärische Nacht/-Tag Flüge

> Trinkwasserproblematik durch Rückstände von Treibstoff im Boden

> Lagerung von Munition und hochexplosiven Materials

> Ausgehende Gefahr terroristischer Bedrohungen/Anschläge

> Verminderung der Lebens- und Wohnqualität

> Schwächung der Tourismusbranche

Naturräumlich gesehen ist der Pfälzerwald wohl am stärksten betroffen, da neben der Flugschneisen zum Starten und Landen von Transport- bzw. Charterflügen in Ramstein (Karte 4) auch regelmäßige militärische Übungsflüge im Bereich des Luftraums TRA LAUTER stattfinden (Karte 5) (vgl. MULEWF 2013, o. S.).

Karte 4: Flugkorridor Ramstein

Die Zahlen belegen die hohe Auslastung im Luftraum und bekräftigen nochmals die Wichtigkeit des Stützpunktes der US Air Force bzw. NATO-Kommandozentrale: „24.000 Passagiere im Monat, 32.000 Starts und Landungen pro Jahr - Ramstein ist die größte europäische Luftdrehscheibe des US-Militärs" (DIE WELT 2013, o. S.).

Allerdings bleibt festzuhalten, dass über die aufgeführten negativen Auswirkungen keine klaren wissenschaftlichen Erkenntnisse über die aktuellen Belastungen vorliegen, weshalb der Landrat Paul Junker (CDU) eine Studie fordert, die über Lärm- und Schadstoffemissionen aufklärt (vgl. DIE RHEINPFALZ, 04.10.2012, o. Nr., o. S.). Dennoch ist das Streben nach einer umweltverträglichen Lösung präsent und steht auch bei den örtlichen Politikern auf der Agenda. Der Oberbürgermeister der Stadt Kaiserslautern, Dr. Klaus Weichel (SPD), beteuert den regelmäßigen Austausch mit US-Verantwortlichen im Zuge der Belastungsreduzierung durch Flugzeuge (vgl. DIE RHEINPFALZ, 27.02.2012, o. Nr. o. S.). Des Weiteren wehren sich immer mehr Menschen gegen die autonome Herangehensweise des US-Militärs, wie die zuletzt erkämpfte

Umweltverträglichkeitsprüfung für das neue US-Hospital in Weilerbach zeigt (vgl. DIE RHEINPFALZ, 07.05.2013, Nr. 105, S. 16).

Problematisch war, ist und wird es beim Umgang mit Liegenschaften und nachhaltigem Flächenmanagement, da die Flächen 1. vorerst für das US-Militär bestimmt sind und 2. der weitere Flächenbedarf als auch das hohe Sicherheitsrisiko auf amerikanischer Seite im Wege stehen (vgl. DIE RHEINPFALZ 04.12.2004, o. Nr., o. S.). Die zivile Entwicklung kann darunter leiden, sodass in gewisser Weise benötigte Flächen, die für touristische Anziehungspunkte wie bspw. eine Pfalzarena (multifunktionale Halle) in Betracht kommen, verloren gehen (vgl. ebd.; vgl. DEUTSCHLANDRADIO 2013, o. S.).

Wo sind nun die Hebel für den Tourismus in dieser Debatte anzusetzen? Das Alleinstellungsmerkmal der starken US-Präsenz mit den bisher erläuterten Vor- und Nachteilen muss in die attraktive Landschaft, sprich die vier großen Naturräume des Landkreises Kaiserslautern (Westpfälzische Moorniederung, Sickinger Höhe, Naturpark Pfälzerwald, Nordpfälzer Bergland) in Einklang gebracht werden. Umwelt- und Naturschutz stehen im Blickfeld einer nachhaltigen Regionalentwicklung und sichert die Freizeitregion auf Dauer (vgl. DIE RHEINPFALZ, 01.04.2008, o. Nr., o. S.).

3.4 US-Militär in der Region - zukünftige Wirtschaftskraft in touristischer Hinsicht?

Welche ökonomische Bedeutung haben die US-Amerikaner in der regionalen Wertschöpfung? Kann der Wirtschaftszweig Tourismus eine herausragende Rolle einnehmen und damit einhergehend Umsätze generieren? Um eine genaue Aussage treffen zu können, inwieweit die US-Amerikaner in wirtschaftliche Prozesse involviert sind, bedarf es an der Betrachtung struktureller Komponenten. Mithilfe der nachstehenden Grafik, welche die Personalstruktur der KMC mit absoluten Zahlen veranschaulicht,

- Soldaten im aktiven Dienst
- Zivilbeschäftigte im aktiven Dienst
- US-Bürger m it bewilligten Finanzmitteln
- US-Bürgerohne bewilligte Finanzmittel
- Familie & Angehörige des Militärs
- Rentner
- Familie & Angehörige der Rentner

Quelle: Eigene Darstellung nach 86th Comptroller Squadron: Fiscal Year 2010, KMC annual economic impact on the local economy, in: GROTHeEr 2012, S. 26

Im Jahr 2010 sind nach dem Lagebericht der zuständigen Einheit der 86th Comptroller Squadron insgesamt 49.972 US-Bürger in der Region. Davon befinden sich ca. 60% im aktiven Dienst, die restlichen 40% haben keine direkten Einnahmen vorzuweisen, werden aber zum Teil bezuschusst oder erhalten Rente (vgl. GROTHEER 2012, S. 26f.). 40.000 Arbeitsplätze - Paul Junker spricht 2012 von über 27.000 direkten (Soldaten und Zivilbeschäftigte) sowie 13.000 indirekten Arbeitsplätzen, die dem US-Militär zuzuschreiben sind (vgl. DIE WELT 2013, o. S.; vgl. DIE RHEINPFALZ, 27.02.2012, o. Nr., o. S.). Knapp 78% der direkt angestellten US-Bürger wohnen außerhalb militärischer Einrichtungen (z.B. Air Base Ramstein) und werden zum Teil als Einwohner erfasst, sodass die Kreisgemeinden beim kommunalen Finanzausgleich davon profitieren und mehr Geld in die Kassen bekommen (vgl. GROTHEER 2012, S. 25; vgl. DIE RHEINPFALZ, 27.02.2012, o. Nr., o. S.).

Das US-Militär übernimmt als Arbeitgeber eine weitere bedeutende Funktion in der lokalen und regionalen Wirtschaft, denn im April 2012 waren in Stadt und Landkreis Kaiserslautern 5.647 deutsche Zivilbeschäftigte angestellt (vgl. WFK 2012, S. 34; vgl. GROTHEER 2012, S. 19). Trotz der rückläufigen Entwicklung seit 1986 ist das US-Militär weiterhin der wichtigste Arbeitgeber der Region und lässt große gewerbliche Unternehmen wie die ebenso amerikanische General Motors Tochter der Adam Opel AG (2.800 Beschäftigte) hinter sich (vgl. WFK 2012, S. 2; vgl. GROTHEER 2012, S. 22).

Die Personalkosten des US-Militärs belaufen sich im Jahr 2010 auf eine Gesamtsumme in Höhe von ca. 950 Millionen Euro. Nun gilt es zu klären, welche Summe direkt in die lokale Wirtschaft zurück fließt bzw. was die Region tatsächlich an Wertschöpfung generiert. Laut Paul Junker „kann man das nicht auf den Euro genau sagen" (DIE RHEINPFALZ, 27.02.2012, o. Nr., o. S.). Nichtsdestotrotz werden die lokalen Ausgaben (Lebenshaltungskosten, Inanspruchnahme von Dienstleistungen wie z.B. Aufwendungen für Reisen und Freizeitaktivitäten) anhand diverser Annahmen der Lohngruppen/Personalstruktur anteilig differenziert, sodass am Ende ein Betrag X herausgestellt wird, der den jährlichen Effekt widerspiegelt (vgl. 86TH COMPTROLLER SQUADRON 2010, S. 5ff.). Mit welchem Betrag ist also zu rechnen? Folgende Tabelle gibt Aufschluss über die ausschlaggebende Schätzechnung (Euro/Jahr):

Tabelle 4: Wirtschaftliche Auswirkungen der KMC (lokal/regional) 2010

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung nach 86TH COMPTROLLER SQUADRON 2010, S. 7

De Facto bringen die Ausgaben für etwaige Bauprojekte oder Dienstleistungen von US- Amerikanern erhebliche regionale bis lokale wirtschaftliche Effekte mit sich, sodass im Jahr 2010 mit einem direkten Geldtransfer in die Region in Höhe von knapp 1,5 Milliarden Euro (siehe Tabelle 4) bzw. in den Folgejahren eins bis 1,3 Milliarden Euro im Jahr auszugehen ist (vgl. 86TH COMPTROLLER SQUADRON 2010, S. 7; vgl. DIE RHEINPFALZ, 27.02.2012, o. Nr., o. S.; vgl. DIE WELT 2013, o. S.). Unter hinzunahme der Bruttowertschöpfung des sekundären (produzierendes Gewerbe) und tertiären (Dienstleistungen) Sektors, gültig für Stadt und Landkreis Kaiserslautern im Jahr 2010, in einer Gesamthöhe von ca. 4,6 Milliarden Euro ein nicht unerheblicher Wirtschaftsfaktor (vgl. WFK 2012, S. 1).

Welche Relevanz kommt dem Wirtschaftsfaktor Tourismus in Bezug auf US-Amerikaner zugute? In diesem Zusammenhang wäre es interessant zu erfahren, mit welchen Ausgaben zu rechnen ist, wenn es sich explizit um den Wirtschaftszweig Tourismus handelt. In der schriftlichen Befragung wird demnach danach gefragt, was die US-Amerikaner durchschnittlich bereit sind auszugeben, sobald es um die Nutzung touristischer Einrichtungen geht?

Abbildung 7: Verteilung der monatl. Freizeitausgaben stationierter US-Amerikaner

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Erhebung

Das Diagramm zeigt, dass stationierte US-Amerikaner durchaus bereit sind in (deutsche) lokale und regionale Freizeitangebote zu investieren. Über 40% der Befragten geben monatlich 150 bis 200 Euro für Freizeiteinrichtungen aus (ausgenommen US-amerikanische

Einrichtungen). Die Tendenz geht eher dahin, dass ein Teil der Befragten mit 16% sogar mehr als 300 Euro ausgeben. Das Potential die US-Amerikaner als Konsument in die regionalökonomische touristische Wertschöpfungskette einzubinden ist keine Illusion und demnach als Stärke herauszustellen (vgl. Interview GRIEBE, Anhang IV). Der Einfluss der US-Amerikaner ist fast überall zu spüren - die Region ist dementsprechend ausgestattet und die „Wirtschaft auf Amerikaner eingestellt“ (DIE RHEINPFALZ, 27.02.2012, o. Nr., o. S.). Seither sind die US-Amerikaner ein nicht weg zu denkender Wirtschaftsfaktor in der strukturschwachen Region, die seit 1990 einem Strukturwandel unterliegt (vgl. DIE WELT 2013, o. S.).

3.5 US-Bürger vs. US-Tourist - Eingrenzung und Differenzierung

Angesichts der Tatsache, dass die Aufenthaltsdauer von stationierten US-Amerikanern in den meisten Fällen begrenzt ist, gilt nun zu klären, inwiefern ein US-amerikanischer Staatsbürger im touristischen Kontext definiert und behandelt wird - Welche Stellung kommt den Beteiligten also bei der Typisierung in Freizeit und Tourismus zu? Muss eine zwanghafte Ortsveränderung, längere Aufenthaltsdauer oder ein spezielles Motiv vorliegen, um den US-Amerikaner als idealtypischen Touristen einstufen zu können? In einem ersten Schritt muss definiert werden, welche gesellschaftliche Funktion dieser Bürger im Untersuchungsraum einnimmt und welche Rolle diesem zukommt (vgl. Interview GRIEBE, Anhang IV; vgl. Interview KLEEMANN, Anhang II; vgl. Interview BICKMANN, Anhang I; vgl. Interview GLANTZ, Anhang III):

1. US-Bürger mit (limitiertem) Daueraufenthalt (Militärangestellte inkl. Familie, in den meisten Fällen ca. zwei bis drei Jahre)

2. US-Bürger ohne Wohnsitz in Deutschland mit speziellem Reisemotiv (z.B. Geschäftstourismus, Verwandtentourismus, Rootstourismus)

US-Amerikaner, die entweder nicht mehr aktiv im Dienst (Rentner/Pensionäre) sind oder keinen direkten Bezug zum Militär haben (Migranten) werden in der Diskussion nicht berücksichtigt. Hierbei sind die Personen als Einheimische mit dauerhaftem Wohnsitz zu betrachten, sodass vorerst keinerlei Relevanz bzw. Tendenz zu touristischen Absichten vorliegt. Nach der WTO-Definition sind alle zwei aufgeführten Gruppen, ausgenommen Geschäftsreisende, nicht als idealtypische Touristen erfasst und werden daher nicht weiter als Touristen angeführt (vgl. FREYER 2009, S. 87).

Zu 1.) Zum einen sind die stationierten US-Amerikaner als einheimische zu deklarieren, da dieser hier wohnt und gemeldet ist - eben der „Nachbar von nebenan“ (Interview GLANTZ, Anhang III). Was die Lebenshaltungskosten angeht, konkurrieren die zahlreichen amerikanischen Angebote (on base) mit denen der deutschen Angebote vor Ort (off base) (vgl. Interview GLANTZ, Anhang III; vgl. Interview KLEEMANN, Anhang II). „Hier stationierte US-Bürger und ihre Familien nutzen die Freizeitmöglichkeiten in der Region, besuchen lokale Feste und Veranstaltungen und speisen in den Restaurants der Umgebung" (ILE WESTRICH 2010, S. 1). Die Region profitiert davon, wenn US-Amerikaner Angebote nutzen, welche das Tagesgeschäft betreffen wie z.B. im Einzelhandel, Gaststättengewerbe oder sämtliche Freizeitaktivitäten (vgl. Interview BICKMANN, Anhang I). Trotz der Auffassung, dass die US-amerikanischen Streitkräfte mit ihren Familienangehörigen keine idealtypischen Touristen sind, sollten diese mit ihrer Sonderstellung als dankbare Touristengruppe behandelt bzw. angesehen werden und für spezielle Angebote gewonnen werden (vgl. Interview GLANTZ, Anhang III; vgl. Interview KLEEMANN, Anhang II). Die Zielgruppe nimmt im gesamttouristischen Kontext einen hohen Stellenwert ein, v.a. wenn Naherholung gesucht wird (vgl. Interview GRIEBE, Anhang IV). In regelmäßigen Abständen kommen immer wieder neue potentielle „Personen, die man durchaus als Touristen betrachten kann, auch wenn sie jetzt hier leben für einen gewissen Zeitraum" (Interview KLEEMANN, Anhang

Zu 2.) Die Motivation an einer Reise von der gewohnten heimischen Umgebung in eine andere fremde Destination, spielt eine große Rolle. So sind US-Bürger, die aus dienstlichen Gründen für ein oder mehrere Tage/Wochen in die Zieldestination Kaiserslautern und Umgebung reisen, ein wichtiger Faktor für die lokale Hotelindustrie. Zeitgleich versuchen die Betriebe mit langfristigen Verträgen zu arbeiten, d.h. US Army bzw. US Air Force einzubinden, um US-Amerikaner mittelfristig zu beherbergen (vgl. Interview BICKMANN, Anhang I). Weitere Form der Motivation ist der Besuch von Familienangehörigen aus den USA, was sich v.a. in den Sommermonaten stark bemerkbar macht, aber im generellen automatisch, ohne spezifische Maßnahmen im Auslandsmarketing vorzunehmen, hohen Zulauf in die Region mit sich bringt (vgl. Interview KLEEMANN, Anhang II). Darüber hinaus suchen ehemalig stationierte US-Amerikaner nach ihren Wurzeln und wollen die Region, die sie noch mehr oder minder aus ihrer Vergangenheit kennen, aus unterschiedlichsten Zwecken bereisen (vgl. Interview GRIEBE, Anhang IV).

Die unterschiedlichen Konstellationen zeigen die Schwierigkeit hinsichtlich einer annehmbaren Abgrenzung. Dennoch steht fest, dass der US-Amerikaner sowohl einheimische Eigenschaften aufweist als auch über touristische Bedeutung verfügt (vgl. Interview GLANTZ, Anhang III; vgl. Interview KLEEMANN, Anhang II).

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Ende der Leseprobe aus 113 Seiten

Details

Titel
Tourism in K-Town. Die US-amerikanischen Streitkräfte und der Tourismus in Kaiserslautern
Hochschule
Universität Trier
Note
2,7
Autor
Jahr
2013
Seiten
113
Katalognummer
V268986
ISBN (eBook)
9783668601031
Dateigröße
2330 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Tourismus, Kaiserslautern, USA, Streitkräfte, US-Amerikaner, Ramstein, Stützpunkt, Militär
Arbeit zitieren
Maximilian Laborenz (Autor), 2013, Tourism in K-Town. Die US-amerikanischen Streitkräfte und der Tourismus in Kaiserslautern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/268986

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