Ein Bericht über die Entwicklung des Tests "LiB" - Liebe in der Beziehung


Forschungsarbeit, 2003

33 Seiten, Note: 15 Punkte


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Theoretische Position zum Konstrukt „Liebe“ nach R. Josselson, 1999

2. Konstruktion des Fragebogens (Itemebene)
2.1. Ableitung der Items aus der Theorie
2.2. Beantwortungsmodus
2.3. Trennschärfen, Schwierigkeitsindices und Selektionskennwerte
2.4. Itemselektion
2.5. Darstellung des selektierten Itempools
2.6. Beschreibung der Endfassung

3. Gütekriterien (Testebene)
3.1. Objektivität
- Durchführungsanweisungen
- Auswertungsschlüssel
- Interpretationshilfen
3.2. Reliabilität
3.3. Validität
3.4. Normen
- Beschreibung der „Normstichprobe“
- Kennwerte und Normenliste

4. Probleme

Literaturverzeichnis

Anhang

1. Theoretische Position zum Konstrukt „Liebe“ nach R. Josselson, 1999

Der Fragebogen „Liebe in der Beziehung“ (LiB) ist ein Verfahren zur Erfassung des Gefühlszustandes einer Person gegenüber dem/er Partner/in in einer Beziehung. Der Fragebogen zielt auf die Beschreibung des Konstrukts „Liebe“, welches der Theorie von R. Josselson von 1999 entstammt.

Der im Rahmen dieser Theorie entwickelte Begriff steht den bisherigen Entwicklungstheorien entgegen (vgl. Josselson 1999, S.16). Bislang stand das Individuum im Mittelpunkt der Theorien. „Mitmenschen waren nur als Objekt zur Befriedigung der Instinktbedürfnisse eines sich selbst verwirklichenden Ichs interessant.“ (ebenda, S. 16) Diese Tendenz, Gefühle und Emotionen als eine Folge der Befriedigung eigener Bedürfnisse aufzufassen, wird in der Theorie von Josselson abgelehnt. Nicht mehr die Freudsche Auffassung von Liebe, es handle sich hauptsächlich um sexuelle Bedürfnisse/Triebe und ihre Befriedigung, sondern „Zwischenmenschliche Beziehungen als Ziel und Zweck unseres Lebens“ (ebenda, S. 16). Das Ziel der Beschreibung zwischenmenschlicher Beziehungen ist es zu erfahren, wie Menschen zueinander stehen und nicht nur wie sie sich verhalten, was sie tun. Aus diesem Grund ist „Liebe“ ein Konstrukt, das Gefühle beschreibt, die sich nicht nur auf der Verhaltensebene äußern. Emotionen, die einen in der Beziehung begleiten, die „wie aus dem Nichts“ entstehen, sind auch Bestandteil des Konstruktes „Liebe“ nach Josselson. „Liebe“ ist kein Do- & Don’t-Verhalten, man muss nicht jede Minute für einen erreichbar sein, um für ihn „da-sein“ zu können. „Liebe“ ist auch nicht ein Zukunftspläne-Miteinander-Schmieden, denn dieser Zustand hat mit dem Planen nichts zu tun, „Liebe“ kann vergehen, wenn z. B. das Gefühl „Eingebettet-Sein“ verloren geht. „Liebe“ ist in dieser Theorie ein emotionaler Zustand, der zwischen den realen Gegebenheiten und den emotionalen Bedürfnissen entsteht, zwischen dem, was eine Person einer anderen gibt, sei es materiell oder emotional, und dem was sie zurückbekommt. Eine weitere theoretische Annahme, die in diese Theorie integriert worden ist, ist die, dass vieles, was Menschen bewegt oder was sie empfinden, durch ihre Kindheitserfahrungen erklärbar ist. Des Weiteren wird die Erfahrung von Nähe einer Kind-Mutter-Beziehung zu einem Beweggrund für viele Gegebenheiten menschlichen Lebens erklärt.

In der Theorie von R. Josselson wird das Konstrukt „Liebe“ in acht Bereiche untergliedert. Diese Bereiche sind (vgl. ebenda S. 19f):

1. „Gehalten werden“
2. „Bindung“
3. „Leidenschaftliche Erfahrung“
4. „Augensprache bzw. Auge-zu-Auge-Bestätigung“
5. „Idealisierung und Identifikation“
6. „Vertrautheit“
7. „Eingebettet sein“
8. „Kümmern und Umsorgen“

Allen Dimensionen der „Liebe“ steht ein Bedürfnis übergeordnet, für das Josselson die Raummetapher verwendet. Es ist das Bedürfnis der Nähe, welches man durch „Distanzüberwindung“ zu stillen versucht. Die Bereiche des Konstruktes „Liebe“ sind demnach Bestandteile der „Distanzüberwindung“. „Gehalten werden“ ist die erste Dimension der „Liebe“. Sie basiert auf einem lebenslangen Bedürfnis, so Josselson, sich „verborgen, verankert, verwurzelt“ zu fühlen und äußert sich in einem Gefühl der Sicherheit, dem Gefühl „in starken Armen gehalten zu werden“. Bei der „Bindung“ handelt es sich um eine „angeborene Neigung, sich anderen Menschen zuzuwenden“. Sie ist „eine der wichtigsten Grundstrukturen des menschlichen Lebens, wozu auch die schmerzliche Verletzlichkeit gehört, wenn wir einen diesbezüglichen Verlust erleiden“. „Leidenschaftliche Erfahrung“ entsteht aus dem Verlangen nach einem Gefühl der Nähe, das man durch körperlichen Kontakt, durch Berührung zu bekommen versucht. „Augensprache bzw. Auge-zu-Auge-Bestätigung“ ist ein schwer zu erklärendes Phänomen der „Kommunikation durch Augenkontakt“. Damit werden der Theorie nach solche Empfindungen ausgelöst, wie „ sich im Auge des Anderen finden“, „in und für jemanden anderen existieren“. Als ein Mittel, „sich mit starken Menschen zusammen zu tun“ agiert in der „Liebe“ die Komponente „Idealisierung und Identifikation“. Durch „Vertrautheit“ zwischen den Menschen entsteht das „Wir-Gefühl“, das einem die Vorteile von Gruppenzugehörigkeit verleiht. Der Aspekt „Eingebettet sein“ soll ebenfalls dafür sorgen, dass man sich zugehörig fühlt, „Platz in die Gesellschaft findt“, „in die Gruppe passt“. „Kümmern und Umsorgen“ – ist eine weitere Möglichkeit, die „Distanz zu überwinden“, u. z. dadurch, dass man sich um jemanden kümmert, sorgt (vgl. Josselson 1999, S. 21f).

2. Konstruktion des Fragebogens (Itemebene)

2.1. Ableitung der Items aus der Theorie

Die Itemsammlung begann mit der Aufarbeitung des theoretischen Konstruktes „Liebe“, mit dessen Operationalisierung. Die Konstruktion der Items wurde primär in Orientierung an der Annahme eines multiplen Charakters des Konstruktes entwickelt. Bei den theoretischen Vorüberlegungen wurde jedoch die Entscheidung getroffen, dass die in der Theorie aufgestellten Bereiche des Konstruktes sehr zahlreich sind und zu einer geringeren Zahl zusammengefasst werden sollen. Die Reduzierung der Bereiche erfolgte durch die Zusammenfassung inhaltlich ähnlicher Bereiche. Einige Bereiche/Aspekte des Konstruktes implizieren ähnliche Konstrukte, so dass die beobachtbaren Indikatoren verschiedener Konstrukte nur schwer zu unterscheiden wären. So sind z. B. die Bereiche „Gehalten werden“ und „Bindung“ einander ähnlich, da beide nach dem Bindungsgefühl und den Entstehungsursachen dessen fragen. Deshalb wurden diese auch zu einem Bereich im Fragebogen zusammengefasst. Ebenfalls wurden die Bereiche „Augensprache“ und „Vertrautheit“ zusammengelegt. Der Grund hierbei ist ebenfalls die inhaltlich ähnliche Richtung, welche auf Vertrauen und „Einander ohne Worte verstehen“ abzielt. Die Aspekte „Leidenschaftliche Erfahrung“ und „Kümmern und Umsorgen“ werden der Theorie entsprechend einzeln behandelt. Es ergaben sich 5 Bereiche. (s. Tabelle 1: Übersicht über Verteilung der Bereiche im Test)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Übersicht über Verteilung der Bereiche im Test

Als Ausgangspunkt der Itemsammlung dienten die 5 oben aufgelisteten Bereiche, zu jedem von diesen sollte eine Anzahl von Items konstruiert werden. Die Zusammenstellung der Items begann mit dem Erkunden in der Grundlagenliteratur nach vorhandenen Hinweisen für Indikatoren einzelner Teilaspekte des Konstrukts. Dementsprechend orientieren sich die Items in erster Linie an der Theorie, aber auch an die Kriterien der inhaltlichen Itemselektion. Dabei wurde die Formulierung anfangs aufgestellter Items teilweise aus sprachlichen und aus Verständlichkeitsgründen mehrmals geändert. Auf diesem Weg wurden um die 20 Items in jedem Bereich formuliert. Insgesamt ergab sich ein Itempool mit 97 Items. (s. Anhang 1: Theorieableitung – Itempool; s. Tabelle 2: Übersicht über die Verteilung der Items in die Bereiche)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2: Übersicht über die Verteilung der Items in die Bereiche

2.2. Beantwortungsmodus

Für die Formulierung der Items wurde die Aussageform gewählt. Die Beantwortung erfolgt auf einer 5-stufigen Skala. Eine geringerstufige Skalierung bei der gegebenen Thematik würde für die Probanden die Beantwortung eher erschweren als erleichtern. Die Alternativ-Beantwortung „ja, trifft auch mich zu“ vs. „nein, trifft auf mich nicht zu“ wurde aus inhaltlichen Überlegungen und aus daraus resultierenden teststatistischen Gründen (Optimierung der Reliabilität und der Validität) verworfen. Des Weiteren bestünde in diesem Fall die Gefahr, bewusst positive oder eher negative Reaktionen zu produzieren. Stattdessen fiel die Entscheidung zugunsten einer 5-stufigen Skala aus, wobei die Antwortalternative 3 keine statistische Mitte darstellt, es handelt sich hier nicht um ein „Unentschieden“.

1 = trifft überhaupt nicht zu

2 = trifft eher nicht zu

3 = trifft einigermaßen zu

4 = trifft eher zu

5 = trifft völlig zu

2.3. Trennschärfen, Schwierigkeitsindices und Selektionskennwerte

Es wurden für die erste Fassung des Fragebogens, die an einer Stichprobe aus 58 Probanden getestet wurde, die Trennschärfen und Schwierigkeitsindices berechnet. (s. Tabelle 3: Trennschärfen, Schwierigkeitsindices - Itempool )

Tabelle 3: Trennschärfen, Schwierigkeitsindices - Itempool

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]

Ende der Leseprobe aus 33 Seiten

Details

Titel
Ein Bericht über die Entwicklung des Tests "LiB" - Liebe in der Beziehung
Hochschule
Universität des Saarlandes  (Erziehungswissenschaft)
Veranstaltung
Testtheorie
Note
15 Punkte
Autor
Jahr
2003
Seiten
33
Katalognummer
V26901
ISBN (eBook)
9783638290982
ISBN (Buch)
9783638771665
Dateigröße
703 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Eine empirische Arbeit, die mir viel Mühe aber auch viel Spaß gemacht hat. Es ist ein Bericht über die Entwicklung eines Fragebogens - eines Tests zum Konstrukt "Liebe in der Beziehung". Ausgehend aus der Theorie von R. Josselson wurde ein Fragebogen entworfen, die Reliabilität dessen an einer kleinen Stichprobe der Studenten überprüft wurde. Sowohl die Entwicklung der Items als auch die Überarbeitung des Tests geben ein Eiblick in den wissenschaftlichen Alltag.
Schlagworte
Bericht, Entwicklung, Tests, Liebe, Beziehung, Testtheorie
Arbeit zitieren
Natalia Schlichter (Autor:in), 2003, Ein Bericht über die Entwicklung des Tests "LiB" - Liebe in der Beziehung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/26901

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