In dieser Arbeit stehen die Analyse der Struktur und der Figuren von Martin Walsers Novelle "Ein fliehendes Pferd" im Mittelpunkt. Bezeichnet Walser sein "Glanzstück" mit Recht als Novelle? Um dieser Frage nachzugehen, wird Walsers Werk anhand Definition, Aufbau und Struktur der Gattung Novelle untersucht. Zentral ist außerdem eine eingehende Analyse der Charaktere, die mit einem ausführlichen Vergleich der beiden männlichen Protagonisten schließt.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Zum Novellenbegriff
1.1 Zur Geschichte der Novelle
1.2 Zur Novellendefinition
2. Martin Walser: Ein fliehendes Pferd. Eine Novelle.
2.1 Inhalt
2.2 Struktur und Aufbau
2.3 Die Charaktere
2.3.1. Zur Symbolik der Namen
2.3.2 Helmut und Sabine Halm
2.3.3 Klaus und Helene Buch
2.3.4 Vergleich Helmut – Klaus
3. Schlussbetrachtung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht Martin Walsers Novelle „Ein fliehendes Pferd“ im Hinblick auf ihre formale Struktur und die psychologische Charakterisierung der Protagonisten. Dabei steht insbesondere die Frage im Mittelpunkt, ob das Werk die gattungstypischen Merkmale einer Novelle erfüllt und wie die gegensätzlichen Lebensentwürfe der Figuren das Erzählgeschehen beeinflussen.
- Analyse der literaturgeschichtlichen Entwicklung und Definition der Gattung Novelle.
- Untersuchung des strukturellen Aufbaus der Erzählung sowie des Leitmotivs des „fliehenden Pferdes“.
- Detaillierte Charakterisierung der beiden Ehepaare Helmut/Sabine Halm und Klaus/Helene Buch.
- Interpretation der Symbolik der Namen sowie der gegensätzlichen männlichen Lebensprinzipien.
Auszug aus dem Buch
2.2 Struktur und Aufbau
Der Einstieg in die Novelle Ein fliehendes Pferd erfolgt direkt und unmittelbar. Die Akteure treten auf einmal aus der Menschenmenge ins Geschehen: „Plötzlich drängte Sabine aus dem Strom der Promenierenden hinaus und ging auf ein Tischchen zu, an dem noch niemand saß.“ (S. 9)
Im ersten Kapitel wird das Ehepaar Halm im Wesentlichen charakterisiert. Im zweiten Abschnitt erscheinen „plötzlich“ (S. 19) Klaus und Helene Buch auf der Bildfläche. Klaus ist ehemaliger „Schulkamerad und Jugendfreund und Kommilitone“ (S. 20). Dies kann mit Goethes Worten als unerhörte Begebenheit bezeichnet werden: Halms Urlaub, den sie bereits seit elf Jahren auf immer dieselbe Weise verbringen – sie wohnen in derselben Ferienwohnung in demselben Dorf… – erfährt nun eine für Helmut unangenehme Wende. Helmut erinnert sich zunächst nicht mehr an seinen Jugendfreund, „hatte […] Klaus aus seinem Gedächtnis getilgt“ (S. 25). Doch er kann ihm nicht entkommen. Klaus Buch, der sein Leben perfekt zu meistern scheint, nimmt ihre Tagesplanung in die Hand. Er bringt Helmut dazu sich als Versager zu fühlen, der „praktisch nicht gelebt“ (S. 28) hat.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Vorstellung der Novelle und Formulierung der Forschungsfrage hinsichtlich der Gattungszugehörigkeit und Charakterstrukturen.
1. Zum Novellenbegriff: Theoretischer Abriss zur Geschichte und Definition der Novelle als literarische Gattung.
1.1 Zur Geschichte der Novelle: Überblick über die historische Entwicklung der Novelle von Boccaccio bis ins 19. Jahrhundert.
1.2 Zur Novellendefinition: Darstellung wesentlicher Novellentheorien und Definitionskriterien verschiedener Epochen.
2. Martin Walser: Ein fliehendes Pferd. Eine Novelle.: Einleitung in die Analyse des konkreten Werks von Martin Walser.
2.1 Inhalt: Kurze Zusammenfassung der Handlung der Novelle.
2.2 Struktur und Aufbau: Untersuchung des formalen Aufbaus, des Leitmotivs und der Wendepunkte der Novelle.
2.3 Die Charaktere: Einleitung zur Analyse der vier agierenden Personen.
2.3.1. Zur Symbolik der Namen: Deutung der Namen im Hinblick auf die Charakterisierung der Figuren.
2.3.2 Helmut und Sabine Halm: Charakterisierung des Ehepaars Halm und insbesondere des Protagonisten Helmut.
2.3.3 Klaus und Helene Buch: Charakterisierung des Ehepaars Buch und Analyse von Klaus' Selbstinszenierung.
2.3.4 Vergleich Helmut – Klaus: Gegenüberstellung der unterschiedlichen Lebensprinzipien der männlichen Protagonisten.
3. Schlussbetrachtung: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und Bestätigung der Einordnung als Novelle.
Schlüsselwörter
Martin Walser, Ein fliehendes Pferd, Novelle, Literaturanalyse, Gattungstheorie, Helmut Halm, Klaus Buch, Leitmotiv, Dingsymbol, unerhörte Begebenheit, Schein und Sein, Realitätsflucht, Identität, Midlife-Crisis, literarische Charakterisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht Martin Walsers 1978 erschienene Novelle „Ein fliehendes Pferd“ hinsichtlich ihrer formalen Struktur sowie der psychologischen Charakterisierung der Protagonisten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die Gattungsmerkmale der Novelle, das Spannungsfeld zwischen Sein und Schein, die Flucht vor der Realität und die unterschiedlichen Lebenskonzepte der beteiligten Ehepaare.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Hauptziel ist zu klären, ob Walser sein Werk mit Recht als Novelle bezeichnet und ob die entsprechenden formalen und inhaltlichen Kriterien (wie Wendepunkt und „unerhörte Begebenheit“) erfüllt sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die auf einer theoretischen Fundierung der Novellendefinition basiert und diese auf den Text von Walser anwendet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine strukturanalytische Untersuchung des Werks (inklusive des Leitmotivs des Pferdes) und eine detaillierte Charakterinterpretation der vier Figuren sowie deren Vergleich.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Novellendefinition, Leitmotiv, Realitätsflucht, Identitätskrise, Maskerade und das spezifische Charaktergegensatzpaar Halm und Buch.
Welche Bedeutung hat das „fliehende Pferd“ als Leitmotiv?
Das fliehende Pferd fungiert als Dingsymbol für die Flucht vor der Gesellschaft, der eigenen Vergangenheit und der Angst davor, von anderen durchschaut zu werden.
Wie unterscheiden sich Helmut Halm und Klaus Buch?
Helmut Halm wird als introvertierter, an der Vergangenheit interessierter „Bücherwurm“ dargestellt, während Klaus Buch als extrovertierter, sportlich orientierter „Scheinheld“ agiert, der seine Unsicherheit durch Selbstinszenierung kompensiert.
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- Magistra Artium Melanie Kindermann (Author), 2004, Analyse der Novelle von Martin Walser: "Ein fliehendes Pferd", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/26909