Worüber denken wir nach, wenn wir einer Frau auf der Straße begegnen, die den Hijab trägt? Über die fehlende Gleichberechtigung der Geschlechter, Diskriminierung, Unterdrückung der Persönlichkeit, religiösen Extremismus oder Terrorakte in der Metro?
Wir wissen so wenig vom Leben der modernen muslimischen Frauen, dass wir oft das Bild von der unterdrückten und diskriminierten Frau als Forderung des Korans wahrnehmen und die Schuld daran der Religion geben. Das führt dazu,
dass die muslimische Frau mit Mitleid und Bedauern betrachtet wird. Immer wieder weisen die islamischen Gelehrten darauf hin, dass die Unterdrückung der
Frauen keine Forderung des Korans ist. Ob als Tochter, als Ehefrau oder als Mutter: die Frau soll gut behandelt und nicht benachteiligt werden. Dennoch, die Lage der Frau in vielen muslimischen Gesellschaften ist problematisch. Und zwar nicht nur im Lichte der westlichen Werte, sondern auch nach Mäßstäben des Islam
selbst.
Wie der Islam das Bild der Frau in der Wirklichkeit darstellt, welche Rechte der Frau in der Familie und in der Gesellschaft zugeschrieben werden, und was der Koran über Verschleierung, Gleichberechtigung und Gewalt gegen Frauen sagt, wird im ersten Teil der Arbeit dargestellt. Neben dem Koran stellen die Hadithe eine weitere wichtige Quelle für die Beurteilung der Stellung der Frau
im Islam dar. Es folgt nach der kurzen Zusammenfassung und der Darstellung der Rolle, welche die muslimische Frau im Islam spielt, der zweite Teil der Arbeit, der
den Übergang zum dritten Kapitel bildet. In diesem Teil wird die Auslebung des Islam in Russland in der Zeit der Sowjetunion und in der postsowjetischen Zeit
dargestellt. Es soll gezeigt werden, warum der Islam nicht durch den Kommunismus ersetzt wurde, nicht aus dem alltäglichen Leben unter der antireligiösen Politik verschwand, sondern viele Jahre Atheismus überlebte, und
nach dem Zerfall der Sowjetunion sein Wiederaufleben feiern konnte. Der dritte Teil beschäftigt sich mit der aktuellen Situation von modernen muslimischen Frauen in Russland. An Beispielen der muslimischen Frauen aus Usbekistan und aus Kasanj soll untersucht werden, welche religiösen und sozialen Ansichten die Stellung der Frauen in diesen Gesellschaften bestimmen. Auch das meist diskutierte Thema – Kopftuch in Russland – soll in Betracht gezogen werden.[...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Bild der Frau im Islam
2.1 Die Stellung der Frau in der vorislamischen Zeit
2.2 Die Stellung der Frau im Koran
2.3 Die Stellung der Frau in der Gesellschaft
2.3.1 Die Verschleierung der Frauen im Islam
2.3.2 Ausbildung und Ausübung eines Berufes
2.4 Die Stellung der Frau in der Familie
2.4.1 Die Eheschließung und die Pflichten
2.4.2 Polygamie
2.4.3 Ehescheidung
3. Kurze Zusammenfassung
4. Islam in Russland
4.1 Die Muslime zur Zeit der Sowjetunion
4.1.1 „Offizieller“ und „Schattenislam“
4.1.2 Islam in der sowjetischen Stadt Jaroslawl
4.2 „Islamische Renaissance“
4.2.1 Islam im postsowjetischen Tatarstan
4.3 Probleme der Gegenwart
5. Muslimische Frauen in Russland
5.1 Muslimische Frauen in Usbekistan
5.1.1 Gleichstellung der usbekischen Frau
5.2 Muslimische Frauen in Kasanj
5.3 Die Kopftuchdiskussion in Russland
5.3.1 Mit Hijab in einer Metropole
5.3.2 Konvertierte Frauen Moskaus
6. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Bild der muslimischen Frau im Koran sowie die sozio-religiöse Situation muslimischer Frauen in Russland nach dem Zerfall der Sowjetunion, wobei ein besonderer Fokus auf den Unterschieden zwischen den Regionen Usbekistan und Tatarstan liegt.
- Historische Entwicklung der Stellung der Frau im Islam.
- Die Auslebung des Islam in der UdSSR und das Phänomen des "Schattenislams".
- Die "islamische Renaissance" im postsowjetischen Raum.
- Vergleich der Lebensrealitäten muslimischer Frauen in Usbekistan und Tatarstan.
- Die gesellschaftliche und rechtliche Kopftuchdiskussion in Russland.
Auszug aus dem Buch
2.3.1 Die Verschleierung der Frauen im Islam
Die Verschleierung und Abschirmung von Frauen hat sich zum festen Bestandteil islamischer Kultur entwickelt, obgleich der Koran dies an keiner Stelle ausdrücklich vorschreibt:
O Prophet! Sprich zu deinen Frauen und deinen Töchtern und zu den Frauen der Gläubigen, sie sollen ihre Tücher tief über sich ziehen. Das ist besser, damit sie erkannt und nicht belästigt werden. Und Allah ist allverzeihend, barmherzig (Sure 33: 60).23
Die Tatsache, dass "der Schleier" im Koran nicht exakt definiert wurde, führte schon zu Debatten darüber, wie sich die Frau islamisch korrekt zu verhüllen hat. Tatsächlich existiert bis zum heutigen Tag kein einheitliches Bekleidungsgebot, was dazu führte, dass sich vielfältige, historisch und regional variierende Verschleierungsformen herausbildeten. Grundsätzlich wird zwischen Gesichts-, Kopf- und Körperschleier unterschieden, jedoch ergeben sich weitere Differenzierungen hinsichtlich Form, Material und Farbe des Schleiers. "Diskutiert wird in erster Linie, welche Teile des weiblichen Körpers zu bedecken sind, um den Vorschriften an eine islamische Lebensweise gerecht zu werden. Dies kann neben Gesicht, Hals, Haaren und Füßen auch die Augen beinhalten"24.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet Vorurteile gegenüber muslimischen Frauen und umreißt die Struktur der Arbeit, die von der theoretischen Betrachtung im Islam bis zur modernen Situation in Russland reicht.
2. Das Bild der Frau im Islam: Dieses Kapitel analysiert die Rolle der Frau im Koran, Hadithen und der Tradition, wobei Themen wie Ehe, Verschleierung und berufliche Bildung behandelt werden.
3. Kurze Zusammenfassung: Eine knappe Zwischenbilanz des ersten Teils, die betont, dass die Diskriminierung von Frauen oft auf Fehlinterpretationen der Religion basiert.
4. Islam in Russland: Untersuchung der Situation von Muslimen in Russland von der Sowjetzeit bis zur "islamischen Renaissance" nach dem Zerfall der UdSSR.
5. Muslimische Frauen in Russland: Detaillierte Analyse der Lebensrealitäten von Frauen in Usbekistan und Tatarstan sowie der Kopftuch- und Konvertierungsproblematik.
6. Zusammenfassung: Abschließende Betrachtung, die die Erkenntnisse zu regionalen Unterschieden und den Herausforderungen moderner muslimischer Frauen in Russland zusammenführt.
Schlüsselwörter
Islam, Muslimische Frau, Russland, Koran, Hijab, Kopftuch, Usbekistan, Tatarstan, Sowjetunion, Schattenislam, Islamische Renaissance, Frauenrechte, Konvertierte Frauen, Gesellschaft, Religion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die gesellschaftliche und religiöse Stellung der muslimischen Frau, ausgehend von islamischen Quellen bis hin zur konkreten Situation in Russland.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zu den Kernpunkten gehören das Frauenbild im Koran, die historische Entwicklung des Islams in Russland sowie der aktuelle Umgang mit religiösen Identitäten wie dem Tragen des Kopftuchs.
Was ist das primäre Forschungsziel?
Das Ziel ist es, ein differenziertes Bild muslimischer Frauen in Russland zu zeichnen und zu verstehen, wie religiöse und soziale Ansichten deren Stellung in verschiedenen Gesellschaften prägen.
Welche wissenschaftliche Methodik wird angewandt?
Es handelt sich um eine qualitative Arbeit, die auf der Analyse von Korantexten, Hadithen, historischen Dokumenten und zeitgenössischer Fachliteratur basiert.
Was umfasst der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil behandelt die historische Auslebung des Islams unter sowjetischer Herrschaft, das Wiederaufleben der Religion nach 1991 und die spezifischen Lebensbedingungen von Frauen in den Regionen Usbekistan und Tatarstan.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Publikation?
Zentrale Begriffe sind Islam, Frauenrechte, Kopftuch, Russland, Usbekistan, Tatarstan, Konversion und Säkularisierung.
Warum wird Usbekistan als Vergleichsbeispiel herangezogen?
Usbekistan dient als Fallbeispiel für eine strengere staatliche Reglementierung der religiösen Auslebung, was einen spannenden Kontrast zum tatarischen Modell in Russland darstellt.
Welche Rolle spielt die "Union muslimischer Frauen" in der Arbeit?
Die Organisation wird als Beispiel für das wachsende zivilgesellschaftliche Engagement muslimischer Frauen in Russland und deren Beitrag zur Stärkung der Rolle der Frau hervorgehoben.
Wie gehen konvertierte Frauen in Moskau mit ihrer Situation um?
Die Arbeit zeigt, dass konvertierte Frauen oft zwischen gesellschaftlichem Druck und dem Wunsch nach einer gelebten religiösen Identität navigieren, wobei sie häufig eigene Wege der beruflichen und privaten Entfaltung suchen.
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- Tatsiana Boukhris (Author), 2013, Muslimische Frauen in Russland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/269102