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Die Entwicklung Gustav von Aschenbachs und seines Künstlertums in Thomas Manns Der Tod in Venedig (1912)

Title: Die Entwicklung Gustav von Aschenbachs und seines Künstlertums in Thomas Manns Der Tod in Venedig (1912)

Term Paper , 2003 , 30 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Michael Wadle (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Summary Excerpt Details

Das zentrale Thema im Frühwerk Thomas Manns ist der Gegensatz zwischen künstlerischer und bürgerlicher Lebensform, zwischen Kunst und Leben. Die Novelle Der Tod in Venedig markiert den Höhepunkt und Abschluss dieser frühen Schaffensperiode Manns: „Sie war die moralisch und formal zugespitzteste und gesammeltste Gestaltung des Décadence- und Künstlerproblems, in dessen Zeichen seit Buddenbrooks meine Produktion gestanden hatte, und das mit dem Tod in Venedig tatsächlich ausgeformt war.1 Thomas Mann begann seine Arbeit an Der Tod in Venedig im Frühjahr 1911, während eines Aufenthalts auf dem Lido, bei Venedig, und hatte seine Erzählung zunächst als anspruchslose und schnell zu erledigende Arbeit geplant. Allerdings entwickelte sich die Novelle, in ihrer fast einjährigen Entstehungszeit, zu einer vielfältigen und auf unterschiedlichste Weise deutbaren Erzählung. Das 1912 erschiene Werk Manns gilt als eine seiner herausragendsten Arbeiten und soll nach den Worten seines Autors „das Leid und die tragische Verwirrung eines Künstlers [...] zeigen, der Phantasie und ‚Ernst im Spiel’ genug hat, und an den ehrgeizigen Ansprüchen, zu denen der Erfolg ihn verleitet und denen er zuletzt nicht gewachsen ist, zu Grunde geht.“2 Dieser tragische Künstler ist die Hauptfigur der Novelle, der Schriftsteller Gustav von Aschenbach. Gustav von Aschenbach trägt äußerlich die Züge des Musikers Gustav Mahlers, von dessen Tod Thomas Mann während seines Aufenthaltes in Venedig erfuhr. Darüber hinaus sind auch Anspielungen auf Manns eigene Biographie deutlich. Thomas Mann erzählt im Tod in Venedig, wie der alternde Künstler Aschenbach, der sich in einer Schaffenskrise befindet, auf der Suche nach einer neuen Kunst- und Lebenskonzeption nach Venedig reist. Dort wird er nach kurzer Zeit des Glücks und der neuen Produktivität, von Sinnlichkeit und Zügellosigkeit übermannt und verliert seine Würde als Mensch und als Künstler. 1 Thomas Mann: Gesammelte Werke, S. 150. 2 Thomas Mann: Notizbücher, S. 120.

Excerpt


Gliederung

1. EINLEITUNG

2. DAS KÜNSTLERTUM GUSTAV ASCHENBACHS VOR SEINER BEGEGNUNG MIT TADZIO

2.1 DER STRENGE, FORMBEDACHTE, ‚GEISTIGE’ KÜNSTLER ASCHENBACH

2.1.1 Die Abstammung Aschenbachs – Voraussetzung für sein Künstlertum

2.1.2 Die Kindheit Gustav Aschenbachs

2.1.3 Aschenbachs Werdegang als Schriftsteller

2.1.3.1 Der jugendliche Künstler Aschenbach

2.1.3.2 Die Arbeitsweise Aschenbachs

2.1.3.3 Das Werk Aschenbachs – Spiegel seiner Haltung

2.1.3.4 Aschenbachs Künstlertum

2.1.3.4.1 Sein Selbstverständnis als Künstler

2.1.3.4.2 Aschenbach als bürgerlich-apollinischer Künstler

2.2 KRISENHAFTE TENDENZEN IN ASCHENBACHS KÜNSTLEREXISTENZ

3. GUSTAV ASCHENBACH AUF DER SUCHE NACH EINER NEUEN KUNST- UND LEBENSKONZEPTION

3.1 ASCHENBACHS REISE ÜBER POLA NACH VENEDIG – ZUNEHMENDE HINWENDUNG ZUM SINNLICH-DIONYSISCHEN

3.2 DIE ENTWICKLUNG ASCHENBACHS UND SEINES KÜNSTLERTUMS NACH SEINEM ZUSAMMENTREFFEN MIT TADZIO

3.2.1 Zunehmende Harmonie von Geist und Sinnlichkeit im Wesen Aschenbachs

3.2.2 Die Verschmelzung von Logos und Eros – Aschenbach als ‚platonischer Sokrates’

3.2.2.1 Exkurs: Platons ‚Phaidros’-Dialog

3.2.2.2 Kunstschaffen unter dem Einfluss von Schönheit und Eros

3.2.3 Die dauernde Präsenz des Dionysischen – Aschenbachs unbewusste Hinwendung zum Dionysischen

3.2.4 Überwältigung Aschenbachs durch das Dionysische – Sinnlichkeit und Zügellosigkeit

3.2.5 Die Entwürdigung und der Untergang Gustav Aschenbachs

4. SCHLUSSBETRACHTUNG

Zielsetzung und Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Entwicklung der Kunst- und Lebenskonzeption des Schriftstellers Gustav von Aschenbach in Thomas Manns Novelle „Der Tod in Venedig“. Ziel ist es, den Transformationsprozess des Künstlers von einer apollinisch-strengen, leistungsorientierten Existenz hin zu einem dionysisch-maßlosen Verfall zu analysieren und die damit verbundenen Motive des Künstlertums und der Moderne kritisch zu beleuchten.

  • Der Gegensatz zwischen künstlerischer und bürgerlicher Lebensform
  • Die Spannung zwischen apollinischem Geist und dionysischem Rausch
  • Die Rolle von Eros und platonischer Ästhetik im Kunstschaffen
  • Der Symbolgehalt von Venedig und die Entwürdigung Aschenbachs
  • Die Verbindung von Aschenbachs Schaffenskrise mit der Krise der europäischen Moderne

Auszug aus dem Buch

3.2.4 Überwältigung Aschenbachs durch das Dionysische – Sinnlichkeit und Zügellosigkeit

Schon kurz bevor Gustav Aschenbach ein letztes Mal im Angesicht Tadzios schriftstellerisch produktiv ist, fühlt der alternde Künstler sich in einem rauschhaften Zustand, den er „unbedenklich, ja gierig“ willkommen heißt. Zunächst sieht es so aus, als ob Aschenbach den Rausch nutzen könne, um seine Schaffenskrise zu überwinden und in einer inneren Harmonie von Geist und Sinnlichkeit eine neue Form von Literatur zu schaffen.

Er begeht „den für ihn folgenschweren Irrtum, die Sinnlichkeit, welche ihn in so ungewohnter Weise zu verwirren, droht [...] für ein in der sokratischen Konzeption verankertes und insofern auch legitimierbares Phänomen zu halten.“

Nachdem Aschenbach „jene anderthalb Seiten erlesener Prosa“ verfasst hat, werden ihm die Schattenseiten seiner künstlerischen Produktion bewusst. Er fühlt sich „zerrüttet“, wie nach „seltsam zeugende[m] Verkehr des Geistes mit einem Körper“, gegen den sein Gewissen zunächst rebelliert. Doch schon am Folgetag muss sich der Schriftsteller eingestehen, dass er „die Ernüchterung nicht wollte, dass der Rausch ihm zu teuer war.“ Gustav Aschenbach ist „zur Selbstkritik nicht mehr aufgelegt“, es geht ihm nur noch darum, seinen ‚Rausch’ der Gefühle, in den er durch Tadzio geraten ist, nicht zu verlieren.

Zusammenfassung der Kapitel

1. EINLEITUNG: Einführung in die Thematik der Künstlerexistenz bei Thomas Mann und Vorstellung des Protagonisten Gustav von Aschenbach.

2. DAS KÜNSTLERTUM GUSTAV ASCHENBACHS VOR SEINER BEGEGNUNG MIT TADZIO: Analyse von Aschenbachs Herkunft, Arbeitsweise und seinem Selbstbild als strenger, apollinischer Künstler.

3. GUSTAV ASCHENBACH AUF DER SUCHE NACH EINER NEUEN KUNST- UND LEBENSKONZEPTION: Untersuchung der Reise nach Venedig und der allmählichen Hinwendung Aschenbachs zum Dionysischen durch die Begegnung mit Tadzio.

4. SCHLUSSBETRACHTUNG: Zusammenfassende Bewertung von Aschenbachs Scheitern und Einordnung seiner Krise in den Kontext der europäischen Moderne.

Schlüsselwörter

Thomas Mann, Der Tod in Venedig, Gustav von Aschenbach, Künstlertum, Apollinisch, Dionysisch, Geist, Sinnlichkeit, Eros, Schaffenskrise, Ästhetik, Décadence, Moderne, Identitätsverlust, Transformation.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Entwicklung und den Untergang des Schriftstellers Gustav von Aschenbach in Thomas Manns Novelle „Der Tod in Venedig“ unter Berücksichtigung seiner künstlerischen Identität.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind der Konflikt zwischen Kunst und Leben, die Dichotomie zwischen apollinischer Strenge und dionysischer Sinnlichkeit sowie die moralische Auflösung des Künstlers.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Aschenbachs Streben nach einer neuen Lebenskonzeption durch die Begegnung mit Tadzio in einen zerstörerischen Rausch umschlägt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine tiefgehende literaturwissenschaftliche Analyse des Primärtextes unter Einbeziehung philosophischer und biographischer Konzepte, insbesondere mit Bezug auf Nietzsche und Platon.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil wird Aschenbachs Entwicklung von seinem disziplinierten Künstlertum bis hin zur vollständigen Kapitulation vor dem Dionysischen und seinem finalen Niedergang detailliert nachgezeichnet.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind u.a. Künstlertum, Apollinisch, Dionysisch, Eros, Schaffenskrise und Dekadenz.

Welche Funktion hat die Begegnung mit dem fremden Wanderer?

Die Begegnung fungiert als Schlüsselszene, die das Leitmotiv des Todesboten einführt und Aschenbachs Wunsch nach Befreiung aus seinem starren, leidenschaftslosen Leben auslöst.

Wie deutet der Autor das Symbol des Granatapfelgetränks?

Der Granatapfel wird als Symbol gedeutet, das in der griechischen Mythologie für die unauflösliche, schicksalhafte Bindung an die Unterwelt steht.

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Details

Title
Die Entwicklung Gustav von Aschenbachs und seines Künstlertums in Thomas Manns Der Tod in Venedig (1912)
College
Saarland University  (Germanistisches Institut)
Course
Proseminar "Venedig in der deutschen Literatur"
Grade
1,0
Author
Michael Wadle (Author)
Publication Year
2003
Pages
30
Catalog Number
V26912
ISBN (eBook)
9783638291033
Language
German
Tags
Entwicklung Gustav Aschenbachs Künstlertums Thomas Manns Venedig Proseminar Venedig Literatur
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Michael Wadle (Author), 2003, Die Entwicklung Gustav von Aschenbachs und seines Künstlertums in Thomas Manns Der Tod in Venedig (1912), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/26912
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