„Es geht im Sport nicht nur ums Geschäft, es geht auch darum, dass die Fans nichts davon merken“, schreibt der israelische Journalist und Satiriker Ephraim Kishon. Damit spielt Kishon auf die zunehmende Kommerzialisierung des Sports durch die Medien an und erwähnt zugleich, was die größte Sorge der Verantwortlichen ist: die Fans, die Fernsehzuschauer, sollen nach Möglichkeit nicht merken, dass es den Medien und auch den Sportorganisationen weniger um das kritische Informieren über Sportereignisse geht, sondern vielmehr darum, möglichst hohe Gewinne zu erzielen. Das Thema könnte aktueller nicht sein: Vor knapp einem Jahr musste der Medienunternehmer Leo Kirch, unter anderem wegen seiner waghalsigen Investitionen im Bereich der Sportübertragungsrechte, Insolvenz anmelden. Infolgedessen ist die Diskussion um die voranschreitende Ökonomisierung des Sports im Zusammenspiel mit den Medien neu entbrannt.
Ziel dieser Arbeit ist es, zu zeigen, welche Rolle die Medien bei der Kommerzialisierung des Sports spielen und wie vor allen Dingen das Fernsehen, den Sport und das Bild des Sports in unserer Gesellschaft geprägt und verändert hat.
Zunächst soll geklärt werden, wie die Beziehung zwischen Medien und Sport, anfänglich eine symbiotische Beziehung, durch das Aufkeimen wirtschaftlicher Interessen auf beiden Seiten zunehmend aus dem Gleichgewicht geraten ist.
Anschließend wird aufgezeigt, welche Veränderungen für den Sport selbst seine zunehmende mediale Präsenz nach sich zog und wie sich die Sportberichterstattung im Hinblick auf den härter werdenden Konkurrenzkampf zwischen den Fernsehsendern des ‚dualen Systems’ gewandelt hat.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. DIE DREIECKSBEZIEHUNG ZWISCHEN MEDIEN, SPORT UND WIRTSCHAFT – EINE INTERESSENGEMEINSCHAFT?
2.1 DIE ENTWICKLUNG DER INTERESSENGEMEINSCHAFT ZWISCHEN MEDIEN, SPORT UND WIRTSCHAFT
2.2 WIE FUNKTIONIERT(E) DIE INTERESSENGEMEINSCHAFT ZWISCHEN MEDIEN, SPORT UND WIRTSCHAFT?
2.2.1 Das Fernsehen als DAS Medium von Sportübertragungen
2.2.1.2 Exkurs: Warum stößt der Fernsehsport auf so großes Publikumsinteresse?
2.2.2 Die Rolle der Wirtschaft – die Sponsoren
2.2.3 Der Sport / die Sportverbände als Teil der Interessengemeinschaft
3. DER SPORT IM SPANNUNGSFELD DER KOMMERZIALISIERUNG – DIE GESTÖRTE INTERESSENGEMEINSCHAFT
3.1 DIE WEITERENTWICKLUNG VON MEDIEN UND SPORTVERBÄNDEN UND DIE AUSWIRKUNGEN AUF DEN MEDIENSPORT
3.1.1 Die Liberalisierung des deutschen Fernsehmarktes und die Folgen des ‚dualen Systems’ für den Mediensport
3.1.2 Die Sportverbände – moderne Wirtschaftsunternehmen
3.1.2.1 Die Sportverbände im Zwiespalt zwischen sozialen Aufgaben und wirtschaftlicher Tätigkeit
3.2 AUSWIRKUNGEN DES GESTÖRTEN VERHÄLTNISSES ZWISCHEN MEDIEN UND SPORT AUF DEN SPORT UND DIE SPORTBERICHTERSTATTUNG – ÜBERTRIEBENE KOMMERZIALISIERUNG
3.2.1 Die eingeschränkte Vielfalt der Sportberichterstattung
3.2.2 Die mediengerechte Inszenierung des Sports
3.2.3 Die ‚Erfindung’ und ‚Vereinnahmung’ von sportlichen Wettkämpfen durch Medien und Wirtschaft
3.2.4 ‚Entertainisierung’ der Sportberichterstattung – Sport als inszenierte Unterhaltung
3.2.5 Die ‚Verflachung’ des Sportjournalismus – Mangelnde Auseinandersetzung mit den negativen Aspekten des Sports
3.2.6 Die Entstehung eines ‚Zwei-Klassen-Sportjournalismus’
3.2.7 Einflussnahme der Sportorganisationen auf die Sportberichterstattung
3.2.7.1 Vorgabe von Wiedergabemodalitäten durch die Sportvereine
3.2.7.2 Zukunftsvision: Die Sportveranstalter berichten über ihre eigenen Veranstaltungen
4. DIE PLEITE DES MEDIENUNTERNEHMERS LEO KIRCH – ‚INDIKATOR’ FÜR ÜBERTRIEBENE KOMMERZIALISIERUNG DES SPORTS DURCH MEDIEN UND SPORTVERBÄNDE
4.1 UNGEBREMSTE KOMMERZIALISIERUNG DES SPORTS – UNGEHÖRTE WARNZEICHEN
4.1.1 Der Versuch Kirchs den maximalen Erlös aus den Bundesligaübertragungen zu erzielen – Sport als ‚Brechstange’ für Pay-TV
4.1.2 Die jahrelange Misswirtschaft der Fußballvereine
5. HOFFNUNG: DIE KIRCH-PLEITE ALS LEHRREICHE CHANCE FÜR MEDIEN UND SPORTVERBÄNDE
6. SCHLUSSBETRACHTUNG – AUSBLICK
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die zunehmende Kommerzialisierung des Sports durch die Medien und analysiert, wie diese Entwicklung das Bild des Sports in der Gesellschaft prägt. Dabei liegt der Fokus insbesondere auf der Rolle des Fernsehens und der wechselseitigen Abhängigkeit zwischen Medienunternehmen, Sportverbänden und der Wirtschaft, wobei die Insolvenz der Kirch-Media als zentrales Fallbeispiel für eine übersteigerte Ökonomisierung dient.
- Die Entwicklung der symbiotischen Beziehung zwischen Sport, Medien und Wirtschaft.
- Die Auswirkungen des dualen Fernsehsystems auf den Mediensport.
- Die Transformation von Sportverbänden in marktbeherrschende Wirtschaftsunternehmen.
- Die Entstehung einer „Zwei-Klassen-Berichterstattung“ und die Medialisierung sportlicher Rituale.
- Die Folgen der übertriebenen Kommerzialisierung am Beispiel der Kirch-Pleite.
Auszug aus dem Buch
3.2.2 Die mediengerechte Inszenierung des Sports
Manche Sportarten lassen sich aufgrund ihrer spezifischen Merkmale bzw. ihrer speziellen Dramaturgie nicht fernsehsehgerecht darbieten. Deshalb versuchen die Verantwortlichen im Medienbereich die Sportverbände zu mediengerechten Inszenierungen zu bewegen. Aus Angst, im Fernsehprogramm keine Rolle mehr zu spielen und so sowohl Gelder aus dem Übertragungsrechtshandel, sowie Sponsoren- und Werbeverträge zu verlieren, lassen sich die Verantwortlichen des Sports immer öfter darauf ein und versuchen, ihren Sport fernsehgerechter zu präsentieren.
Spielregeln und Wettkampfpläne werden den Bedürfnissen des Fernsehens angepasst. Fast alle Regeländerungen in den unterschiedlichsten Sportarten in den letzten Jahren dienten alleine dem Zweck, die Publikumsfreundlichkeit und die Medientauglichkeit der Sportereignisse zu erhöhen bzw. zu sichern.
Im Tischtennis wurden die Bälle vergrößert, damit das Spiel langsamer wird und die Zuschauer besser folgen können, Volleyball und Tischtennis haben ihre Zählweise verändert, der Hockey-Bund denkt über vereinfachte Regeln nach.
Früher langwierige Wettkämpfe werden auf ein zeitlich erträgliches und berechenbares Maß gekürzt. Bei großen Fußballwettbewerben wie Weltmeisterschaften oder in der Champions League wird ein Spiel, das unentschieden endet, nicht wiederholt, sondern es kommt zum Elfmeterschießen, oder Golden-Goal-Regelungen, womit zusätzlich die Spannung erhöht wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Die Einleitung definiert das Ziel der Arbeit, die Rolle der Medien bei der Kommerzialisierung des Sports zu analysieren und insbesondere den Wandel der Sportberichterstattung im Hinblick auf das duale Fernsehsystem zu beleuchten.
2. DIE DREIECKSBEZIEHUNG ZWISCHEN MEDIEN, SPORT UND WIRTSCHAFT – EINE INTERESSENGEMEINSCHAFT?: Dieses Kapitel beleuchtet die historische Entwicklung der Partnerschaft zwischen Sport und Medien, die sich von einer symbiotischen Beziehung zu einer ökonomisch geprägten Interessengemeinschaft entwickelt hat.
3. DER SPORT IM SPANNUNGSFELD DER KOMMERZIALISIERUNG – DIE GESTÖRTE INTERESSENGEMEINSCHAFT: Hier wird analysiert, wie die Liberalisierung des Fernsehmarktes und das unternehmerische Handeln der Sportverbände zu einer tiefgreifenden Kommerzialisierung und einer Verzerrung der Berichterstattung führten.
4. DIE PLEITE DES MEDIENUNTERNEHMERS LEO KIRCH – ‚INDIKATOR’ FÜR ÜBERTRIEBENE KOMMERZIALISIERUNG DES SPORTS DURCH MEDIEN UND SPORTVERBÄNDE: Anhand der Kirch-Insolvenz wird aufgezeigt, wie übersteigerte Profitgier und waghalsige Investitionen in Sportrechte zu einer Krise in der Sportvermarktung führten.
5. HOFFNUNG: DIE KIRCH-PLEITE ALS LEHRREICHE CHANCE FÜR MEDIEN UND SPORTVERBÄNDE: Dieses Kapitel diskutiert die Krise als notwendigen Wendepunkt, der zu einer Professionalisierung und einer realistischeren Bewertung der Sportrechte führen könnte.
6. SCHLUSSBETRACHTUNG – AUSBLICK: Die Schlussbetrachtung fasst die Ergebnisse zusammen und fordert ein neues Gleichgewicht zwischen der sozialen Rolle des Sports und seiner medialen Vermarktung.
Schlüsselwörter
Medienökonomie, Kommerzialisierung, Sportrechte, Fernsehmarkt, duales System, Sportjournalismus, Kirch-Insolvenz, Sponsoring, Sportverbände, Mediensport, Fußballbundesliga, Sportberichterstattung, Entertainment, Pay-TV, Sportvermarktung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht den Prozess der zunehmenden Kommerzialisierung des Sports durch die Medien und analysiert die daraus resultierenden Spannungsfelder zwischen ökonomischen Interessen und der sozialen Funktion des Sports.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Entwicklung des Mediensports, die Rolle der Sportverbände als Wirtschaftsakteure, die Medialisierung und Inszenierung von Sportwettkämpfen sowie die kritische Analyse der Sportberichterstattung im Fernsehen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie das Fernsehen den Sport und dessen Bild in der Gesellschaft geprägt hat und inwiefern eine übertriebene Kommerzialisierung, beispielhaft dargestellt durch die Kirch-Insolvenz, kontraproduktiv für alle beteiligten Akteure wirkt.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse und einer deskriptiven Auswertung aktueller wirtschaftlicher und medienwissenschaftlicher Entwicklungen im Sport, ergänzt durch die Analyse von Branchen-Fallbeispielen wie der Kirch-Media-Pleite.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Historie der Interessengemeinschaft, die Auswirkungen der Liberalisierung des Fernsehmarktes sowie die spezifischen Folgen der Kommerzialisierung auf Sportjournalismus, Regelwerke und die finanzielle Situation der Vereine.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Medienökonomie, Kommerzialisierung, Sportrechte, duales Fernsehsystem, Sportjournalismus und Sportvermarktung.
Wie verändert die „Entertainisierung“ den Sportjournalismus konkret?
Die Arbeit beschreibt, wie Sportberichterstattung zunehmend zur inszenierten Unterhaltung wird, wobei die journalistische Kritikfunktion zugunsten von Showelementen, Emotionen und der positiven Darstellung von Sponsoren vernachlässigt wird.
Warum wird die Rolle der Fußballvereine kritisch gesehen?
Die Sportvereine werden für ihre Wandlung von Non-Profit-Organisationen zu autoritären Wirtschaftsunternehmen kritisiert, die durch eine unrealistische Bewertung ihrer „Ware Sport“ und eine teils exzessive Misswirtschaft zur Instabilität der Sportbranche beigetragen haben.
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- Michael Wadle (Author), 2003, Sport, Medien, Kommerz. Die Kommerzialisierung des Sports durch die Medien, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/26917