In der vorliegenden Arbeit werden zunächst die Figuren Riccetto, Tommaso und Accattone einzeln eingehend betrachtet und analysiert und in einem weiteren Schritt miteinander verglichen. Schlussendlich soll die Frage geklärt werden, ob Pasolinis Protagonisten tatsächlich als eine einzige Figur akkumulierbar sind, oder ob sie sich doch mehr voneinander unterscheiden als auf den ersten Blick anzunehmen ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Riccetto
3. Tommaso
4. Accattone
5. Vergleich
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Hauptfiguren in Pier Paolo Pasolinis Werken „Ragazzi di vita“, „Una vita violenta“ und „Accattone“. Das zentrale Ziel ist es zu analysieren, ob diese Protagonisten als eine einzige, austauschbare Figur mit verschiedenen Namen betrachtet werden können oder ob signifikante, individuelle Charakterunterschiede bestehen.
- Analyse der sozioökonomischen Lebensbedingungen im Rom der Nachkriegszeit
- Charakterisierung und psychologische Entwicklung der Protagonisten Riccetto, Tommaso und Accattone
- Vergleichende Untersuchung der individuellen moralischen Entwicklung
- Bedeutung der sozialen Integration und politischen Reifung für die Handlungsverläufe
Auszug aus dem Buch
3. Tommaso
Tommaso Puzzilli ist die Hauptfigur in Pier Paolo Pasolinis Roman „Una vita violenta“, der als zentralen Inhaltspunkt die menschliche und politische Reifung des Protagonisten thematisiert.
Auch in Tommasos Fall erfolgt im gesamten Roman keine direkte Charakterisierung durch den Erzähler. Später beschreibt ihn Pasolini als “non bello, non forte e non sano: un debole, insomma, che deve per forza essere un forte, in un mondo dove ciò è obbligatorio”.
Im ersten Teil des Romans wird die Kindheit und Jugend Tommasos, der seinen Alltag mit Raubzügen und anderen diversen Kriminalitäten verbringt, erzählt. Tommaso geht dabei gewissenlos und gewaltvoll vor. Seine Skrupellosigkeit wird vor allem durch den versuchten Mord an einem Jungen und durch sein gewaltsames Sexualverhalten gegenüber seiner Freundin verdeutlicht. Für ihn scheint es kein anderes Mittel als die Gewalt zu geben, um seine Begierden und Wünsche zu befriedigen. Hin und wieder wird diese Grausamkeit jedoch auch von beinahe lyrischen Momenten, in denen Tommasos psychische als physische Zerbrechlichkeit zum Vorschein kommt, durchbrochen. Auch seine politische Einstellung wird thematisiert, wenn er sich auf fast instinktive Weise zum Movimento Sociale hingezogen fühlt. Seine anfängliche Lebenssituation wird treffend von Luigi Martellini beschrieben: „Tommaso Puzzilli è già destinato a scendere nel fondo, a scomparire, a morire, per la sua vita maledetta.“
Als seine Familie im zweiten Teil des Romans in eine ordentliche, menschenwürdige Wohnung umziehen kann, nehmen der Verlauf des Romans und die Entwicklung des Protagonisten eine Wende. Tommaso will sein Armutsleben hinter sich lassen, sein Schicksal in die Hand nehmen und ein neues Leben beginnen. Dies zeigt sein ernsthaftes Gespräch mit Irene nach den zwei Jahren im Gefängnis. In Tommaso ist der Wunsch nach einem neuen Leben gereift: „Nun vojo più esse Tommaso!“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Biografie Pier Paolo Pasolinis und Darstellung der Forschungsfrage bezüglich der Ähnlichkeit seiner Protagonisten.
2. Riccetto: Analyse der Figur Riccetto als zentralen Charakter in „Ragazzi di vita“, der exemplarisch für das Leben im Sottoproletariat steht.
3. Tommaso: Untersuchung der Entwicklung von Tommaso Puzzilli in „Una vita violenta“ unter besonderer Berücksichtigung seiner politischen und persönlichen Reifung.
4. Accattone: Betrachtung der Hauptfigur im gleichnamigen Film, fokussiert auf das Scheitern, die Sakralisierung und die Hoffnungslosigkeit seiner Existenz.
5. Vergleich: Gegenüberstellung der drei Protagonisten zur Klärung, inwieweit sie als austauschbare Identitäten oder individuelle Charaktere fungieren.
6. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der These zur Identität der Figuren und Einordnung der Werke in den Kontext der neorealistischen Gesellschaftskritik.
Schlüsselwörter
Pier Paolo Pasolini, Sottoproletariat, Rom, Ragazzi di vita, Una vita violenta, Accattone, Identität, Sozialkritik, literarische Analyse, Filmwissenschaft, Nachkriegszeit, Armut, politische Entwicklung, Protagonisten, Charakterstudie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Hauptcharaktere in den frühen Werken von Pier Paolo Pasolini und hinterfragt deren vermeintliche Austauschbarkeit.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen das Leben im römischen Sottoproletariat, die soziale Milieustudie und die psychologische Entwicklung der Protagonisten vor dem Hintergrund armer Lebensverhältnisse.
Was ist die primäre Forschungsfrage der Arbeit?
Die Autorin oder der Autor klärt, ob Riccetto, Tommaso und Accattone als eine einzige, akkumulierbare Figur betrachtet werden können oder ob sie sich durch signifikante Unterschiede auszeichnen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literatur- und filmwissenschaftliche Analyse angewandt, die durch Sekundärliteratur und Textbelege aus den untersuchten Werken gestützt wird.
Was wird schwerpunktmäßig im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Einzelbetrachtung von Riccetto, Tommaso und Accattone sowie einem systematischen Vergleich ihrer Handlungen, Motive und moralischen Entwicklung.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind das Sottoproletariat, die borgate Roms, soziale Identität, politische Bewusstwerdung und der Vergleich zwischen literarischer und filmischer Darstellung.
Inwiefern unterscheidet sich Tommaso von den anderen Figuren?
Tommaso hebt sich durch eine deutliche positive Entwicklung und eine wachsende politische Identität hervor, was ihn laut Analyse als einzigen zum „positiven Helden“ innerhalb der Erzählung qualifiziert.
Warum wird Accattone als eine „inverse“ Entwicklung beschrieben?
Im Gegensatz zu den anderen Figuren, die trotz aller Schwierigkeiten Schritte zur sozialen Integration unternehmen, scheitert Accattones Wunsch nach Veränderung an seiner Ausweglosigkeit und endet in einer existenziellen Sackgasse.
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- Federico Sirna (Author), 2012, Riccetto, Tommaso, Accattone. Pier Paolo Pasolinis Hauptfigur(en), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/269192