Carlo Goldonis "Der Diener zweier Herren" (Il Servitore di due Padroni): Beschreibung und Analyse Akt III, Szene 1-3


Hausarbeit, 2010
11 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Beschreibung und Analyse der Szenen

3. Charakterisierung des Truffaldino

4. Die Erzeugung von Komik

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im der folgenden Arbeit werden die ersten drei Szenen des dritten Akts der Komödie „Il Servitore di due Padroni“ von Carlo Goldoni beschrieben und analysiert.

Dabei liegt das Augenmerk auf der Charakterisierung der Hauptfigur Truffaldino, dem „Diener zweier Herren“, und darauf, wie in diesen Szenen Komik erzeugt wird.

2. Beschreibung und Analyse der Szenen

Die ersten drei Szenen des dritten Akts bestehen typisch für die Gattung des Dramas aus Haupttext, also der Personenrede, und dem Nebentext, welcher durch Regieanweisungen konstruiert wird.[1] Auffällig ist hierbei, dass in Goldonis Komödie die Menge des Nebentextes im Vergleich zum deutschen Drama oder der herkömmlichen Komödie stark zunimmt, da viele nonverbalen Handlungen in den Szenen, wie auch im ganzen Werk, vorkommen.[2]

Die Personenrede wird in der dramatischen Redeform durch Dialoge, Monologe und „Beiseitesprechen“ realisiert.[3] Durch das „Beiseitesprechen“ wird die doppelte Kommunikationssituation der Komödie deutlich. Dies ist eine weitere Neuerung Goldonis, wodurch er das Prinzip der performativen Kommunikation zum Teil außer Kraft setzt, da das „Beiseitesprechen“ die Handlung nicht vorantreibt, sondern eher zum Erzeugen von Komik verwendet wird.[4] Am Ende der dritten Szene des dritten Akts dagegen liegt ein Idealtyp der performativen Kommunikation vor: Die Stichomythie ist eine schnell geführte Wechselrede zwischen Figuren, wobei jede Aussage aus wenigen Wörtern besteht und etwas hektisch wirkt.[5]

Die ersten drei Szenen des dritten Akts beinhalten alle Hauptfiguren der Handlung: Truffaldino, Beatrice und Florindo. Es ergeben sich aus der Personenkonstellation je nach Sichtweise verschiedene Aktantenmodelle: Einerseits könnte man Truffaldino als Subjekt, seine Gier nach doppeltem Lohn und doppeltem Essen als Objekt betrachten. Hierbei wird der Knecht in der ersten Szene unwissend zu seinem Adjuvant.[6] Als Opponent können abwechselnd Beatrice und Florindo gesehen werden.

Andererseits kann Truffaldino auch als Opponent angesehen werden, nämlich unter der Prämisse, dass Florindo als Subjekt und Beatrice als Objekt oder genau andersrum betrachtet werden.

Der dritte Akt setzt mit seiner Handlung in der Gasthausdiele und mit dem Auftreten von Truffaldino (zunächst allein, später mit Kellner und Knecht) ein.[7] In einem Monolog kommentiert Truffaldino die vorhergegangenen Ereignisse („Con una scordalina ho mandà via tutto el dolor delle bastonade“[8] ) und legt dem Zuschauer dar, was sein weiterer Plan ist: „El primo patron l’è fora de casa, el segondo dorme; poderia giust adesso dar un poco de aria ai abiti; […]”[9] Nachdem Truffaldino mit Hilfe eines Knechts die Koffer seiner beiden Herren herbeigetragen hat, schließt die erste Szene des dritten Akts wiederum mit einem Monolog Truffaldinos, um die Handlung ohne Dialog, aber doch verbal voranzutreiben: Hier wird beschrieben wie Truffaldino die Koffer seiner beiden Herren öffnet und dabei in Beatrices Anzug ein Bild von Florindo findet, welchen Truffaldino jedoch nicht unmittelbar als seinen anderen Herren erkennt.[10]

Die zweite Szene des dritten Akts ist laut Regieanweisung in Florindos Zimmer situiert und lässt selbigen und Truffaldino auftreten.[11]

Truffaldinos Herr, Florindo, ist erwacht und verlangt rufend nach Truffaldino, welcher dadurch in Hektik gerät und die Inhalte der beiden Koffer vertauscht.[12] Als Florindo seinen Anzug anzieht, findet er das Bild in einer Tasche seines Anzugs, erkennt es als das Bild, das er selbst seiner Geliebten Beatrice geschenkt hat, und verlangt von Truffaldino eine Erklärung dafür, wie das Bild in seinen Anzug gelangt sei. Truffaldino behauptet, er habe das Bild von seinem ehemaligen, inzwischen verstorbenen Herrn geerbt.[13]

Daraufhin beginnt ein Frage-Antwort-Dialog, wobei sich Truffaldino die Antworten ausdenkt („Col crede tutto, ghe ne racconterò delle belle.“[14] ) und Florindo zum Glauben gelangt, dass seine Geliebte Beatrice tot sei: „Non vi è più speranza. Beatrice è morta.“[15]

Der Nebentext der dritten Szene des dritten Akts verrät, dass kein Ortswechsel stattgefunden hat und dass nun wieder zunächst Truffaldino allein, später auch Beatrice und Pantalone auftreten.[16]

Auch hier setzt die Handlung mit einem Monolog Truffaldinos ein, welcher seine Gedanken erläutert und offenlegt, dass er seine Unwahrheiten bedauert und Mitleid mit Florindo hat: „No voria mi co sta favola averghe sveià l’ipocondria.“[17] Weiterhin wird durch den Monolog dargelegt, dass sich Truffaldinos anderer Herr, also die sich –wie im gesamten Stück- in Männerkleidern verkleidete und Federigo Rasponi zu sein vorgebende Beatrice, in Begleitung von Pantlone nähert.[18] Diese zwei führen zunächst einen Dialog, der nicht zur Handlung gehört, sie also auch nicht vorantreibt.[19]

Nun aber verlangt Beatrice von ihrem Diener ihr Merkbuch aus ihrem Koffer.[20] Truffaldino hatte jedoch bereits zuvor das Merkbuch des Florindo fälschlicherweise in Beatrices Koffer gelegt. Dadurch hält nun also Beatrice Florindos Merkbuch in den Händen und findet darin zwei Briefe, die sie selbst an ihren Geliebten geschickt hatte.[21] Daraufhin stellt sie Truffaldino zur Rede, welcher ihr dieselbe Geschichte wie zuvor schon Florindo erzählt: „Ho servido un padron a Venezia, che l’è morto, e ho eredità sto libro.“[22]

[...]


[1] Vgl. Elisabeth Schulze- Witzenrath: Literaturwissenschaft für Italianisten. Eine Einführung. 3.Auflage. Tübingen: Narr Studienbücher 2006, S.101.

[2] Vgl. ebd., S.165.

[3] Vgl. ebd., S.104.

[4] Vgl. ebd., S.165.

[5] Vgl. Carlo Goldoni: Il Servitore di due Padroni / Der Diener zweier Herren. Italienisch / Deutsch. Stuttgart: Reclam 1979, S.164.

[6] Vgl. ebd., S.148.

[7] Vgl. ebd., S.148.

[8] Ebd., S.148.

[9] Ebd., S.148.

[10] Vgl. ebd., S.150-152.

[11] Vgl. ebd., S.152.

[12] Vgl. ebd., S.152.

[13] Vgl. ebd., S.154.

[14] Ebd., S.156.

[15] Ebd., S.158.

[16] Vgl. ebd., S.158.

[17] Ebd., S.158.

[18] Vgl. ebd., S.158.

[19] Vgl. ebd., S.158.

[20] Vgl. ebd., S.160.

[21] Vgl. ebd., S.160.

[22] Ebd., S.162.

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Carlo Goldonis "Der Diener zweier Herren" (Il Servitore di due Padroni): Beschreibung und Analyse Akt III, Szene 1-3
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen
Note
2,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
11
Katalognummer
V269195
ISBN (eBook)
9783656602200
ISBN (Buch)
9783656602132
Dateigröße
439 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
carlo, goldonis, diener, herren, servitore, padroni, beschreibung, analyse, szene
Arbeit zitieren
Federico Sirna (Autor), 2010, Carlo Goldonis "Der Diener zweier Herren" (Il Servitore di due Padroni): Beschreibung und Analyse Akt III, Szene 1-3, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/269195

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