Regelmäßig wiederholte Studien zeigen, dass der Konsum illegaler Substanzen in Deutschland trotz zunehmender Präventionsversuche nicht deutlich zurück geht. Besonders im Jugendlichen- und jungen Erwachsenenalter sind die Konsumprävalenzen hoch.
Die Ergebnisse zeigen, dass für die Entwicklung sinnvoller und wirksamer Präventionsmaßnahmen die Einbeziehung aller genannten Faktoren von Bedeutung ist. Auch für die Aufarbeitung im Rahmen einer Sucht-Reha könnte es sinnvoll sein, mit jedem Patienten einen individuellen Plan zu erstellen, der auch für Maßnahmen wie Rückfallprophylaxe verwendet werden kann.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Begriffsklärung und relevante Fakten
2.1 Missbrauch und Abhängigkeit
2.2 Drogen
2.2.1 Psychoaktive Substanzen
2.2.2 Illegale und legale Drogen
2.2.2.1 Sedativa
2.2.2.2 Stimulanzien
2.2.2.3 Halluzinogene
2.2.3 Stoffungebundene Störungen
2.3 Auswirkungen des Drogenkonsums
2.3.1 Psychische Folgen
2.3.2 Physische Folgen
2.3.3 Soziale Folgen
2.4 Forschungsstand
3 Erklärungsmodelle für die Entwicklung substanzbezogener Störungen
3.1 Entwicklungsaufgaben
3.1.1 Kleinkindalter
3.1.2 Primarstufe und Schulwechsel
3.1.3 Pubertät und Jugendalter
3.2 Kritische Lebensereignisse
3.2.1 Beispiel für eine Messung: Social Readjustment Rating Scale
3.3 Peergruppen
3.4 Personale Faktoren
3.5 Gatewaytheorien
3.5.1 Präkonsum anderer Substanzen
3.5.2 Umweltbedingungen
3.6 Zusammenfassung und Fragestellung
4 Methoden
4.1 Durchführung
4.2 Auswahl der Probanden
4.2.1 Proband 1
4.2.2 Proband 2
4.3 Transkription
5 Auswertung
5.1 Entwicklungsaufgaben
5.2 Kritische Lebensereignisse
5.3 Personale Faktoren
5.4 Peergruppen
5.5 Gatewaytheorien
5.6 Eigene Einschätzung durch die Probanden
5.7 Kritische Betrachtung der Methodik
6 Diskussion
6.1 Allgemeines Modell zur Entwicklung des Drogenkonsums
6.1.1 Ergebnisse aus dem Modell
6.2 Bedeutung für Forschung, Prävention und Behandlung
7 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Hintergründe des Einstiegs in den Konsum illegaler Drogen im biografischen Kontext und analysiert, wie persönliche, soziale und umweltbedingte Faktoren die Entwicklung substanzbezogener Störungen beeinflussen. Ziel ist die Erstellung eines allgemeinen Modells, das die Interaktion dieser Faktoren veranschaulicht und für die Präventionsarbeit nutzbar macht.
- Biografische Faktoren bei Suchterkrankungen
- Einfluss von Peergruppen und Umweltbedingungen
- Rolle von Entwicklungsaufgaben und kritischen Lebensereignissen
- Validierung theoretischer Ansätze durch qualitative Interviews
- Entwicklung eines Modells zur Entstehung des Drogenkonsums
Auszug aus dem Buch
3.2 Kritische Lebensereignisse
Lebensereignisse werden als kritisch definiert, wenn „sie Folgen für viele Lebensbereiche und Aspekte der Alltagsgestaltung, d. h. einen hohen Wirkungsgrad besitzen“ (Filipp, 2002, S. 345). Im Allgemeinen werden jedoch nicht nur als negativ empfundene Interruptionen des Alltags als kritische Lebensereignisse gesehen, sondern auch eine positive wie Hochzeit, Schwangerschaft oder die Geburt eines Kindes gehören dazu. Bedeutsam ist lediglich das Ausmaß der Alltagsveränderung.
Des Weiteren sind Faktoren wie Unkontrollierbarkeit und Assoziation mit negativen Gefühlen ausschlaggebend. Unkontrollierbarkeit bedeutet in diesem Zusammenhang, dass die Ereignisse meist nicht vorhersehbar sind und selbst wenn es auf Grund des Lebenslaufes mit einer hohen Wahrscheinlichkeit irgendwann geschehen wird, wie Tod eines Elternteils, Heirat oder der Eintritt in das Berufsleben, so ist in vielen Fällen der genaue Zeitpunkt nicht vorhersehbar und bestimmbar. Besonders für Menschen mit genauer Planung und/oder Ordnung in ihrem Leben kann dies ein sehr bedeutender Faktor für die Gewichtung eines Ereignisses sein, da ihr Ziel verschoben oder sogar blockiert wird. Mit negativen Emotionen behaftete Ereignisse werden stets als schwerwiegender betrachtet, wie in der Rangliste von Holmes und Rahe (1967) deutlich zu sehen ist, da die Heirat mit 50 Punkten genau die Mitte der Skala markiert und die 6 höher bewerteten Ereignisse sämtlich negativ zu bewerten sind.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die Suchtproblematik und die Relevanz biografischer Hintergründe für den Einstieg in den Drogenkonsum.
2 Begriffsklärung und relevante Fakten: Definition zentraler Begriffe wie Missbrauch und Abhängigkeit sowie Darstellung der Wirkungsweisen psychoaktiver Substanzen.
3 Erklärungsmodelle für die Entwicklung substanzbezogener Störungen: Theoretische Grundlagen zu Entwicklungsaufgaben, kritischen Lebensereignissen, Peergruppen, personalen Faktoren und Gatewaytheorien.
4 Methoden: Erläuterung des qualitativen Forschungsansatzes mittels narrativer Interviews mit Rehabilitanden einer Fachklinik.
5 Auswertung: Darstellung und Analyse der biografiebezogenen Daten der beiden Probanden hinsichtlich der theoretischen Erklärungsmodelle.
6 Diskussion: Zusammenführung der Ergebnisse in einem allgemeinen Modell zur Entstehung des Drogenkonsums sowie Implikationen für Forschung und Prävention.
7 Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse und Bestätigung der Relevanz multipler biografischer Faktoren für die Entstehung von Suchterkrankungen.
Schlüsselwörter
Drogenkonsum, Sucht, Biografischer Kontext, Entwicklungsaufgaben, Kritische Lebensereignisse, Peergruppen, Personale Faktoren, Gatewaytheorien, qualitative Forschung, narrative Interviews, Prävention, Abhängigkeit, Missbrauch, Resilienz, Salutogenese
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Faktoren, die zum Einstieg in den Konsum illegaler Drogen führen, und betrachtet dabei insbesondere den Einfluss des individuellen Lebenslaufs.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Felder umfassen die biopsychosoziale Entwicklung, den Einfluss der sozialen Umwelt sowie die Bedeutung von Kindheitserfahrungen und kritischen Lebensereignissen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Ziel ist es, eine Verbindung zwischen empirischen Prävalenzdaten und theoretischen Modellen herzustellen, um ein besseres Verständnis für die individuellen Entstehungsbedingungen von Suchterkrankungen zu entwickeln.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein qualitativer Forschungsansatz gewählt, konkret narrative Interviews mit Rehabilitanden, um tiefe Einblicke in subjektive Konsumbiografien zu erhalten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Teil zur Suchtentwicklung und einen empirischen Teil, der auf Basis der geführten Interviews individuelle Modelle erstellt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören neben Drogenkonsum und Abhängigkeit vor allem die biopsychosozialen Erklärungsmodelle wie Entwicklungsaufgaben, kritische Lebensereignisse und Peergruppeneinfluss.
Welche Rolle spielt die Familie laut den Ergebnissen für den Drogenkonsum?
Das familiäre Umfeld, insbesondere frühkindliche Erfahrungen und die psychische Verfassung der Eltern, stellt einen wesentlichen Faktor dar, der entweder präventiv wirken oder den Drogenkonsum begünstigen kann.
Warum wurde für die Untersuchung ein qualitatives Verfahren gewählt?
Da individuelle Lebensläufe und Suchtkarrieren sehr komplex sind, ermöglicht das qualitative Interview eine differenzierte Analyse, die mit standardisierten Fragebögen nicht erfassbar wäre.
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- Veronika Wilske (Author), 2011, Einstieg in den Konsum illegaler Drogen im biografischen Kontext, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/269225