Sexuelle Gewalt an Kindern. Hintergründe, Folgen und Intervention


Hausarbeit (Hauptseminar), 2013
15 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhalt

Sexuelle Gewalt an Kindern - Hintergründe, Folgen und Intervention

1 Einleitung

2 Definition Sexueller Gewalt

3 Täterseitige Ursachen sexueller Gewalt
3.1 Vorgehensweisen der Täter

4 Opferseitige Auswirkungen und Folgen sexueller Gewalt
4.1 Intervention und Umgang mit Missbrauchsopfern

5 Fazit

Literaturangaben

1 Einleitung

Seit den 60er und 70er Jahren steht körperliche Kindesmisshandlung in Blickpunkt der Medien. Heute ist sexuelle Gewalt fast täglich in den Medien präsent. Sexueller Missbrauch, besonders an Kindern, ist erschreckend. Jedes Kind sollte ein Recht auf körperliche und seelische Unversehrtheit und Entfaltung haben. Besonders in der letzten Zeit gab es öffentliche Auseinandersetzungen über sexuelle Ausbeutung von Kindern und Jugendlichen. Zu nennen ist dazu beispielsweise der Skandal der Odenwaldschule aus den letzten Jahren.

Die Aufmerksamkeit der Gesellschaft hat sich auch auf die enorme Verbreitung elterlicher Misshandlung von Kindern gerichtet. Dieses Thema ist besonders in sozialen Bereichen sehr wichtig. Sexueller Missbrauch geschieht überwiegend in der Familie, meist über mehrere Jahre hinweg. Dabei sind die Opfer häufig weiblich und die Täter meist männlich. Sexuelle Gewalt ist immer noch eine Angelegenheit, die in unserer Gesellschaft tabuisiert wird. Die Öffentlichkeit reagiert in solchen Fällen meist mit Wut und Ratlosigkeit. Viele Menschen sind verunsichert und überfordert im Umgang mit sexueller Gewalt.

Aus diesem Grund möchte ich im Folgenden zunächst sexuelle Gewalt definieren und auf die Hintergründe und Folgen sexuellen Missbrauchs an Kindern eingehen. Im Weiteren wird der Umgang mit dem missbrauchten Kind dargestellt.

2 Definition Sexueller Gewalt

Sexuellen Missbrauch zu definieren ist sehr schwierig. Gewalt und besonders Gewalt gegen Kinder ist ein „historisches und kulturell relatives Beurteilungsprädikat“ (Wetzels 1997, S. 56). Die Grenzbereiche, die einen liebenswürdigen Umgang mit Kindern und sexuellen Missbrauch unterscheiden, können unterschiedlich definiert werden. Innerhalb einer Gesellschaft oder einer Epoche können diese Auffassungen schon weit auseinander gehen. (vgl. Wetzels 1997. S. 56)

„Zentrale Frage von Definition ist von daher stets, wessen (normative) Wertungen als Maßstab in Bezug genommen werden: jene von Fachleuten von Betroffenen, der sozialen Gemeinschaft insgesamt oder anderer, näher umgrenzter Personen.“ (Wetzels 1997, S. 57)

Definitionen müssen demnach je nach Erkenntnisinteressen und Arbeitszielen unterschiedlich sein. Wichtig dabei ist die „Transparenz der Definition und den Geltungsbereich von Erkenntnissen bestimmen zu können.“ (Wetzels 1997, S. 58)

Ulrike Brockhaus und Maren Kolhorn formulieren sexuelle Gewalt wie folgt:

„1. Eine Person wird von einer anderen als Objekt zur Befriedigung von bestimmten Bedürfnissen benutzt. Diese Bedürfnisse sind entweder sexueller Natur und/oder es sind nicht-sexuelle Bedürfnisse, die in sexualisierter Form ausgelegt werden (z.B. Der Wunsch, Macht zu erleben, zu erniedrigen, sich selbst zu bestätigen o.ä.).
2. Dabei werden vor oder an der Person Handlungen vorgenommen oder von ihr verlangt, die kulturell mit Sexualität assoziiert sind. Dazu zählen nicht nur Handlungen, die im engeren Sinne sexuell sind, wie beispielsweise Berührungen der Geschlechtsorgane oder Geschlechtsverkehr, sondern auch solche, die in unserer Gesellschaft im weiteren Sinne mit Sexualität in Verbindung gebracht werden, wie z.B. anzügliche Bemerkungen, Nachpfeifen oder Nacktphotos.
3. Die Handlungen erfolgen unter Ausnutzung von Ressourcen- bzw. Machtunterschieden gegen den Willen der Person.“ (Brockhaus/Kolshorn 1993, S. 28)

Sexuelle Gewalt gegen Kinder als eine Form der sexuellen Gewalt und der Kindesmisshandlung wird demnach im Folgenden definiert als die Instrumentalisierung eines Kindes für die Befriedigung der sexuellen Bedürfnisse eines Erwachsenen. (vgl. Enders 1995, S. 19f.) Sexueller Kindesmissbrauch ist

„die sexuelle Handlung einer erwachsenen oder in Relation zum Opfer bedeutend älteren Person mit, vor oder an einem Kind, bei welcher der Täter seine entwicklungs- und sozial bedingte Überlegenheit – unter Mißachtung des Willens oder der Verständnisfähigkeit eines Kindes – dazu ausnutzt, seine persönlichen sexuellen Bedürfnisse nach Erregung, Intimität oder Macht zu befriedigen. Es handelt sich um die sexuelle Instrumentalisierung eines Kindes, bei welcher die Intensität der sexuellen Handlung auch von strafrechtlicher Relevanz ist.“ (Wetzels 1997, S. 72)

Ausschlaggebende Dimensionen sexuellen Kindesmissbrauchs sind unter anderem das Alter des Opfers und des Täters, die Beziehung zwischen Opfer und Täter, das Empfinden des Opfers und die Intentionen und Ziele des Täters. Da Kinder sich in einem Entwicklungszustand befinden, in dem sie nicht in der Lage sind, sexuelle Handlungen und deren Tragweite zu erkennen, ist es ihnen nicht möglich, einverständliche sexuelle Beziehungen einzugehen. Somit besteht immer ein Entwicklungs-, Macht- und Autoritätsgefälle zwischen Opfer und Täter. (vgl. Wetzels 1997, S. 65ff.)

Sexuelle Gewalt an Kindern kann sich von heimlichen, vorsichtigen Berührungen, über verletzende Redensarten und Blicke, bis hin zu Penetration, oraler, vaginaler oder analer Vergewaltigung und sogar Kinderpornographie oder -prostitution ziehen. Besonders im familiären Umfeld ist es schwierig, die Grenzen zwischen liebevoller Zärtlichkeit und sexuellen Übergriffen festzustellen. Es ist demnach wichtig, das Erleben des Kindes und die Sexualnormen, die in der Familie herrschen, wahrzunehmen. (vgl. Enders 1995, S. 20)

„In einer Familie, in der Kinder gewohnt sind, ihre Eltern nackt zu sehen, ist es noch kein Anzeichen von sexueller Ausbeutung, wenn der Vater sich im Badezimmer aufhält, während die Tochter/der Sohn badet. Schämt sich das Kind jedoch und bittet den Vater, sie/ihn allein zu lassen, und entspricht der Erwachsene diesem Wunsch nicht, dann beginnt damit die Verletzung des Rechts auf sexuelle Selbstbestimmung eines Mädchens oder Jungen.“ (Enders 1995, S.20)

„Kern bleibt jedoch stets die negative Bewertung der Beeinträchtigung der Gesundheit sowie der psychischen Gewalt und sozialen Entwicklungsmöglichkeiten von Kindern, im Falle personaler Gewalt in der Hauptsache durch Verhaltensweisen seitens zur Fürsorge eigentlich verpflichteter Erwachsener.“ (Wetzels 1997, S. 56)

Formen sexuellen Kindesmissbrauchs sind unter anderem Pädophilie (sexuelles Interesse und Übergriffe Pädophiler), Inzest (Geschlechtsverkehr innerhalb der Familie) und Kinderprostitution sowie Kinderpornographie, bei denen es um die gezielte Ausbeutung der Sexualität von Kindern geht. (vgl. Falardeau 2001, S. 49ff.)

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Sexuelle Gewalt an Kindern. Hintergründe, Folgen und Intervention
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Note
1,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
15
Katalognummer
V269231
ISBN (eBook)
9783656599906
ISBN (Buch)
9783656599913
Dateigröße
379 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Vergewaltigung, Opfer, Täter, Auswirkungen, sexueller Missbrauch, Kinder, Jugendliche
Arbeit zitieren
Louisa Lang (Autor), 2013, Sexuelle Gewalt an Kindern. Hintergründe, Folgen und Intervention, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/269231

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