Aufgrund der stetig wachsenden Erwerbsbeteiligung von Frauen, was sich als europaweiter Trend abzeichnet, ergibt sich ein Problem mit der traditionellen geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung zwischen unbezahlter häuslicher und familiärer Arbeit, die von Frauen übernommen wird, und bezahlter Lohnarbeit, welche von den Männern geleistet wird. Umso mehr Frauen erwerbstätig sind, desto weniger Zeit haben sie für die Fürsorge- und Hausarbeit. Daraus folgt, dass Frauen, die berufstätig sein wollen, sich vermehrt gegen Kinder entscheiden, um einer Doppelbelastung zu entgehen. Diese Entscheidung trägt allerdings zum demografischen Wandel bei, welcher zur Alterung und Kinderarmut der Gesellschaft führt, was wiederum Probleme nach sich zieht, bspw. mit dem bestehenden Rentensystem, da immer weniger Beitragsleistende immer mehr Beitragsempfangenden gegenüberstehen. Andere Frauen wiederum entscheiden sich für Kinder und gegen eine Erwerbstätigkeit, was das Brachliegen von wertvollem Potential des Arbeitsmarktes zur Folge hat und aufgrund des Fachkräftemangels nicht haltbar ist. Neben den volkswirtschaftlichen Gründen soll die Vereinbarkeit von Beruf und Familie eine geschlechtergerechtere Gesellschaft ermöglichen. Um gleichzeitig einerseits die Geburtenrate zu steigern und andererseits Frauen die Erwerbstätigkeit zu ermöglichen, bedarf es einer Verbesserung der Vereinbarkeitsstruktur von Beruf und Familie.
Da die Familien- und Hausarbeit, welche traditionell in den Aufgabenbereich der Frauen und Mütter fällt, keine Ansprüche auf Leistungen außerhalb der Sozialleistungen begründet, waren und sind Frauen oftmals von der Erwerbstätigkeit der Männer und Väter abhängig. Durch eine neue Austarierung der familiären Arbeitsteilung, in welcher Männer und Frauen sowohl Hausarbeit als auch Erwerbsarbeit verrichten, sowie durch Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie kann dieser Abhängigkeit entgegengewirkt werden.
Innerhalb dieser Arbeit soll die aktuelle Problemlage bezüglich der Schwerpunkte "Familie", "Erwerbstätigkeit" und "Politik" ausführlich dargestellt sowie die Klassifizierung von Wohlfahrtssystemen erläutert werden. Anschließend werden verschiedene Indikatoren ausgesuchter europäischer Länder verglichen, um abschließend zwei Staaten miteinander zu vergleichen. Anhand der vergleichenden Länderprofile soll offenbar werden, welche Einflussmacht die Politik auf die Gestaltung der Gesellschaft hat bzw. haben kann.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Bestandsaufnahme
2.1 Familie
2. 2 Erwerbstätigkeit
2. 3 Politik
3. Regimeforschung
3. 1 Esping-Andersens Welten des Wohlfahrtskapitalismus
3. 2 Clusterbildung
4. Ein europäischer Vergleich
4. 1 Schweden
4. 2 Deutschland
4. 3 Vergleich: Politikempfehlungen für die BRD
5. Chancen und Grenzen – eine Schlussbetrachtung
Zielsetzung und Themen
Die Bachelorarbeit untersucht, wie der Sozialstaat durch politische Maßnahmen die Vereinbarkeit von Erwerbstätigkeit und Familie verbessern kann, um geschlechtergerechtere Rahmenbedingungen zu schaffen und den demografischen Wandel sowie ökonomische Anforderungen zu adressieren.
- Analyse des Wandels der Familienstrukturen und der Erwerbsbiografien.
- Untersuchung der Rolle der Politik bei der Steuerung von Lebensentwürfen.
- Vergleichende Analyse europäischer Wohlfahrtsregime (insb. Schweden vs. Deutschland).
- Bewertung politischer Steuerungsinstrumente wie Kinderbetreuung und Steuerpolitik.
Auszug aus dem Buch
2. 1 Familie
Wenn im Folgenden davon gesprochen wird, Erwerbstätigkeit mit der Familie zu vereinbaren, geht es um den Unterschied zwischen bezahlter Lohnarbeit und unbezahlter Fürsorge-, Pflege-, Betreuungs- und Hausarbeit. Die Trennung von Erwerbs- und Hausarbeit ist eine Folge der Industrialisierung, in welcher sich Arbeits- und Wohnort, welche in vorherigen Epochen im „ganze[n] Haus“ zusammentrafen, trennten. Im Englischen wird die Fürsorgearbeit mit dem Wort „care“ ((Für-)Sorge, Betreuung, Kümmern) wiedergegeben, welches weiter greift als der deutsche Terminus, da mit ihm auch die entgeltliche Fürsorgetätigkeit gemeint ist. Im Folgenden meint Fürsorgetätigkeit allerdings die Betreuung von v. a. Kindern, aber mitunter auch älteren und anderen der Pflege bedürftigen Personen innerhalb der Familie, welche zwar unbezahlt, aber elementar ist - „und zwar in dem Sinne, daß Erwerbsarbeit Hausarbeit voraussetzt“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den Zielkonflikt zwischen steigender Erwerbsbeteiligung von Frauen und traditionellen geschlechtsspezifischen Rollenbildern.
2. Bestandsaufnahme: Dieses Kapitel definiert die Begriffe Familie, Erwerbstätigkeit und Politik und analysiert deren wechselseitige Abhängigkeiten im Kontext moderner Gesellschaften.
3. Regimeforschung: Hier werden Wohlfahrtsmodelle nach Esping-Andersen und Ansätze der feministischen Regimeforschung zur Klassifizierung nationaler Politikstrategien vorgestellt.
4. Ein europäischer Vergleich: Das Kapitel vergleicht die Ansätze Schwedens und Deutschlands hinsichtlich ihrer Familienpolitik und deren Auswirkungen auf die Erwerbsbeteiligung.
5. Chancen und Grenzen – eine Schlussbetrachtung: Die Schlussbetrachtung zieht Bilanz über die Wirksamkeit politischer Steuerungsinstrumente und formuliert Empfehlungen für eine zukunftsorientierte Familienpolitik.
Schlüsselwörter
Sozialstaat, Erwerbstätigkeit, Familie, Vereinbarkeit, Wohlfahrtsregime, Geschlechtergerechtigkeit, Geburtenrate, Kinderbetreuung, Familienpolitik, Erwerbsbiografie, Fürsorgearbeit, Gender, Steuerungsinstrumente.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Spannungsfeld zwischen Erwerbstätigkeit und Familienarbeit im Kontext des Sozialstaats und sucht nach Wegen, die Vereinbarkeit für beide Geschlechter zu optimieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die soziologische Familienforschung, die Arbeitsmarktpolitik und die Analyse staatlicher wohlfahrtsstaatlicher Institutionen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Kernfrage lautet, wie Politik durch gezielte Maßnahmen zur Verbesserung der Vereinbarkeit von Erwerbstätigkeit und Familie beitragen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine vergleichende Literatur- und Regimanalyse, die durch länderspezifische Daten (u.a. Erwerbsquoten, Geburtenraten) untermauert wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Bestandsaufnahme, die Untersuchung verschiedener Wohlfahrtsregime und einen praktischen Ländervergleich zwischen Schweden und Deutschland.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich maßgeblich über Begriffe wie Vereinbarkeit, Wohlfahrtsregime, Geschlechtergerechtigkeit und familienpolitische Instrumente definieren.
Welche Rolle spielt das Erwerbsmodell im Ländervergleich?
Das Erwerbsmodell (z. B. Ernährermodell vs. Doppelverdiener) dient als Indikator für die geschlechterpolitische Ausrichtung und die Wirksamkeit familienpolitischer Anreize in den untersuchten Ländern.
Welche Schlussfolgerung zieht die Autorin bezüglich der Familienpolitik?
Die Autorin folgert, dass eine Kombination aus finanzieller Förderung, Infrastrukturausbau und einem gesellschaftlichen Mentalitätswandel notwendig ist, um reale Wahlfreiheit und Gleichstellung zu ermöglichen.
- Arbeit zitieren
- Victoria Flägel (Autor:in), 2013, Sozialstaat, Arbeit und Familie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/269257