Gewalt in Heinrich Bölls Werken vergleichend mit seinem Roman „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“


Hausarbeit, 2005
17 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Analyse des Romans „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“

III. Vergleich ausgewählter Romane mit Blick auf die Gewaltmotivik

IV. Schluss

V. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

„Es ist doch nachgerade unfassbar, wenn man hierzulande unter Gewalt nur noch die Gewalt von Bomben und Maschinenpistolen versteht. Übt eine BILD-Schlagzeile keine Gewalt aus?“ Dies schreibt Heinrich Böll in seinem 1973 erschienenen Sammelband „Neue politische und literarische Schriften.“[1]

Das Motiv Gewalt ist gerade in der Nachkriegsliteratur ein oft aufgegriffenes Thema, aber in den wenigsten Romanen wird Gewalt so vielfältig und subtil dargestellt wie in Heinrich Bölls Erzählung „Die verlorene Ehre der Katharina Blum.“ Warum hat Böll diesen Roman geschrieben? Gibt es noch andere Romane Bölls in denen das Thema Gewalt eine Rolle spielt?

Fest steht, dass Böll in „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ scharfe Kritik an den damaligen Methoden der Presse äußert. Im ersten Teil dieser Hausarbeit wird näher auf die Hintergründe um die Entstehung des Romans eingegangen und die verschiedenen Formen der Gewalt herausgearbeitet.

Im weiteren Verlauf werden die Romane „Frauen vor Flusslandschaft“, „Das Brot der frühen Jahre“ und „Und sagte kein einziges Wort“ vergleichend hinzugezogen und auf das Motiv Gewalt hin analysiert.

Zuletzt wird darauf eingegangen, warum dieses Thema für Heinrich Böll so wichtig war.

II. Analyse des Romans „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“

a) Historischer Hintergrund

Als 1972 Heinrich Bölls Essay „Will Ulrike Gnade oder freies Geleit“ im Spiegel erschien, in dem er sich für eine menschlichere Behandlung von RAF Mitgliedern einsetzte, war die Empörung groß. Gerade die Zeitungen des Axel Springer Verlages, die vorher Ulrike Meinhof unter Beschuss genommen hatten, richteten ihre Aufmerksamkeit nun auf den Schriftsteller. Er sah sich massiver Kritik ausgesetzt, die im weiteren Verlauf in einer Rufmord-Kampagne endete. Böll konnte einer derartigen Diffamierung nicht viel entgegensetzen, wurde doch die „BILD“ schon zu der Zeit von etwa elf Millionen Menschen gelesen. Trotzdem sollte man nicht dem Irrtum verfallen, Böll hätte die Erzählung nur wegen der Auseinandersetzung mit der Presse geschrieben. Marcel Reich-Ranicki antwortete auf diese Behauptung: „So unzweifelhaft dieser direkte biographische Anlass, so sehr würde man Böll verkennen, wollte man die Geschichte der Katharina Blum vor allem oder gar ausschließlich als Reaktion auf diese Presse-Attacken verstehen.“[2]

Bekannt ist, dass Böll schon 1967 den Kern der Geschichte, nämlich die öffentliche Denunzierung einer Person durch die Presse im Kopf hatte.[3] Außerdem war sein Thema nicht neu, schon 1792 schrieb Friedrich Schiller in seinem Roman „Der Verbrecher aus verlorener Ehre“ über einen Mann, der aus der Gesellschaft ausgeschlossen und dadurch praktisch zu einer kriminellen Karriere gezwungen wird.

Es ging Heinrich Böll also um viel mehr als nur eine Reaktion gegen die Presse, worauf später noch eingegangen wird.

b) Herausarbeitung

Die Protagonistin Katharina Blum ist eine eher unauffällige Person. Sie arbeitet als Haushälterin bei dem angesehenen Rechtsanwalt Hubert Blorna, arrangiert nebenbei Buffets für Festlichkeiten und hilft dem Ehepaar Hiepertz gelegentlich im Haushalt aus. Am Vorabend vor Weiberfastnacht geht sie auf eine Party ihrer Patentante und lernt dort den Bundeswehrdeserteur Ludwig Götten kennen – der unter anderem noch des Raubes und Mordes verdächtigt wird – und verliebt sich in ihn. Abends fahren beide zu ihr nach Hause. Götten wird zu dieser Zeit schon polizeilich beobachtet und so rutscht auch die Blum ins Fadenkreuz der Ermittler. Als die Polizei am nächsten Morgen die Wohnung stürmt, ist Ludwig Götten verschwunden.

Mit dem Stürmen der Wohnung durch die Polizei beginnt für die Blum eine Odyssee aus Beleidigungen und Denunzierungen. So fragt Kriminalkommissar Erwin Beizmenne die Protagonistin: „Hat er Dich denn gefickt?“[4] Da der Kriminalkommissar die Blum zu diesem Zeitpunkt noch nicht kennen kann – hat er gerade erst mit seinem Sonderkommando die Wohnung gestürmt – kann man daraus deuten, dass er sich schon ein Bild von ihr als Mittäterin gemacht hat, da er sie nicht nur duzt, sondern auch in einem Jargon mit ihr spricht, der für ihn zu einer Verbrecherin passt. Für Beizmenne ist sie Mittäterin und dadurch ebenso schuldig wie Ludwig Götten selbst. Hinzu kommt, dass der Blum erst nach mehrmaligen Fragen erklärt wird, warum sie festgenommen wurde. Die Polizei geht davon aus, dass die junge Frau weiß, wer Ludwig Götten ist und was er verbrochen hat. Schon während des Gesprächs im Polizeirevier wird dem Leser deutlich, dass Katharina Blum mit ständigen Wortmanipulationen zu kämpfen haben wird. So macht der Protokollant aus dem Wort „Zudringlichkeiten“ das Wort „Zärtlichkeiten“.[5] Im Gegensatz zur „Zeitung“, die im späteren Verlauf absichtlich Aussagen von Personen verdreht, scheint den Polizeibeamten jedoch die unterschiedliche Bedeutung der Wörter nicht klar zu sein. Die „Zeitung“ startet eine Hetzkampagne gegen Katharina Blum, nachdem sie erfährt, dass sie die Geliebte von Ludwig Götten ist. So wird aus der Aussage ihres Arbeitsgebers Hubert Blorna, Katharina sei „klug und kühl“, sie wäre „eiskalt und berechnend.“[6] Auch die Antwort von Berthold Hiepertz verdreht die „Zeitung“, indem sie in einem Artikel schreibt: „Eine in jeder Beziehung radikale Person, die uns alle geschickt getäuscht hat.“[7] In Wirklichkeit antwortet Hiepertz allerdings: „Wenn Katharina radikal ist, dann ist sie radikal hilfsbereit, planvoll und intelligent – ich müsste mich schon sehr getäuscht haben, und ich habe […] mich selten getäuscht.“[8] Hierbei sollte noch erwähnt werden, dass Hiepertz nur auf die Radikalität der Blum antwortet, weil er vorher von einem Zeitungsreporter gefragt worden sein muss, ob Katharina Blum eine radikale Person sei.[9]

[...]


[1] Böll, Heinrich: Neue politische und literarische Schriften. Köln: Kiepenheuer & Witsch, 1973, S. 263.

[2] Marcel Reich-Ranicki: „Der deutschen Gegenwart mitten ins Herz“. In: Jochen Vogt: Heinrich Böll. München: C.H. Beck´sche Verlagsbuchhandlung (Oscar Beck), 1978, S. 123.

[3] Vogt, Jochen: Heinrich Böll. München: C.H. Beck´sche Verlagsbuchhandlung (Oscar Beck). 1978, S. 123.

[4] Böll, Heinrich: Die verlorene Ehre der Katharina Blum. München: Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG. 1976, S. 18.

[5] Ebenda, S. 27.

[6] Böll, Heinrich: Die verlorene Ehre der Katharina Blum. München: Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG. 1976, S. 33.

[7] Ebenda, S. 38.

[8] Ebenda, S. 38.

[9] Glatz, Lawrence F.: Heinrich Böll als Moralist. Die Funktion von Verbrechen und Gewalt in seinen Prosawerken. New York: Peter Lang Publishing Inc.. 1999, S. 231.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Gewalt in Heinrich Bölls Werken vergleichend mit seinem Roman „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Note
2,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
17
Katalognummer
V269273
ISBN (eBook)
9783656603634
ISBN (Buch)
9783656603610
Dateigröße
390 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
gewalt, heinrich, bölls, werken, roman, ehre, katharina, blum
Arbeit zitieren
M.A. Alexander Scherb (Autor), 2005, Gewalt in Heinrich Bölls Werken vergleichend mit seinem Roman „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/269273

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