Verzweifelte Eltern sind überfordert mit ihrem Kind. Es ist in der Schule auffällig geworden, da es die anderen Kinder schlägt, tritt und schikaniert. Auch zu Hause hält ihr Kind sich an keine Regeln, schlägt die Mutter und ist nicht dazu zu motivieren, das Videospiel auszuschalten. Dies ist eine stereotypische Ausgangssituation der RTL Pseudo – Dokumentation „Die Super - Nanny“. Wenn die Eltern selber nicht mehr weiter wissen, wenden sie sich an Dipl. –Pädagogin Katia Saalfrank mit der Feststellung „Mein Kind hört nicht auf mich!“. Die „Super – Nanny besucht dann die Familie zu Hause und beobachtet sie in ihrem Alltag. Schnell hat sie fehlerhafte Interaktionsmuster aufgedeckt und beginnt nun mit der aktiven Hilfe in der Familie. Nach ein paar wenigen Anlaufschwierigkeiten trägt ihre Arbeit Früchte: Die Eltern wirken nun sehr reflektiert und das Betragen ihres Problemkindes hat sich enorm verbessert. Die „Super – Nanny“ löst die Probleme in der Familie in einem Zeitraum von zwei Wochen. Die Realität sieht jedoch anders aus. Die Arbeit mit und in Familien ist Teil einer intensiven sozialpädagogischen Hilfeform. Im Grunde zeigt die Pseudo – Dokumentation „Die Super –Nanny“ einen Wirklichkeitsausschnitt dieser, teilweise monatelangen (oder jahrelangen) Hilfeform, welche im Rahmen der „Hilfen zur Erziehung“ von den Jugendämtern angeboten wird. In der vorliegenden Hausarbeit wird die Sozialpädagogische Familienhilfe im Besonderen dargestellt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hilfen zur Erziehung als Bestandteil der Kinder-und Jugendhilfe nach SGB VIII
2.1. Das Kinder- und Jugendhilfegesetz (KJHG)
2.2. Leistungen der Jugendhilfe nach SGB VIII
3. Hilfen zur Erziehung als Handlungsfeld der Kinder- und Jugendhilfe
3.1. Inanspruchnahme der Hilfen zur Erziehung und Hilfeplanverfahren
3.2. Hilfearten
4. Sozialpädagogische Familienhilfe
4.1. Entstehung der Sozialpädagogischen Familienhilfe
4.2. Handlungsmethoden der Sozialpädagogischen Familienhilfe
4.2.1. Lebensweltorientierung
4.2.2. Ressourcenarbeit
4.2.3. Systemtheoretischer Ansatz
4.3. Nähe und Distanz in der Sozialpädagogischen Familienhilfe
5. Fazit und Diskussion
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Sozialpädagogische Familienhilfe (SPFH) als intensive Hilfeform innerhalb des SGB VIII. Ziel ist es, die theoretischen Grundlagen, die Entstehung sowie insbesondere die zentralen Handlungsmethoden dieser Hilfeform zu analysieren und das komplexe Spannungsfeld zwischen Nähe und professioneller Distanz in der Arbeit mit Familien kritisch zu diskutieren.
- Rechtliche Grundlagen und Strukturen der Kinder- und Jugendhilfe nach SGB VIII
- Aufbau und Inanspruchnahme von Hilfen zur Erziehung
- Entwicklungsgeschichte der Sozialpädagogischen Familienhilfe
- Methodische Ansätze: Lebensweltorientierung, Ressourcenarbeit und Systemtheorie
- Reflektion professioneller Distanz im familiären Umfeld
Auszug aus dem Buch
4.3. Nähe und Distanz in der Sozialpädagogischen Familienhilfe
Die Sozialpädagogische Familienhilfe ist, wie bereits deutlich wurde, eine intensive Hilfeform, in welcher die Familienhelfer / Familienhelferinnen die Familien zu Hause aufsuchen. Aufgrund dieser räumlichen Nähe, im familiären privaten Raum, kommt es zu einer erschwerten Rollenfindung zwischen Nähe und Distanz (vgl. PETKO 2007, S. 159). Sozialpädagogisches Handeln profitiert immerzu von der Qualität der Beziehungsarbeit. Der Aufbau von Vertrauen und einer zwischenmenschlichen Beziehung ist notwendig, wenn sozialpädagogisches Handeln greifen soll. In kurzen Worten: Emotionalität ist wichtig für die Effektivität sozialpädagogischen Handelns, insbesondere mit und in Familien. Auf der anderen Seite ist jedoch die Professionalität, sprich die Fähigkeit zur Distanz, kennzeichnend für sozialpädagogisches Handeln (vgl. THIERSCH 2007, S. 29)
Wenn das Verhältnis zwischen der Familie und dem Familienhelfer / der Familienhelferin vertrauensbasiert ist, kann es also vorkommen, dass einzelne Familienmitglieder den Familienhelfer / die Familienhelferin nicht mehr als pädagogische Fachkraft wahrnehmen, sondern als Freundin oder Tante. WOOG beschreibt, wie sie als Fachkraft das Problem zwischen Nähe und Distanz angeht:
Ebenso lege ich Wert darauf, nicht eine Freundin oder Bekannte zu sein, sondern eine Mitarbeiterin der SPFH mit bestimmten Aufgaben. Die Kinder dürfen mich mit Du ansprechen, aber ich bin keine Tante, sondern Frau Woog. Diese Regeln schützen mich vor Distanzlosigkeit und helfen mir, die Gradwanderung zwischen Nähe und Distanz gut zu überstehen. (WOOG 2006, S. 59)
Solche Regeln, welche die professionelle Distanz bewahren, sind essentiell, um als Fachkraft die Veränderungs- und Kontrollpotentiale aufrechtzuerhalten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einführung erläutert die Relevanz der Sozialpädagogischen Familienhilfe durch den Kontrast zwischen medialen Darstellungen und der fachlichen Realität sozialpädagogischer Unterstützung.
2. Hilfen zur Erziehung als Bestandteil der Kinder-und Jugendhilfe nach SGB VIII: Das Kapitel bietet einen Überblick über das Kinder- und Jugendhilfegesetz sowie die Leistungen der Jugendhilfe als rechtlichen Rahmen der Erziehungshilfen.
3. Hilfen zur Erziehung als Handlungsfeld der Kinder- und Jugendhilfe: Hier werden die Voraussetzungen der Inanspruchnahme, das Hilfeplanverfahren und die verschiedenen Hilfearten nach SGB VIII detailliert beschrieben.
4. Sozialpädagogische Familienhilfe: Dieser Hauptteil widmet sich der Entstehung, den zentralen Handlungsmethoden wie Lebensweltorientierung, Ressourcenarbeit und Systemtheorie sowie dem Spannungsfeld von Nähe und Distanz.
5. Fazit und Diskussion: Das Kapitel reflektiert die Ergebnisse der Arbeit und betont die Bedeutung der Sozialpädagogischen Familienhilfe bei der Unterstützung von Familien sowie die Wichtigkeit der professionellen Haltung der Fachkräfte.
Schlüsselwörter
Sozialpädagogische Familienhilfe, SGB VIII, Kinder- und Jugendhilfe, Erziehungshilfe, Hilfeplan, Lebensweltorientierung, Ressourcenarbeit, Empowerment, Systemtheorie, Familiensystem, Homöostase, Nähe und Distanz, Professionelle Distanz, Sozialarbeit, Jugendamt
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Sozialpädagogische Familienhilfe (SPFH) als eine intensive Form der Erziehungshilfe nach dem SGB VIII und untersucht deren theoretische Ansätze und praktische Anwendung.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die zentralen Felder sind das deutsche Kinder- und Jugendhilfegesetz, die verschiedenen Hilfearten, die methodischen Grundlagen der Familienhilfe sowie das professionelle Rollenverständnis der Fachkräfte.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Darstellung der SPFH als systemorientierte Hilfeform und die kritische Auseinandersetzung mit der methodischen Arbeitsweise sowie der professionellen Abgrenzung zu den Klienten.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse relevanter Fachliteratur, wissenschaftlicher Konzepte (wie der Lebensweltorientierung) und gesetzlicher Grundlagen des SGB VIII.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden neben der Historie der SPFH die methodischen Säulen Lebensweltorientierung, Ressourcenarbeit und der systemtheoretische Ansatz sowie das Thema Nähe und Distanz im Arbeitsalltag analysiert.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich maßgeblich durch Begriffe wie Sozialpädagogische Familienhilfe, Systemtheorie, Ressourcenarbeit, Lebensweltorientierung und professionelle Distanz definieren.
Wie unterscheidet sich die SPFH von der Erziehungsberatung?
Ein wesentlicher Unterschied liegt in der „Geh-Struktur“ der SPFH: Fachkräfte suchen Familien in ihrem direkten Lebensumfeld auf, statt nur in einer Beratungsstelle zu agieren.
Welche Rolle spielt das „System“ in der Familienhilfe?
Das Systemkonzept betrachtet die Familie als Ganzes. Ein Problem oder Symptom bei einem Mitglied wird dabei als Reaktion auf gestörte Beziehungsprozesse im gesamten System interpretiert, was eine systemische Arbeitsweise erforderlich macht.
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- Mendina Morgenthal (Author), 2013, Hilfen zur Erziehung nach SGB II. Die Sozialpädagogische Familienhilfe, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/269274