J.R.R. Tolkiens "Der kleine Hobbit" und die Adaption von Peter Jackson

Wohin geht die Reise mit Blick auf Kinder- und Jugendliteratur?


Hausarbeit (Hauptseminar), 2013

18 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Was bedeutet es, wenn Texte ihr Medium wechseln?

3. Was macht einen literarischen Text für Kinder und Jugendliche aus?

4. Das Ausgangswerk „Der Hobbit“ von JRR Tolkien
4.1. Vorstellung und Entstehung
4.2. Konvergenz und Rezeption
4.3. Einordnung in KJL

5. Die Adaption „Der Hobbit: Eine unerwartete Reise“
5.1. Vorstellung und Entstehung
5.2. Konvergenz und Rezeption
5.3. Einordnung in KJL

6. Gegenüberstellung

7. Fazit

8. Literatur

1.Einleitung

Viele Kinder- und Jugendbücher werden adaptiert. Sie werden verfilmt, als Hörbücher umgesetzt oder graphisch umgestaltet und somit werden neue literarische Werke geschaffen. All dies ist auch mit JRR Tolkiens Werk „Der kleine Hobbit“ (je nach Übersetzung oder Ausgabe auch nur „Der Hobbit“) geschehen. Zahlreiche Werke stehen nun in intermedialer und intertextueller Verbindung zum Klassiker der phantastischen Jugendliteratur.

Der Wechsel des Mediums im Bereich der Kinder- und Jugendliteratur ist nichts Neues. Es bleibt meist nicht nur bei der Verfilmung der klassischen Kinderbücher, Märchen oder Jugendliteratur. Zum Film gibt es wiederum Merchandising, Youtube-Trailer, Smartphone- oder Tablet-Apps, Web-Plattformen mit Foren zum Austausch, zur Information oder schlicht zur Bewerbung, neue Printmedien wie Plakate, Zeitschriften oder gar Neuauflagen des Ursprungsbuches (häufig mit dem Vermerk „Das Buch zum Film“), Computerspiele und vieles mehr. Die Menge der Konsummöglichkeiten steigert sich mit jedem Medienwechsel. Nicht umsonst spricht man von einer konvergenten Medienwelt, die mittlerweile „selbstverständlich in den Medienalltag von Kindern und noch mehr von Jugendlichen integriert“ ist [vgl. Theunert / Wagner, S.42]. Die Nutzung und die Herangehensweise an die verschiedenen Formen der Literatur sind mannigfaltig und so individuell wie die Rezipienten selbst. Forschungen versuchen das Phänomen der konvergenten Mediennutzung zu beschreiben, zu kategorisieren und greifbarer zu machen sowie die Risiken als auch die Chancen herauszuarbeiten. Denn der Wechsel des Mediums bedingt in sich bereits unterschiedliche Rezeptionsleistungen des Konsumenten, die Vorteile aber auch Schwierigkeiten mit sich bringen.

Ein Buch kann nie exakt in ein anderes Medium transportiert werden, denn jedes Medium bringt ganz spezifische Eigenschaften mit sich. Ein Hörspiel lässt sich einzig und allein auditiv konsumieren, das Buch nur visuell. Wird das reine Textmedium als „graphic novel“ oder als Comic aufbereitet, so werden ganze Textpassagen durch Bilder ersetzt, was andere Rezeptionsleistungen erfordert als das Lesen. Beim Film kommt hinzu, dass sich die Bilder bewegen und neben visuellem Konsum nun auch noch auditiv rezipiert werden kann. Die Buchvorlage muss also für das neue Medium adaptiert werden. Dadurch stellt sich die Frage: Was verändern die Adaptionen am Ursprungswerk, um dem Medienwechsel gerecht zu werden? Was bleibt von der Vorlage erhalten? Welche neuen Anforderungen bringen die Adaptionen mit sich? Und bleibt die eigentliche Zielgruppe erhalten, wird sie gar erweitert und wenn ja, in welchem Umfang? Was aber wiederum wird vielleicht durch die Adaption auf andere Art und Weise dem Ursprungswerk gerecht? All dies sind Fragen, die sich stellen, wenn man sich die zahlreichen Adaptionen ansieht, die „Der kleine Hobbit“ durchlaufen hat. Er hat alle medialen Adaptionen, die zu Beginn dieses Abschnitts aufgeführt wurden, durchlaufen: Vom reinen Textroman zur „graphic novel“, über ein Hörspiel bis hin zu mehreren Verfilmungen, unter anderem als Zeichentrick und auch als Realverfilmung mit Schauspielern. Exemplarisch anhand der Verfilmung von Peter Jackson „Der Hobbit: Eine unerwartete Reise“ möchte ich den Wechsel des Mediums erläutern und prüfen, inwieweit die Adaption dem Ursprungswerk gerecht wird. Es soll dabei nicht um die Prüfung der Werktreue gehen, sondern vielmehr darum, was sich verändert hat in Bezug auf die Rezeptionsleistungen der Zielgruppe und ob Aspekte der Vorlage erhalten geblieben sind oder gar weitergeführt wurden.

Dazu werde ich zuerst erläutern, was ein Medienwechsel von einem literarischen Text in Form eines Buches zu einem Film bedeutet. Im Anschluss daran werde ich darstellen, inwieweit literarische Texte für Jugendliche aussehen müssen, um für diese Zielgruppen geeignet zu sein. Bevor die Werke von Tolkien und Jackson einander gegenüber gestellt werden, werden beide vorgestellt, ihre Entstehung erläutert, Konvergenz- und Rezeptionsmerkmale dargestellt und schließlich anhand derer beide Werke im Bereich der Kinder- und Jugendliteratur eingeordnet.

2.Was bedeutet es, wenn Texte ihr Medium wechseln?

Gemeinsamkeiten wie auch Unterschiede der beiden Medien Buch und Film machen den Kern aus, den der Medienwechsel einer Literaturvorlage in das Medium Film bedingt. Der Film ist „ ein komplexes ästhetisches Produkt“ [vgl. Faulstich, S. 16], der Roman ebenfalls, beides jeweils in ihrem speziellen Medium. Sie nutzen daher ihre spezifische Kommunikationsform mit dem Rezipienten und die dazugehörigen Vermittlungskanäle.

Beide sind „ästhetisch“, damit also sinnlich wahrnehmbar. Doch hier zeigt sich bereits der erste, gravierende Unterschied, den der Medienwechsel ausmacht. Der Roman spricht den visuellen Sinn an und zwar ausschließlich. Der Rezipient konsumiert das Buch durch die Augen. Er liest den Text, macht sich die Bedeutung der Worte bewusst und entwickelt aus diesen seine Vorstellungen zu Figuren, Handlung und Bedeutung. Das setzt voraus, „dass die Lesetechniken ausreichen und die Voraussetzungen einer durch Schriftsprache ausgelösten Imagination gegeben sind.“[vgl. Neuhaus, S. 8] Sahr bezeichnet das Buch als ein „einsinniges Kommunikationsmedium“, bei dem die „Aussageübermittlung […] auf visueller (genauer auf logographischer) Ebene [erfolgt]“. [vgl. Sahr, S. 34]

Der Film wird zu den audiovisuellen Medien gezählt, ist sogar das Leitmedium dieser Kategorie der Medien [vgl. Frederking, S. 147]. Man sieht bereits an der Titulierung, dass sich die Ästhetik um eine zusätzliche Sinneswahrnehmung erweitert hat: das Auditive. Neben der Wahrnehmung mit den Augen wird nun auch der Gehörsinn eingebunden. Hinzu kommt, dass es sich beim Film um ein Bewegbildmedium handelt. Das bedeutet für den Rezipienten einen ganz anderen Aufnahmeweg der Informationen. Das Auge bleibt weiterhin der Hauptkanal, jedoch ist hier nicht mehr die Umdeutung der Buchstaben und Worte in Vorstellungen gefragt, sondern die Aufnahme der bewegten Bilder. Daher bezeichnet Sahr den Film als „mehrsinniges Kommunikationsmedium“, bei dem „die Aussageübermittlung […] auf visueller (genauer gesagt ikonographischer) und auf auditiver Ebene [geschieht].“ [vgl. Sahr, S. 34]. Der Rezipient muss sich keine Gedanken mehr zum Aussehen der Figuren machen, sondern bekommt diese und ihre Handlungen vorgeführt. Wie Neuhaus es ausdrückt: „Hier hat es der Film einfacher – man sieht, was man sieht, man muss es nicht erst dekodieren“. [vgl. Neuhaus, S. 8] Unterstützt wird dies mit der zusätzlichen Wahrnehmung von gesprochener Sprache, Geräuschen und Musik. Es kann also festgehalten werden, dass zwar ein großer Teil an Interpretations- und Verarbeitungsleistung für den Rezipienten wegfällt, jedoch dafür auf der anderen Seite sehr viel mehr Sinneseindrücke auf ihn ausgeübt werden.

Die reine Wahrnehmungsleistung macht also schon einen Unterschied, doch noch divergenter wird es, wenn man sich auf die Verarbeitung des Dargebotenen der beiden Medien konzentriert, denn wie bereits erwähnt handelt es sich bei beidem um Kommunikationsformen. Auch hier hat Neuhaus eine treffende Gegenüberstellung formuliert:

„Es [gemeint sind Literatur und Film] handelt sich um sinnstiftende Zeichensysteme. Die Systeme sind allerdings verschieden. Literatur besteht in erster Linie aus Schriftsprache. […] Die jeweilige Sprache ist das Signifikantensystem, das auf die außersprachlichen Signifikate verweist. Der Film indes verwendet eine Kombination von Zeichensystemen, als wichtigstes die Bildsprache, als zweitwichtigstes die gesprochene Sprache. Dazu kommt die nonverbale Sprache der SchauspielerInnen“ [vgl. Neuhaus, S. 11]

Es werden also nicht nur unterschiedliche Medien genutzt, durch die Eigenschaften des jeweiligen Mediums wird demnach eine ganz andere Sprache verwendet. Der Schriftsprache des Buches steht die Bildsprache des Films, unterstützt durch gesprochene wie auch nonverbale Sprache, gegenüber. Demnach handelt es sich bei der Adaption einer Literaturvorlage in einen Film um den Wechsel eines Zeichensystems, der einer Übersetzung in eine andere Sprache gleichkommt, wobei die Sprache des Mediums, in welches adaptiert wird, viel komplexer erscheint. Daher muss darauf geachtet werden, „nicht einfach Signifikanten auszutauschen, sondern diejenigen Signifikanten zu wählen, mit denen eine vergleichbare Wirkung im anderen Medium erzielt wird“. [vgl. Neuhaus, S. 18] Das geschieht auf unterschiedlichen Ebenen und mit den verschiedenen Mitteln, die die Filmproduktion mit sich bringen. Film kann also als „mehrfach codierter Text“ bezeichnet werden. [vgl. Bienk, S. 10] Wie bereits erwähnt liegt der Schwerpunkt auf der visuellen Sprache, weswegen Bienk auch nur Codes, die diesen Bereich betreffen, in Betracht zieht. Diese wären der Code der Montage (gemeint ist die Zusammenstellung der Einstellungen, die die Geschichte erzählen), der Code der Beleuchtung (mit welchen Lichtverhältnissen eine Atmosphäre für den Zuschauer geschaffen wird) und der Code des Bildinhalts (was wird wie gezeigt). Die Zusammenstellung der Codes macht den Film interpretierbar. Die für den Film relevanten Zeichensysteme sind nach Beicken vier an der Zahl: „Bildinhalt, Bildbewegung und Bildfolge (das eigentlich Filmspezifische […]), Sprache und Ton“, [vgl. Beicken, S. 34] wobei mit Sprache die gesprochene Sprache gemeint ist. Eine tiefergehende Erläuterung der Codes und ihrer Interpretationsmöglichkeiten würde an dieser Stelle zu weit führen, doch ich möchte darauf hinweisen, dass ich die von Beicken genannten Aspekte bei meiner Analyse der Adaption von Peter Jackson anwenden werde, da sie mir gerade im Zusammenspiel mit der Literaturvorlage als relevanter und aussagekräftiger erscheinen.

Inwieweit bedeutet also dieser Wechsel in ein anderes Zeichensystem einen Unterschied für den Rezipienten? Auf den ersten Blick erscheint es leichter ein Buch zu lesen und zu interpretieren, als einen Film zu schauen und ihn auf seine Codes hin zu analysieren. Auf der anderen Seite gilt der Film als angenehmer zu konsumieren, da er, wie bereits erwähnt, vorführt und die Vorstellungskraft des Rezipienten weniger fordert. Allgemein lässt sich diese Frage nicht beantworten, auch in der Literatur gibt es darauf keine allumfassende, generelle Antwort, daher möchte ich konkret am Beispiel des Hobbits und seiner Adaption von Peter Jackson für den Bereich der Jugendlichen den Vergleich der beiden Texte durchführen, um so für diesen speziellen Teilbereich eine Antwort erarbeiten zu können. Dazu muss aber vorab eine weitere Frage geklärt werden, nämlich die des Titels des folgenden Kapitels.

3.Was macht einen literarischen Text für Kinder und Jugendliche aus?

Kinder- und Jugendliteratur ist, wie der Name dieser Gattung bereits besagt, auf eine ganz bestimmte Zielgruppe ausgelegt, nämlich auf Kinder und Jugendliche. Das bedeutet, dass sie spezifische Anforderungen erfüllen müssen, um dieser Zielgruppe gerecht zu werden. Kinder und Jugendliche verfügen aufgrund ihres Alters und der Tatsache, dass sie sich noch in ihrer körperlichen wie kognitiven Entwicklung befinden, nicht über das Wissen und die Fähigkeiten, die ein Erwachsener vorweist. Daraus ergeben sich die Besonderheiten, die ein Kinder- und Jugendbuch ausmacht. Da Kinder und Jugendliche noch nicht über das Weltwissen Erwachsener verfügen und nicht ihren Erfahrungs- und Wortschatz aufweisen, sollte Kinder- und Jugendliteratur diesem Umstand besonders gerecht werden. Das bedeutet, dass der Text so verfasst sein muss, dass er für die Zielgruppe verständlich verfasst ist und die „Dekodierungsfähigkeit des Lesers“ [vgl. Ewers, S. 169] berücksichtigt. Dazu gehört, dass Rücksicht genommen wird auf „kognitive[..], sprachliche[…] und literarische[…] Kompetenz“ des Lesers sowie die Verständlichkeit der enthaltenen Botschaft für den Leser. [vgl. ebd] Weiterhin ist es von Wichtigkeit, dass die Texte die Zielgruppe ansprechen, denn die „Interessen, Vorlieben und Bedürfnisse“ sind zumeist andere als die der Erwachsenen. Hans-Heino Ewers fasst dies zusammen unter dem Begriff der Textattraktivität:

“Interesse kann der kindliche und jugendliche Leser für bestimmte Wirklichkeitsbereiche hegen, für einzelne Wissensgebiete, für bestimmte Motive, Inhalte, Themen und Probleme. Seine Bedürfnisse können auf bestimmte Identifikationsobjekte ausgerichtet sein, auf Sicherheit, Bestätigung und Anerkennung, auf Evasion, Exotik und Abenteuer. […] Texte, die […] auch noch einzelne ihrer literarischen Vorlieben (etwa derjenigen nach Abwechslung und Grellheit, nach Komik, Nonsens oder Skurrilität, nach Spannung, Nervenkitzel, Schauer oder Horror) bedienen, gewinnen für die kindlichen und jugendlichen Leser eine gewisse Anziehungskraft.“ [vgl. ebd]

Weiterhin ist eine besondere Funktion der Kinder- und Jugendliteratur noch zu erwähnen, denn gerade in der Vergangenheit wurde Kinder- und Jungendliteratur als „didaktische Literatur“ angesehen mit einer gewissen Erziehungsfunktion: „[…] eine der zentralen Aufgaben von Kinder- und Jugendliteratur [bestehe] darin […], ihren kindlichen und jugendlichen Lesern Kenntnisse und Werte zu vermitteln. Dabei soll es vorrangig um die erziehungsrelevante Kenntnisse und Werte gehen.“ [vgl. Ewers, S. 141] Dieser Aspekt lässt sich durchaus immer noch in Kinder- und Jugendliteratur finden, auch wenn die Erziehungsfunktion nicht mehr im Vordergrund steht. Botschaften, die Beschreibung der Überwindung von Schwierigkeiten und die in der Literatur dargestellten Vorbilder lassen sich auch heute noch nutzen, um z.B. im Deutschunterricht mit ihnen zu arbeiten.

[...]

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
J.R.R. Tolkiens "Der kleine Hobbit" und die Adaption von Peter Jackson
Untertitel
Wohin geht die Reise mit Blick auf Kinder- und Jugendliteratur?
Hochschule
Technische Universität Dortmund
Veranstaltung
Kinder- und Jugendliteratur im Medienverbund
Note
1,7
Autor
Jahr
2013
Seiten
18
Katalognummer
V269387
ISBN (eBook)
9783656604976
ISBN (Buch)
9783656604990
Dateigröße
423 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
tolkiens, hobbit, adaption, peter, jackson, wohin, reise, blick, kinder-, jugendliteratur
Arbeit zitieren
Stefanie Rahder (Autor), 2013, J.R.R. Tolkiens "Der kleine Hobbit" und die Adaption von Peter Jackson, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/269387

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