Die Sturmstillung – Exegese von Mk 4, 35-41


Hausarbeit, 2011

15 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Textabschrift des mir zugrunde gelegten Textes

2 Analyse des Textes
2.1 Abgrenzung und Kontextanalyse
2.2 Strukturanalyse
2.3 Literarkritik
2.4 Formgeschichte
2.5 Begriffsbestimmung

3. Interpretation
3.1 Interpretation der vormarkinischen Überlieferung
3.2 Interpretation des markinischen Textes
3.2.1 Interpretation des Textes an sich
3.2.2 Interpretation des Textes im theologischen Gesamtrahmen

4 Synoptischer Vergleich
4.1 Interpretation der mt. Parallele
4.2 Interpretation der lk. Parallele

5 Zusammenfassung und Bündelung

Literaturverzeichnis

Anhang
Anhang 1: Abgrenzung und Kontextanalyse
Makrozusammenhang
Mikrozusammenhang
Anhang 2: Strukturanalyse
Anhang 3: Synoptischer Vergleich

1 Textabschrift des mir zugrunde gelegten Textes

Die Stillung des Seesturms ( Mk 4, 35-41)

„ Und am Abend desselben Tages sprach er zu ihnen: Lasst uns hinüberfahren.

Und sie ließen das Volk gehen und nahmen ihn mit, wie er im Boot war, und es waren noch andere Boote bei ihm.

Und es erhob sich ein großer Windwirbel und die Wellen schlugen in das Boot, sodass das Boot schon voll wurde.

Und er war hinten Im Boot und schlief auf einem Kissen. Und sie weckten ihn auf und sprachen zu ihm: Meister, fragst du nichts danach, dass wir umkommen?

Und er stand auf und bedrohte den Wind und sprach zu dem Meer: Schweige und verstumme! Und der Wind legte sich und es entstand eine große Stille.

Und er sprach zu ihnen: Was seid ihr so furchtsam? Habt ihr noch keinen Glauben?

Sie aber fürchteten sich sehr und sprachen untereinander: Wer ist der? Auch Wind und Meer sind ihm gehorsam!

2 Analyse des Textes

In der folgenden Analyse des Textes wird unsere Bibelstelle an sich genauer betrachtet. Es soll erforscht werden in welchem Kontext sich die Bibelstelle befindet, welche Strukturen aufzuzeigen sind, welcher Gattung die Bibelstelle zuzuordnen ist und außerdem, wie der Urtext ausgesehen haben könnte.

2.1 Abgrenzung und Kontextanalyse

In diesem Arbeitschritt ist der Text innerhalb seines Kontextes zu betrachten. Dies dient zur Analyse davon, welcher Teil des Textes relevant ist und auf welchem Teil des Textes der Fokus liegen könnte.

Bei der Betrachtung des Makrozusammenhangs ist festzustellen, dass unser Bibelauszug Mk 4, 35-41 die erste von vier Wundererzählungen darstellt und zudem im Anschluss an mehrere Gleichniserzählungen von Jesus vorzufinden ist. Da Markus die Wundergeschichten nacheinander erzählt lässt sich dahingehend deuten, dass er den Fokus auf der Erzählungen auf die Wunder gelegt hat und dies somit auch für unsere Geschichte zutrifft.

Betrachtet man den Mikrokontext ist festzustellen, dass es im Verlauf der Wundergeschichten oftmals um die Furcht der Menschen, als Reaktion auf das Wunder, geht. Auffällig ist außerdem, dass Jesus vor beziehungsweise anschließend an das Wunder an den Glauben der Menschen appelliert. Diese wiederholten Beschreibungen deutet für mich darauf hin, dass der Schwerpunkt unserer Bibelstelle auf den tadelnden Worten Jesu an die Jünger und bei der Darstellung der Furcht der Jünger, liegt.[1] Folglich ist zu vermuten, dass das Wunder an sich nicht den wichtigsten Teil dieser Erzählung darstellt.

2.2 Strukturanalyse

Im Folgenden ist eine ausformulierte Gliederung verfasst.

Der Aufbau der Textstelle Mk 4, 35-41 wird von einem dominierendem Mittelteil bestimmt: den Bericht des plötzlich aufkommenden Seesturms, den hierauf folgenden aufgeregten Reaktionen der Jünger und dem wiederum plötzlichen Ende des Sturms durch Jesus ( Mk 4, 37-39).

Die Funktion der Mittelteil rahmenden Abschnitte ( Mk 4, 35-36 und Mk 4, 40-41) ist zum einen die einführende Vorbereitung des bald folgenden Geschehens im Sinne einer Exposition und andererseits abschließend eine Art Auswertung des Geschehens, angeführt an den unterschiedlichen Reaktionen auf das Geschehen.

In der Textstelle Mk 4, 35-36 beginnt die Vorbereitung des Geschehens (Exposition) durch den Befehl von Jesus an seine Jünger über den See zu fahren ( Mk 4, 35) und die Befolgung dieses Befehls durch die Jünger ( Mk 4, 36).

Jesus und seine Jünger in dem Boot auf dem See stellen die Ausgangssituation für das folgende Geschehen dar.

Nachdem diese Ausgangssituation bekannt gemacht ist wird im folgendem Abschnitt Mk 4, 37-39 sofort von dem weiteren Verlauf der bestimmenden Ereignisse, nämlich dem aufkommendem Sturm ( Mk 4, 37) und den aus dem Sturm entstehenden Konsequenzen für die im Boot sitzenden Personen, berichtet. Die Reaktion, die der Sturm hervorruft, zuerst die Nichtreaktion von Jesus und dann die Reaktion der aufgeregten Jünger ist in Mk 4, 38 dargestellt.

In Mk 4, 39 erwacht Jesus durch die Reaktion der Jünger und führt das Ende des Sturms herbei, indem er die Natur bedroht, welche seinem Befehl befolgt. Mit dieser Textstelle schließt das eigentliche Geschehen ab.

Es folgt sozusagen die Auswertung der vorherigen Handlung ( Mk 4, 37-39) in Mk 4, 40-41 und die Wirkung, die das Geschehen bei den beteiligten Personen hervorruft: Jesus reagiert mit Zorn auf das Verhalten der Jünger während des Sturms und stellt den Jüngern eine rhetorische Frage.[2] Auf das Wunder von Jesus reagieren die Jünger mit Furcht und Unverständnis, was durch eine Frage der Jünger an sich selbst dargestellt wird.[3]

2.3 Literarkritik

Die Literarkritik beschäftigt sich damit, ob der uns vorliegende Text eine schriftliche Basis hat, die verändert und zu dem uns vorliegenden Text ausformuliert wurde. Es gibt drei Arten der Veränderung eines Textes: die Umgestaltung, die Ergänzung und die Kombination. Unsere Bibelstelle lässt bei genauerer Betrachtung darauf schließen, dass Markus den Text umgestaltet hat. Im Folgenden habe ich versucht herauszuarbeiten, in welchen Versen Markus eine solche Redaktion vorgenommen hat.

Vers 35 „ Und am Abend desselben Tages“[4] stellt einen Bezug zur vorherigen Geschichte her. Die Seeüberfahrt findet an dem Abend, an dem die große Seepredigt war, statt. Dieser Vers muss somit nicht in dem Markus vorliegenden Text vorhanden gewesen sein, sonder kann von ihm selbst, als Brücke von der einen zur anderen Geschichte verwendet worden seine, was zu einem besseren Erzählverlauf führte.

Auch Vers 36a „ Und sie ließen das Volk gehen und nahmen ihn mit, wie er im Boot war“[5] ist vermutlich von Markus hinzugefügt um diesen Bezug zur vorherigen Geschichte noch weiter auszuschmücken, da in Mk 4,1 Jesus seine Predigt aus dem Boot heraus hält, mit welchem dann nun in unserer Textstelle die Jünger und Jesus direkt weiterfahren.

Ich glaube, dass auch der Vers 40, in dem die Jünger die Frage von Jesus bekommen, warum sie Angst haben und ob sie keinen Glauben haben, von Markus hinzugefügt wurde.[6] Würde dieser Vers nämlich fehlen wäre die Geschichte trotzdem schlüssig und zusammenhängend. Jesus würde den Sturm stillen und in Vers 41 hätten die Jünger große Furcht und würden sich fragen, wer ihr Meister ist, dass er solch große Wunder vollbringen kann.[7] Ich glaube, dass Markus diesen Vers hinzugefügt hat, da es ihm wichtig war den Unglauben der Jünger zu thematisieren, was er in folgenden Kapiteln auch immer wiederholt.

Unsere Analyse ergibt somit folgende Ursprungsgeschichte, die Markus vorgelegen haben muss: Vers 36b-39 und Vers 41. Vers 35 könnte in Teilen so vorgelegen haben, wurde jedoch wahrscheinlich von Markus verändert.

2.4 Formgeschichte

In diesem Kapitel habe ich die Gattung unserer Bibelstelle bestimmt.

Die vormarkinische Überlieferung ähnelt einer Wundergeschichte. Wie in der Gliederung beschrieben gliedert sich die Wundergeschichte in: - Exposition,

[...]


[1] Vgl. Anhang 1.

[2] Vgl. Brox, N. u.a. (Hg.): Evangelisch- Katholischer Kommentar zum Neuen Testament (EKK). S. 1947.

[3] Vgl. Anhang 2.

[4] Lutherbibel Mk 4, 35.

[5] Lutherbibel Mk 4, 36.

[6] Vgl. Lutherbibel Mk 4, 40.

[7] Vgl. Lutherbibel Mk 4, 39- 41.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die Sturmstillung – Exegese von Mk 4, 35-41
Hochschule
Universität Bielefeld
Note
2,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
15
Katalognummer
V269450
ISBN (eBook)
9783656606123
ISBN (Buch)
9783656606093
Dateigröße
476 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
sturmstillung, exegese
Arbeit zitieren
Rebecca Rosenthal (Autor), 2011, Die Sturmstillung – Exegese von Mk 4, 35-41, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/269450

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