Inhalt vorliegender Arbeit ist eine gründliche Exegese zur „sperrigen Perikope“ Gen 32,23-33, welche Jakobs Kampf am Jabbok beschreibt. Der Abschnitt wirft einige Fragen auf: Handelt es sich bei der Erzählung um einen Traum oder um ein tatsächliches Geschehnis? Wer war der Mann, mit dem Jakob kämpfte? Wenn es Gott selber war, wieso konnte er Jakob nur schwer überwältigen? Wieso musste Gott zu einer „unlauteren“ Taktik greifen und seinen Kontra-henten verletzen und wer schlug überhaupt wen? Kann der Mensch den Segen Gottes einfordern?
Aus diesen Fragen wird ersichtlich, dass es sich bei der bekannten Geschichte in der Genesis, welche als „Kernstück der Jakobsgeschichte“ bezeichnet wird, vielleicht doch um eine „Problemstelle“ handeln könnte, umso mehr, wenn Elliger oder auch Utzschneider den Text als „hermeneutisches Problem“ darstellen, Ruppert den Text für den christlichen Leser als eine der „anstöss-lichsten Perikopen“ bezeichnet und Floss eine „kaum mehr überschaubare Anzahl von Deutungsversuchen“ für diese Textstelle ausmacht und sie als crux interpretum bezeichnet.
Eine ernsthafte Exegese muss sich also diesen Anfragen stellen, um den Text für die Gemeinde in der Verkündigung fruchtbar machen zu können. Dies jedoch ständig mit dem Ziel vor Augen, dass es beim Produkt der Exegese weder um eine weitere Deutungsvariante geht, noch darum, möglichst viele textanalytische Aufsätze im Einzelnen vorzuführen. Diese Auslegung diente als Vorarbeit zu einer zweiteiligen Predigtreihe.
1. EINLEITUNG
1.1 Vorbemerkung und erste Begegnung mit dem Text
1.2 Exkurs: Bemerkungen zur konsultierten Literatur und der ihr inhärenten Hermeneutik
2. TEXTKRITISCHE ANALYSE
2.1 Prüfung der Textbasis
2.1.1 Vers 23
2.1.2 Vers 24
2.1.3 Vers 26
2.1.4 Vers 31
2.2 Übersetzung
3. ART UND STRUKTUR DES TEXTES
3.1 Textgattung
3.2 Sprachliche Stilmittel und ihre Bedeutung für die Auslegung
3.2.1 Allgemeine Feststellungen zur analytischen Textbeobachtung
3.2.2 Wortspiele
3.3 Textschaubild
3.4 Textgliederung
3.5 Beobachtungen aufgrund der Struktur des Textes
3.6 Zusammenfassung des Textes in einem Satz
4. WORTSTUDIEN
4.1 Panim (פנים)
4.2 Israel (ישׂראל)
4.3 Schlagen, berühren (נגע)
4.4 Exkurs: Segen beraka / Segnen barak (ברך)
4.4.1 Segen im Alten Testament: semantische Beobachtungen
4.4.2 Segen: systematisch theologisch
4.4.2.1 Im Alten Testament
4.4.2.2 Segenszusage und Gehorsamsforderung
4.4.2.3 Das Segnen Gottes durch den Menschen
4.4.2.4 Segen im Neuen Testament
4.4.3 Schlussfolgerungen
4.4.4 Praktische Umsetzungsmöglichkeit
5. EINLEITUNGSFRAGEN
5.1 Literarische Abfassungssituation der Perikope
5.1.1 Verfasser
5.1.2 Adressaten, Anlass und Zweck
5.1.3 Ort und Zeit der Abfassung
5.2 Geographische Situation des biblischen Schauplatzes
5.3 Schlussfolgerungen zum Verständnis der Perikope
6. KONTEXTUELLE ANALYSE
6.1 Der Kontext innerhalb der Erzvätergeschichte
6.2 Gottesbegegnungen Jakobs
6.2.1 Allgemein: Im Kontext von Jakobs Leben
6.2.2 Im Einzelnen: Am Jabbok
7. SYSTEMATISCH THEOLOGISCHE BEOBACHTUNGEN
7.1 Jakobs Transformation
7.2 Transzendenz und Immanenz Gottes
7.3 Auslegung im rabbinischen Judentum
7.4 Typologischer Aspekt und Bezug zur „Openness Theology“
8. ZUSAMMENSCHAU UND SYNTHESE
9. PRAKTISCHE ANWENDUNG
9.1 Das Textthema in einem Satz
9.2 Praktische Anwendungen aus dem Text
9.3 Zielgruppe
9.4 Mögliche Verständnisschwierigkeiten beim Zuhörer
9.5 Eigene blinde Flecken
9.6 Schwerpunkte und Ziel für die Predigt
9.7 Thema einer Predigt über Gen 32,23-33
9.8 Mögliche Titel einer Predigt
9.9 Entwurf einer Predigt
9.9.1 Anspiel
9.9.2 Einstieg
9.9.3 Hauptteil
9.9.4 Schluss
10. NACHWORT
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit unternimmt eine exegetische Untersuchung der "sperrigen Perikope" Genesis 32,23-33. Ziel ist es, den Text in seinem biblischen Kontext zu verstehen, die zentralen theologischen Aussagen zu erarbeiten und diese für die praktische Anwendung in einer evangelikalen Gemeindeverkündigung aufzubereiten.
- Exegese des Ringkampfes Jakobs am Jabbok
- Untersuchung der Bedeutung von Gottesbegegnungen und der Transformation Jakobs
- Wortstudien zu zentralen Begriffen wie "Angesicht" (Panim), "Israel" und "Segen" (Beraka/Barak)
- Theologische Reflexion über Transzendenz und Immanenz Gottes
- Homiletische Umsetzung und Predigtentwurf für die Gemeinde
Auszug aus dem Buch
Jakobs Kampf am Jabbok: Exegese zu Gen 32,23-33
Die Aufgabenstellung für vorliegende Arbeit lautete, einen sogenannten „Problemtext“ aus dem Alten Testament einer gründlichen Exegese zu unterziehen. Was genau als „Problemtext“ betrachtet wird, erscheint mir allerdings auf subjektiven Ansichten zu gründen und was für den einen Exegeten eine „Problemstelle“ darstellt, erscheint dem anderen vielleicht durchaus nicht als problematisch. Sowieso bleibt zu fragen, ob das „Problem“ überhaupt in einer Textstelle liegen kann und nicht viel mehr beim Leser und seiner je eigenen Hermeneutik begründet liegt.
In diesem Bewusstsein soll im Folgenden die „sperrige Perikope“ Gen 32,23-33, welche Jakobs Kampf am Jabbok beschreibt, genauer untersucht werden. Der Abschnitt wirft doch einige Fragen auf: Handelt es sich bei der Erzählung um einen Traum oder um ein tatsächliches Geschehnis? Wer war der Mann, mit dem Jakob kämpfte? Wenn es Gott selber war, wieso konnte er Jakob nur schwer überwältigen? Wieso musste Gott zu einer „unlauteren“ Taktik greifen und seinen Kontrahenten verletzen und wer schlug überhaupt wen? Kann der Mensch den Segen Gottes einfordern?
Aus diesen Fragen wird ersichtlich, dass es sich bei der bekannten Geschichte in der Genesis, welche als „Kernstück der Jakobsgeschichte“ bezeichnet wird, vielleicht doch um eine „Problemstelle“ handeln könnte, umso mehr, wenn Elliger oder auch Utzschneider den Text als „hermeneutisches Problem“ darstellen, Ruppert den Text für den christlichen Leser als eine der „anstösslichsten Perikopen“ bezeichnet und Floss eine „kaum mehr überschaubare Anzahl von Deutungsversuchen“ für diese Textstelle ausmacht und sie als crux interpretum bezeichnet. Elliger fasst diese Probleme folgendermassen zusammen: „Die Erzählung vom Jakobskampf am Jabbok gehört zu denjenigen Abschnitten der Heiligen Schrift, deren Schwierigkeiten schon manchen, der sie für die Predigt oder den Unterricht verwenden wollte, zur Kapitulation gezwungen haben, wenn er sich nicht mit einem Salto mortale und d.h. mit schlechtem exegetischem Gewissen über sie hinwegsetzte.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Hier wird die Problemstellung der Perikope definiert und der methodische Ansatz der Arbeit dargelegt.
2. TEXTKRITISCHE ANALYSE: Dieser Abschnitt prüft die Textbasis anhand der Biblia Hebraica Stuttgartensia und erarbeitet eine grundlegende Übersetzung.
3. ART UND STRUKTUR DES TEXTES: Hier werden die literarische Gattung, die sprachliche Gliederung und die strukturgebenden Elemente der Erzählung analysiert.
4. WORTSTUDIEN: Dieses Kapitel vertieft das Verständnis der zentralen Begriffe Panim, Israel, Naga und der Theologie des Segens im Alten und Neuen Testament.
5. EINLEITUNGSFRAGEN: Hier werden Fragen nach Verfasserschaft, Datierung und dem geographischen Schauplatz der Erzählung behandelt.
6. KONTEXTUELLE ANALYSE: Dieser Teil ordnet das Geschehen in die Jakobs-Biographie ein und reflektiert die Gottesbegegnungen.
7. SYSTEMATISCH THEOLOGISCHE BEOBACHTUNGEN: Hier werden die Transformation Jakobs, das Spannungsfeld von Gottes Transzendenz und Immanenz sowie typologische Aspekte reflektiert.
8. ZUSAMMENSCHAU UND SYNTHESE: Eine zusammenfassende Betrachtung der zentralen Ergebnisse der Exegese.
9. PRAKTISCHE ANWENDUNG: Dieser Teil widmet sich der Übertragung der exegetischen Ergebnisse in die homiletische Praxis und den Entwurf einer Predigt.
10. NACHWORT: Ein persönlicher Rückblick des Autors auf den exegetischen Prozess und die Bedeutung des Ringens um den Text.
Schlüsselwörter
Genesis 32, Jakob, Jabbok, Ringkampf, Segen, Israel, Exegese, Gottesbegegnung, Gottesbild, Transzendenz, Immanenz, Transformation, Hermeneutik, Predigt, Theologie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet eine fundierte exegetische Untersuchung der biblischen Erzählung von Jakobs Kampf am Jabbok (Gen 32,23-33) und deren Bedeutung für das Verständnis der Jakobsgeschichte sowie deren Anwendung in der christlichen Predigt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Arbeit deckt die textkritische Analyse, die strukturelle Untersuchung, ausführliche Wortstudien zu zentralen hebräischen Begriffen sowie die systematisch-theologische Einordnung der Gottesbegegnung ab.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist ein besseres Verständnis des „Problemtextes“ und die Vorbereitung einer theologisch fundierten und lebensnahen Predigt für den Kontext einer freikirchlichen Gemeinde.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor orientiert sich methodisch am „canonical approach“ von B.S. Childs, der die Endgestalt des Textes in den Vordergrund stellt, anstatt den Text in zahlreiche hypothetische Überlieferungsschichten zu dekonstruieren.
Welche Aspekte werden im Hauptteil besonders behandelt?
Ein besonderer Fokus liegt auf der Bedeutung des Segens und der Namensänderung von Jakob zu Israel, der Transformation der Persönlichkeit Jakobs und der Frage, wie man die Spannung zwischen Gottes Transzendenz und seiner erfahrbaren Nähe in der heutigen Verkündigung ausdrücken kann.
Was sind die wichtigsten Schlüsselwörter?
Die Arbeit charakterisiert sich durch Begriffe wie Segen, Israel, Gottesbegegnung, Exegese, Transzendenz, Immanenz und praktische Anwendung.
Warum wird der Kampf Jakobs als eine Transformation bezeichnet?
Der Text zeigt den Übergang Jakobs vom „Betrüger“ hin zu „Israel“, dem von Gott Gesegneten, der sein Leben nicht mehr aus eigener Kraft, sondern in Abhängigkeit von Gottes Gnade führt.
Wie geht die Arbeit mit der „Problemstellung“ des Textes um?
Anstatt die Schwierigkeiten des Textes „wegzuerklären“, wird die dem Text immanente Mystik und das Geheimnis Gottes betont, um den Zuhörern die Unergründlichkeit und Souveränität Gottes vor Augen zu führen.
- Arbeit zitieren
- David Jäggi (Autor:in), 2014, Jakobs Kampf am Jabbok, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/269512