Segregation ist eine vielschichtige Erscheinung, die seit jeher zum Stadtbild gehört. Bereits das Zentrum Babylons 2000 Jahre v. Chr. war nur für Könige und Priester zugänglich, aber auch die mitteleuropäischen Städte des Mittelalters waren so gegliedert, dass sich die Bevölkerung der jeweiligen Viertel nach Beruf und sozialem Stand unterschied (Häußermann/Siebel 2004:146). Auch im Italien der Renaissance gab es starke Ausprägungen der Segregation. So ist der Ursprung des Begriffes Ghetto in dem Namen eines Quartiers in Venedig zu sehen, in dem das Wohnrecht dahingehend reglementiert wurde, dass die jüdische Gemeinde in einem Stadtviertel zusammengefasst wurde. Und auch in asiatischen Städten und in Indien ist es noch immer üblich, dass der Wohnort an die Religion bzw. an die Zugehörigkeit zu einer Kastegeknüpft ist (Häußermann/Siebel 2004:146). Aktuell zählt die Segregationsforschung zu den wichtigsten Fragestellungen der Stadtsoziologie und -geographie.
Den Einstieg in das Thema stellt die Definition des Begriffs Segregation und die Vorstellung von zwei geläufigen Segregationsindizes dar. Anschließend wird im Hauptteil der Arbeit auf die Segregationsformen ethnischer Gruppen eingegangen, indem vorab geklärt wird in welchem Sinne ethnisch zu verstehen ist, um darauf aufbauend die wichtigsten ethnischen Minderheiten in den USA vorzustellen. Das Kernstück der Arbeit bildet die nachfolgende Ausarbeitung der Ursachen für die Segregation ethnischer Gruppen, wobei die Ursachen in erzwungen – also strukturell bedingt – und freiwillig unterschieden werden. Basierend auf diesen Ausführungen werden zuerst die allgemeinen räumlichen Ausprägungen der Segregation erläutert, um anschließend auf das Stadtbeispiel Chicago, das durch ausgeprägte ethnische Segregationserscheinungen gekennzeichnet ist, zu sprechen zu kommen. Abschließend folgen eine Bewertung der Segregationsprozesse vor dem Hintergrund der Theorie des melting pots und der zu erwartenden zukünftigen Entwicklung, sowie eine Zusammenfassung der wichtigsten vorgestellten Aspekte.
Das Ziel der Arbeit liegt auf der kritischen Betrachtung der Segregationsursachen von ausgewählten ethnischen Gruppen und auf den durch ethnische Segregation geprägten städtischen Räumen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Definition des Begriffs Segregation
3 Segregationsformen ethnischer Gruppen
3.1 Bedeutende ethnische Minderheiten in den USA
3.2 Ursachen für die Segregation
3.2.1 „Erzwungene“ Segregation
3.2.2 „Freiwillige“ Segregation
4 Räumliche Beispiele für Segregation ethnischer Gruppen
4.1 Allgemeine räumliche Ausprägungen
4.2 Raumbeispiel: Chicago
5 Ausblick
6 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, die Ursachen für die Segregation ausgewählter ethnischer Gruppen in US-amerikanischen Städten kritisch zu beleuchten und die resultierenden städtischen Raummuster zu analysieren.
- Grundlagen der Segregationsbegriffe und Indizes
- Differenzierung zwischen erzwungener und freiwilliger Segregation
- Einfluss der Stadtstruktur auf ethnische Minderheiten
- Fallbeispiel Chicago: Räumliche Ausprägungen und Ursachen
- Bewertung vor dem Hintergrund des Melting-Pot-Modells
Auszug aus dem Buch
3.2.1 „Erzwungene“ Segregation
Da der Einfluss von Immobilien- bzw. Wohnungsmärkten und der Einkommensungleichheit, also der sozialen Dimension, maßgeblich bei der Segregation ethnischer Gruppen beteiligt ist, soll diese Verknüpfung anhand des in Abb. 2 vorgestellten Ringmodells der Stadtentwicklung von Burgess aus dem Jahr 1925/29 erläutert werden. Ursprünglich entwickelt am Beispiel von Chicago, gilt es auch noch gegenwärtig als ein fundamentales Stadtstrukturmodell in der Stadtgeographie (Heineberg 2007:339). Dem Modell liegt die Theorie zugrunde, dass Differenzen in Bezug auf die Sozialstruktur und die Flächennutzung einer Stadt durch Sektoren beschrieben werden können (Gaebe 2004:121).
Gemäß dem Stadtmodell nach Burgess schließt an den Loop das komerzielle, soziale, kulturelle und politische Zentrum, die sogenannte Zone in Transition an. Diese Übergangszone ist aufgrund der radialen Ausweitung des Central Business Districts durch baulichen Verfall gekennzeichnet, was auf rückschreitende private Investitionen und das Eindringen von Geschäften und Leichtindustrie in diesen Sektor zurückzuführen ist (Borsdorf/Bender 2010:191). Einkommensschwache Haushalte unterliegen bei ihren Wohnpräferenzen finanziellen Restriktionen, sodass sie das Wohnungsangebot wahrnehmen müssen, das im Rahmen ihrer Möglichkeiten liegt (Borsdorf/Bender 2010:186). Sie müssen somit notgedrungen in eine unattraktive Wohngegend mit schlechter Wohnqualität, hoher Luftverschmutzung und Lärmbelästigung ziehen. Immigranten, die nun erstmals in eine Stadt ziehen, haben meistens keine Alternative als die billigsten Wohnungen zu beziehen, die typischerweise in der Zone of Transition liegen (Gebhardt et al. 2008:684). So kommt es beispielsweise zur Verzahnung von ethnischer und sozialer Segregation und somit zur Entstehung von Ghettos und Slums in der Übergangszone, die durch hohe Kriminalitätsraten, Drogenmissbrauch, soziale Benachteiligung und eine Konzentration von Armut gekennzeichnet sind (Heineberg 2007:348).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema Segregation als stadtgeographisches Phänomen ein und skizziert den Aufbau sowie das Ziel der kritischen Betrachtung ethnischer Segregationsursachen.
2 Definition des Begriffs Segregation: Dieses Kapitel definiert Segregation als Ausmaß ungleicher Verteilung und erläutert quantitative Messmethoden wie den Segregations- und Dissimilaritätsindex.
3 Segregationsformen ethnischer Gruppen: Hier werden ethnische Minderheiten in den USA vorgestellt und die Ursachen der Segregation in freiwillige und erzwungene Prozesse unterteilt.
4 Räumliche Beispiele für Segregation ethnischer Gruppen: Dieses Kapitel analysiert allgemeine räumliche Segregationsmuster und vertieft diese anhand des Fallbeispiels Chicago.
5 Ausblick: Der Ausblick bewertet Segregationsprozesse vor dem Hintergrund des Melting-Pot-Modells und diskutiert die zukünftige Entwicklung hin zu einer pluralistischen Gesellschaft.
6 Zusammenfassung: Die Zusammenfassung bündelt die zentralen Erkenntnisse über die Komplexität der Segregationsursachen und betont die Notwendigkeit staatlicher Integrationsförderung.
Schlüsselwörter
Segregation, ethnische Gruppen, USA, Stadtgeographie, Ghettos, Immigranten, Melting Pot, Chicago, Sozialstruktur, Stadtentwicklung, Invasions-Sukzessions-Zyklus, Stadtplanung, Minderheiten, räumliche Ausprägung, Integration.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Hausarbeit untersucht die Erscheinungsformen und Ursachen der ethnischen Segregation innerhalb von US-amerikanischen Städten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Definition von Segregation, der Unterscheidung zwischen freiwilliger und erzwungener Segregation sowie der Analyse räumlicher Beispiele.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die kritische Betrachtung der Ursachen, die zur Segregation spezifischer ethnischer Gruppen in städtischen Räumen führen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse stadtgeographischer Modelle und Theorien sowie auf die Auswertung statistischer Zensusdaten und Fallbeispiele.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die theoretischen Grundlagen der Segregation, die Vorstellung ethnischer Minderheiten in den USA, die Ursachenforschung und eine detaillierte Fallstudie zu Chicago.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Segregation, ethnische Minderheiten, Melting Pot, Stadtgeographie, Ghettobildung und der Invasions-Sukzessions-Zyklus.
Was unterscheidet „erzwungene“ von „freiwilliger“ Segregation?
Erzwungene Segregation ist strukturell durch ökonomische Restriktionen und Diskriminierung bedingt, während freiwillige Segregation auf dem Wunsch nach Nachbarschaften mit ähnlichen kulturellen oder sozialen Werten basiert.
Warum wird Chicago als Raumbeispiel herangezogen?
Chicago dient als Paradebeispiel, da es durch eine ausgeprägte Zuwanderung verschiedener ethnischer Gruppen und eine historisch gewachsene, fragmentierte Stadtstruktur gekennzeichnet ist.
Welche Rolle spielt das „Melting-Pot“-Modell?
Es dient als theoretischer Vergleichsmaßstab, um zu bewerten, inwieweit Immigranten in der US-amerikanischen Gesellschaft tatsächlich in eine homogene Nationalkultur verschmelzen.
Was bedeutet die „Zone in Transition“?
Dies ist eine Übergangszone im Ringmodell von Burgess, die durch baulichen Verfall und das Eindringen von Industrie geprägt ist und oft als erste Anlaufstelle für einkommensschwache Immigranten dient.
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- Dimitri Falk (Author), 2011, Segregationsformen ethnischer Gruppen in US-amerikanischen Städten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/269578