Das Problem der Theodizee bei David Hume und Gottfried Wilhelm Leibniz im Hinblick auf physisches Leid


Seminararbeit, 2012

10 Seiten, Note: 5 (CH)


Leseprobe

Das Problem der Theodizee bei David Hume und Gottfried Wilhelm Leibniz im Hinblick auf physisches Leid

Einleitung

Die Fragen, welche Epikur bereits stellte, sind bis heute unbeantwortet: Ist Gott bereit, das Böse zu verhindern, ist er aber nicht in der Lage dies zu tun? Dann ist er impotent. Ist er fähig, aber nicht willens? Dann ist er boshaft. Ist er sowohl fähig als auch willens? Dann lässt sich fragen, woher dann das Böse kommt? (S. 99)

Physisches Leid im Gegensatz zum moralischen Leid entsteht aus der Natur und hat nichts mit dem freien Willen zu tun. So kann zum Beispiel bei Naturkatastrophen und Krankheiten die Lösung nicht beim freien Willen gefunden werden. Nicht die Menschen tragen die Schuld allen Leidens.

Die Theodizee ist die Rechtfertigung Gottes hinsichtlich der Übel in der Welt. Wenn es einen vollkommenen Gott gibt, wie kann es dann eine unvollkommene Welt geben, wo so viel Elend besteht? Gott könnte ohne Probleme alles Leid beseitigen. Dazu müsste er nur wollen. Und wenn er gütig ist, würde er es auch wollen. Somit wäre Gott faktisch auch für das Leiden auf der Welt verantwortlich. Wo liegt somit das Problem? Will er nicht, kann er nicht oder ist es ihm gleichgültig?

David Hume hat seine Sicht zur Theodizee in seinem Werk “Dialoge über die natürliche Religion” in den Kapiteln zehn und elf dargelegt. Wilhelm Leibniz legte dies in seinem Werk “Die Theodizee” dar.

In diesem Essay vergleiche ich die beiden Positionen und lege dar, weshalb mir welche sinnvoller erscheint. Ausserdem will ich widerlegen, dass, wie Hume behauptet, Leibniz das Elend dieser Welt leugne.

Theodizee bei David Hume

Kapitel 10

Die Religion wird von vielen Menschen gerade deswegen für wahr gehalten, weil er in ihr Schutz vor dem Elend sucht (Demea Anfang). Der grosse Umfang des Leids wird in allen Kulturen und Religionen beschworen, beklagt und beschrieben. Leiden ist das Los aller Kreaturen. Die Tiere und Menschen kämpfen gegeneinander. Die Natur ist manchmal erbarmungslos. Oft sind Krankheiten im Vergleich zu Vergnügungen unerbittlich. Demea behauptet sogar, dass es ein Übermass an Leiden und nur wenig Glück gibt. Kunst, Musik, Harmonie, Schönheit kann uns Menschen zwar trösten, aber das Mass an Leiden bleibt trotzdem grösser (S. 100).

Philo erwähnt auf Seite 92, dass Leibniz angeblich das Elend dieser Welt leugnen soll. Das klinge paradox und einzigartig. Genau das ist es auch, daher gehe ich davon aus, dass Leibniz das anders interpretiert hat. Das Beweisverfahren von Leibniz sei kein echtes, sondern nur ein Abstreiten. Das Leid ist allgegenwärtig, sagt Philo, wie könnte man es leugnen. Ein beständiger Krieg herrsche überall; Schmerzen schon bei der Geburt; der unaufhörliche Kampf in der Natur. Allein der Mensch sei eine Ausnahme durch seine Klugheit.

Die Attribute Gottes der Allmacht, Güte und Allwissenheit besagen bei all dem Leiden, dass er will, dass der Mensch nicht glücklich ist. Hat Gott ein anderes Ziel (S. 99)? Zweck und Ziel erscheinen die Erhaltung der Individuen zu sein, ohne besondere Sorge für deren Glück. “Kein Arsenal an reiner Freude und Zufriedenheit.” (S. 99)

Demeas Einwand

Mit der Zeit werden die Leiden verständlich, wir begreifen sie im Moment nur nicht.

Cleanthes hat Einwände gegen Demea. Cleanthes widerspricht vehement, indem er behauptet, dass die Freude und das Glück eindeutig überwiegen. Er bezeichnet Demeas Sicht als übertrieben. Die Ursache könne nur aus den Wirkungen, eine Hypothese nur aus Phänomenen erschlossen werden. Demea baue Luftschlösser.

Cleanthes Einwände gegen das Theodizee-Problem

Er leugnet das Ausmass der Leiden. Gottes Allmacht will, dass wir glücklich sind, entgegen dem was Philo behauptet. Das zweite Argument der Allwissenheit führt zum Glück, daher ist das Ziel das Glück. Dies ist ziemlich genau die Position Leibniz, wobei aus Sicht von Leibniz das Glück nicht alles ist, was Gott will. Aus dem Glück kann dann die Güte abgeleitet werden, die dann nicht mehr im Widerspruch zur Allmacht und Allwissenheit steht. Leibniz begründet dies vor allem mit dem Mass an Glück, das grösser ist als das Unglück.

Philo meint, dass Schmerz intensiver sei und darum stärker ins Gewicht falle als unsere faden Vergnügungen. Was wir damit aber für die Lösung unseres Problems gewinnen, wird nicht klar, meint Philo weiter (S. 103). Ist es zufälliges Leid oder Absicht der Gottheit? Doch Gott ist allgütig! Läuft die Absicht der Gottheit zuwider? Doch er ist allmächtig. Es übersteigt einfach unser Erkenntnisvermögen, meint Philo, aber er will sich auch gerne eines Besseren belehren lassen. Es wäre vereinbar mit einer gütigen Gottheit, aber dies müsste anhand von den Erscheinungen bewiesen werden (S. 104). Dies würde aber schwierig, ist sich Philo ziemlich sicher. Zweckursachen (final causes) sind das einzige Mittel, dass im Stande wäre, so etwas zu beweisen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Das Problem der Theodizee bei David Hume und Gottfried Wilhelm Leibniz im Hinblick auf physisches Leid
Hochschule
Université de Fribourg - Universität Freiburg (Schweiz)
Note
5 (CH)
Autor
Jahr
2012
Seiten
10
Katalognummer
V269695
ISBN (eBook)
9783656609346
ISBN (Buch)
9783656608707
Dateigröße
462 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
problem, theodizee, david, hume, gottfried, wilhelm, leibniz, hinblick, leid
Arbeit zitieren
Lic. theol. Adrian Baumgartner (Autor), 2012, Das Problem der Theodizee bei David Hume und Gottfried Wilhelm Leibniz im Hinblick auf physisches Leid, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/269695

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