MODUS. Gerard Genette "Theorie der Erzählung"


Hausarbeit (Hauptseminar), 2004

14 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

Einführung

Modus
Distanz
Erzählung von Ereignissen
Erzählung von Worten
Perspektive
Fokalisierungen
Alterationen
Polymodalität

Zusammenfassung

Literatur

EINFÜHRUNG

In der vorliegenden Arbeit wollen wir uns mit dem Thema MODUS beschäftigen. Dabei stützen ich mich auf das Buch von Gérard Genette Die Erzählung.

Gérard Genette ist ein französischer Literaturwissenschaftler, der sich in seinem gesamten literaturtheoretischen Werk mit der Bestimmung der spezifischen Qualität des literarischen Kunstwerks auseinandersetzt. Genette „wurde in den 60er Jahren stark vom Strukturalismus beeinflusst und entwickelte auf dieser Basis ein neues System der formalen Textanalyse.“[1] Er anonymisiert die Rolle des Autors und lehnt die Psychologisierung des literarischen Textes durch einen Ruckgriff auf die Erfahrung des historischen Autors ab. Genette definiert die platonisch-aristotelische Unterscheidung zwischen Mimesis und Diegese und entwickelt eine Funktions- und Strukturanalyse der Erzählung.

„Genette untergliedert den narrativen Akt in drei Aspekte: die Geschichte (histoire) als Folge von Ereignissen, die Gegenstand der Erzählung (récit) im Sinne eines narrativen Diskurses sind, sowie das Ereignis des Erzählens (narration).“ (Metzler) Weiter entwickelt Genette zentrale Konzepte der Narratologie, wie Zeitanalyse mit den Kategorien Erzählzeit, erzählte Zeit, Ordnung, Dauer und Frequenz sowie Modus im Sinne der Art und Regulierung der erzählerischen Vermittlung durch Fokalisierung. Dabei stehen die Beziehung zwischen histoire und récit und das Verhältnis von Erzähler und Geschichte im Vordergrund. Bei der Diskussion der narritiven Instanz, des Verhältnisses von narration zu histoire und récit führt Genette den Begriff der narrativen Stimme (voix) ein. (3:187)

Die Frage der Wirkung von dem strukturalistischen Zugriff auf das literarische Werk, d.h. die Frage nach der Funktion und der Veränderung von Literatur, beschäftigt seit vielen Jahren Literaturwissenschaftler vieler Länder der Welt. Die Entmystifizierung der Literatur gehört, laut T.Eagleton (2:86), zur Errungenschaften des Strukturalismus. „Das literarische Werk wie jedes andere sprachliche Produkt ist ein Konstrukt, dessen Mechanismen wie die Gegenstände jeder anderen Wissenschaftsrichtung analysiert und klassifiziert werden können.“ Die nachdrückliche Betonung der ‚Konstruiertheit‘ menschlichen Sinngebung stellte einen großen Fortschritt dar.Der Sinn ist weder eine persönliche Erfahrung noch ein von Gott geweihtes Ereignis: er war das Ergebnis bestimmter Bedeutungssysteme, die von allen geteilt wurden. Die Sprache ging dem Individuum voraus und war viel weniger sein Produkt, als dass das Individuum umgekehrt ein Produkt der Sprache war. (2:86f.)

In seinem Werk Discours du récit (1972) unterteilt Genette die Erzählung in „récit“, womit er die Ereignisfolge im Text meint, in „histoire“, die Reihenfolge, in der die Ereignisse nach dem, was wir aus dem Text erschließen können, „wirklich“ stattgefunden, und in „narration“, wobei letzteres als den Akt des Erzählens selbst betrifft. Die beiden ersten Kategorien entsprechen der klassischen Unterscheidung des russischen Formalismus zwischen „Plot“ und „Story“ (oder „Fabel“ und „Geschichte“). Wir haben schon erwähnt, dass Genette fünf zentrale Kategorien der narrativen Analyse unterscheidet. Der Begriff „Ordnung“ bezieht sich auf die zeitliche Anordnung der Erzählung, die beispielsweise mit Prolepse (Antizipation), Analepse (Rückblende) oder Anachronie arbeitet, was sich wiederum auf die Uneinheitlichkeit von Story und Plot bezieht. Mit „Dauer“ wird bezeichnet, wie die Erzählung etwa Episoden ausläßt, sie ausdehnt, zusammenfaßt oder einen Augenblick innehält etc. „Frequenz“ beinhaltet Fragen wie die, ob ein Ereignis einmal in der Story stattfand und auch einmal erzählt wird, ob es einmal stattfand, aber mehrfach erzählt wird, sich mehrfach ereignete und mehrfach erzählt wird oder sich mehrfach ereignete und nur einmal erzählt wird. (2:85)

Die Kategorie „Modus“, mit der wir uns beschäftigen wollen, kann in „Distanz“ und „Perspektive“ unterteilt werden. Distanz betrifft die Beziehung der Erzählung zu ihrem eigenen Stoff: handelt es sich darum, dass die Story nur nacherzählt („Diagese“), oder nachgebildet werden soll („Mimesis“), oder auch in direkter, indirekter oder „erlebter“ Rede erzählt wird. Bei der „Perspektive“ handelt es sich um das, was man traditionell als „point of view“ („Erzählungspunkt“) bezeichnen könnte. Die „Perspektive“ kann auch unterteilt werden: „ [...] vielleicht weiß der Erzähler mehr als seine Figuren, oder auch weniger, oder aber er bewegt sich mit ihnen auf derselben Ebene; die Erzählung kann ‚unfokussiert’ sein, indem sie von einem allwissenden Erzähler berichtet wird, der außerhalb der Handlung steht; oder sie kann ‚intern fokussiert’ sein, wenn sie von einer Figur aus einer festen Position oder aus verschiedenen Positionen oder auch aus der Perspektive mehrerer Figuren erzählt wird. Auch die Form der ‚externen Fokussierung’ ist möglich, bei welcher der Erzähler weniger weiß, als die Figuren.“ (2:85f.) Schließlich gibt es noch die Kategorie der „Stimme“, die den Erzählvorgang selbst betrifft, was für einen Erzähler und Zuhörer er impliziert. Hier gibt es eine Vielzahl möglicher Kombinationen von „Erzählzeit“ und „erzählter Zeit“, vom Vorgang des Erzählens der Geschichte und den Ereignissen, di erzählt werden: man kann von den Ereignissen bevor, nach oder (wie im Briefroman) während sie stattfinden, berichten. Der Erzähler kann „heterodiegetisch“ sein (d.h. in seiner eigenen Erzählung nicht vorkommen), „homodiegetisch“ (innerhalb der Erzählung stehend wie bei Ich-Erzählungen) oder „autodiegetisch“ (wenn er nicht nur in der Erzählung vorkommt, sondern zugleich auch die Hauptperson ist).Dies sind nur einige von Genettes Klassifikationen; aber sie lenken unsere Aufmerksamkeit auf einen zentralen Aspekt des Diskurses: auf den Unterschied zwischen dem Erzählen – dem Akt und Vorgang des Erzählens einer Geschichte – und der Erzählung, also dem, was eigentlich erzählt wird.

[...]


[1] Nünning 1998, S. 187

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
MODUS. Gerard Genette "Theorie der Erzählung"
Hochschule
Freie Universität Berlin
Note
2,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
14
Katalognummer
V269720
ISBN (eBook)
9783656609254
ISBN (Buch)
9783656609063
Dateigröße
507 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
modus, gerard, genette, theorie, erzählung
Arbeit zitieren
Elena Dubodelova (Autor), 2004, MODUS. Gerard Genette "Theorie der Erzählung", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/269720

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