Um der Freiheit willen? Warum beteiligten sich bürgerliche Frauen an der Revolution 1848/49?


Hausarbeit, 2011
16 Seiten, Note: 2,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Historischer Kontext:
2.1 Rechtliche Situation der Frauen
2.3 Rufe nach Gleichberechtigung

3. Biografien:
3 .1 Mathilde Franziska Anneke

3.2 Louise Dittmar

4. Zusammenfassung

5. Fazit

6. Literaturhinweise:
6.1 Forschungsliteratur
6.2 Quellen
6.3 Internetadressen

1. Einleitung

Die Rolle der bürgerlichen Frau des 19. Jahrhunderts war definiert als Ehefrau, Hausfrau und Mutter. Der Mann war das rechtliche Oberhaupt der Familie. Diese eheliche Vormundschaft bestand bis ins 20.Jahrhundert.[1] „Der Mann ist seiner Frau zu Schutz, und die Frau ihrem Mann zu Gehorsam verbunden“[2]. Nicht jede Frau allerdings wollte oder konnte sich mit dieser Rolle identifizieren. Besonders in politischen Umbruchphasen und der damit einhergehenden Aufbruchstimmung zeigte es sich, dass „das schwache Geschlecht“ sich nicht nur seiner Fesseln entledigen konnte, sondern auch fähig war, ähnlich den Männern im Alltag und in der politischen Auseinandersetzung zu bestehen. Welche Motive hatten die Frauen? Was trieb sie an? Um diese Frage zu beantworten werde ich mich nachfolgend mit den Biografien von Mathilde Franziska Anneke und Louise Dittmar beschäftigen.

Nach der Einleitung und der Beschreibung des historischen Kontextes skizziere ich die rechtliche Situation der Frauen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Anschließend beschreibe ich die Lebenswege von Mathilde Franziska Anneke und Louise Dittmar in erster Linie bis in das Jahr 1849 soweit dies aus Quellen und Forschungsliteratur nachweisbar ist. Außerdem benutze ich Veröffentlichungen der beiden Frauen.

Bei Mathilde Franziska Anneke greife ich zurück auf ihre „Memoiren einer Frau aus dem badisch-pfälzischen Feldzug“ und einen Brief, den sie aus dem Exil heraus an ihre Freundin schrieb. Die Memoiren entstanden aus der Erinnerung, da die Tagebuchaufzeichnungen bei der Flucht aus Deutschland verloren gingen[3]. Eine weitere Quelle ist die gut recherchierte Publikation von Maria Wagner aus der Reihe „Die Frau in der Gesellschaft“[4] zurückgegriffen. Die Autorin beschreibt darin ausführlich und informativ den Werdegang von Anneke.[5]

„Vier Zeitfragen“ und „Bekannte Geheimnisse“ sind Veröffentlichungen von Louise Dittmar aus den Jahren 1842 bzw. 1845, die im Original vorliegen. Zusätzlich verwende ich die Quellensammlung von Gabriele Käfer-Dittmar, die 1992 Gedichte und Schriften ihrer Vorfahrin veröffentlichte.[6] Zitate aus den Quellentexten habe ich mit der damals gültigen Orthografie übernommen.

Die Dissertation von Christine Nagel „In der Seele das Ringen nach Freiheit“ vom Mai 2005 ist die einzig vorliegende Monografie zum Thema Louise Dittmar. In der Rezension von Birgit Ellen Bublies-Godau aus dem Jahr 2006 wird diese Publikation als methodisch umfassend[7] beschrieben und scheint mir deshalb für mein Thema geeignet zu sein.

2. Historischer Kontext

2.1 Rechtliche Situation der Frauen

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war das Rechtssystem noch immer geprägt von der Vorstellung, dass das weibliche Geschlecht schwach sei und weniger begabt als der Mann. Für ledige Frauen galt in rechtlicher Hinsicht der „cura sexus“ (Geschlechts­vormundschaft)[8], für verheiratete Frauen der „Cura maritalis (Vormundschaft des Mannes über seine Frau)[9]. Als verheiratete Frau verlor man das Verfügungsrecht über eigenes Vermögen und über den eigenen Körper. Nur mit Zustimmung des Ehemannes durfte man eine berufliche Tätigkeit aufnehmen. Es war nicht zulässig selbstständig eigene Verträge zu schließen oder vor Gericht sein Recht geltend zu machen.[10] Wenn eine Frau sich scheiden ließ, war sie anschließend auf sich alleine gestellt. Die Gesellschaft hatte keinen Platz mehr für sie.[11]

Die Mitwirkung im politischen Geschehen wurde Frauen mit dem Verweis auf ihre „körperliche Schwachheit“ verweigert. Da sie nicht fähig seien Waffen zu führen, könnten sie auch nicht an einem Krieg für ihr Land teilnehmen und hatten somit auch kein Mitbestimmungsrecht in Staatsangelegenheiten.[12]

2.3 Rufe nach Gleichberechtigung

Bereits die französische Schriftstellerin und Frauenrechtlerin Marie le Jars de Gournay (1565-1645) forderte die Gleichheit der Geschlechter[13]. 1791 formulierte Olympe des Gouges (1748-1793) die „Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin“.[14] Gegen das traditionelle Bild der dem Manne untergeordneten Frau konnte man sich jedoch nicht durchsetzen.

Erst circa 200 Jahre später begannen Frauen wirkungsvoll sich zu wehren. In Deutschland geschah dies im Zusammenhang mit der Märzrevolution 1848. „Wo sie das Volk meinen, zählen sie die Frauen nicht mit“[15] registrierte Louise Otto-Peters (1819-1895) in ihrer „Frauen-Zeitung“ und Mathilde Franziska Anneke konstatierte: „Kein größeres Hindernis gibt es, das der Verbesserung der allgemeinen Zustände im Wege steht […] kein brutaleres Unrecht, das auf dem großen Gewissen der heutigen Gesellschaft lastet – als die gesetzliche Unterordnung des einen Geschlechts unter das andere.“[16]

Es gab jedoch auch Männer, die sich für die Rechte des weiblichen Geschlechts einsetzten. Der Philosoph Johann Gottfried Fichte (1762-1814) beantwortet bereits 1804 in seinem Werk „Über die Grundlage des Naturrechts“ die Frage „Hat das Weib die gleichen Rechte im Staat, die der Mann hat?“ mit den Sätzen: „Ist der Grund aller Rechtsfähigkeit Vernunft und Freiheit: wie könnte zwischen zwei Geschlechtern, die beide dieselbe Vernunft und dieselbe Freiheit besitzen, ein Unterschied des Rechts stattfinden?“[17]

Auch die Männer der 1848-Revolution wandten sich an die Frauen. Robert Blum schreibt in der Zeitung „Sächsische Vaterlandsblätter“: „Die Theilnahme der weiblichen Welt am Staatsleben ist nicht nur ein Recht, sie ist eine Pflicht.“[18] In der „Didaskalia“, der literarischen Beilage des „Frankfurter Journals“[19] forderte der Herausgeber 1848 die Frauen auf, jetzt die Chance zu ergreifen für ihre Freiheit zu kämpfen und sich politisch zu engagieren.[20]

[...]


[1] Vergl. Dolemeyer, Barbara: Frau und Familie im Privatrecht des 19.Jahrhunderts, in: Gerhard, Ute
(Hg.): Frauen in der Geschichte des Rechts, München1997,S. 641.

[2] Land-Recht für das Großherzogthum Baden nebst Handelsgesetzen, Ausgabe Karlsruhe 1914, Art. 213,
zitiert nach Dolemeyer, Barbara: Frau und Familie im Privatrecht des 19. Jahrhunderts, a.a.O., S. 641.

[3] Vergl. Hummel-Haasis, Gerlinde (Hg.): Schwestern zerreißt eure Ketten. Zeugnisse zur Geschichte der
Frauen in der Revolution von 1848/49, München 1982, S. 223.

[4] Wagner, Maria: Mathilde Franziska Anneke in Selbstzeugnissen und Dokumenten, Frankfurt am Main
1980 (= Die Frau in der Gesellschaft. Lebensgeschichten).

[5] Vergl. Hummel-Haasis (Hg.): Schwestern, a.a.O., S. 221.

[6] Käfer-Dittmar, Gabriele: Louise Dittmar (1807-1884). Un-erhörte Zeitzeugnisse, Darmstadt 1992
(= Darmstädter Schriften 61).

[7] Vergl. Bublies-Godau, Birgit Ellen: Rezension, "In der Seele das Ringen nach Freiheit“- Louise
Dittmar. Emanzipation und Sittlichkeit im Vormärz und in der Revolution 1848/49, (http://hsozkult.
geschichtehu-berlin.de/rezensionen) [Zugriff: 22.03.2011].

[8] Geschlechtsvormundschaft: diese Vormundschaft bestand im 19.Jhr. nur noch aus dem Beistand eines
Mannes bei bestimmten Rechtsgeschäften.

[9] Vergl. Jung, Gisela: Die zivilrechtliche Stellung der Frau im Großherzogtum Hessen. Über die Ge-
schlechtsvormundschaft im 19. Jahrhundert, Darmstadt/Marburg 1997, S. 19 f. (= Quellen und
Forschungen zur hessischen Geschichte 111).

[10] Vergl. Vogel, Ursula: Gleichheit und Herrschaft in der ehelichen Vertragsgesellschaft-Widersprüche
der Aufklärung, in: Gerhard, Ute (Hg): Frauen in der Geschichte des Rechts, München 1997, S. 267.

[11] Vergl. Arnaud-Duc, Nicole: Die Widersprüche des Gesetzes, in: Fraisse, Geneviève/ Perrot, Michelle
(Hgg.): 19. Jahrhundert, Frankfurt am Main/Wien 1994, S. 130 (=Geschichte der Frauen).

[12] Vergl. Gerhard, Ute: Grenzziehungen und Überschreitungen. Die Rechte der Frauen auf dem Weg in
die politische Öffentlichkeit, in: Diess.(Hg): Frauen in der Geschichte des Rechts, München 1997,
S. 519.

[13] Vergl. Wapler, Friederike: Frauen in der Geschichte des Rechts, in Foljanty, Lena/Lebke, Ulrike (Hg.):
Feministische Rechtswissenschaft. Ein Studienbuch, Baden Baden 2006, S. 29.

[14] Vergl. Sledziewski, Elisabth G.: Die Französische Revolution als Wendepunkt, in: Fraisse, Geneviève/
Perrot, Michelle (Hgg.): 19. Jahrhundert, Frankfurt am Main/Wien 1994, S. 53 (=Geschichte der
Frauen).

[15] Gerhard, Ute u.a. (Hgg.) „Dem Reich der Freiheit werb‘ ich Bürgerinnen“-Die Frauen-Zeitung von
Luise Otto, Frankfurt am Main 1979, S. 41, zitiert nach Wapler, Friederike: Frauen in der Geschichte
des Rechts, a.a.O., S. 32

[16] Vergl. Wagner, Maria (Hg.): Anneke, Mathilde Franziska, Die gebrochenen Ketten, Stuttgart 1983,
S.223.

[17] Vergl. Blos, Anna,: Frauen der deutschen Revolution 1848, Zehn Lebensbilder und ein Vorwort,
Dresden 1928, S. 6.

[18].Vergl. Gerhard, Ute, Unerhört: Die Geschichte der Frauenbewegung, Hamburg 1990, S. 37.

[19] „Frankfurter Journal“: eine der ältesten deutschen Zeitungen, wurde 1903 eingestellt.

[20] Vergl. Zucker, Stanley: Frauen in der Revolution 1848. Das Frankfurter Beispiel, in: Archiv für
Frankfurter Geschichte und Kunst, Bd.61, Frankfurt 1987, S. 222.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Um der Freiheit willen? Warum beteiligten sich bürgerliche Frauen an der Revolution 1848/49?
Hochschule
Technische Universität Darmstadt  (Geschichte)
Veranstaltung
Proseminar Einführung in die Neuere Geschichte
Note
2,7
Autor
Jahr
2011
Seiten
16
Katalognummer
V269772
ISBN (eBook)
9783656609148
ISBN (Buch)
9783656608868
Dateigröße
621 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
freiheit, warum, frauen, revolution
Arbeit zitieren
Gudrun Kahles (Autor), 2011, Um der Freiheit willen? Warum beteiligten sich bürgerliche Frauen an der Revolution 1848/49?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/269772

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