Die Inszenierung Ludwigs XIV. Ihre Phasen, Methoden und Probleme


Hausarbeit (Hauptseminar), 2008
17 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Phasen der Inszenierung
1 .1 Die erste Phase: Gelenkt durch Mazarin (1638-1661)
1 .2 Die zweite Phase: Ludwigs frühe Alleinherrschaft (1661-1683)
1 .3 Die dritte Phase: Umstrukturierung und Machtzenit (1683-1692)
1 .4 Die vierte Phase: Der langsame Untergang (1692-1715)

2. Methoden der Inszenierung
2 .1 Medien
2 .2 Rituale
2 .3 Symbole

3. Intentionen und Adressaten der Inszenierung

4. Probleme der Inszenierung

Zusammenfassung und Bewertung

Literaturverzeichnis

Einleitung

„Er hat Mängel und Gebrechen gehabt, er hat große Fehler begangen – aber würden die, die ihn verurteilen, ihn erreicht haben, wenn sie an seiner Stelle gewesen wären?“, dieser Ansicht war Voltaire in seinem Werk „Das Zeitalter Ludwigs XIV.“ (1751). Einer ähnlichen Auffassung folgte auch Mark Twain in „Die Arglosen im Ausland“ (1869): „Versailles! Es ist wunderschön. […] Nichts ist klein – nichts ist billig. […] Ich hatte Ludwig XIV. immer geschmäht, weil er zweihundert Millionen Dollar dafür ausgegeben hat, diesen wunderbaren Park zu schaffen, als bei manchen seiner Untertanen das Brot so knapp war; aber jetzt habe ich ihm vergeben.“.[1]

König und Hof trugen ihren Anteil zum kulturellen Aufstieg Frankreichs bei. Rund 10.000 Menschen lebten Mitte des 18. Jahrhunderts im Schloss von Versailles, um ihrem König nahe zu sein. Der König verstand sich als Machthaber und Hausherr im großen Gebäude Frankreichs[2]. Diese besondere Form gegenseitiger Loyalität wurde durch die entsprechenden Zeremonien und Förmlichkeiten immer wieder beglaubigt.

Ziel dieser Arbeit soll es also sein, das höfisch-soziale System, welches der Befriedung nach innen, der Wehrhaftigkeit nach außen, der Zentralisierung und damit der Effektivierung der absolutistischen Herrschaftsfunktion Ludwigs XIV. diente, anhand der symbolischen Darstellung von Macht eingehend zu untersuchen. Denn die Inszenierung von Macht, Politik und ihren Protagonisten ist, obwohl schon eine Jahrhunderte alte Erscheinung, auch in der modernen massenmedial geprägten Gesellschaft des 21. Jahrhundert noch ein stark diskutiertes Thema.

Der britische Historiker Peter Burke hat sich intensiv mit der „Verpackung des Monarchen“[3] befasst. Der Autor sieht sein Werk, welches eine wichtige Grundlage dieser Arbeit bildet, „als Fallstudie […] speziell zum Thema der Produktion großer Männer“[4].

Was sind die Methoden, Intentionen und Probleme der Inszenierung des Sonnenkönigs? Welche Persönlichkeiten und Umstände haben dazu beigetragen, dass der „Mythos von Ludwig XIV.“[5] überhaupt entstehen konnte? Daher ist es ratsam die einzelnen Phasen der Darstellung Ludwig XIV. in eine enge Verbindung mit dem historischen Hintergrund zu setzen und auf etwaige politische Ereignisse Bezug zu nehmen. Auch stellt sich die Frage nach möglichen Gemeinsamkeiten oder Unterschieden zu heutigen Inszenierungsformen.

1. Phasen der Inszenierung

Die Herrschaft Ludwig XIV. nennt man zu Recht Le Grand Siècle. Der König hatte die Absicht die besten Künstler, Architekten, Maler, Poeten, Musiker und Schriftsteller für Frankreich arbeiten zu lassen. Er entfaltete ein noch nie da gewesenes Mäzenatentum mit der Absicht die gesamte Kunstlandschaft Frankreichs zu beeinflussen, zu prägen und zu lenken, um sie im Interesse königlicher Politik zu instrumentalisieren. Die Kunst stand im Dienste der Verherrlichung des Königs und seiner Ziele, ganz nach barocker Manier. Die Darstellungen Ludwigs XIV. wandelten sich im Laufe seiner zweiundsiebzigjährigen Regierungszeit[6] selbstverständlich. Sein Profil änderte sich sowohl auf Münzen, als auch auf Medaillen mehrfach. Gründungen neuer Institutionen zu Gunsten des Königs, wechselnde Magistrate und Künstler, sowie militärische und politische Siege und Niederlagen übten ihren Einfluss auf die königliche Repräsentation aus. Auch wenn es schwierig ist aufgrund des sich ständig revidierenden Bildes des Königs Zäsuren zu setzen, ist es von Vorteil chronologisch zu Werke zu gehen, um an diversen Medien zeitgleiche Veränderungen, die auf einen hohen Grad zentralistischer Kontrolle schließen lassen könnten, oder von einander unabhängige Abweichungen, die auf eine gewisse Autonomie der Künste hinweisen mögen, aufzeigen zu können.[7]

1.1 Die erste Phase: Gelenkt durch Mazarin (1638-1661)

Noch bevor der Dauphin am 5. September 1638 in Saint-Germain-en Laye geboren worden war, beflügelte bereits die Schwangerschaft seiner Mutter[8] die Ganze Nation. Mit einer Gravidität der Königin hatte in Frankreich aus gegebenen Gründen kaum mehr jemand gerechnet. Die Geburt des lang ersehnten Thronfolgers wurde deshalb als ein Geschenk Gottes, Louis le Dieudonné, aufwendig gefeiert.[9] Seine Inszenierung war fortan die Aufgabe Kardinal Mazarins.[10] Der Premier[11] förderte die Künste und setzte sie wirksam als politisches Machtinstrument ein.[12] Ihre Nutzbarmachung war jedoch im Vergleich mit späteren Phasen der Inszenierung weit weniger ausgeprägt, obwohl bereits zahlreiche Künstler diverser Chargen wie Bildhauer, Dichter und Maler mit der Darstellung des Königs als „Gemeinschaftsprodukt“[13] beauftragt wurden.

[...]


[1] Vgl. Schwesig, Bernd-Rüdiger, Ludwig XIV., Hamburg 1986, S.144f. (zit. als: Schwesig, Ludwig XIV.)

[2] Vgl. Elias, Norbert, Die höfische Gesellschaft. Untersuchung zur Soziologie des Königtums und der höfischen Aristokratie, 8. Aufl., Frankfurt a. M. 1997, S. 122f. (zit. als: Elisas, Die höfische Gesellschaft)

[3] Burke, Peter; Ludwig XIV. Die Inszenierung des Sonnenkönigs, Berlin 2001, S. 12. (zit. als Burke, Ludwig XIV.)

[4] Vgl. Ebd., S. 10.

[5] Ebd., S. 15

[6] (1643-1715), vgl.: Malettke, Klaus, Ludwig XIV. von Frankreich. Leben, Politik und Leistung, (Persönlichkeit und Geschichte, Bd. 143/145), Göttingen, Zürich 1994, S. 9. (zit. als: Malettke, Ludwig XIV. von Frankreich)

[7] Vgl.: Burke, Ludwig XIV.

[8] Anna Maria von Österreich bzw. von Habsburg, Infantin von Spanien (1601–1666), ab 1615 Königin und von 1643 bis 1651 Regentin von Frankreich. Vgl. Schwesig, Ludwig XIV., S. 14ff.

[9] Vgl. Durant, Will, Durant, Ariel, Das Zeitalter Ludwigs XIV. Eine Geschichte der europäischen Kultur zur Zeit Pascals, Molières, Cromwells, Miltons, Peters des Großen, Newtons und Spinozas [1548-1715], (Kulturgeschichte der Menschheit, Bd. 8), München, Bern 1966, S. 28. (zit. als: Durant, Das Zeitalter Ludwigs XIV), vgl. Burke, Ludwig XIV., S. 55.

[10] Jules Mazarin (1602-1661) war ein französischer Diplomat und Kardinal italienischer Abstammung, seit 1659 Herzog von Nevers und Rethel sowie von 1642 bis 1661 regierender Minister Frankreichs. Vgl. Durant, Das Zeitalter Ludwigs XIV., S.20.

[11] Vgl. Barudio, Günter, Das Zeitalter des Absolutismus, (Fischer Weltgeschichte, Bd. 25), Frankfurt 1981, S. 101f. (zit. als Barudio, Das Zeitalter des Absolutismus)

[12] Vgl. Burke, Ludwig XIV., S. 62f.

[13] Ebd. S.62.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Die Inszenierung Ludwigs XIV. Ihre Phasen, Methoden und Probleme
Hochschule
Universität Potsdam
Note
1,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
17
Katalognummer
V269785
ISBN (eBook)
9783656610243
ISBN (Buch)
9783656609988
Dateigröße
506 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Absolutismus, Repräsentation, Ludwig XIV., Versailles, Inszenierung, Rituale, Symbole, Darstellung, Le Grand Siècle, Barrock, Bild des Königs, „L’état, c’est moi“, Ancien Regime, Frankreich, Propaganda, Sonnenkönig
Arbeit zitieren
M.A. Ninette Schmidt (Autor), 2008, Die Inszenierung Ludwigs XIV. Ihre Phasen, Methoden und Probleme, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/269785

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