“When it bleeds, it leads the headlines...” (Schiller 2007: 99).
Oder “Schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten“ gilt häufig als Maxime des Journalismus; zumindest im Hinblick auf eine hohe Auflage und hohe Einschaltquoten. Somit stehen auch terroristische Anschläge in einer Reihe mit Skandalen, Konkursen, Naturkatastrophen und anderen negativen Ereignissen, die die Neugier und Aufmerksamkeit der Rezipienten erregen und ihrem Bedürfnis nach Voyeurismus entgegenkommen (vgl. Schiller 2007). Negative Ereignisse und Krisen besitzen für Journalisten einfach einen hohen Nachrichtenwert, sind somit also eher berichtenswert (vgl. Maier/Stengel 2007).
Bereits bei den Olympischen Spielen 1972 in München erregten Terroristen mit der Ermordung israelischer Sportler die mediale Aufmerksamkeit und schafften es somit, die Weltöffentlichkeit für ihr Anliegen zu sensibilisieren. Schon damals standen die Medien häufig in der Kritik den Terroristen mit ihrer Berichterstattung in die Hände zu spielen, in dem sie ihnen die dringend benötigte Aufmerksamkeit zu Teil werden lassen (vgl. Hoffman 2007).
Diese mediale Aufmerksamkeit für ein terroristisches Attentat wurde mit den Anschlägen vom 11. September 2001 noch bei weitem übertroffen. Seit diesem Ereignis gab es eine Vielzahl von Studien, die sich mit der medialen Darstellung terroristischer Anschläge, dem Verhältnis von Terroristen und Medien und mit der möglichen Inszenierung von Terrorismus in den Medien beschäftigen.
Ziel der vorliegenden Arbeit ist es Aussagen darüber zu treffen, inwieweit sich die Berichterstattung der öffentlich-rechtlichen und privaten Fernsehnachrichten in Bezug auf ein terroristisches Ereignis, die Anschläge von Mumbai 2008, unterscheidet. Dafür erfolgt eine Unterteilung in einen theoretischen und einen empirischen Teil.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Nachrichten in den Massenmedien
2.1 Funktionen und Leistungen des Fernsehens
2.2 Das duale Rundfunksystem in Deutschland
2.2.1 Die Marktstruktur
2.2.2 Die Fernsehnachrichten der öffentlich-rechtlichen und privaten Anbieter
2.2.3 Veränderung der Nachrichtenprofile
3. Vom Ereignis zur Nachricht
3.1 Die Entwicklung der Nachrichtenfaktoren
3.2 Weiterentwicklungen
3.2.1 Nachrichtenwert und Auswahl
3.2.2 Aktuellere Forschung
3.2.3 Der Nachrichtenfaktor „Visualität“
4. Terrorismus und Medien
4.1 Annährung an das Phänomen Terrorismus
4.1.1 Entwicklung
4.1.2 Definition und Abgrenzung
4.2 Die Berichterstattung über Terrorismus
4.2.1 Terrorismus als Nachrichtengegenstand
4.2.1.1 Merkmale der Berichterstattung
4.2.1.2 Entwicklung der Berichterstattung
4.2.2 Kritik an der Berichterstattung
4.3 Terroristen und Medien
4.3.1 Annahme einer symbiotischen Beziehung
4.3.2 Nutzung der Medien durch Terroristen
5. Empirischer Teil- Inhaltsanalytischer Vergleich
5.1 Hypothesen und Forschungsfragen
5.2 Untersuchungsmethode
5.3 Untersuchungsgegenstand
5.4 Ergebnisse der Untersuchung
5.5 Zusammenfassung der Ergebnisse
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht Unterschiede in der Berichterstattung öffentlich-rechtlicher und privater Fernsehnachrichten über das terroristische Ereignis der Anschläge von Mumbai im Jahr 2008, wobei insbesondere der Fokus auf Aspekten der Dramatisierung und Visualisierung liegt.
- Funktionen und Leistungen des Fernsehens im dualen Rundfunksystem
- Entwicklung und Anwendung der Nachrichtenwerttheorie
- Kommunikationsstrategische Beziehung zwischen Terrorismus und Medien
- Empirischer Vergleich von Dramatisierung und Visualisierung in Fernsehnachrichten
Auszug aus dem Buch
3.2.3 Der Nachrichtenfaktor „Visualität“
Der Nachrichtenfaktor „Visualität“ stellt dabei keine völlig neue Erkenntnis dar. Bereits 1969 wurde er durch James K. Buckalew eingeführt, geriet danach aber wieder in Vergessenheit. Dies mag überraschen, wenn man berücksichtigt, dass Ruhrmann und Kollegen in ihrer Untersuchung herausfanden, dass die Verfügbarkeit und die Qualität von bewegtem Bildmaterial einen wesentlichen Einfluss auf die journalistische Nachrichtenauswahl deutscher Fernsehsendungen haben (vgl. Diehlmann 2003).
Bewegte Bilder „schaffen Authentizität, Aktualität, wecken Interesse und wirken symbolhaft“ (Diehlmann 2003: 135). Dadurch erlangen Fernsehnachrichten ein hohes Maß an Glaubwürdigkeit. Die visuell aufbereiteten Informationen geben dem Rezipienten das Gefühl, die Situation selbst in Augenschein nehmen zu können. Dies ist vor allem bei Extremereignissen von großer Bedeutung. So lieferten beispielsweise die Fernsehnachrichten bei den Anschlägen des 11. Septembers 2001 innerhalb kürzester Zeit Aufnahmen von dem Attentat, was dazu führte, dass sich die meisten Menschen mit Hilfe des Fernsehens und nicht durch ein anderes Medium über dieses Ereignis informierten (vgl. ebd.:137).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema ein, erläutert die Relevanz des Fernsehens bei der Berichterstattung über terroristische Anschläge und definiert das Ziel der Arbeit, die Unterschiede in der Darstellung der Anschläge von Mumbai zwischen öffentlich-rechtlichen und privaten Programmen zu untersuchen.
2. Die Nachrichten in den Massenmedien: Das Kapitel behandelt die Funktionen des Fernsehens in der Gesellschaft und beleuchtet die spezifischen Rahmenbedingungen sowie die unterschiedlichen Profile des dualen Rundfunksystems in Deutschland.
3. Vom Ereignis zur Nachricht: Hier werden die theoretischen Grundlagen der Nachrichtenwerttheorie sowie deren Entwicklung und Weiterentwicklungen dargestellt, um zu erklären, wie und warum bestimmte Ereignisse journalistisch als nachrichtenrelevant selektiert werden.
4. Terrorismus und Medien: Dieser Teil analysiert das Phänomen Terrorismus aus einer kommunikationswissenschaftlichen Perspektive und untersucht die komplexe, teils symbiotische Beziehung zwischen Terroristen und Medien als Kommunikationsstrategie.
5. Empirischer Teil- Inhaltsanalytischer Vergleich: In diesem Kapitel werden auf Basis einer Inhaltsanalyse von Nachrichtenbeiträgen zu den Anschlägen von Mumbai die aufgestellten Hypothesen zu Dramatisierung und Visualisierung empirisch überprüft und die Ergebnisse interpretiert.
6. Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse der Arbeit zusammen und bewertet kritisch, inwiefern die festgestellte Berichterstattung den Vorwurf einer symbiotischen Beziehung zwischen Terroristen und Medien stützt oder entkräftet.
Schlüsselwörter
Fernsehnachrichten, Terrorismusberichterstattung, Nachrichtenwerttheorie, Dramatisierung, Visualität, duales Rundfunksystem, Mumbai 2008, Medienkonvergenz, Inhaltsanalyse, Kommunikationsstrategie, Nachrichtenqualität, Boulevardisierung, Infotainment, Krisenberichterstattung, Symbiose.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie öffentlich-rechtliche und private Fernsehnachrichten in Deutschland über das terroristische Ereignis der Anschläge von Mumbai 2008 berichtet haben.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Arbeit verknüpft medienwissenschaftliche Theorien zur Nachrichtenauswahl mit dem Phänomen des Terrorismus und untersucht empirisch Aspekte wie Dramatisierung und Visualisierung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist es, Aussagen darüber zu treffen, inwieweit sich die Berichterstattung der öffentlich-rechtlichen und privaten Sender hinsichtlich der Dramatisierung und Visualisierung der Anschläge von Mumbai unterscheidet.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine Inhaltsanalyse als empirische Methode angewandt, um inhaltliche und formale Merkmale der Nachrichtenbeiträge systematisch zu beschreiben und quantifizierbar zu vergleichen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Block zu Fernsehnachrichten, Nachrichtenwerttheorie und Terrorismus als Kommunikationsstrategie sowie einen empirischen Teil, der die Inhaltsanalyse der Mumbai-Berichterstattung durchführt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Fernsehnachrichten, Terrorismusberichterstattung, Nachrichtenwerttheorie, Dramatisierung, Visualität und Medienkonvergenz.
Gibt es signifikante Unterschiede in der Dramatisierung zwischen den Sendern?
Obwohl private Programme tendenziell stärker dramatisieren, war der Unterschied zur öffentlich-rechtlichen Berichterstattung in der Stichprobe statistisch nicht signifikant.
Was zeigt sich bei der Visualisierung von Opfern in den Nachrichten?
Die Analyse ergab einen signifikanten Unterschied: Private Programme zeigten mehr als doppelt so häufig direkt die Opfer von Terrorismus als die öffentlich-rechtlichen Sender.
Wie lässt sich die stärkere Visualisierung von Opfern durch private Sender erklären?
Es wird vermutet, dass private Anbieter durch eine stärkere Personalisierung und Emotionalisierung ihre Nachrichtenbeiträge für die Rezipienten attraktiver gestalten wollen.
- Quote paper
- Johanna Volkmar (Author), 2010, Medienanalytische Vergleichsstudie zu Fernsehnachrichten über Terrorismus im öffentlich- rechtlichen und privaten Fernsehen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/269892