Betrachtung der Methoden World Café und Open Space unter geragogischen Aspekten


Ausarbeitung, 2013
17 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Begriffsdefinition(en)
1.1 Partizipation
1.2 Gesellschaftliche Partizipation
1.3 Politische Partizipation
1.4 Geragogik

2. Dialogorientierte Beteiligungsinstrumente
2.1 Das World Café
2.1.1 Theoretischer Rahmen
2.1.2 Leitprinzipien des World Cafés
2.1.3 Durchführung
2.2 Der Open Space
2.2.1 Theoretischer Rahmen
2.2.2 Die vier Grundsätze des Open Space
2.2.3 Das Gesetz der zwei Füße
2.2.4 Durchführung

3. Geragogische Methodenbetrachtung
3.1 Lernsituation und Steuerung
3.2 Bildung im Alter und Lerninfrastruktur
3.3 Die Bedeutung von Krankheit

Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Die Partizipation älterer und alter Menschen in politischen und gesellschaftlichen Prozessen gewinnt in einer alternden Gesellschaft zunehmend an Bedeutung, da die Bevölkerung mit einem Alter von über 60 Jahren, 26,6% der in der Bundesrepublik Deutschland lebenden Menschen stellt ( Statistisches Bundesamt Deutschland, 2013 ). Dabei stellt Teilhabe nicht nur ein Feld dar, welches einen bestimmten Teilbereich der Gesellschaft betrifft, sondern stellt ein interdisziplinäres Querschnittsthema dar (Kersting, 2008), das mit Unterstützung der Geragogik einen adäquaten Prozessbegleiter findet. Bestimmte Methoden, die die Teilhabe von Menschen an Entscheidungsprozessen ermöglichen (sollen), sind bereits in der Praxis erprobt worden und finden in mannigfaltigen Gebieten Anwendung. Beispielhaft sind die konsultativ dialogorientierten Beteiligungsinstrumente des World Cafés und des Open Space zu nennen. Im Rahmen dieser Hausarbeit sollen die genannten Methoden (Instrumente) expliziert werden, der theoretische Rahmen benannt und die Methoden unter geragogischen Aspekten analysiert werden. Eine Explikation der Begriffe der politischen Partizipation und der Geragogik wird im Rahmen dieser Arbeit vorangestellt.

1. Begriffsdefinition(en)

Im Folgenden werden die Begriffe der politischen Partizipation und der Geragogik näher beschrieben.

1.1 Partizipation

Nach Kersting (2008:19) lässt sich Partizipation als „Teilhabe an einem Ganzen“ definieren und gesellschaftliche Teilhabe besagt, dass politische Teilhabe „an Entscheidungsfindung, aber auch als Teilnahme an der Outputherstellung und zum Teil sogar als Teilhabe an den Outputs von Politik“ (Kersting, 2008:20) möglich ist.

1.2 Gesellschaftliche Partizipation

Im Rahmen gesellschaftlicher Partizipation lassen sich zwei Formen von Partizipation unterscheiden. Zum einen kann eine Beteiligung im Rahmen der Implementation (Teilhabe an der Umsetzung) erfolgen, zum anderen eine Beteiligung an politischen Prozessen (Teilhabe an der Entscheidungsfindung). Dabei gelingt neben dem Verfolgen von Interessen auch Selbstverwirklichung und Mündigkeit (Kersting, 2008). Eine weitere Form der Partizipationsmöglichkeit bildet die Möglichkeit der direkten Demokratie, bei der es um eine „direkte Beteiligung am Entscheidungsprozess bei Sachfragen“ geht (Kersting, 2008:20). Diese Möglichkeit bietet sich zum Beispiel bei einer Beteiligung an dialogorientierten Verfahren (ebd.)

1.3 Politische Partizipation

Politische Partizipation lässt sich nach Kersting (ebd.) wie folgt untergliedern:

- Engagement in einer Bürgerinitiative
- Arbeit in einer Partei
- Beteiligung an Wahlen durch das Wählen oder das Wahrnehmen eines Mandats.

Wie oben genannt steht bei der politischen Partizipation der Prozess der Entscheidungsfindung im Fokus.

1.4 Geragogik

Der Begriff Geragogik geht auf Hilarion Petzold (1965) zurück, der in einer französischen Publikation erstmals den Begriff nutzte. Die gerontologische Teildisziplin der Geragogik und Erziehungswissenschaft befasst sich in Forschung, Lehre, Theorie und Praxis mit den Problemstellungen, die in der Auseinandersetzung mit dem Alter und Altern entstehen. Ziel der Geragogik ist es spezifische Fähigkeiten und Fertigkeiten herauszubilden, die zur Bewältigung von (Anm. d. Verf.: immer komplexer werdenden) Umweltanforderungen benötigt werden, um ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen und um konkrete Lebenslagen[1] bewältigen zu können (Wingchen, 1998). Nach Kricheldorff ( 2010) sind „[z]entrale geragogische Anliegen [...] auch die Entwicklung neuer Lernsettings und Lernformen“. Von Bubolz-Lutz (2007) werden die Lern- und Bildungsprozesse im Alter, das Lernen über den Lebenslauf und das Leben und Arbeiten mit älteren und sehr alten Menschen als Gegenstandsbereiche der Geragogik definiert.

2. Dialogorientierte Beteiligungsinstrumente

Im Folgenden werden die Instrumente World Café und Open Space beschrieben und die ihnen zu Grunde liegenden theoretischen Rahmungen erläutert.

2.1 Das World Café

Die Methode des World Café hat ihren Ursprung in den Vereinigten Staaten von Amerika und wurde dort von den beiden Beratern Juanita Brown und David Isaacs im Jahr 1995 aus einem Zufall heraus „entwickelt“. Im Rahmen einer Veranstaltung in ihrem Haus trafen sich Führungskräfte aus verschiedenen Ebenen zu einem Dialog über das intellektuelle Kapital in Organisationen. Die Veranstaltung sollte im Innenhof des Hauses stattfinden, was jedoch aufgrund des einsetzenden Regens nicht gelang und so wurde die Veranstaltung in das Wohnzimmer des Hauses verlegt. Durch Improvisation vonseiten der Veranstalter entstand durch verschiedene Eingriffe in die Gestaltung des Wohnzimmers eine Atmosphäre, die mehr und mehr einem Kaffeehaus zu gleichen begann und in der sich die Neuankömmlinge der Veranstaltung direkt wohlfühlten. Im Zuge der Konferenz, die sich mittlerweile von alleine eröffnet hatte, ergab sich, dass einzelne Teilnehmer wissen wollten, was an den Tischen der anderen Konferenzteilnehmer besprochen wurde. Im Zuge dessen wechselten alle Teilnehmer bis auf einen die Tische. Der Verbliebene berichtete nun den anderen, von dem was zuvor diskutiert wurde. Die Ergebnisse wurden auf Flipcharts festgehalten, die als beschreibbare Tischdecken eingesetzt wurden. Am Ende des Tages hatten die Veranstalter das Gefühl, dass etwas Besonderes passiert ist. Dies war die Geburtsstunde des World Cafés (Gloger, 2004).

2.1.1 Theoretischer Rahmen

Den Kern bildet die Annahme, dass eine Chance zur radikalen Teilnahme hergestellt werden muss, da die Fähigkeiten zur kreativen Bewältigung eines Problems den Teilnehmer bereits innewohnen. Durch das Schaffen einer offenen Atmosphäre und das Zulassen von Unerwartetem sollen Gesprächsnetzwerke gefördert werden, die auch unerwartete Ergebnisse hervorbringen können ( Steier, Gyllenpalm, Brown, & Bredemeier, 2008). Die herzustellende Atmosphäre folgt dem Prinzip des „third place“ des Soziologen Ray Oldenburg, der den „third place“ „as a place of refuge other than the home or workplace where people can regularly visit and commune with friends, neighbors, coworkers, and even strangers“ definiert ( Mehta & Bosson, 2010).

Nach Steier und Kollegen (2008) bildet weiterhin das „inhärente Interesse an Verbindungen zwischen Teilen und deren ganzheitlicher und systemischer „Partnerschaft“ [...] den theoretischen Kern für die Praxis dieser Form der Partizipation“. Also das Interesse des Einzelnen an der für die Gesamtgesellschaft als relevant erachtete Problemstellung.

Im Rahmen dessen stützen sich Steier und Kollegen (ebd.) auf die Aussage Humberto Maturanas, der Konversationen als eine „Verflechtung emotionaler und sprachlicher Aspekte bei gemeinsam Handelnden [versteht], die aus der Lust am Miteinander, am gemeinsamen Aufbau konsensueller Bereiche hervorgeht“ ( Ludewig & Maturana, 2006:9) und weiterhin berufen sie sich auf die Aussage Niklas Luhmanns, nach dessen Aussage Kommunikation fundamental für den ökologischen Prozess ist, nach dem wir uns selbst als menschliche Systeme organisieren (Luhmann, 1989 in Steier et al., 2008). Dabei ist zu bedenken, dass Luhmann den Begriff der Ökologie wie viele der Begriffe, die er verwendet, nicht seinem eigentlichen Sinn nach nutzt. Luhmann versteht unter dem Begriff der ökologischen Kommunikation jede Kommunikation über Umwelt, „die eine Änderung von Strukturen des Kommunikationssystems Gesellschaft zu veranlassen sucht“ ( Luhmann, 2004:62). Wenn man dies auf den oben genannten Begriff der Partizipation rückbezieht, wird deutlich, dass das Ziel nicht nur die Teilhabe am Prozess der Entscheidung ist, sondern die Strukturänderung innerhalb bestehender Systeme.

2.1.2 Leitprinzipien des World Cafés

Nach Steier et al. (2008) lassen sich sechs Leitprinzipien des World Cafés identifizieren. Das erste Leitprinzip bildet die gemeinsame Definition des Kontextes, in dem das World Café stattfinden soll, das heißt es gilt festzulegen, mit welcher Absicht das World Café initiiert wurde. So eignet sich die Methode dazu eine bestimmte als wichtig erachtete Fragestellung zu bearbeiten oder auch als Instrument zum Entwickeln kollektiver Beziehungen. Die Festlegung des Kontextes erfolgt am besten strategisch durch ein Planungskomitee, das sich innerhalb des zu verändernden Systems auskennt oder selbst Bestandteil des Systems ist. Zu betonen ist, dass das Planungskomitee den Rahmen – oder Kontext – nicht eindeutig für alle Teilnehmer definieren kann, sondern auf multiple Rahmungen vorbereitet sein muss und gegenüber diesen offen sein muss. Das zweite Leitprinzip gilt dem Erreichen eines gastfreundlichen Ambientes. Dazu soll der Raum ansprechend gestaltet werden, dies kann passieren, indem die Tische mit farbigen Tischdecken geschmückt werden und kleine Arrangements mit Blumen auf den Tischen ihren Platz finden. Die Erkennung von Schlüsselfragen bildet das dritte Leitprinzip des World Cafés. Dabei gilt es eine Fragestellung zu entwickeln, die zur Konversation anregt und das naive Prinzip von Frage und Antwort vermeidet und die Implikation von Tatsachen vermeidet. Die Ermunterung zur Diskussion gilt als das vierte Leitprinzip des World Cafés. Die zentralen Aspekte dabei sind, dass ein guter Beitrag auch durch aktives Zuhören geliefert werden kann, dass Wortbeiträge nicht wertend sind und dass der Redende nicht unterbrochen wird. Als fünftes Prinzip des World Cafés kann die Muster- und Kernfragenentdeckung identifiziert werden. Ziel ist es dabei, die verschiedenen Sichtweisen der Teilnehmer zu identifizieren, jedoch seine eigene Sichtweise nicht aus den Augen zu verlieren. Es kann nützlich sein sich denkerisch auf verschiedene hypothetische „Stühle“ zu setzen und zu fragen: „Wie würde Person X das sehen?“, um so auch Nichtanwesenden eine Stimme zu geben. Das letzte Prinzip des World Cafés ist die gemeinsame Ergebnisernte, in der es darum geht, die generierten Informationen, Meinungen und Ansichten zusammenzuführen, um so nachhaltige Ideen für die Zukunft zu entwickeln.

[...]


[1] Das Konzept der Lebenslage dient der Beschreibung und Beurteilung von sozialpolitisch relevanten sozialen Risiken und Problemen und kann bei der Ableitung von entsprechenden Maßnahmen zur Bewältigung dieser Problemstellungen und Risiken dienen. Lebenslagen konstituieren sich vor allem aus der Beziehung zwischen Verhältnissen und Verhalten. Die Lebenslage eines Menschen kann als Handlungsspielraum der Person verstanden werden, die es dieser ermöglicht sich in der Gesellschaft zu entfalten und seinen persönlichen Interessen zu verfolgen. Das Konzept umfasst verschiedenen Dimensionen darunter die Dimensionen Erwerbstätigkeit, Einkommen, Bildung, Gesundheit und Wohnen ( Bäcker, Naegele, Bispinck, Hofemann, & Neubauer, 2010 ).

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Betrachtung der Methoden World Café und Open Space unter geragogischen Aspekten
Hochschule
Technische Universität Dortmund
Veranstaltung
Soziale Partizipation in alternden Gesellschaften
Note
1,7
Autor
Jahr
2013
Seiten
17
Katalognummer
V269900
ISBN (eBook)
9783656612070
ISBN (Buch)
9783656612063
Dateigröße
474 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Geragogik, Gerontologie, Partizipation, Demographischer Wandel, World Café, Open Space
Arbeit zitieren
Sebastian Riebandt (Autor), 2013, Betrachtung der Methoden World Café und Open Space unter geragogischen Aspekten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/269900

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