Massenentlassungen bei gleichzeitigen Rekordgewinnen, extreme Managergehälter, herrschende Rohstoffknappheit, drohende Klimakatastrophen, moralisch fragwürdige Geschäftspraktiken, Kinderarbeit, Betrügereien von Unternehmen und die internationale Finanzkrise. Das sind Stichworte, die von einer breiten Öffentlichkeit diskutiert werden und Fragen zur Wirtschaftsethik, Nachhaltigkeit oder der Unternehmensverantwortung, dem Corporate Social Responsibility (CSR), aufwerfen. Bei all diesen Punkten geht es um Gerechtigkeitsfragen, die Einfluss auf jetzige und zukünftige Generationen haben. Das CSR wird als moderner Begriff in eine Gesellschaft gebracht, die durch die Habgier wirtschaftlich besser Gestellter geprägt ist. Unternehmer sind den einfachen Arbeitnehmern häufig überlegen. Um diesem Ungleichgewicht entgegen zu wirken sind in einzelnen Nationalstaaten verschiedenste Gesetze erlassen worden. Da die gesetzlichen Schutzformen innerhalb der Staaten unterschiedlich stark ausgeprägt sind, haben Unternehmen die Möglichkeit, in Länder mit niedrigeren Schutzmechanismen abzuwandern. Dies führt häufig zu Spannungen, denn die zunehmende Industrialisierung hat enorme Auswirkungen auf die betroffenen Menschen und die Natur.
Es stellt sich die Frage, wie man negative Trends innerhalb dieser Entwicklungen durch nachhaltigen Schutz für Mensch und Natur schaffen kann, ohne zu stark in die freiheitlichen Rechte der Unternehmen einzugreifen. Das CSR trägt zur Entwicklung, Unterstützung und Durchsetzung von nachhaltigen Maßnahmen und Konzepten bei und wird seit 2001 stark diskutiert. Mit der Veröffentlichung eines Grünbuches, hat sich die höchste politische Instanz diese Thematik auf die Agenda geschrieben. Die Europäische Union hat dazu aufgerufen, an der Entwicklung eines gesetzlichen Rahmens mitzuwirken, der das nachhaltige Wirtschaften in Europa harmonisieren und reglementieren soll. Ziel ist die Entwicklung von Handlungsempfehlungen die entsprechende Schutzvorschriften für die Ökonomie, die Ökologie und die Soziologie bietensoll. Wie stark bedarf es einen gesetzlichen Rahmen für die Ausgestaltung des CSR?
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
2. Definition CSR
2.1 Historische Entwicklung bis zum Begriff CSR
2.2 Heutiges Anwendungsgebiet des CSR
2.3 Stakeholder
2.4 Untergeordnete Konzepte des CSR
3. Das Grünbuch der Europäischen Kommission
3.1 Entwicklung des Grünbuches
3.2 Bestehende internationale Vereinbarungen
3.2.1 Global Compact
3.2.2 Trilaterale Erklärung der IAO
3.2.3 EN ISO 9000
3.2.4 OECD Leitlinien
3.3 Praktische Ansatzpunkte der KOM
3.3.1 Direkte Einflussgrößen
3.3.1.1 Personalmanagement
3.3.1.2 Arbeitsschutz
3.3.1.3 Sozialverträgliche Umstrukturierung
3.3.1.4 Schonende Nutzung natürlicher Ressourcen
3.3.2 Indirekt Einflussgrößen
3.3.2.1 Lokale Gemeinschaften
3.3.2.2 Stakeholder der Wertschöpfungskette
3.3.2.3 Menschenrechte
3.3.2.4 Transparenzberichte
3.3.2.5 Gütesiegel
3.4 Mitteilung der KOM
4. CSR in Deutschland
4.1 Rückblick auf die bisherige Entwicklung
4.2 Multi-Stakeholder Forum
4.3 Deutsche Strategie
4.4 Deutscher CSR-Kodex
4.5 Betriebsvereinbarungen
5. CSR in der Wirtschaft
5.1 Studie aus Österreich
5.2 Praxisbeispiel BMW
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den gesetzgeberischen Handlungsbedarf im Bereich Corporate Social Responsibility (CSR). Die zentrale Forschungsfrage beschäftigt sich damit, wie ein regulatorischer Rahmen gestaltet sein muss, um nachhaltiges Wirtschaften in Europa zu fördern, ohne dabei die unternehmerische Freiheit übermäßig einzuschränken oder den Wettbewerb zu verzerren.
- Historische und theoretische Grundlagen des CSR-Begriffs
- Analyse des Grünbuchs der Europäischen Kommission und internationaler Abkommen
- Darstellung von CSR-Strategien und Umsetzungsbeispielen in Deutschland
- Untersuchung von direkten und indirekten Einflussgrößen auf unternehmerisches Handeln
- Empirische Auswertung einer Umfrage zum Stand der CSR-Umsetzung in der Praxis
Auszug aus dem Buch
2.1 Historische Entwicklung bis zum Begriff CSR
Der Begriff Corporate Social Responsibility hat seinen Ursprung im angloamerikanischen Sprachraum und ist seit jeher dem Bereich der Unternehmensethik zu zuordnen. Umgesetzt wird die Unternehmensethik in der Unternehmensmoral. Eine klare Abgrenzung zwischen den Begriffen Ethik und Moral ist einem Fundament und dem zu bauendem Haus gleichzusetzen. Etwas Ethisches ist als grundlegende Theorie für den Bau der Moral zu verstehen. Die Moral ist demnach die Verhaltensweise, die sich aus der Ethik ergibt.
Bereits frühzeitig haben sich große Visionäre und Industrielle der Moral verschrieben, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen. Die ersten Unternehmer die Maßnahmen ergriffen haben, waren Henry Ford (Gründer des Automobilherstellers), Andrew Carnegie (amerikanischer Stahl-Tycoon und Friedensnobelpreisträger) und George Cadbury (britischer Süßwarenfabrikant). Sie zählten Ende des 19. Jahrhunderts und zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu den einflussreichsten Unternehmern der Welt und nutzen ihren Einfluss für die Förderung sozialer Gerechtigkeit. So implementierten sie z.B. Gesundheitsprogramme für Mitarbeiter und deren Familien oder stellten ausreichend Wohnraum für eben diese zur Verfügung.
Hierbei nahm auch Deutschland eine Vorreiterrolle ein. Nicht nur Industrielle sondern auch Politiker setzten durch ihr Empfinden für soziale Gerechtigkeit bis heute geltende Maßstäbe. Otto von Bismarck führte während seiner Amtszeit von 1880 – 1890 als Handelsminister in der Weimarer Republik, im Rahmen seiner Sozialpolitik, die noch heute bestehende Unfall-, Kranken-, Invaliden-, und Rentenversicherung ein. Auch Berufsgenossenschaften sind auf das Handeln Bismarcks zurückzuführen. Eine politische Grundlage für die gesellschaftliche Verantwortung der Arbeitgeber war somit geboren.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Relevanz von CSR angesichts globaler wirtschaftlicher Herausforderungen und skizziert die Notwendigkeit, einen gesetzlichen Rahmen zu finden, der ökonomische, ökologische und soziale Aspekte in Einklang bringt.
2. Definition CSR: Dieses Kapitel erläutert die theoretische Herleitung des CSR-Begriffs sowie dessen historische Entwicklung und definiert die Rolle von Stakeholdern sowie verwandter Konzepte.
3. Das Grünbuch der Europäischen Kommission: Der Fokus liegt auf der Rolle der EU bei der Definition von CSR, der Analyse internationaler Vereinbarungen und der Untersuchung direkter sowie indirekter Einflussgrößen für Unternehmen.
4. CSR in Deutschland: Hier wird die nationale CSR-Politik analysiert, einschließlich der Bedeutung des Multi-Stakeholder Forums, der deutschen Strategie, des CSR-Kodex und der Rolle von Betriebsvereinbarungen.
5. CSR in der Wirtschaft: Dieses Kapitel veranschaulicht die praktische Umsetzung von CSR anhand einer österreichischen Studie und eines konkreten Fallbeispiels der BMW Gruppe.
6. Fazit: Das Fazit fasst die wesentlichen Erkenntnisse zusammen und bewertet den gesetzgeberischen Handlungsbedarf im Kontext der Freiwilligkeit versus verbindlicher Regulierung.
Schlüsselwörter
Corporate Social Responsibility, CSR, Nachhaltigkeit, Europäische Kommission, Grünbuch, Stakeholder, Unternehmensethik, Global Compact, Gesetzgebung, Freiwilligkeit, Wirtschaftsraum, Unternehmenskodex, Sozialverträglichkeit, Globalisierung, Unternehmensverantwortung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Thematik Corporate Social Responsibility (CSR) und der Fragestellung, in welchem Umfang ein gesetzgeberischer Handlungsbedarf besteht, um nachhaltiges unternehmerisches Handeln in Europa zu harmonisieren und zu unterstützen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Felder umfassen die Definition und historische Entwicklung von CSR, die Rolle internationaler Abkommen, die Strategien der Europäischen Kommission sowie die spezifische politische und wirtschaftliche Umsetzung in Deutschland.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Ziel ist es, Handlungsempfehlungen für die Ausgestaltung eines gesetzlichen Rahmens zu entwickeln, der soziale Verantwortung von Unternehmen fördert, ohne dabei die wirtschaftliche Dynamik zu behindern.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse und einer eigenen empirischen Datenerhebung (Umfrage), um das Verständnis und die Umsetzung von CSR in deutschen Unternehmen zu evaluieren.
Was deckt der Hauptteil der Arbeit ab?
Der Hauptteil analysiert theoretische Konzepte, die Vorgaben der EU durch das Grünbuch, politische Initiativen in Deutschland, die Rolle des Multi-Stakeholder Forums sowie praxisnahe Fallbeispiele zur Implementierung von CSR.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am stärksten?
Neben dem zentralen Begriff CSR sind Nachhaltigkeit, Stakeholder-Dialoge, freiwillige Selbstverpflichtungen, Regulierung und internationale Wettbewerbsfähigkeit die prägenden Kernbegriffe.
Welche Rolle spielen Klein- und mittlere Unternehmen (KMU) im Konzept des Autors?
Der Autor beleuchtet die besondere Situation von KMU, da diese aufgrund geringerer finanzieller Reserven bei der Umsetzung von CSR stärker benachteiligt sind als Großkonzerne und daher gezielte Förderung benötigen.
Wie bewertet der Autor das Vertrauen in den europäischen Gesetzgeber?
Die in der Arbeit durchgeführte Umfrage zeigt, dass das Vertrauen der Befragten in den europäischen Gesetzgeber doppelt so hoch ist wie das Vertrauen in den nationalen Gesetzgeber, was der Autor als erstaunliches Ergebnis hervorhebt.
- Quote paper
- Malte Wilhelm (Author), 2013, Der gesetzgeberische Handlungsbedarf im Bereich Corporate Social Responsibility, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/269948