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Der RIAS und der Aufstand vom 17. Juni 1953

Eine fast freie Stimme dringt in die DDR

Titel: Der RIAS und der Aufstand vom 17. Juni 1953

Hausarbeit , 2013 , 21 Seiten , Note: 2.0

Autor:in: Leonard Kehnscherper (Autor:in)

Geschichte Deutschlands - Nachkriegszeit, Kalter Krieg
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„Das Radio verkündete Revolutionen und Kriege, begleitete eine Epoche des stürmischsten politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wandels, beschleunigte die Umlaufbahn des Aufstiegs und Falls von Macht, informierte, überredete und versuchte nicht minder, Informationen und Propaganda zu paralysieren; es wollte Herrschaft festigen, manipulierte die Aktivitäten ganzer Volksmassen, es half Diktatoren und Demokratien sowie den jeweiligen Opponenten und wurde zu einem konstitutiven Faktor im öffentlichen Leben.“
Dieses Zitat des Berliner Historikers Willi Alfred Boelcke würdigt das Radio als ein neues Medium des 20. Jahrhunderts in seinem historischen Kontext und beschreibt seine kaum zu überschätzende Bedeutung. Dabei kann stets die Frage gestellt werden, inwiefern das Radio in seiner Geschichte instrumentalisiert wurde oder als weitestgehend unabhängiges Medium funktionierte. In seiner deutschen Geschichte mag das Radio während der Weimarer Republik redaktionelle Freiheiten besessen und genutzt haben. Im Moment der nationalsozialistischen Machtübernahme wurde es zu einem eindeutigen Propaganda-Organ. Im Gefüge des sich beinahe nahtlos anschließenden Kalten Krieges ist die Stellung des Radios auf einmal schwieriger zu beurteilen. Während auf sozialistischer Seite von einer staatlichen Programm- und Sendehoheit ausgegangen werden kann, ist es kaum möglich, die direkte staatliche Einflussnahme auf die vermeintlich freien Medien der liberal-kapitalistischen westlichen Welt zweifelsfrei zu ermitteln. Der Frage nach der redaktionellen Autarkie zwischen tiefsten machtpolitischen Konflikten ist der zentrale Aspekt dieser Arbeit.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hörfunk im frühen Kalten Krieg

3. Der ersten Jahre des RIAS

4. Der 17. Juni im RIAS

5. In der Folge des 17. Juni

6. Die „RIAS-Legende“

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die Rolle des RIAS (Rundfunk im amerikanischen Sektor) während der Aufstände vom 17. Juni 1953, wobei die zentrale Forschungsfrage auf die redaktionelle Autarkie des Senders zwischen den machtpolitischen Interessen der amerikanischen Außenpolitik und den Erwartungen der DDR-Hörer abzielt.

  • Die historische Entwicklung des RIAS als „freie Stimme der freien Welt“
  • Der Einfluss des Radios auf die Ausbreitung der Aufstände in der DDR
  • Die kritische Auseinandersetzung mit der sogenannten „RIAS-Legende“
  • Die interne journalistische Dynamik und der Umgang mit politischem Druck

Auszug aus dem Buch

Die „RIAS-Legende“

Dass die SED-Regierung den deutsch-amerikanischen Westberliner Hörfunksender als „Feindsender“ betrachtete, ist nachvollziehbar. Die Agitation gegen RIAS Berlin hatte bereits verhältnismäßig breite Ausmaße angenommen. Die These der SED-Propaganda jedoch, der „Tag X“ sei durch die USA und ihre Geheimdienste „gründlich vorbereitet“ und vor allem vom RIAS koordiniert worden, ist ein außergewöhnlich revisionistischer Erklärungsansatz der DDR-Regierung. So prägte Otto Grotewohl bei seiner Rede vom 15. Plenum des Zentralkomitees den Begriff des „faschistischen Putschversuchs“.

Die DDR-Geschichtsbücher folgten daraufhin der Darstellung, dass RIAS-Agenten alle Befehle zur Putschdurchführung in die DDR weitergegeben hätten. Noch 2002 schrieb der ehemalige DDR-Kulturminister Hans Bentzien von „chiffrierten und direkten Anweisungen, […] die der RIAS sendete.“ Eine schwelende Anschuldigung, welcher Egon Bahr immer noch klar widerspricht. Zum Teil hätte die RIAS-Redaktion erst zehn Tage nach dem 17. Juni erfahren, dass es auf dem gesamten DDR-Gebiet Aufstände gab. Bahr räumt jedoch ein, dass der RIAS, wenn auch nicht intendiert, zum „Katalysator des Aufstandes“ geworden war. Ohne die landesweite mediale Reichweite lässt sich nicht erklären, dass in 701 der 5585 DDR-Städten und Gemeinden insgesamt zwischen 500.000 und einer Million Menschen beteiligt waren und damit noch eine größere Menschenzahl mobilisiert war als während der Friedlichen Revolution 1989.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Bedeutung des Radios im 20. Jahrhundert ein und definiert das Ziel der Arbeit, die Rolle des RIAS während der Aufstände vom 17. Juni 1953 unter Berücksichtigung machtpolitischer Konflikte zu analysieren.

2. Hörfunk im frühen Kalten Krieg: Das Kapitel beschreibt den Aufbau des Rundfunks im besetzten Berlin ab 1945 und die zunehmende Politisierung der Sendeformate infolge des Ost-West-Konflikts.

3. Der ersten Jahre des RIAS: Hier werden die organisatorischen, technischen und finanziellen Rahmenbedingungen des RIAS seit seiner Gründung 1946 beleuchtet, einschließlich der personellen Zusammensetzung und der redaktionellen Kontrolle durch amerikanische Dienststellen.

4. Der 17. Juni im RIAS: Der Abschnitt analysiert die Berichterstattung des Senders an den Tagen um den 17. Juni 1953, den journalistischen Zwiespalt der Redakteure und die Interaktion mit den aufständischen Arbeitern.

5. In der Folge des 17. Juni: Dieses Kapitel behandelt die unmittelbaren Konsequenzen des Aufstands für den Sender, insbesondere die drohende Verstrickung in Untersuchungsausschüsse sowie die langfristige strategische Erweiterung des Programms.

6. Die „RIAS-Legende“: Die Analyse setzt sich kritisch mit den Vorwürfen der SED-Propaganda auseinander, die dem Sender die bewusste Steuerung des Aufstands unterstellte, und kontrastiert diese mit der historischen Realität der weisungsgebundenen Berichterstattung.

Schlüsselwörter

RIAS, 17. Juni 1953, DDR, Kalter Krieg, Rundfunk, SED, Propaganda, Aufstand, Berichterstattung, USA, Berlinblockade, Journalismus, DDR-Geschichte, Meinungsfreiheit, Medien

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die historische Rolle des Senders RIAS während der DDR-Aufstände vom 17. Juni 1953 und analysiert, inwieweit der Sender als unabhängiges Medium oder als politisches Instrument agierte.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Geschichte des Hörfunks im Kalten Krieg, die redaktionelle Autarkie gegenüber amerikanischen Vorgaben und die mediale Beeinflussung der ostdeutschen Bevölkerung durch den RIAS.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Ziel ist es, die Konfliktlage der RIAS-Redaktion zwischen ihrem eigenen journalistischen Gewissen, den Hoffnungen der Hörer und den Vorgaben der amerikanischen Außenpolitik zu ergründen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer historisch-medienwissenschaftlichen Analyse, die den RIAS als Akteur im Spannungsfeld zwischen den Siegermächten einbettet und mit Fachliteratur sowie zeitgenössischen Quellen kontrastiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil behandelt die Entstehungsgeschichte des RIAS, seine Rolle als „Katalysator“ während des Aufstands vom 17. Juni 1953 und die darauffolgenden politisch-organisatorischen Veränderungen innerhalb der Rundfunkanstalt.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie RIAS, 17. Juni 1953, Kalter Krieg, SED-Propaganda, Rundfunkgeschichte und mediale Berichterstattung geprägt.

Wie reagierte der Sender auf die Vorwürfe von Senator McCarthy?

Die Mitarbeiter des RIAS verfassten ein gemeinsames Schreiben, in dem sie betonten, dass Eingriffe in die personelle Struktur des deutsch-amerikanischen Teams die Grundlage ihrer Zusammenarbeit gefährden würden, was zu einer starken Solidarisierung führte.

Was besagt die sogenannte „RIAS-Legende“?

Die Legende behauptet, der RIAS hätte den Aufstand vom 17. Juni als Organ des amerikanischen Geheimdienstes CIA systematisch geplant und gesteuert, was jedoch historisch als revisionistischer Erklärungsansatz der SED widerlegt wird.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Der RIAS und der Aufstand vom 17. Juni 1953
Untertitel
Eine fast freie Stimme dringt in die DDR
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Friedrich-Meinecke-Institut)
Veranstaltung
Seminar "BRD und DDR - Feindliche Brüder"
Note
2.0
Autor
Leonard Kehnscherper (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2013
Seiten
21
Katalognummer
V270004
ISBN (eBook)
9783656611172
ISBN (Buch)
9783656610953
Sprache
Deutsch
Schlagworte
rias aufstand juni eine stimme
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Leonard Kehnscherper (Autor:in), 2013, Der RIAS und der Aufstand vom 17. Juni 1953, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/270004
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  21  Seiten
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