Untersuchung der gegenwärtigen Alltagssprache in Ober-Ohmen im Vogelsbergkreis


Hausarbeit, 2004

33 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhalt:

1 Einleitung

2 Vorgehensweise

2.1Untersuchungsorte

2.2 Informanten

2.3 Untersuchungsinstrument

2.4 Interviewdurchführung

3 Untersuchungsergebnisse

4 Auswertung

5 Fazit

1 Einleitung

In der „Wortgeographie der städtischen Alltagssprache in Hessen“ von Hans Friebertshäuser und Heinrich J. Dingeldein wird Alltagssprache ausschließlich in Städten untersucht. Als ein Grund für die Konzentration auf die Städte wird dort die grundsätzliche Erkenntnis der empirischen Sprachwissenschaft / Dialektologie und Kulturwissenschaft, wonach Neuerungen zunächst in städtischen Zentren stattfänden und von dort auf das umliegende Land ausstrahlten, zitiert.1 Dadurch stellt sich die Frage, wie es um die Alltagssprache in den Dörfern bestellt ist und ob eine solche Ausstrahlung der städtischen Alltagssprache auf das Land sechzehn Jahre nach Erscheinen der Wortgeographie feststellbar ist. Der Untersuchungsgegenstand dieser Hausarbeit ist daher die Alltagssprache eines Dorfes im Vergleich mit der Alltagssprache einer Stadt, um eine eventuell stattgefundene Entwicklung der oben genannten Art, nachzuweisen. Die Beantwortung dieser Frage setzt voraus, dass man die Alltagssprache von jungen und älteren Dorfbewohnern miteinander vergleicht, um überhaupt Unterschiede feststellen zu können, die eventuell auf den Einfluss der Stadt zurückzuführen sind. Des Weiteren soll untersucht werden, ob es dabei Unterschiede in der Alltagssprache von Männern und Frauen gibt. Ursprünglich sollte auch noch die Frage beantwortet werden, ob es einen Unterschied in der Alltagssprache von Berufstätigen und Nichtberufstätigen gibt. Diese Frage musste jedoch fallen gelassen werden, da es sehr schwer war, Informanten ohne Beruf zu finden, die zusätzlich auch noch den übrigen Kriterien entsprachen.2

Im folgenden Kapitel werde ich zunächst die Vorgehensweise bei der Erhebung des Materials erläutern und begründen. Dazu werden die Untersuchungsorte, die Kriterien für die Informanten, die gestellten Fragen und untersuchten Wörter sowie die Interviewdurchführung erörtert. In Kapitel 3 werden dann die Ergebnisse der Interviews tabellarisch dargestellt. Die Tabellen sind von den jeweiligen Fragen überschrieben und enthalten neben den eigentlichen Begriffen die Kriterien für die Informanten. Diese Methode der Darstellung beansprucht zwar viel Platz, aber ich halte sie aus Gründen der Übersichtlichkeit und aufgrund der Fragestellung für sehr geeignet. Zudem ist es dadurch möglich auf einen Fragebogen im Anhang zu verzichten. Zum besseren Vergleich werden die Antworten aus der Wortgeographie in Klammern hinter den Fragen angegeben.

In Kapitel 4 sollen die Ergebnisse ausgewertet und analysiert werden. Anhand von Beispielen sollen hier auffällige Entwicklungen veranschaulicht werden.

Im letzten Kapitel werde ich dann versuchen die oben gestellten Fragen mithilfe von älteren Fragebögen zu beantworten.

2 Vorgehensweise

2.1Untersuchungsorte

Als Untersuchungsort wurde der Ort Ober-Ohmen im Vogelsberg gewählt. Dieser Ort schien aus mehreren Gründen geeignet zu sein. Zunächst sprach das persönliche Interesse, die Alltagssprache im Heimatort zu erforschen, dafür. Durch die Zugehörigkeit zum Ort wurde die Datenerhebung wesentlich erleichtert, da ich die Informanten selbst auswählen konnte und mich nicht auf Dritte verlassen musste. Außerdem ist Ober-Ohmen mit 810 Einwohnern1 ein sehr kleiner Ort, was den Kontrast zur Stadt vergrößert und somit eine differenziertere Gegenüberstellung ermöglicht.

Die Stadt Alsfeld schien zum Vergleich am geeignetsten zu sein. Mit 10599 Einwohnern2 ist Alsfeld die nächste größere Stadt in der Nähe Ober-Ohmens.3 Zwar gibt es noch weitere Städte in der Umgebung des Dorfes, wie Grünberg oder Ulrichstein, allerdings sind diese wesentlich kleiner.4 Grünberg liegt zudem nicht mehr im Vogelsberg und ist deshalb für einen Vergleich nicht gut geeignet. Ulrichstein liegt zwar im Vogelsberg, wird aber in der Wortgeographie von Friebertshäuser und Dingeldein, auf die ich Bezug nehme, nicht behandelt.

Alsfeld erfüllt also folgende Bedingungen:

1. Stadt in der näheren Umgebung Ober-Ohmens
2. Stadt im Vogelsberg
3. Über 10.000 Einwohner
4. Alltagssprache wird in der Wortgeographie untersucht

Die Kriterien für die Auswahl Ober-Ohmens waren neben persönlichem Interesse folgende:

1. Unter 1000 Einwohner
2. Alltagssprache wird nicht in der Wortgeographie behandelt
3. Nähe zu einer größeren Stadt

2.2 Informanten

Die Informanten für die Wortgeographie wurden nach folgenden Kriterien ausgewählt:

1. Alter zwischen 20 und 40 Jahre
2. Beruf ohne Hochschulstudium
3. am Untersuchungsort aufgewachsen
4. ein Elternteil stammt aus dem Untersuchungsort

Aufgrund meiner Fragestellung schienen mir andere Kriterien für die Informanten aus Ober-Ohmen sinnvoller zu sein. Besonders wichtig war, dass die Informanten im Ort aufgewachsen waren, um trotz der gestiegenen Mobilität eine Einbindung in den Ort zu gewährleisten. Als nächstes Kriterium wurde ein Mindestalter von 20 Jahren festgelegt. Bei jüngeren Informanten besteht die Gefahr, dass sie in ihrer Sprache noch nicht festgelegt sind oder ihre Sprache bewusst zur Abgrenzung benutzen, was die Untersuchung womöglich verfälscht hätte. Die Informanten wurden in drei Altersklassen eingeteilt: 20-35 Jahre = jung, 36-55 Jahre = mittleres Alter und 56 Jahre und älter = ältere Generation, wobei versucht wurde, innerhalb einer Altersgruppe auf möglichst breit gestreute Daten zu achten. Aus jeder Altersklasse wurden drei Männer und drei Frauen befragt. Dies ergibt achtzehn Informanten, was viel ist, in Anbetracht der Tatsache, dass für die Wortgeographie nur drei Informanten für Alsfeld ausgewählt wurden. Auf das Kriterium, dass die Informanten ihren Beruf innerhalb des Dorfes ausgeübt haben mussten, musste ich leider verzichten. Nicht nur bei den jüngeren Dorfbewohnern war es schwer, solche Informanten zu finden, auch bei den Älteren gab es viele, die aufgrund ihres Berufes den Vogelsberg regelmäßig verlassen hatten. Beruf und Berufsort wurden der Vollständigkeit halber dennoch aufgezeichnet. Bei älteren Menschen, die nicht mehr berufstätig sind, wurde der Beruf, den sie ausgeübt hatten, verzeichnet. Auf die Bedingung, dass ein Elternteil im Ort aufgewachsen sein musste, wurde verzichtet, da dies in kleinen Dörfern wie Ober- Ohmen sowieso meistens gewährleistet ist.1 Wichtiger erschien es mir, dass die Informanten nicht zwischenzeitlich außerhalb des Ortes gelebt hatten. Die Kriterien für die Informanten waren also folgende:

1. Alter zwischen 20-35 Jahren, 36-55 Jahren und älter als 56 Jahre
2. in Ober-Ohmen aufgewachsen
3. Wohnort nur innerhalb Ober-Ohmens

2.3 Untersuchungsinstrument

Als Untersuchungsinstrument verwendete ich genau wie Friebertshäuser und Dingeldein einen Fragebogen, mit dessen Hilfe zwanzig verschiedene Wörter untersucht wurden. Ausgewählt wurden Begriffe, bei denen in der Wortgeographie für die Stadt Alsfeld Mehrfachnennungen verzeichnet waren. Dies betraf 53 Begriffe, wovon zwanzig ausgewählt wurden, die meiner Ansicht nach in der Alltagssprache häufig verwendet werden.1

Bei der Formulierung der Fragen habe ich mich an der Wortgeographie orientiert.2 Teilweise wurden die Fragen umformuliert, da sie bestimmte Begriffe vorgaben. So wurde z. B. die Frage „Welches Wort benutzen Sie für Wasser mit Kohlensäure?“ umformuliert in „Welches Wort benutzen Sie für das geschmacksneutrale Getränk mit Kohlensäure?“. Dies erschwerte vielleicht die Verständlichkeit der Frage, aber der Begriff „Wasser“ wurde getilgt, so dass „Echo-Antworten“ vermieden wurden. Aus diesem Grund wurden den Informanten auch keine Antworten vorgegeben. Es kam außerdem vor, dass Fragen meiner Ansicht nach zu unverständlich waren und deshalb geändert wurden. Dies war bei der Frage „Welches Wort benutzen Sie für das Milchprodukt, aus dem man Brotaufstrich oder Süßspeisen bereiten kann?“ der Fall. Die Frage wurde in „Welches Wort benutzen Sie für das Milchprodukt, das gerne zu Pellkartoffeln gegessen wird?“ geändert. Diese Frage kann natürlich nur in Orten gestellt werden, in denen man Pellkartoffeln mit Quark isst. Bei der Auswahl der Fragen und Begriffe war es also wichtig, die Lebensgewohnheiten der Informanten ungefähr zu kennen. Es wurde versucht, die Fragen nur geringfügig zu verändern, um das Untersuchungsergebnis nicht zu verfälschen.

Die Ergebnisse wurden zwar ungefähr so notiert, wie sie von den Informanten ausgesprochen wurden, aber nicht phonetisch transkribiert, da es mir nicht auf die Aussprache einzelner Wörter, sondern auf die Verwendung einzelner Wörter bei Synonymik ankam. Wenn der Informant sich nicht entscheiden konnte, welchen von zwei Begriffen er öfter benutzt, wurden beide Wörter notiert, um die Alltagssprache der jeweiligen Person möglichst authentisch darzustellen. Der komplette Fragebogen wurde an drei Personen, die für die Untersuchung nicht in Frage kamen, auf seine Verständlichkeit getestet.

2.4 Interviewdurchführung

Die Befragung fand in Form eines Interviews statt. Um die ungewöhnliche Situation des Interviews zu entspannen, fand ein Vorgespräch statt, dass zum einen über Ziele der Hausarbeit und der Untersuchung informierte. Zum anderen wurden die Informanten gebeten, so zu antworten, wie sie es im alltäglichen Umgang mit Freunden und Bekannten tun würden, egal ob dies in Hochdeutsch, Umgangssprache oder Dialekt geschähe. Durch das Vorgespräch sollten die Informanten vergessen, dass sie interviewt wurden, da ein Interview keine alltägliche Situation ist und so die Ursache für verfälschte Ergebnisse sein kann.1

Die Interviews selbst dauerten nicht länger als 10 min., da die Informanten meistens schnell und spontan antworteten.

3 Untersuchungsergebnisse

Welches Wort benutzen Sie für das Milchprodukt, das gerne zu Pellkartoffeln gegessen wird? (Matte(n), Quark)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Welches Wort benutzen Sie für das geschmacksneutrale Getränk mit Kohlensäure? (Sprudel(wasser), Selters(wasser), Mineralwasser)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Welches Wort benutzen Sie für den Eingangsraum der Wohnung oder des Hauses? (Flur, Diele)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


1 Hans Friebertshäuser / Heinrich J. Dingeldein: Wortgeographie der städtischen Alltagssprache in Hessen. Tübingen 1988.(= Hessische Sprachatlanten: Kleine Reihe; Bd. 1). S. 6.

2 Vgl. dazu die Ausführungen zu den Informanten in Kap. 2.2.

1 Nur Hauptwohnsitze, Einwohnermeldeamt Gemeinde Mücke, Stand 31.12.2003.

2 Haupt- und Nebenwohnsitze in der Kernstadt, Einwohnermeldeamt Alsfeld, Stand 31.12.2003.

3 Die Entfernung zwischen Alsfeld und Ober-Ohmen beträgt ca. 23 km.

4 Grünberg: 6063 Hauptwohnsitze, 216 Nebenwohnsitze in der Kernstadt, Stadtverwaltung Grünberg, Stand 31.12.2`003. Ulrichstein: 984 Hauptwohnsitze, 174 Nebenwohnsitze in der Kernstadt, Magistrat Ulrichstein, Stand 31.12.2003.

1 Durch die Verwandtschaftsverhältnisse ließ es sich daher oft nicht vermeiden, mehrere Informanten aus einer Familie zu befragen.

1 Das dies vor allem bei den jungen Informanten nicht immer zutreffend war, wird in Kap. 4 erläutert.

2 Vgl. Wortgeographie, S. 27-43.

1 Vgl. Wortgeographie, S. 10.

Ende der Leseprobe aus 33 Seiten

Details

Titel
Untersuchung der gegenwärtigen Alltagssprache in Ober-Ohmen im Vogelsbergkreis
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen  (Institut für deutsche Sprache und mittelalterliche Literatur)
Veranstaltung
Sprachvariation im Deutschen
Note
1
Autor
Jahr
2004
Seiten
33
Katalognummer
V270011
ISBN (eBook)
9783656611158
ISBN (Buch)
9783656693499
Dateigröße
553 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
untersuchung, alltagssprache, ober-ohmen, vogelsbergkreis
Arbeit zitieren
Ina Weber (Autor), 2004, Untersuchung der gegenwärtigen Alltagssprache in Ober-Ohmen im Vogelsbergkreis, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/270011

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