Hypermediale Weiterentwicklung von Lern- und Übungsmaterialien der Hochschule Bremen


Bachelorarbeit, 2013
81 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Probleme und Chancen des Selbststudiums
1.1 Aktivierungsniveau und kognitive Leistung
1.2 Vergessens- und Lernkurve nach Ebbinghaus
1.3 Das Problem der „Arbeitstiere“
1.4 Vertagung von Arbeit - Prokrastination
1.5 Fazit
1.5.1 Wie die Arbeit zum Flow-Erlebnis werden kann
1.5.2 Wie Studenten aktiviert werden
1.5.3 Selbstlern-Seminare
1.5.4 Suchkriterien für die Internetrecherche

2 Rechtliches
2.1 Verwertungsrechte
2.1.1 Vervielfältigungsrecht
2.1.2 Verbreitungsrecht
2.1.3 Bearbeitungen und Umgestaltungen
2.2 Definitionen
2.3 Rechtslage beim Setzen von Hyperlinks
2.3.1 Surface- und Deep-Links
2.3.2 Framing und Inline-Linking
2.3.3 Haftungsfrage bei der Verlinkung von Webseiten mit rechtswidrigen Inhalten
2.3.4 Freie Lizenzen
2.4 Empfehlungen und Bewertung

3 Erstellen einer Linkliste
3.1 Durchführen der Internetrecherche
3.2 Gestaltung der Liste
3.3 Datenbankstruktur
3.4 PHP-Skript zum Auslesen und Darstellen der Datensätze

4 Darstellung der hypermedialen Elemente
4.1 Grundlagen
4.1.1 Bogenmaß und -länge
4.2 Mengen
4.2.1 Übung und Veranschaulichung verschiedener Mengenoperationen .
4.3 Reelle Zahlen, Beträge
4.3.1 Das Distributivgesetz
4.3.2 Spiel zum Kommutativgesetz
4.3.3 Das Assoziativgesetz
4.4 Gleichungen
4.4.1 Einfache Gleichungen mit dem Waagenmodell auflösen
4.4.2 Erkunden von linearen Gleichungen
4.4.3 Erkunden von quadratischen Gleichungen
4.4.4 Die Betragsfunktion
4.5 Lineare Gleichungssysteme
4.5.1 Darstellung möglicher Lösungen im zweidimensionalen Raum .
4.5.2 System zum Anfassen im zweidimensionalen Raum
4.5.3 Darstellung möglicher Lösungen im dreidimensionalen Raum
4.6 Binomischer Lehrsatz
4.6.1 Binomialkoeffizienten und Pascal’sches Dreieck
4.6.2 Binomiale Expansion mithilfe des Pascal’schen Dreiecks
4.7 Vektoralgebra
4.7.1 Spiel zur Addition von Vektoren im zweidimensionalen Raum
4.7.2 Kommutativgesetz
4.7.3 Assoziativgesetz
4.7.4 Skalarprodukt zum Anfassen
4.7.5 Spiel zum schiefen Wurf und optimalen Winkel
4.7.6 Fragen zur linearen Unabhängigkeit
4.7.7 Spatprodukt zum Anfassen
4.8 Vektorgeometrie
4.8.1 Darstellungsformen einer Geraden (auch als Parameter)
4.8.2 Abstand von Punkt und Gerade im zweidimensionalen Raum
4.8.3 Abstand von zwei Geraden im dreidimensionalen Raum
4.8.4 Parametergleichung einer Ebene im dreidimensionalen Raum und ihr Abstand zu einem Punkt
4.9 Funktionseigenschaften
4.9.1 Monotone Bereiche einer beliebigen Funktion
4.9.2 Periodendauer und weitere Parameter der Sinusfunktion
4.10 Koordinatentransformation
4.10.1 Darstellung einer Kurve in Polarkoordinaten
4.11 Grenzwerte
4.11.1 Grenzwerte beliebiger Funktionen bestimmen und darstellen
4.12 Polynomfunktionen
4.12.1 (Reale und imaginäre) Nullstellen von Polynomen ermitteln
4.12.2 Rechengenauigkeit des Horner-Schemas (Numerik)
4.12.3 Lagrange Interpolation
4.13 Gebrochenrationale Funktionen
4.13.1 Experimentieren mit Null- und Polstellen
4.13.2 Erkunden von Asymptoten, Null- und Polstellen
4.14 Kegelschnitte
4.14.1 Der Schnitt einer Ebene mit einem Doppelkegel
4.15 Trigonometrische Funktionen
4.15.1 Winkelfunktionen am Einheitskreis
4.15.2 Zeigerdiagramm am Beispiel von Wechselspannung
4.15.3 Schwingungen zum Selbstverschmelzen
4.15.4 Lissajous-Figuren
4.17 Exponentialfunktionen
4.17.1 Gedämpfte Schwingung (Feder-Masse-System)
4.20 Differenzierbarkeit
4.20.1 Erklärung und Veranschaulichung zur Kettenregel
4.21 Anwendung der Differentialrechnung
4.21.1 Lineares Approximieren
4.21.2 „Skifahren im Gebirge“ auf einer Funktion mit zwei Variablen
4.22 Integration als Umkehrung der Differenziation
4.22.1 Stammfunktion
4.25 Integrationsmethoden
4.25.1 Veranschaulichung der Substitution
4.28 Anwendungen der Integralrechnung
4.28.1 Riemann-Summe im dreidimensionalen Raum mit veränderbarer Genauigkeit

5 Diskussion
5.1 Mögliche Auswirkungen auf die Flow-Bedingungen
5.2 Lerntypen

Zusammenfassung

Diese Bachelor Thesis befasst sich hauptsächlich mit der Optimierung des Selbstlernan- gebots der Hochschule Bremen im Modul „MATH1“ und mit dem Thema „Selbstlernen“ im Allgemeinen. Im Rahmen der Arbeit sind Empfehlungen für die Konzipierung von Seminaren zum Thema „Selbstlernen“ und ein Programm entstanden, das zur Erstellung einer Linkliste dient. Diese stellt eine Auswahl von hypermedialen Lernmaterialien zu- sammen, die in einer Internetrecherche gefunden werden konnten und in einer Datenbank gespeichert sind.

Abstract

This Bachelor Thesis primarily deals with the optimization of the selflearning content which is provided by the module „MATH1“ of the University of Applied Sciences Bremen and with selflearning in general. Within the work, recommendations for a concept of workshops about „selflearning“ have been originated and a programme to create a linklist has been developed. It collects a selection of hypermedia learning material that could be found in a research on the internet and that is stored in a database.

Aufgabenstellung zur Bachelor Thesis

Antragsteller: Malte Sommer

„ Hypermediale Weiterentwicklung von Lern- undübungsmaterialien der Hochschule Bremen “

Das bestehende Vorlesungsmanuskript, sowie die Übungsumgebung CAT (Computer Ai- ded Teaching) für das Modul MATH1 (Mathematik 1) werden auf Optimierungsmög- lichkeiten hinsichtlich hypermedialer Elemente untersucht. Diese Elemente können z.B. Animationen, Hyperlinks, interaktive Grafiken, sowie Audio- und Videoaufnahmen sein. Ziel ist es, zutreffende Medien im Internet ausfindig zu machen, ihren Einsatz zu bewerten und zur weiteren Verwendung zur Verfügung zu stellen. Es soll fachgerecht erklärt wer- den, welche Aspekte der gefundenen Medien besonders für die Darstellung der Lerninhalte geeignet sind.

Begriffsbestimmung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Vorwort

Wer kennt es nicht? Man hat Arbeit zu erledigen, doch viele Dinge sind spannender als die eigentliche Aufgabe. Besonders zu Hause lenkt man sich viel zu gerne ab, anstatt konse- quent seiner Aufgabe nachzugehen. Doch woran liegt es, dass man sich so gerne ablenken lässt? Welche Probleme erwarten die „Arbeitstiere“? Und wie kann man es schaffen, noch effektiver zu arbeiten?

Diese Bachelor Thesis befasst sich mit dem Ausbau, der Optimierung und Weiterentwick- lung des Selbstlernangebotes des Moduls MATH1 (Mathematik 1). Da der Selbstlernanteil gemäß dem Bremer Modell mit 120 Stunden doppelt so hoch angegeben ist, wie der Prä- senzlehranteil von 60 Stunden [Wit04], trägt dieser einen nicht unerheblichen Beitrag zum erfolgreichen Abschluss des Moduls bei. Gerade im Hinblick auf die Überlegungen, den „In- ternationalen Studiengang Luftfahrtsystemtechnik und -management B.Eng.“ in Zukunft möglicherweise auch als Fernstudiengang anzubieten, erhält Wissen über das optimale und effektive eigenständige Lernen der Studenten und ein Lernangebot, das den Anforde- rungen an das selbstständige Aneignen von Wissen gerecht wird, zunehmende Bedeutung. Die meisten Studenten des ersten Semesters haben wenige Erfahrungen, sich eigenverant- wortlich neue Lerninhalte anzueignen, wie es das Modul und ein Fernstudiengang jedoch fordert.

Diese Ausarbeitung soll dazu dienen, den Studierenden das selbstständige Aneignen von Wissen im Modul MATH1 durch zusätzliche hypermediale Angebote zu erleichtern. Sie sollen durch ein interaktives Angebot in die Lage versetzt werden, aus der Rolle des passiven Konsumenten von aufbereiteten Wissen in die Rolle des aktiven Erkunders zu schlüpfen.

Kapitel 1 1 Probleme und Chancen des Selbststudiums

Grundlegend heißt es, man kann zwischen zwei Typen von Heimarbeitern unterscheiden: „Die einen können Beruf [oder Studium, MS] und Freizeit nicht voneinander trennen und arbeiten viel mehr, als sie eigentlich sollten und als ihnen gut tut. Die anderen haben Schwierigkeiten, sich zu disziplinieren und lassen sich leicht von der Arbeit ablenken.“ [Ols07]. Woran liegt es, dass man sich so gern bei der Arbeit ablenken lässt? Und was für Probleme können Exzessivarbeiter erwarten?

Um den Einsatz von neuen Lernwerkzeugen bei der Suche nach Weiterentwicklungsmög- lichkeiten des Lernangebots besser beurteilen zu können, ist es hilfreich zu verstehen, welche Einflüsse allgemein gut für das Lern- und Arbeitsverhalten sind und welche schäd- lich. Es werden mögliche Probleme und Chancen des Selbstlernens untersucht, um bei der Suche nach Lernmaterialien gefundene Elemente besser auf einen lerneffizienten Einsatz bewerten zu können. In diesem Kapitel geht es um die Umstände, die das Lernverhalten positiv beeinflussen, um zu verstehen, wie man optimale Leistung bei der selbstbestimm- ten Arbeit erzielt. Faktoren, die auf das Lernen Einfluss haben, lassen sich grundlegend in zwei Kategorien unterscheiden: Die einen sind Abhängig vom Verhalten und der Psy- chologie des Studierenden und die Anderen werden durch das Lernangebot in Form der Lernumgebung festgelegt.

1.1 Aktivierungsniveau und kognitive Leistung

Um nach Antworten auf die einleitend gestellten Fragen zu suchen, betrachten wir vorweg das sogenannte Yerksen-Dodson-Gesetz [Aut13q]. Demnach ist der maximalen Leistungs- fähigkeit (einer bestimmten Person) ein ganz bestimmtes Aktivierungsniveau zugenordnet (siehe Abbildung 1.1). Das Aktivierungsniveau wird auch häufig als Wachheitsgrad be- zeichnet und ist ein Maß dafür, wie gut wir äußere Reize verarbeiten [Sta12]. Ist die Aktivierung zu hoch, führt dies zu Nervosität, Hektik, Konzentrationsschwäche und ist

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1.1: Kognitive Leistungsfähigkeit und Aktivierungsniveau [Aut13q]

üblicherweise mit einem Gefühl der Überforderung verbunden. Ist sie hingegen zu klein, führt sie zu Müdigkeit und ist mit Gefühlen von Unterforderung und „nicht in Gang kom- men“ verknüpft [Tur03, Seite 14/15]. Anders ist es bei optimaler Anregung: Unter dieser Voraussetzung kann es sogar zum sogenannten „Flow-Erlebnis“ kommen, einem Gefühl völligen Aufgehens in einer Tätigkeit. Die deutsche Bezeichnung entspricht etwa der des Tätigkeitsrausches. Der Zustand optimaler Anregung ist jedoch nur eine von drei notwen- digen Bedingungen, um der psychologischen Definition von „Flow“ zu genügen. Weitere Bedingungen sind u.a. [Aut13d]:

1. „Die Aktivität hat deutliche Ziele.

a) Die Aktivität hat unmittelbare Rückmeldung.
b) Die Tätigkeit hat ihre Zielsetzung bei sich selbst (sie ist autotelisch [das be- deutet im Sprachgebrauch, dass ‚der Weg das Ziel‘ ist und die Handlung somit kein Mittel ist, um ein höheres Ziel zu erreichen, sondern bereits selbst das Ziel einer final intrinsischen Motivation ist [Aut13a], MS])

2. Wir sind fähig, uns auf unser Tun zu konzentrieren.“

Die Definition von „Flow“ beinhaltet noch weitere Punkte. Diese sind jedoch entweder eine Beschreibung des Zustandes oder an Bedingungen geknüpft, die speziell von der Person abhängen, die das „Flow-Erlebnis“ erfährt.

Man kann sich die grafische Darstellung der Yerksen-Dodson-Gesetzmäßigkeit ähnlich ei- ner technischen Kennlinie (Datenblatt) vorstellen, die für ein Bauteil, eine Baugruppe oder ein Gerät kennzeichnend ist [Aut13h]. Man befindet sich - je nach Aktivierungsniveau - augenblicklich an einem bestimmten (Arbeits-)punkt auf diesem Datenblatt, welches von Mensch zu Mensch (abhängig vom Temperament und der Belastbarkeit) unterschiedlich aussehen kann [O’F13]. Die Einen können demnach im Sprachgebrauch gut mit Stress umgehen und brauchen diesen möglicherweise auch, um Leistung zu erbringen, während

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1.2: Yerksen-Dodson-Kennlinie für verschiedene Temperamente [O’F13]

Andere bei dem selben Anforderungsniveau längst resignieren. Das lässt den Rückschluss zu, dass sich das Lehrangebot oder der Lehrer im Fall von klassischem Einzelunterricht im besten Fall flexibel an die Belastbarkeitskurve des einzelnen Lernenden anpasst, um den „Arbeitspunkt“ des Lernenden im Leistungsmaximum der Kennlinie zu halten und somit effizient die Lehrinhalte zu vermitteln. Problematisch kann dies sein, wenn Lernende mit unterschiedlichen Belastbarkeitskennlinien dem selben (äußeren) Stimulationsniveau in Form eines gemeinsamen Unterrichts ausgesetzt sind. In diesem Punkt besteht im Gegen- satz zum klassischen Frontalunterricht beim Selbstlernen der Vorteil, dass der Lernende das Tempo selbst bestimmen kann. Auf der anderen Seite stimuliert die bisher einge- setzte Lernmethode „lesen“ insgesamt weniger Sinne. Es besteht die Chance, dass neue hypermediale Elemente diesen Lernvorgang unterstützen und Defizite ausmärzen.

Glücklicherweise ist unser augenblickliches Aktivierungsniveau nicht allein abhängig von der Stärke äußerer Stimulation, sondern auch von inneren Prozessen, wie z.B. Hunger- gefühlen und Kognitionen, die wir selber durch geeignete Maßnahmen steuern können [Bro86, Seite 291]. Durch verschiedene Verfahren, wie z.B. Meditations- oder Entspan- nungstechniken, ist es möglich, die Muskelspannung [Sta97] und somit das Aktivierungs- niveau entsprechend dem momentanen kognitiven Leistungsbedarf anzupassen. Wer diese Techniken gut beherrscht, hat die Chance, seine menschlichen Energievorräte gezielt den Anforderungen entsprechend einzusetzen, sich einer bestimmten Situation angemessen anzupassen und somit effizient zu lernen. Eine Anwendung der Aktivierungssteuerung und somit der Konzentratrionssteigerung sind isometrische Übungen. Diese bestehen aus An- und Entspannungsphasen, um Muskeln und Kreislauf zu aktivieren, Ermüdung zu entgegnen und somit für eine Konzentrationssteigerung zu sorgen [Sta13b].

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1.3: Vergessenskurve nach Ebbinghaus ohne Wiederholung [Sta13c]

1.2 Vergessens- und Lernkurve nach Ebbinghaus

Zum besseren Verständnis zum Abschnitt 1.4, wird hier die Forschung des deutschen Professors Hermann Ebbinghaus (* 24.01.1850), der sich mit dem Vergessen und Lernen befasst hat, erläutert [Aut13e].

Bei seiner Arbeit hat er sich mit der Fragestellung befasst, wieviel Wissen bei einem Lernenden nach verstrichener Zeit noch erinnerbar ist. Der zeitliche Verlauf der Abruf- barkeit sinnloser Silben, die zuvor auswendig gelernt wurden, ist dem in Abbildung 1.3 dargestellten Graphen zu entnehmen [Sta13c]. Da die Lerninhalte der Hochschule Bremen im Allgemeinen nicht als sinnlos zu betrachten sind, kann diese Kurve das vorhandene Wissen der Studierenden allenfalls quantitativ beschreiben. Sollte es Studierende geben, die die Lerninhalte jedoch als sinnlos ansehen, werden diese hier realitätsnah repräsen- tiert. Um dem starken Wissensverlust über die Zeit entgegenzuwirken und das Wissen zu festigen, ist es nötig, die in Vergessenheit geratenen Lernobjekte in einer oder meh- reren Lerneinheiten zu wiederholen (siehe Abbildung 1.4). Nach jeder Wiederholung des Lernstoffs ist der „Wissensspeicher“, wie das Wasser in einem Tank, der einen geöffneten Abfluss hat, wieder aufgefüllt. Bildlich gesehen wird der „Abflusshahn“ nach jeder Wie- derholungseinheit etwas weiter zugedreht und die Geschwindigkeit des Wasserverlustes nimmt ab. Übertragen auf die Selbstlernsituation bedeutet das, dass die Intensität des Wissensverlustes mit zunehmenden Wiederholungen abnimmt. In Blau ist die Lernkurve dargestellt, die im Gegensatz zu dem Verlauf des momentanen Wissensspeicherstandes (in rot und orange) auch die Nachhaltigkeit des vorhandenen Wissens beschreibt und im Mo- dell des Wassertanks somit abhängig von dem Grad der Ventilöffnung und der Häufigkeit der Aufgüsse (Wiederholungen) ist.

Leider bietet das derzeitige Lernsystem wenig Anreize, die Lerneinheiten zu wiederholen, um Übung zu erhalten. Anders ist dies bei den Studenten, die eine mündliche Nachprüfung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1.4: Ebbinghaussche Vergessenskurve (systematische Wiederholung) [Sta13c]

zu erwarten haben und daher das Wissen noch einmal auffrischen müssen, um es in der Prüfung abrufen zu können.

1.3 Das Problem der „Arbeitstiere“

Zu Anfang dieses Kapitels wurde das Thema „Ablenkung während der Arbeit“ ange- sprochen. Nicht jede Ablenkung ist so schlecht, wie es zunächst den Anschein hat. Im Falle von Vielarbeitenden werden Tätigkeiten, wie Spaziergänge oder das Aufräumen des Schreibtisches sogar empfohlen, um die Selbstmotivation zu erhöhen [Ols07]. Das natür- liche Streben nach seelischem Gleichgewicht bewegt uns sogar auf natürliche Weise zu Ausgleichshaltungen und leitet Veränderungen ein [LR13]. Das schützt vor den Folgen von Überlastung bei der Arbeit und kann im besten Fall dazu führen, seine kognitive Leistung maximal zu halten.

Voraussetzung ist es, die körpereigenen Signale zu erkennen und die Schutzmechanismen zuzulassen. Das ist nicht immer einfach, da Pausen in unserer Gesellschaft häufig negativ angesehen werden. Umfragen zufolge wünschen sich viele Deutsche mehr Zeit für Erholung [Sti12]. Kein Wunder, denn in einer nach wissenschaftlichen Erkenntnissen [Aut12a] belegt beschleunigten Welt zerrinnt uns die Zeit ständig „zwischen den Fingern“ [Ass06]. Ein Mindestmaß an Zeit für Erholung ist allerdings nötig, um auf Dauer leistungsfähig zu bleiben [Hag12]. Das hebt noch einmal den Stellenwert von Erholungspausen hervor, der für die Studierenden im Selbststudium wichtig ist und deren Dauer und Ausmaß diese eigenverantwortlich bestimmen.

1.4 Vertagung von Arbeit - Prokrastination

Bisher ging es um motivierte und produktiv arbeitende Menschen, deren Arbeitsantrieb größer oder gleich dem kognitiven Widerstand war, den diese bei Menschen auslösen kann. Welche Gründe führen dazu, dass bei bestimmten Personen-Aufgaben-Kombinationen Pausen und Ablenkung Überhand nehmen?

Beitragende Faktoren können z.B. fehlende Motivation, geringe Disziplin [Ols07] und die Unfähigkeit Prioritäten zu setzen [Ret10a] sein. Für die Betroffenen kann die zu erledi- gende Arbeit wenig reizvoll erscheinen und damit zur Qual werden [Pas08]. Sie werden müde, wenn sie sich mit der zugehörigen Materie beschäftigen und haben einen großen Drang nach Ablenkung [Pav05]. Tätigkeiten, die zuvor als unwichtig eingestuft wurden, werden plötzlich brennend interessant. Die Aufmerksamkeit auf solche „Nebentätigkeiten“ zu richten, kann eine Möglichkeit sein, seinem psychologischen Grundbedürfnis nach Sti- mulation [Bür13, Seite 24] nachzukommen. Andere schieben auf, weil sie mit der Arbeit überfordert sind [Pav05]. Und doch werden die Betroffenen durch die äußeren Umstände dazu gezwungen, die notwendigen Arbeiten - früher oder später - auszuführen.

Wie nennt man dieses Phänomen? Der Teufel hat einen Namen: „Prokrastination“. Das Wort stammt vom lateinischen procrastinatio ab und bedeutet „Vertagung“. Dabei handelt es sich um den bewussten Aufschub von Arbeit, die als notwendig, aber unangenehm empfunden wird. Drei Bedingungen müssen erfüllt sein, damit ein Verhalten als solches eingestuft werden kann [Aut13m]:

- „Kontraproduktivität,
- mangelnde Notwendigkeit
- und Verzögerung“

Das heißt im Umkehrschluss, dass Pausen, wenn sie zur Produktivität beitragen (siehe Abschnitt 1.3), noch kein prokrastinatives Verhalten darstellen. Das Problem und die Gefahr bei der Prokrastination ist, dass das Aufschieben von Lerninhalten dazu führen kann, dass die dem Studierenden zur Verfügung stehende Zeit nicht mehr ausreicht, um alle Lerninhalte mit dem angemessenen Maß an Gründlich- und Nachhaltigkeit zu einem bestimmten Zeitpunkt zu verinnerlichen. Die Folge kann bewusstes „Lernen auf Lücke“, Überforderung gegen Semesterende oder eine steile Vergessenskurve (siehe Abschnitt 1.2) sein, da die nötige Zeit für Wiederholungen fehlt.

Es ist nicht auszuschließen, dass es Studenten an der Hochschule Bremen gibt, die bei der Vorbereitung auf die Pflichtanwesenheitsstunden des Moduls „MATH1“ die geschilderten prokrastinativen Verhaltensweisen zeigen. Allgemein für Kolloquien gilt, dass dem Stu- denten Unangenehmes blüht, wenn die Vorbereitung nicht gründlich erfolgt. Zum einen können fachbezogene Fragen des Dozenten, die das Fähigkeitskonzept des Lernenden über- steigen, dazu führen, dass sich emotionale Reaktionen auf den Misserfolg einstellen, die im schlimmsten Fall sogar sein Verhalten lähmen können [KR, S. 5]. Das ist schlecht für die Motivation. Zum anderen ist ein negativer Einfluss auf die Notenfindung zu erwarten, wenn der Dozent im Gespräch feststellt, dass Grundlagenwissen unzureichend vorhanden ist. Die Motivation sinkt weiter: Ein „Teufelskreis“. Auch für Lehrende ist es ein nicht zufriedenstellendes Gefühl, wenn sich herausstellt, dass die aufgetragenen Hausarbeiten gar nicht oder nicht gründlich genug ausgeführt wurden. Eine erfolgreiche Vorbereitung des Studenten ist also ein gemeinsames Interesse von Lehrer und Lernendem.

Um die Volkskrankheit „Aufschieberitis“ zu bekämpfen und dem bereits erwähnten „Teufelskreis“ zu entfliehen, ist wahre Willenskraft notwendig. Der Psychologe Julius Kuhl unterscheidet zwischen fünf Komponenten dieser Kraft [Ret10b]:

- Aufmerksamkeitskontrolle. Personen mit starkem Willen handeln zielorientiert und lassen sich nicht ablenken, bis das Ziel erreicht wird.
- Emotionskontrolle. Emotionen, wie z.B. Frust, Traurigkeit oder Wut sind für die Motivation besonders schädlich. Solche Gefühle zu kontrollieren können Menschen mit hoher Volition [anderes Wort für „Willenskraft“ [Aut13p], MS] gut.
- Misserfolgsbewältigung. Es ist normal, dass man Enttäuschungen erlebt. Wichtig ist, dass sie den Betroffenen nicht davon abhalten, seine Ziele zu verfolgen.
- Umweltkontrolle. Störquellen, wie z.B. E-Mailprogramme, Telefone [oder offene Bürotüren, MS] werden von willensstarken Menschen versiegelt, um für eine bessere Arbeitsumgebung zu sorgen.
- Motivationskontrolle. Wenn das Durchhaltevermögen nachlässt, treibt man sich durch selbst gesteckte Anreize weiter an.

Die meisten der hier genannten Faktoren liegen in der Psychologie und dem Arbeitsverhal- ten des Studierenden und somit außerhalb des direkten Einflussbereichs der Hochschule Bremen. Durch Seminare oder Vorträge jedoch könnte man ein Bewusstsein und Tipps für den richtigen Umgang bei eigenverantwortlicher Arbeit vermitteln. Das ist besonders für Fernstudierende interessant, da diese die Fähigkeit des Selbstlernens fachübergreifend benötigen. Jedoch können zu der selbstauferlegten „Motivationskontrolle“ zusätzliche An- reize, die das Lernangebot bietet, zu einem verlängerten Durchhaltevermögen beim Lernen führen.

1.5 Fazit

1.5.1 Wie die Arbeit zum Flow-Erlebnis werden kann

Da es Befunde gibt, die dafür sprechen, dass das in Abschnitt 1.1 erläuterte „Flow- Erlebnis“ förderlich für den Lernzuwachs ist [Rhe04] und zugleich mit einem positiven Gefühl beim Studenten einhergeht, ist es erstrebenswert, dieses Erlebnis beim Studenten während des Lernens zu erzeugen. Dazu müssen die in Abschnitt 1.1 genannten Bedin- gungen erfüllt sein:

Die Bedingung „1. (b)“, die das Vorhandensein einer intrinsischen Motivation voraussetzt, ist vom Studenten abhängig und nicht pauschal zu erfüllen. Die zweite Bedingung, die die Fähigkeit voraussetzt, sich auf sein Tun konzentrieren zu können, ist abhängig von der

Konzentrationsfähigkeit des Studenten und vom Lernumfeld, das er auswählt. Da hier die Psychologie des Studierenden eine erhebliche Rolle spielt, kann ein „Flow-Erlebnis“ nicht durch die Hochschule Bremen forciert werden. Es ist jedoch von Interesse, alle Rahmenbedingungen, die durch das Lernangebot zu realisieren sind auch umzusetzen:

Die erste Bedingung, die fordert, dass die Aktivität deutliche Ziele hat, kann durch defi- nierte Lernziele oder durch konkrete Bedienungsanweisungen der einzelnen hypermedialen Elemente, die dem Nutzer vor der Verwendung angezeigt werden, erfüllt werden. Die Be- dingung „1. (a)“ verlangt eine direkte Rückmeldung von der ausgeübten Tätigkeit an den Studenten und führt zu der Erkenntnis, dass interaktive Elemente, die ein wechselseitiges Aufeinanderwirken [Tre12] von Student und Computer bewirken, besonders geeignet für den Einsatz im Selbststudium sind. Diese sind bei der Auswahl geeigneter Elemente für eine Linkliste z.B. gegenüber Videos oder Bildern, die nur einseitige Informationsübertra- gungen zulassen, vorzuziehen.

1.5.2 Wie Studenten aktiviert werden

Es ist nicht zu erwarten, dass die angebotenen hypermedialen Elemente mit interaktivem Charakter, die beim Selbstlernen unterstütztend eingesetzt werden sollen, zu einer Über- forderung (zu hohes Aktivierungsniveau) aufgrund zu hoher Reizdichte führen werden. Dies ist damit zu begründen, dass der Lernende die Lerneinheiten, die mit den einzuset- zenden Elementen verbunden sind, jederzeit wiederholen kann und das Tempo somit selbst bestimmt. Zu wissen, dass die Möglichkeit einer Wiederholung besteht, kann bereits be- ruhigend wirken. Dem Modell von Yerkson und Dodson (1.1) entsprechend, befindet sich der Arbeitspunkt dabei in einem Bereich, der für Aktivierungsniveaus kleiner gleich dem Optimalen definiert ist („Links des Leistungsmaximums“). Eine visuelle Darstellung mit höherer Reizdichte verspricht daher bei selbstgesteuertem Lerntempo, im Gegensatz zum fremdgesteuerten, einen höheren Lernerfolg, auch wenn eine längere Verarbeitungsdauer benötigt wird, um die Inhalte tiefgründig aufzunehmen [Eul92]. Es ist daher vorteilhaft, interaktive Elemente einzusetzen, die möglichst viele Sinne stimulieren, um das Aktivie- rungsniveau in Richtung Leistungsmaximum zu erhöhen. Das ist auch mit dem Wunsch nach Eintreten des „Flow-Erlebnisses“ komplementär, da dieses mit einer optimalen An- regung einhergeht.

1.5.3 Selbstlern-Seminare

Eine weitere Möglichkeit, damit sich die Studenten selbst aktivieren können, sind isometri- schen Übungen und Entspannungsübungen, wie z.B. die progressive Muskelentspannung, um die Aktivierung herabzusetzen, wenn der Abgabetermin mal wieder näher rückt und das Lerntempo eine Mindestgeschwindigkeit nicht unterschreiten darf. Da diese Techni- ken unter Studenten in der Regel wenig verbreitet sind, ist das Unterrichten dieser - wenn möglich mit praktischen Übungen verbunden - zu Beginn des Studiums erfolg- versprechend. Sich zu entspannen kann man üben und erlernen, sodass es in stressigen Situationen nicht viel Zeit beansprucht, sein Aktivierungsniveau wieder herunterzufah- ren. Ein Beispiel für die Lehre solcher Übungen ist die Lufthansa Flight Training GmbH, die bei der Verkehrspilotenausbildung im Fach „Human Performance and Limitations“ - unter Anderem unterrichtet durch den Hochschuldozenten Dominic Cardozo - bereits auf die Vermittlung solcher Methoden zur Aktivierungsregulierungen setzt. Weitere sinnvol- le Themen, die durch ein hochschulseitiges Seminar zum Thema „Selbststudium“ gelehrt werden können, sind z.B.:

- Selbstverantwortliches Arbeiten
- Ein guter Lernplan mit dem richtigen Dosieren und Verbringen von Pausen
- Der Weg zur Willenskraft, um dem „Teufelskreis“ der Prokrastination zu entfliehen Besondere Bedeutung erhalten diese Seminare in Bezug auf die mögliche Einführung von Fernstudiengängen an der Hochschule Bremen. Diese Seminare haben neben der Vermitt- lung von Kompetenzen für das Selbstlernen den Vorteil, die Studenten dieser Studiengänge zu einem Kennenlernen zusammenzuführen, bei denen sie erste Kontakte zu Mitstudenten knüpfen, mit denen sie möglicherweise im weiteren Studienverlauf hauptsächlich über das Internet kommunizieren werden.

1.5.4 Suchkriterien für die Internetrecherche

Aus den in diesem Kapitel diskutierten Gesichtspunkten lassen sich folgende Anforderungen an das zu beschaffene Lernmaterial zusammenfassen, die bei der Auswahl und Bewertung von hypermedialen Elementen berücksichtigt werden:

- Interaktivität: Das Lernobjekt soll in der Lage sein, dem Benutzer eine Rückmeldung entsprechend seiner Eingaben zu geben
- Roter Faden: Es soll eine Bedienungsanweisung oder klare Aufgaben geben, die mit dem Lernelement verbunden sind
- Reizdichte: Die Ausgestaltung soll zu einer möglichst starken Aktivierung des Benutzers beitragen

Kapitel 2 Rechtliches

Im Folgenden wird die rechtliche Situation zum Veröffentlichen einer Hyperlinkliste quan- titativ untersucht. Dies dient der Abschätzung, ob eine Linkliste, die auf externes Lern- angebot verweist und den Studierenden seitens der Hochschule Bremen zur Verfügung gestellt wird, rechtlich generell möglich ist. Da es eine große Zahl von Rechten gibt, gegen die man verstoßen kann und eine Vielzahl von Variablen (denkbar ist z.B. die Darstellung des Links in einem Kontext, der dazu führt, dass das Angebot der Fremdseite diskriminiert wird), ist die Frage nach der Zulässigkeit des Verlinkens dabei nicht grundsätzlich und schematisch zu beantworten. Aus der Fachzeitschrift „JurPC“ geht hervor, dass fallspezi- fisch eine genaue Analyse des konkreten Verhaltens, das einen Rechtsverstoß begründen soll, nötig ist [Sta13a, Abs. 8].

Bei der Beurteilung der rechtlichen Zulässigkeit ist im Weiteren zwischen der Frage des Setzens eines Hyperlinks im Allgemeinen und zwischen der Frage nach der Haftbarkeit für den Inhalt der verlinkten Seite zu unterscheiden. Dieses Kapitel erläutert die Verwertungs- rechte von Urhebern im Allgemeinen, wendet diese auf das Setzen von Hyperlinks an und untersucht die daraus resultierenden, möglichen Probleme. In einem weiteren Abschnitt wird die Haftung für die Verlinkung mit rechtswidrigen Inhalten untersucht.

2.1 Verwertungsrechte

Das Urheberrechtsgesetz beruht auf Verwertungsrechten, die die Schöpfer von Werken der Literatur, Wissenschaft und Kunst genießen [Jus66]. In Abbildung 2.1 sind die für das Setzen von Hyperlinks relevanten Rechte aufgeführt.

2.1.1 Vervielfältigungsrecht

„(1) Das Vervielfältigungsrecht ist das Recht, Vervielfältigungsstücke des Werkes herzu- stellen, gleichviel ob vorübergehend oder dauerhaft, in welchem Verfahren und in welcher Zahl.

2 Rechtliches

Abbildung 2.1: Verwertungsrechte als Geltungsansprüche aus dem Urheberrechtsgesetz

(2) Eine Vervielfältigung ist auch die Übertragung des Werkes auf Vorrichtungen zur wiederholbaren Wiedergabe von Bild- oder Tonfolgen (Bild- oder Tonträger), gleichviel, ob es sich um die Aufnahme einer Wiedergabe des Werkes auf einen Bild- oder Tonträger oder um die Übertragung des Werkes von einem Bild- oder Tonträger auf einen anderen handelt.“ [Jus66, § 16]

2.1.2 Verbreitungsrecht

„(1) Das Verbreitungsrecht ist das Recht, das Original oder Vervielfältigungsstücke des Werkes der Öffentlichkeit anzubieten oder in Verkehr zu bringen.
(2) Sind das Original oder Vervielfältigungsstücke des Werkes mit Zustimmung des zur Verbreitung Berechtigten im Gebiet der Europäischen Union oder eines anderen Ver- tragsstaates des Abkommens über den Europäischen Wirtschaftsraum im Wege der Ver- äußerung in Verkehr gebracht worden, so ist ihre Weiterverbreitung mit Ausnahme der Vermietung zulässig.
(3) Vermietung im Sinne der Vorschriften dieses Gesetzes ist die zeitlich begrenzte, unmittelbar oder mittelbar Erwerbszwecken dienende Gebrauchsüberlassung. Als Vermietung gilt jedoch nicht die Überlassung von Originalen oder Vervielfältigungsstücken

1. von Bauwerken und Werken der angewandten Kunst oder
2. im Rahmen eines Arbeits- oder Dienstverhältnisses zu dem ausschließlichen Zweck, bei der Erfüllung von Verpflichtungen aus dem Arbeits- oder Dienstverhältnis be- nutzt zu werden.“ [Jus66, § 17]

2.1.3 Bearbeitungen und Umgestaltungen

„Bearbeitungen oder andere Umgestaltungen des Werkes dürfen nur mit Einwilligung des Urhebers des bearbeiteten oder umgestalteten Werkes veröffentlicht oder verwertet werden.“ [Jus66, § 23]

2.2 Definitionen

Zum besseren Verständnis des Abschnittes bedarf es einiger Definitionen. Allgemein unterscheidet man zwischen den folgenden Arten von Hyperlinks:

- Surface-Link: Dieser Link führt zur Startseite einer Webseite, die beim Aufruf der Domain erscheint. Der Nutzer muss diesen Link selber aktiv anklicken, um das fremde Webangebot zu nutzen.
- Deep-Link: Hier wird direkt zu einer bestimmten Seite innerhalb der Webseitenstruktur verwiesen, ohne zuvor die Startseite passieren zu müssen. Auch hier muss der Nutzer durch Anklicken des Links aktiv werden.
- Inline-Link: In diesem Fall werden Elemente einer fremden Webseite in die eigene integriert. Für den Nutzer ist somit nicht direkt ersichtlich, dass diese Elemente von einer fremden Seite stammen. Es bedarf auch keiner aktivierenden Tätigkeit, um die Elemente herunterzuladen.
- Framing: Ist im Gegensatz zum Inline-Link nicht das Einbetten von einzelnen Elementen, sondern das Einbetten einer kompletten Webseite in eine andere. Dies geschieht in sogenannten „Frames“, also einem Rahmen, in dem die Seite eingebunden ist. Wie beim Inline-Link bedarf es keiner aktivierenden Tätigkeit, um das „Frame“ anzuzeigen und auch hier ist dem Nutzer nicht direkt ersichtlich, dass es sich um Elemente einer fremden Seite handelt.

Ein weiterer Begriff, der in der Justiz verwendet wird, ist die

- wettbewerbliche Eigenart: Die wettbewerbliche Eigenart ist ein besonderes Merkmal eines Produktes, das ein Konkurrenzprodukt nicht ohne weiteres besitzen darf [Aut12c], um beispielsweise eine unlautere Verwechslung der Anbieter (Verwechslung mit dem „Original“) zu unterbinden [Jus04, § 4, Abs. 9].

2.3 Rechtslage beim Setzen von Hyperlinks

Zur Diskussion steht, ob sich die Hochschule Bremen durch das Verlinken von externem Lernangebot im juristischen Sinne „mit fremden Federn schmückt“ oder ob diese Links im geltenden Rechtsverständnis als Hinweis zu Werken fremder Urheber interpretiert wer- den können. Im Folgenden werden die entscheidenden Punkte eines Artikels der Anwälte Bettinger, Schneider und Schramm [TB13] zu diesem Thema zusammengefasst.

2.3.1 Surface- und Deep-Links

Höchstrichterlich geklärt ist die Zulässigkeit von Surface- und Deep-Links. Das Setzen eines Links selbst ist demnach noch keine Übernahme einer fremden Leistung, da der Link nichts anderes ist, als ein Verweis auf das Angebot einer fremden Webseite. Der Betreiber dieser fremden Seite bleibt weiterhin der Anbieter und steuert die Verfügbarkeit seiner Leistung. Das Setzen eines Links ist auch dann zulässig, wenn dem fremden Betreiber wegen eines Deep-Links zu seiner Seite Verluste entstehen, da der Verbraucher weniger Seiten des Gesamtangebots auf dem Weg zum gewünschten Inhalt durchquert und somit möglicherweise auch weniger Werbung konsumiert.

Wer dieses als Webseitenbetreiber nicht in Kauf nehmen möchte, kann Deep-Links im übrigen technisch, beispielsweise bei den meisten Webservern über die „hypertext access“Konfigurationsdatei [Aut13f], verhindern [Die13].

2.3.2 Framing und Inline-Linking

Anders ist die rechtliche Situation beim Framing und Inline-Linking. Für den Fall, dass es sich bei dem „Einbetten“ um urheberrechtlich geschützte Inhalte handelt, kann dies einen Verstoß gegen das Urheberrechtsgesetz darstellen. Obwohl der Verlinkende dabei keine Dateien auf seinem eigenen Rechner speichert, sondern der Nutzer die verlinkten Inhalte direkt von dem fremden Server herunterlädt, wird dies wie eine Verfielfältigung des Verlinkenden bewertet, da die Quelle für den Nutzer nicht direkt ersichtlich ist. In diesem Fall muss die Einwilligung des Urhebers eingeholt werden. Fehlt die Angabe des Urhebers, oder wird diese unkenntlich gemacht, kann Vorgeworfen werden, das Recht auf Anerkennung der Urheberschaft gemäß [Jus66, § 13], das Verbot der Entstellung gemäß [Jus66, § 14] oder das Bearbeitungsrecht [Jus66, § 23] verletzt zu haben. Handelt der Ver- linkende geschäftlich und macht sich fremde Inhalte mit einer wettbewerblichen Eigenart ohne Zustimmung zueigen [Jus04, § 4, Nr. 9] oder ist Irreführung [Jus04, § 5] nachweisbar, kann unlauter Wettbewerb vorgeworfen werden.

Voraussetzungen, die erfüllt sein müssen, um einer wettbewerblichen Eigenart zu entsprechen, können einer Auflistung von Rechtsprechungen im Computerlexikon „ipwiki“ für Juristen entnommen werden [Aut12b].

2.3.3 Haftungsfrage bei der Verlinkung von Webseiten mit rechtswidrigen Inhalten

Da verlinkte Webseiten unter der Kontrolle fremder Webmaster stehen, die den Inhalt ihrer Seite bestimmen und kurzfristig ändern können, wäre es ein erheblicher Aufwand für die Hochschule Bremen, diese Änderungen zu überwachen und auf rechtmäßigkeit zu kontrollieren. Es stellt sich daher die Frage, ob der Verlinkende Haftung für die rechtmäßigkeit der Inhalte fremder Webseiten übernimmt.

Das Oberlandesgericht (OLG) München stellt in einem Urteil [Obe08b] klar, dass es eine Prüfungspflicht für Hyperlinks beim Setzen und zur Aufrechterhaltung dieser gibt, die jedoch keine regelmäßige nachträgliche Überprüfung erfordert, sondern jediglich dann be- steht, wenn der Verlinkende von einer Rechtsverletzung erfährt oder besondere Umstände vorliegen (z.B. auf Verlangen des Betroffenen) [Rät13]. In einem anderen Urteil des Bun- desgerichtshofs [Bun04], ging es darum, dass eine journalistische Webseite einen Link zu einer rechtswidrigen Seite veröffentlichte. Der Fall wurde zugunsten der Journalistin entschieden, da das Argument der Pressefreiheit [Par49, Art. 5 Abs. 1] angewendet werden konnte. Interessant dabei ist der abschließende Satz des Urteils, welcher ihre Unbescholtenheit und die Wertigkeit der Grundrechte nochmals unterstreicht:

„Im Hinblick auf die Meinungs- und Pressefreiheit [...] war die Beklagte [...] nicht verpflichtet, das Setzen des Hyperlinks bereits deshalb zu unterlassen, weil sie nach zumutbarer Prüfung nicht ausschließen konnte, daß sie damit [...] strafbares Tun unterstützt.“

Da die zu erstellende Linkliste im Rahmen der Lehre eingesetzt werden wird und die Freiheit der Lehre, analog zur Pressefreiheit, ein Grundrecht nach [Par49, Art. 5 Abs. 1] ist, ist davon auszugehen, dass mögliche zukünftige richterliche Verfahren, die dem genannten Prozess ähnlich sind, zu einem vergleichbaren Urteil führen.

2.3.4 Freie Lizenzen

Eine Möglichkeit, die Verwertungsrechte aus Abschnitt §2.1 vom Urheber an jemand Anderes (Lizenznehmer) zu übertragen, sind Lizenzverträge. Eine Form davon sind freie Lizenzverträge, die sich pauschal an jedermann richten. Diese sind üblicherweise so formuliert, dass mit der Wahrnehmung der eingeräumten Rechte ein Vertrag zwischen Urheber und Lizenznehmer abgeschlossen wird [Aut13j]. Um es für Urheber einfacher zu gestalten, bestimmte Nutzungsrechte an den eigenen Werken der Allgemeinheit einzuräumen, gibt es unterschiedliche, standardisierte Lizenzverträge. Ein Anbieter solcher Verträge ist die gemeinnützige Organisation „Creative Commons“. Diese bietet eine besonders vereinfachte Darstellung dieser Verträge an, sodass sie auch für Leihen verständlich sind. Ein Beispiel für solch eine Darstellung ist in Abbildung 2.2 dargestellt.

2.4 Empfehlungen und Bewertung

Die Rechtslage über die Zulässigkeit einer Hyperlinkliste kann, wie in der Einleitung dieses Kapitels bereits erwähnt, nicht allgemeingültig geklärt werden. Bei den Recherchen konnten keine Urteile ausfindig gemacht werden, die genau den hier zu untersuchenden Fall, nämlich den Zusammenhang zwischen Hyperlinks und Lehre, diskutieren. In diesem Abschnitt werden Empfehlungen und ein Fazit über die untersuchten Rechtsgebiete in Bezug auf die Erstellung einer Linkliste gegeben.

Beim Verwenden von Framing und Inline-Linking wird - um in Bezug auf das Urheber- rechtsgesetz sicher zu gehen - empfohlen, eine Zustimmung des Autors für die Verlinkung seiner Inhalten einzuholen. Dies ist nicht nötig, falls die als Inline-Link eingebundenen Ele- mente Bestandteil eines Lizenzvertrags sind, der das Vervielfältigen ausdrücklich erlaubt. Da beide Verlinkungsmethoden gegenüber dem Surface- und Deep-Link aus rechtlicher Sicht mehr Unsicherheiten hinsichtlich der Verwertungsrechte bergen, ist es zu empfehlen, bei der Erstellung einer Linkliste vorrangig Deep- und Surface-Links zu verwenden.

[...]

Ende der Leseprobe aus 81 Seiten

Details

Titel
Hypermediale Weiterentwicklung von Lern- und Übungsmaterialien der Hochschule Bremen
Hochschule
Hochschule Bremen
Veranstaltung
Mathematik 1
Note
1,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
81
Katalognummer
V270163
ISBN (eBook)
9783656610137
ISBN (Buch)
9783656610083
Dateigröße
8003 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
hypermediale, weiterentwicklung, lern-, übungsmaterialien, hochschule, bremen
Arbeit zitieren
Malte Sommer (Autor), 2013, Hypermediale Weiterentwicklung von Lern- und Übungsmaterialien der Hochschule Bremen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/270163

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Hypermediale Weiterentwicklung von Lern- und Übungsmaterialien der Hochschule Bremen


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden