Meister Eckhart. Die abendländische Tradition der Mystologie


Seminararbeit, 2013

15 Seiten, Note: Befriedigend


Leseprobe

Inhalt

Einleitung

Eckhart und Averroes

Eckhart und Avicenna

Abendländische Tradition der Mystikforschung
Grundlegendes: Definitionen der Mystik– Typen
Einbettung in die aktuelle Mystologie

Resümee:

Literaturverzeichnis

Einleitung

In der vorliegenden wissenschaftlichen Arbeit wird nicht nur der Dominikanergelehrte und mystisch-philosophische Autor mittelhochdeutscher und mittellateinischer Literatur, nämlich Meister Eckhart und sein Werk beleuchtet, sondern auch die abendländische Tradition näher betrachtet. Gott ist für Meister Eckhart das Sein. Wie diese Hinwendung zur passiven Erfahrung und diese antiintellektuelle Richtung Eckharts Denken bestimmt und was in seinem Johanneskommentar steht, sind Aspekte die hier zur Sprache kommen. Die wesentliche Frage in diesem Kapitel zu Beginn wird lauten: Was ist Mystik. Welche Typen von Mystik gibt es. Meister Eckhart wird zum gnostischen Typ der Mystik gerechnet. Ein Hinausgehen über den abendländischen Kontext wird allerdings auch gewagt, so wird Meister Eckhart gleich zu Beginn mit Averroes verglichen, weil hier die Ähnlichkeiten überwiegend sind.

Eckhart und Averroes

Eckhart (um 1260- 1328) habe Ähnlichkeiten mit den arabischsprachigen Traktaten des Averroes (1126-1198), Gott, Geist sowie Offenbarungswahrheit verstand der spätere Dominikanergelehrte anders als der frühere Gelehrte.

Eckharts Werk liegt „auf der Linie von Alberts Gottessohnschaft des Intellekts nach Homer, Hermes und Averroes, die Dietrich [von Freiberg] im Anschluß an Averroes und an die Theorie des menschlichen Geistes in Augustins De Trinitate formal ausgearbeitet hatte.“ (zit. n. Flasch, K.: Meister Eckhart. Die Geburt der „Deutschen Mystik“ aus dem Geist der arabischen Philosophie. München 2006. S. 112-138. Hier: S. 112).

Was den Intellekt betrifft, so gehe dieser aus seinem ihm immanenten Grund hervor.

Bei Dietrich von Freiberg finden sich genau dieselben Lehren:

- Geistiges Erkennen vor dem Sein
- Seinslosigkeit des Akzidens
- Beschränkung der Effizienz- und Finalkausalität auf die Physik und ihr Ausschluss aus der Metaphysik
- eine merkwürdige Theorie der Zeit und der Relation, die Grabmann als deren Subjektivierung missverstanden habe

Die Probleme der Lebensführung und Bibelkommentare sind stärker in Eckharts Werken als in jenen Dietrichs.

Die aristotelisch-averroistische Lehre lautet, dass der Intellekt identisch mit seinem Inhalt werde, so wie das Auge identisch wird mit dem Holz, das es erblickt. Diese Voraussetzungen sind schon in Dietrichs Texten gegeben. Bei Eckhart geht es um eine „identische Einheit von Gott und Mensch, sofern der Mensch gerecht ist.“ (zit. n. ebd. S. 114). Identität des Gerechten mit der Gerechtigkeit ist seine zentrale Idee.

Seine Ethik der Gelassenheit ist wesentlich; sie besagt, dass der Intellekt nichts von allem sein dürfe, um alles zu erfassen.

Eckhart hat das Thema, des menschlichen Intellekts von Averroes: Dieser „sei als unterste in der Rangordnung der Intellekte auf sinnliche Erfahrung und Vorstellungsbilder angewiesen.“ Bedeutend ist Eckharts Metaphysik: „Gott ist das Sein, Deus est esse.“ (zit. n. ebd. S. 116). Diese Betonung passiver Erfahrung ist kennzeichnend für Meister Eckhart. Gemeint ist eine antiintellektuelle Richtung.

In christlicher Tradition stehend, war es für den Dominikanermönch naheliegend einen Johanneskommentar zu schreiben: Hier ist der Zusammenhang von Erkenntnis und Liebe im menschlichen Geist relevant; diese Aussage ist wiederum von Augustins Texten. Die ganze Natur (oder die Naturdinge) werde von Intellekten geführt schrieb schon Averroes. Naturdinge seien teleologisch angeordnet, denn sie seien von erkennenden Wesen geleitet > die Wesensbestimmung „wahr“ ist grundlegender als die Wesensbestimmung „gut“: ratio veri prior est et simplicior quam ratio boni. Die Wesensbestimmung des Guten existiere im Intellekt und nicht in den Dingen selbst. Vorrang des Intellekts vor dem Willen wird von Eckhart formuliert. > Lehre von der Gerechtigkeit im Gerechten, iustitia –iustus. Er zeigt, wie das Johnnesevangelium die Wahrheit der Philosophen enthält. Das ist ein Punkt der dominikanischen Ordensdoktrin.

Aristotelische Einheit der substantialen Form (lat.: forma) ist weiterer Lehrpunkt: „Jedes Seiende ist seiend durch einen Einheitsgrund, und dieser ist die forma.“ (zit. n. ebd. S. 117). Form und Stoff durchdringen einander. Bsp.: Heilige Schrift: am Anfang hat Gott Himmel und Erde erschaffen (Genesis) meint dasselbe, nämlich dass Form und Stoff sich wesentlich aufeinander beziehen.

Wesensgestalt (forma): ist Grund der Einheit und Aktivität. Stoff: sei Prinzip der Vielheit. Averroes und das Johannesevangelium werden hier einbezogen. Averroes meint dazu:

„Das Bad, das in der Seele ist, also das erkannte und ersehnte Bad, wäre, wenn es keine Materie gäbe, identisch mit dem Bad in der Außenwelt.“

Die Wesensform steht über dem Stoff! Sie wird nun in der Außenwelt nicht mehr in sich selbst leuchten, sondern in einem anderen Stoff (Materie). Aus diesem Grund, argumentiert Eckhart steht im Johannesevangelium:

„Das Licht leuchtet in der Finsternis.“ (zit. n. ebd. S. 118).

Die Lehre des Averroes über die Identität des Erkennenden mit dem Erkannten ist weiters wichtig für Eckharts Schrifttum.

Eckhart und Avicenna

Eckhart geht weg von der c oniunctio - Theorie hin zu Averroes‘ Theorie über die Unio von Vernunft und ihren Inhalt. Vor Averroes sind noch die arabischsprachigen Denker Alkindi (gest. 873 n. Chr.) und Alfarabi (gest. 950 n. Chr.) wichtig. Avicenna (gest. 1037) hat die neuplatonische Orientierung des Alkindi mit Peripatismus des Alfarabi verknüpft. „Peripatismus“ meint mit de Libera und Flasch einen Aristotelismus, der von Neoplatonismus aber nicht nur von dieser philosophischen Richtung Motive hat.

Avicennas „Erste Philosophie oder Göttliche Wissenschaft“, kurz „Metaphysik“ ist ein selbständiger Neuentwurf, der neoplatonisierend über Aristoteles hinausging. Neuer Begriff der Erstbegründung der Welt oder der Erschaffung; der Begriff der „Ersten Ursache“ wird von ihm als „das Notwendige Sein, das necesse esse, dessen Selbsterkenntnis eine Reihe von Geistwesen begründe, die ihrerseits die Himmelsseelen aus sich entlassen.“ (zit. n. ebd. S. 123).

Seelentheorie (vgl. ebd. S. 123): Avicenna hat diese systematischer als Aristoteles und die Medizin immer berücksichtigend angelegt; Metaphysik korrigierend und abwehrend gegenüber islamischer Theologie. Zusätzliche Themen, über die Avicenna geschrieben hat, sind: Seelenunsterblichkeit, Eschatologie und Prophetie. Anti-Avicennismus mit Ibn Bajja (gest. 1139) in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts in Andalusien hat sich formiert; die Gegnerschaft ist stärker aristotelisierend.

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Meister Eckhart. Die abendländische Tradition der Mystologie
Hochschule
Universität Wien  (Philosophie)
Veranstaltung
SE Philosophie: SE Ethik der Philosophie - Ethik der Religion - Gemeinsame Wurzel, unterschiedliche Entwicklung der philosophischen Ethik im Kontext der religiösen Kulturen des Mittelalters SS 2013
Note
Befriedigend
Autor
Jahr
2013
Seiten
15
Katalognummer
V270208
ISBN (eBook)
9783656615347
ISBN (Buch)
9783656615330
Dateigröße
593 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Meister Eckhart, Mystik, Averroes, Avicenna, Mystologie, Mystiktypen
Arbeit zitieren
Natalie Raffetzeder (Autor), 2013, Meister Eckhart. Die abendländische Tradition der Mystologie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/270208

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