In Theorie und Praxis besteht weitestgehend Konsens darüber, dass sich die Unternehmensführung strategisch am übergeordneten Ziel einer langfristigen Existenzsicherung orientierten sollte, um auf diese Weise langfristig den Unternehmenserfolg sicherzustellen. Im Sinne einer wertorientierten Unternehmensführung bildet somit der Unternehmenswert das wichtigste strategische Finanzziel, um das Oberziel der langfristigen Existenz- und Erfolgssicherung eines Unternehmens zu gewährleisten.
Mit dem Konzept der Marktwertorientierung findet eine Verlagerung der Gewichtung der Ziele der internen Unternehmensrechnung statt. Allgemein lassen sich Planung, (Verhaltens-)Steuerung und Kontrolle als maßgebliche Ziele der internen Unternehmensrechnung auffassen. Bedingt durch die stärkere Gewichtung der Verhaltenssteuerung rückt die Problematik der Prinzipal-Agenten-Theorie in den Fokus der Betrachtung. Aufgrund der Trennung von Eigentum und Verfügungsgewalt können vonseiten des Entscheidungsträgers (Managers) Anreizprobleme entstehen, sich im Sinne des obersten strategischen Ziels der Unternehmenswertsteigerung zu verhalten. Diese Anreizprobleme entstehen vor dem Hintergrund, dass Entscheidungsträger, ebenso wie alle anderen Individuen, im Eigeninteresse agieren und ihre persönlichen Ziele den Zielen der Shareholder überordnen. Das primäre Ziel eines jeden Anteilseigners erscheint nachvollziehbar darin zu liegen, dass durch entsprechendes Agieren des Entscheidungsträgers sein in das Unternehmen investiertes Kapital angemessen verzinst wird und somit für ihn ein Wertzuwachs entsteht. Es wird sich zeigen, dass dieser Wert nur entsteht, wenn die angesprochene Verzinsung die Kapitalkosten des Unternehmens übersteigt. Die Entscheidungsträger sind somit angehalten, Investitionsprojekte zu realisieren, die einen positiven Kapitalwert aufweisen, um eine Unternehmenswertsteigerung zu generieren.
Im Zusammenhang mit einer wertorientierten Steuerung von Entscheidungen ist die Gestaltung von Kontroll- und Anreizsystemen zu sehen, die zur Steuerung des Informations- und Entscheidungsverhaltens beitragen. Große Popularität findet diesbezüglich das Konzept des Economic Value Added (EVA), das von dessen Verfechtern als überlegenes Konzept hinsichtlich einer wertorientierten Verhaltenssteuerung gesehen wird. Ziel dieser Arbeit ist es, dieses Konzept hinsichtlich seiner Eignung als Instrument zur Verhaltenssteuerung kritisch zu untersuchen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung der Arbeit
1.2 Aufbau der Arbeit
2 Wertsteigerung als Handlungsziel
3 Agencytheoretische Analyse als Grundlage für das Auftreten von Anreiz- und Kontrollproblemen
3.1 Die Beziehung zwischen Prinzipal und Agent
3.2 Informationsasymmetrie als Ursache für das Auftreten von Verhaltensunsicherheit und Interessensdirvergenzen
4 Anreiz und Kontrolle als Instrument der Verhaltenssteuerung
4.1 Elemente eines Anreiz- und Belohnungssystems
4.1.1 Belohnungsart
4.1.2 Bemessungsgrundlagen
4.1.3 Belohnungsfunktion
4.2 Anforderungen an Belohnungssysteme
4.2.1 Intersubjektive Beobachtbarkeit / Verifizierbarkeit
4.2.1 Optimale Risikoteilung
4.2.2 Effizienz/ Effektivität/ Wirtschaftlichkeit
4.2.3 Anreizkompatibilität
4.3 Beurteilungskriterien für Bemessungsgrundlagen
4.3.1 Zielkongruenz (Zielkonsistenz)
4.3.2 Barwertidentität und Barwertkompatibilität
4.3.3 Entscheidungsverbundenheit bzw. Controllability
4.3.4 Manipulationsresistenz
4.3.5 Vergleichbarkeit
5 Kennzahlenbasierte Entlohnungssysteme
5.1 Konzeptionelle Grundlagen und Aufgaben von wertorientierten Kennzahlen
5.2 Grundlegende Anforderungen im Rahmen der Verhaltenssteuerung
5.3 Wertbeitragskennzahlen
5.3.1 Residualgewinnkonzept am Beispiel des Economic Value Added
5.3.2 Lücke-Theorem
5.3.3 Erfassung der Wertsteigerung
6 Der EVA als Instrument der Verhaltenssteuerung
6.1 Konzeptionelle Grundlagen
6.2 Modifikationen des EVA-Konzepts
6.2.1 Ziele der Modifikationen
6.2.2 Modifikationen beim Gewinn- und Vermögensausweis
6.2.2.1 Operating Conversions
6.2.2.2 Funding Conversions
6.2.2.3 Shareholder Conversions
6.3 Das EVA-Bonussystem
6.3.1 Bonusformel
6.3.2 Bonusbank
6.4 Beurteilung des EVA-Konzepts als Instrument der Verhaltenssteuerung
6.4.1 Problematik einzelner Conversions des Periodenerfolgs
6.4.2 Problematik des Bonussystems
6.5 Zusammenfassende Beurteilung des EVA-Konzepts
7 Zusammenfassung und abschließendes Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht kritisch die Eignung des Economic Value Added (EVA) als Instrument zur Verhaltenssteuerung von Entscheidungsträgern. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwiefern das EVA-Konzept Anreizprobleme zwischen Anteilseignern und Management lösen kann und ob es den theoretischen Anforderungen an ein anreizkompatibles System gerecht wird.
- Grundlagen wertorientierter Unternehmensführung und Shareholder-Value-Orientierung
- Agencytheoretische Analyse von Anreiz- und Kontrollproblemen
- Konzeptionelle Anforderungen an Anreiz- und Belohnungssysteme
- Kritische Würdigung des EVA-Konzepts als Steuerungsinstrument
Auszug aus dem Buch
1.1 Problemstellung und Zielsetzung der Arbeit
In Theorie und Praxis besteht weitestgehend Konsens darüber, dass sich die Unternehmensführung strategisch am übergeordneten Ziel einer langfristigen Existenzsicherung orientierten sollte, um auf diese Weise langfristig den Unternehmenserfolg sicherzustellen. Im Sinne einer wertorientierten Unternehmensführung bildet somit der Unternehmenswert das wichtigste strategische Finanzziel, um das Oberziel der langfristigen Existenz- und Erfolgssicherung eines Unternehmens zu gewährleisten. Obwohl es sich beim Unternehmenswert um eine monetäre Größe handelt, die sich primär an den Interessen der Shareholder ausrichtet, wird dieses strategische Ziel von weiteren Sach- und Sozialzielen begleitet, so dass auf diesem Wege die Interessen aller Interessengruppen (Stakeholder) Berücksichtigung finden.
Mit dem Konzept der Marktwertorientierung findet eine Verlagerung der Gewichtung der Ziele der internen Unternehmensrechnung statt. Allgemein lassen sich Planung, (Verhaltens-)Steuerung und Kontrolle als maßgebliche Ziele der internen Unternehmensrechnung auffassen. Bedingt durch die stärkere Gewichtung der Verhaltenssteuerung rückt die Problematik der Prinzipal-Agenten-Theorie in den Fokus der Betrachtung. Aufgrund der Trennung von Eigentum und Verfügungsgewalt können vonseiten des Entscheidungsträgers (Managers) Anreizprobleme entstehen, sich im Sinne des obersten strategischen Ziels der Unternehmenswertsteigerung zu verhalten. Diese Anreizprobleme entstehen vor dem Hintergrund, dass Entscheidungsträger, ebenso wie alle anderen Individuen, im Eigeninteresse agieren und ihre persönlichen Ziele den Zielen der Shareholder überordnen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der wertorientierten Unternehmensführung ein und definiert das Ziel der Arbeit, das EVA-Konzept kritisch auf seine Eignung als Instrument zur Verhaltenssteuerung zu prüfen.
2 Wertsteigerung als Handlungsziel: Das Kapitel begründet, warum die Maximierung des Unternehmenswerts als das primäre Ziel einer wertorientierten Unternehmensführung anzusehen ist.
3 Agencytheoretische Analyse als Grundlage für das Auftreten von Anreiz- und Kontrollproblemen: Hier werden die durch die Trennung von Eigentum und Verfügungsgewalt entstehenden Interessenkonflikte und Informationsasymmetrien zwischen Prinzipalen und Agenten analysiert.
4 Anreiz und Kontrolle als Instrument der Verhaltenssteuerung: Es werden die notwendigen Elemente eines Anreizsystems erläutert und Kriterien definiert, die eine Bemessungsgrundlage erfüllen muss, um eine zielkonforme Verhaltenssteuerung zu gewährleisten.
5 Kennzahlenbasierte Entlohnungssysteme: Dieses Kapitel diskutiert die Anforderungen an wertorientierte Kennzahlen und stellt das Residualgewinnkonzept als Basis für leistungsabhängige Entlohnung vor.
6 Der EVA als Instrument der Verhaltenssteuerung: Der Hauptteil analysiert detailliert die Konzeption des EVA-Konzepts, die notwendigen Modifikationen (Conversions) sowie das zugehörige Bonussystem und bewertet diese kritisch anhand der zuvor definierten Kriterien.
7 Zusammenfassung und abschließendes Fazit: Die Arbeit schließt mit einer kritischen Würdigung, in der die Ergebnisse zusammengeführt werden und der EVA als Instrument der Verhaltenssteuerung in der Realität als ungeeignet eingestuft wird.
Schlüsselwörter
Economic Value Added, EVA, Verhaltenssteuerung, Anreizsysteme, Shareholder Value, Agency-Theorie, Residualgewinn, Bemessungsgrundlage, Anreizkompatibilität, Bonusbank, Unternehmenswertsteigerung, Prinzipal-Agent-Beziehung, Unternehmensführung, wertorientiertes Management, Erfolgsbeteiligung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Economic Value Added (EVA) Konzept und seine Wirksamkeit als Instrument zur Steuerung von Entscheidungsträgern innerhalb eines Unternehmens mit Fokus auf wertorientierte Anreizsysteme.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Arbeit verknüpft die Prinzipal-Agenten-Theorie mit der praktischen Gestaltung von Entlohnungssystemen und bewertet, ob der EVA die Anforderungen an eine anreizkompatible Verhaltenssteuerung erfüllt.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist die kritische Prüfung, ob das EVA-Konzept dazu in der Lage ist, die Interessen von Management und Anteilseignern in Einklang zu bringen und so zu einer Steigerung des Unternehmenswerts zu führen.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?
Die Arbeit nutzt eine theoretisch-analytische Methode, wobei agencytheoretische Ansätze und kapitalmarktorientierte Bewertungsmodelle herangezogen werden, um das EVA-Konzept und seine Modifikationen zu evaluieren.
Welche Inhalte stehen im Hauptteil der Arbeit im Vordergrund?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die theoretischen Anforderungen an Bemessungsgrundlagen, die Definition und Anwendung von Conversions im EVA-Modell sowie die Funktionsweise und Problematik des dazugehörigen Bonussystems.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung am besten?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie EVA, Verhaltenssteuerung, Anreizkompatibilität, Residualgewinn, Agency-Theorie und Shareholder Value definiert.
Warum wird im EVA-Konzept die "Bonusbank" so kritisch betrachtet?
Die Autorin kritisiert, dass das Bonusbanksystem die Anreizprobleme eher verstärken kann, da die fehlende Verzinsung des Guthabens zu Fehlanreizen führt und das System nicht der zeitlichen Entscheidungsverbundenheit genügt.
Was ist das Fazit der Arbeit hinsichtlich der Praxistauglichkeit des EVA?
Das Fazit lautet, dass der EVA als Instrument der Verhaltenssteuerung in der Realität ungeeignet ist, da er komplexe Anreizprobleme nicht lösen kann und anfällig für Manipulationsspielräume bleibt.
- Arbeit zitieren
- Pia Babucke (Autor:in), 2013, Economic Value Added als Instrument der Verhaltenssteuerung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/270214