Der Soziologe Max Weber


Hausarbeit, 2004
29 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Lebenslauf

3. Verständnis der Soziologie nach Weber
3.1 „Verstehende Soziologie“
3.2 Der Sinnbegriff
3.3 Typologien des Handelns
3.4 „Soziale Beziehung“
3.5 Macht, Herrschaft, Disziplin, Autorität
3.6 Das Werturteilfreiheitspostulat

4 Die Protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus

5. Fazit

6. Literaturangaben:

1. Einleitung

Es ist, wie so oft, nicht einfach für einen gewöhnlichen Studenten über eine der größten deutschen Persönlichkeiten zu schreiben. Ich will versuchen diese Aufgabe als ein Privileg anzusehen.

Als erstes (Punkt 2) will ich den Lebenslauf Max Webers schildern. Obwohl ich mich wirklich bemüht habe mich möglichst kurz zu fassen, gibt es doch viele Aspekte in der Laufbahn dieses außergewöhnlichen Menschen, die zu wichtig erscheinen, um darauf verzichten zu können. Außerdem spielt gerade für uns als Sozialwissenschaftler (zumindest meiner Meinung nach) der Werdegang eines Menschen eine große Rolle und hilft uns, den tatsächlichen Charakter der Person besser zu verstehen.

Unter Punkt 3 beschäftige ich mich mit dem allgemeinem Verständnis der Soziologie, wie Weber sie als Wissenschaft betrachtete.

In mehreren Unterpunkten setze ich mich zuerst mit der „Verstehenden Soziologie“ Webers auseinander, einem seiner prägnantesten Begriffe, dem Sinnbegriff allgemein, der die Türen zum Verständnis weiterer Überlegungen öffnet, den allgemeinen Typologien des Handelns und der daraus folgenden „Sozialen Beziehung“.

In drei weiteren Unterpunkten versuche ich die wichtigen Begriffe der Macht, Herrschaft und Autorität zu beschreiben und zu erklären, einige der absoluten Hauptbegriffe der Soziologie, um mich im nachfolgendem Punkt mit der Werturteilfreiheitsdebatte auseinanderzusetzen. Eine hitzig geführte Diskussion, die nicht nur Weber sehr am Herzen lag, und deren pro´ s und contra´ s bis heute die Wissenschaft beschäftigt.

Der vierte Hauptpunkt beschäftigt sich mit einem seiner wichtigsten Werke: „Die Protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus“. Es beinhaltet die interessante Frage, warum sich der moderne Kapitalismus nur in der okzidentalen Welt in seiner ausgeprägten Form entwickelt hat.

Letzendlich folgen eine kleine Kritikzusammenfassung und ein abschließendes Fazit.

2. Lebenslauf

Als das erste von acht Kindern von Dr. jur. Max Weber sen. und dessen Frau Helene Fallenstein-Weber wurde am 21.April 1864 in Erfurt Karl Emil Maximilian Weber geboren.

Sein Vater war Jurist und stammte aus einer in Westfalen ansässigen Industriellen- und Kaufmannsfamilie ab. Sein Onkel und sein Großvater bildeten für Max Weber die besten Beispiele eines früh- bzw. eines modernen kapitalistischen Unternehmers.

Die Familie mütterlicherseits widmete sich seit einigen Generationen dem Lehrerberuf . Helene, die Mutter Max Webers, war stark beeinflusst von ihrem Vater, Georg Friedrich Fallenstein. Sie war eine gebildete Frau, die sich stark mit religiösen und sozialen Problemen auseinandersetzte und ihre Ideale auch Max Weber versucht hat zu übermitteln. Sein Vater schlug eine politische Laufbahn ein und aufgrund seiner eher hedonistischen Einstellung zum Leben, kam es oft zu teilweise heftigen Auseinandersetzungen zwischen den beiden Elternteilen (vgl. Käsler 1978, S.40 f).

1866, im Alter von zwei Jahren erkrankt Max Weber an einseitiger Meningitis (Hirnhautentzündung). Schon während der Schulzeit las Weber sehr viel, vor allem historische und philosophische Werke, obwohl er als Schüler nicht unbedingt ein Primus war. Dass er schon im frühen Kindesalter außerordentlich gebildet war und einen sehr großen Wortschatz hatte zeigen seine Briefe an seine Verwandten und Freunde. So kritisiert er in einem der Briefe an seinen Vater die er 1878, also mit 14 schrieb, sehr fachlich und überzeugend die Werke von Herodot, Livius und Cicero (vgl. Baumgarten 1964, S.6).

Nach seinem Abitur im Frühjahr 1882, beginnt er noch im selben Jahr sein Studium in Heidelberg, dem Jugendwohnsitz seiner Mutter, wo er im Hauptfach Jurisprudenz und daneben Nationalökonomie, Geschichte, Philosophie und Theologie belegt. 1883 siedelt er nach Strassburg über, wo er seinen einjährigen Währdienst ableistet und im April 1885 auch seine erste Militärübung absolviert. Nach weiteren militärischen Übungen, u.a. in Posen, wo er politische Entscheidungen nah an der Praxis erlebt („Ostmarkvorlage“) und dem Beitritt dem „Verein für Sozialpolitik“, promoviert er 1889 mit „magna cum laude“ bei Goldschmidt und Gneist (vgl. Käsler 1978, S.43).

Nach der Promotion und der Beendigung seiner Referendarzeit beim Königlichen Amtsgericht Berlin-Charlottenburg beschloss er seine juristische Ausbildung mit weiteren Examina und wurde in Berlin als Rechtsanwalt zugelassen . Seine Aufsehen erregende Arbeit über die ostelbischen Arbeiter bringt ihm die nötige wissenschaftliche Anerkennung ein, um nach seiner Habilitation 1892 erst eine Stelle als Privatdozent und im folgenden Jahr eine außerordentliche Professur für Handels- und deutsches Recht an der Berliner Universität zu übernehmen. Doch schon im Herbst 1894 folgt er dem Ruf der Freiburger Universität wo er eine Professur für Nationalökonomie antritt und Vorlesungen über Volkswirtschaft hält. Mehrere Male, u.a. bei der Frankfurter Tagung des Evangelisch-sozialen Kongresses, oder im Mai 1895 bei seiner akademischen Antrittsrede „Der Nationalstaat und die Volkswirtschaftspolitik“ erregt er großes Aufsehen mit seiner wissenschaftlichen und politischen Meinung und greift bewusst die verschiedenen Schulen der damaligen Nationalökonomie an (vgl.Käsler 1978, S. 44).

1893 heiratet er Marianne Schnitger. Die Ehe entwickelt sich zu einer rein intellektuellen und moralischen Verbindung. Im selben Jahr stirbt Hermann Baumgarten, sein Onkel und gleichzeitiger Mentor und Vertrauter. 1896 stirbt auch sein Vater, Max Weber sen. und da sie beide kurz vor seinem Tod einen heftigen Disput gehabt haben, fühlt sich Max Weber jun. schuldig und macht sich Vorwürfe.

Im Frühjahr 1898 erleidet er einen schweren nervlichen Zusammenbruch.

Als Gründe für sein Nervenleiden lassen sich mehrere aufzählen. Die frühe Meningitis war für seine Gesundheit sicherlich genauso wenig förderlich wie sein unglaubliches Arbeitspensum. Was auch sehr wichtig erscheint sind die völlig verschiedenen Charaktere seiner Eltern, die ihn ohne Zweifel auf eine bestimmte Art sehr geprägt haben.

„Einerseits Mutter-orientiert, vermochte er zumindest ansatzweise deren Innerlichkeit, Religiosität und Moralität nachzuempfinden, (…) andererseits Vater-orientiert, gab Weber als massiver, biertrinkender, duellschlagender, zigarrenrauchender Student das Ideal seines Vaters ab“(Käsler 1978, S.46).

Auch das asexuelle Verhältnis zu Marianne Weber trug sicherlich nicht zu Max Webers mentaler Stabilität bei.

Als er im Herbst 1899 nach einer kurzen Pause seine Lehrtätigkeit wieder aufnimmt, kommt es zu einem erneuten, dem bislang schwersten Zusammenbruch. Nach und nach bessert sich sein Zustand jedoch soweit, dass er sich wieder mehr mit kunsthistorischen, philosophischen und soziologischen Arbeiten beschäftigt. Dabei setzt er sich wohl zum ersten mal näher mit dem Konzept der Rationalität und des Wirtschaftslebens in den Klöstern auseinander (vgl. Bendix 1964, S.97).

Doch im Oktober 1903 sieht er sich gezwungen endgültig vom Lehramt zurückzutreten, reist in den folgenden Jahren auf Einladung seines in Harvard lehrenden Kollegen Hugo Münsterbergs nach Amerika zu einem wissenschaftlichen Weltkongress anlässlich einer Weltausstellung in St. Louis, schreibt „Die Protestantische Ethik und der ´Geist´ des Kapitalismus“, übernimmt mit Edgar Jaffe und Werner Sombart die Redaktion des „Archivs für Sozialwissenschaften und Sozialpolitik“, und bringt schließlich einen Artikel heraus über „Die ´Objektivität´ sozialwissenschaftlicher und sozialpolitischer Erkenntnis“. Hier tauchen zum ersten Mal explizit seine Konzepte der „Wertfreiheit“, der Wertbeziehung, und des „Idealtypus“ auf. Er setzt sich für Georg Simmel und Robert Michels, denen die Universität aus vorwiegend antisemitischen bzw. politischen Gründen unzugänglich war, ein, sowie für junge Wissenschaftler, denen die Mitgliedschaft an der neukonstituierten Heidelberger Akademie der Wissenschaften verwehrt blieb. Am 3. Januar 1909 begründet er mit Ferdinand Tönnies, Georg Simmel und Heinrich Herkner die „Deutsche Gesellschaft für Soziologie“ und bezeichnet sich erst ab da als ein Soziologe (vgl. Käsler 1978, S.47).

Ich glaube die Behauptung, Max Weber sei ein chronisch von Arbeitswut besessener Mensch gewesen, ist keine Übertreibung, denn selbst in seinen depressivsten Jahren nach seinen mehrmaligen Nervenzusammenbrüchen hat er unglaubliches geleistet. In den Jahren 1889 bis 1920, also seinem Tode, hat er jedes Jahr etwas publiziert, ausgenommen das Jahr 1901 (vgl. Käsler 1978, S.45).

Ich glaube man kann auch sagen, dass er ab den Jahren 1910-1912 wieder so gefestigt war, dass er als „geheilt“ angesehen werden konnte. Persönlich spielten zu dieser Zeit die Beziehungen zu Mina Tobler und Else von Richthofen eine wichtige Rolle, die sich zu echten Freundschaften ausbauten und ihm den nötigen Halt in den schweren Zeiten gegeben haben.

Ab 1911 arbeitete Weber eifrig an seinen religionssoziologischen Arbeiten über China, Japan, das Judentum und den Islam, schreibt das ursprüngliche Manuskript (des späteren zweiten Teils) zu „Wirtschaft und Gesellschaft“ für den „Grundriss der Sozialökonomik“ und beteiligt sich an zahlreichen verbandspolitischen Aktivitäten. Gegen Ende des Jahres 1912 scheidet Weber wegen Meinungsverschiedenheiten in der Frage der Werturteilsfreiheit aus dem Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Soziologie aus. Im Jahr 1913 ist er mit dem Hauptteil des Manuskripts zu seinem Beitrag am „Grundriss der Sozialökonomik“ fertig, beendet die Arbeiten zur systematischen Religionssoziologie und schließt seinen Entwurf einer Musiksoziologie ab (vgl. Käsler 1978, S.46f).

Seit 1914 beteiligt sich Max Weber maßgeblich an den großen Debatten im „Verein für Sozialpolitik“, die unter der Bezeichnung „Werturteilsstreit“ bekannt geworden sind. In dem ersten Jahr des Ersten Weltkrieges ist er als Reserveoffizier bei der Reservelazarettkommission in Heidelberg tätig. Seine Haltung zum Krieg wechselte oft. Am Anfang beurteilte er die Lage für das deutsche Reich als ungünstig, und doch hat auch er sich von dem allgemeinen Enthusiasmus der Massen beeinflussen lassen, um schon bald darauf seine Illusionen über die deutsche Kriegspolitik wieder zu verlieren, bittet um Entlassung aus dem Lazarettdienst, widmet sich wieder der wissenschaftlichen Arbeit und veröffentlicht den ersten Teil seiner „Wirtschaftsethik der Weltreligionen“. In den Jahren 1916 und 1917 erscheinen seine religionssoziologischen Arbeiten über Hinduismus und Buddhismus sowie über das antike Judentum. Weber versucht auch seine akademische Karriere wieder aufzugreifen, und übernimmt 1918 probeweise den Lehrstuhl für Nationalökonomie an der Universität Wien, und im Juni 1919 den Lehrstuhl von Lujo Brentano an der Universität München (vgl. Käsler 1978, S.47ff /vgl. Jaspers 1946, S.7).

Kurz vor seinem Tode erlebt Weber im August 1919 den Druck der ersten vier Kapitel von „Wirtschaft und Gesellschaft“, setzt seine Arbeiten daran und anderen Werken fort und hält mehrere Vorlesungen an der Universität. Im Juni erkrankt er an einer Lungenentzündung, am 14. Juni 1920 stirbt Max Weber.

Hier möchte ich noch mal kurz auf das, meiner Meinung nach, hervorragende Werk Karl Jaspers verweisen. Wenn man sich mehr als nur oberflächig mit der Person und dem wahrem Charakter Max Webers auseinander setzen möchte, scheint mir dieses Buch das kompetenteste zu sein. Karl Jaspers war ein Zeitzeuge Max Webers, ein sehr guter Philosoph und Schreiber und hat (ich glaube es ist nicht übertrieben) sein Leben der Person Max Webers gewidmet, den er als den „größten Deutschen unseres Zeitalters“(Jaspers, 1988, S.50) beschreibt.

In einer recht einfachen und nachvollziehbaren Art beschreibt er Max Weber als eine bis heute unterschätzte, sehr kritische, ambivalente und doch seinen eigenen Prinzipien treu bleibende Persönlichkeit, die sich nie mit dem Erreichten zufrieden gab und immer auf der Suche nach Vollkommenheit und Perfektion war, stetig in dem Bewusstsein, dass dabei nur der Weg das Ziel sei.

3. Verständnis der Soziologie nach Weber

3.1 „Verstehende Soziologie“

Wie man schon in dem Lebenslauf von Max Weber eventuell erkennen konnte, war er ein arbeitsbesessener, fast perfektionistisch denkender Mensch, der bei seinen Untersuchungen sehr akribisch und gründlich vorging und der sich vor allem mit einer Fülle verschiedener Themen beschäftigte. Ausgebildet eigentlich zuerst als Jurist, wandte er sich schon früh auch den wirtschaftlichen, den politischen und etwas später auch natürlich den soziologischen Problemstellungen und Fragen zu. Für Karl Jaspers, für den er eventuell mehr als ein Idol war, war er sein ganzes Leben lang in erster Linie Philosoph.

In seinem in den 1918-1920 Jahren geschriebenem Werk „Wirtschaft und Gesellschaft“ versucht Max Weber, die Ergebnisse seiner über die Jahrzehnte angehäuften thematisch sehr breit angelegten Untersuchungen zusammenzufassen. In dem ersten Teil dieses Werkes, der den Titel „Soziologische Kategorienlehre“ trägt, beschäftigt sich Max Weber mit den soziologischen Grundbegriffen.

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Ende der Leseprobe aus 29 Seiten

Details

Titel
Der Soziologe Max Weber
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum  (Soziologie)
Note
1,7
Autor
Jahr
2004
Seiten
29
Katalognummer
V27022
ISBN (eBook)
9783638291729
ISBN (Buch)
9783638687096
Dateigröße
556 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Alles über Max Weber in relativ komprimierter Form!
Schlagworte
Soziologe, Weber
Arbeit zitieren
Petia Trojca (Autor), 2004, Der Soziologe Max Weber, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/27022

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