Herodot. Geschichtsschreiber oder Scharlatan?


Hausarbeit, 2013

19 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Herodot und seine Zeit – Geschichte und Lebensaufgabe
1.1 Die Perserkriege
1.2 Die „Historien“

2. Herodot und sein Werk
2.1 Die Vorgeschichte
2.2 Die Haupthandlung

Schlussfolgerung

Literaturverzeichnis

Einleitung

Vierhundert Jahre nach dessen Tod adelte der Römer Cicero den Griechen Herodot zum „pater historiae“, was sowohl mit „Vater der Geschichtsschreibung“ als auch mit „Vater der Geschichte“ übersetzt werden kann. Eine große Ehrung, aus dem Munde Ciceros allemal. Doch war er das wirklich oder ist das nur die nachträgliche Verklärung eines graecophilen Römers?

Die entscheidende Frage dabei ist, ob man Herodot überhaupt einen Geschichtsschreiber nennen kann, da seine Schilderungen bisweilen fragwürdig und geradezu fantastisch scheinen. Er schrieb leidenschaftlich über die Perserkriege und ist zugleich „unser wichtigster Gewährsmann für diese Zeit“[1]. Die militärischen Auseinandersetzungen zwischen Griechen und Persern in der ersten Hälfte des fünften Jahrhunderts vor Christus waren sein Lebensthema. Aber gerade weil Herodot heute die wichtigste sekundäre Quelle über dieses denkwürdige Ereignis ist, ist es erforderlich, zu ergründen, wieweit er sich an die Wahrheit gehalten hat. Er selbst war Grieche, man kann davon ausgehen, dass er in diesem Konflikt nicht unparteiisch war. Immer wieder analysieren Historiker seine Darstellung der Geschichte und stoßen auf Ungereimtheiten. An verschiedenen Stellen überzeichnete Herodot stark, karikierte bisweilen sogar und auch die Götter greifen hin und wieder in seine Erzählung ein.

Aufgabe dieser Hausarbeit soll es sein, anhand einzelner Beispiele zu untersuchen, inwieweit Herodots Erzählung glaubhaft und überzeugend oder ungewiss und fadenscheinig ist. Es stellt sich die Frage, ob er möglicherweise die Taten der Griechen glorifizierte und sie bewusst in ein helles Gegenbild zu den Barbaren im Osten stellte. Dies ist zumindest ein beliebter Vorwurf gegen Herodot. War er nun ein Geschichtsschreiber oder nur ein Geschichtenerzähler?

Um den politisch- historischen und biografischen Kontext in die Untersuchung mit einzubeziehen, werde ich zunächst auf die Perserkriege und anschließend auf das Leben Herodots eingehen. Ohne die kulturellen und historischen Gegebenheiten seiner Zeit zu kennen, kann man Herodot und seine Geschichte nicht verstehen. Anschließend steht die Analyse der „Historien“, Herodots Werk. Eine komplette Prüfung würde sicherlich den Rahmen der Hausarbeit sprengen, aber ich hoffe anhand einiger geeigneter Merkmale einen möglichst umfassenden Eindruck vermitteln zu können.

1. Herodot und seine Zeit – Geschichte und Lebensaufgabe

Leider wissen wir heute wenig über Herodots Leben, „weder genau, wann er geboren noch wann er gestorben ist“[2]. Man vermutet, dass er etwa zwischen 490 und 480 v. Chr. geboren wurde und um 420 verstorben ist. Aus seinen Überlieferungen ist bekannt, dass er zumindest die ersten Jahre des Peloponnesischen Krieges, der 431 v. Chr. begann, miterlebte. Als gesichert gilt, da er es selbst in seinem Prooimion, dem Vorwort der „Historien“, sagt, dass er aus Halikarnass stammte, einer Stadt in Kleinasien, die heute Bodrum heißt und in der Türkei liegt. Er entstammte vermutlich einer vornehmen und wohlhabenden Familie. Seine Kindheit war vermutlich eine sehr bewegte, weil er in die Kriegswirren und politischen Umbrüche der Perserkriege hineingeboren wurde. Einige Teile Griechenlands waren bei seiner Geburt noch immer von den Persern besetzt.

1.1 Die Perserkriege

Die Kriege zwischen Griechen und Persern begannen etwa um das Jahr 500 v. Chr. Damals entbrannte ein Aufstand der ionischen, also griechischen, Stadtstaaten in Kleinasien gegen die persische Besatzung. Nachdem die Perser, regiert von König Dareios I., den Aufstand niederschlugen und 494 v. Chr. Milet, die ungehorsamste Stadt, niederbrannten, zogen sie in einem Rachefeldzug gegen Griechenland, um die Kollaborateure der Ionier, allen voran Athen, zu bestrafen. Dareios war so siegessicher, dass er es nicht für nötig befand, seine Soldaten selbst anzuführen. Stattdessen überließ er die Führung seinem Feldherrn Datis, nachdem dieser Feldzug benannt ist. 490 v. Chr. stießen die Heere der Perser und der Athener in der Schlacht von Marathon aufeinander. Zur großen Überraschung der meisten Zeitzeugen konnten die Athener unter der Führung ihres Strategen Miltiades den Sieg davontragen und die Perser wieder vertreiben. Es war eine regelrechte Sensation, ein Evangelium für die Athener und die meisten Griechen. Die Mehrheit von ihnen hatte sich schon mit der Unterwerfung abgefunden als sie vom Sieg der Athener erfuhren.

Die Schwächung der Perser indes währte nicht lange. Xerxes, Sohn des Dareios und seit 486 dessen Nachfolger, fasste erneut den Plan, in einer Strafexpedition, die er selbst anführte, die Widerspenstigen zu zähmen. Zunächst stießen die Perser 480 am engen Thermopylen-Pass auf die Spartaner, die legendären 300 Spartiaten. Herodot schilderte später, die Spartaner wären eher gestorben als sich den Persern zu ergeben. Zwar konnten die Perser die Schlacht gewinnen, doch die Dreihundert, die sich den Barbaren einige Tage widersetzen konnten, wurden zur Legende. Berühmt ist die Szene bei Herodot, wie sich der Himmel verdunkelte ob des riesigen Pfeilhagels der Perser und einer der Spartiaten daraufhin süffisant bemerkte: „Wenn die Meder die Sonne verdunkeln, dann würden sie im Schatten kämpfen und nicht in der Sonne.“ [3] (7,226)

Bereits einen Monat später, im September, trafen die Flotten Athens und Persiens bei Salamis aufeinander. Erneut wurden die Perser durch den Sieg der Griechen gedemütigt und endgültig im darauffolgenden Jahr in der Schlacht von Plataiai, sowie in der Seeschlacht am Mykale-Gebirge besiegt. Die Bedrohung durch die Perser war damit abgewendet, in den folgenden Jahren wurde Griechenland, vor allem durch die Athener, wieder zurückerobert.

In der Rückschau zeigt sich, welch epochales Ereignis die Perserkriege waren. Ihre welthistorische Bedeutung kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Man bedenke einmal, was geschehen wäre, wenn die Perser gegen die Griechen gewonnen hätten und sich Hellas in ihr orientalisches Großreich einverleibt hätten. Europa würde heute anders aussehen, die Welt würde anders aussehen. Nicht ganz zu Unrecht prägte der englische Liberale John Stuart Mill in seiner Rezension der „Griechischen Geschichte“ von George Grote den Satz: „Die Schlacht von Marathon war für die englische Geschichte wichtiger als die bei Hastings. Hätte jener Tag anders geendet, lebten Briten und Sachsen noch immer in den Wäldern.“[4] Und Christian Meier ergänzt: „Von Salamis gälte es in weit höherem Sinn. […] Selten in der Geschichte, so könnte man feststellen, hat in einer Schlacht so viel auf dem Spiel gestanden.“[5]

Herodot selbst stellt in seinen „Historien“ eine kontrafaktische Überlegung an, indem er behauptet, wenn die Athener aus ihrer Heimat geflüchtet wären wie die Phokäer oder sie kapituliert hätten wie die Thessalier, so hätten die übrigen griechischen Poleis, allen voran Sparta, nie siegen können. Damit macht er Wohl und Wehe der griechischen Freiheit und Unabhängigkeit allein vom Schicksal Athens abhängig. Historisch gesehen ist das nicht ganz so eindeutig, aber es spricht für die Begeisterung Herodots für Athen. Fakt ist sicherlich, dass der griechische Widerstand vor allem auf den Schultern der Athener ruhte. Die Perserkriege auf einen Zweikampf zwischen Persien und Athen zu reduzieren, würde der Rolle der anderen Poleis aber nicht gerecht werden. Ohne deren Unterstützung wäre es ebenso fraglich, ob Athen gesiegt hätte.

1.2 Die „Historien“

Nach den Kriegen folgte eine lange Phase der Stabilität und kulturellen Blüte für Griechenland, die Epoche der Pentekontaetie, eine Phase, die auch Herodot prägte. Mit der langsamen Demokratisierung einiger Poleis entstanden aber auch jahrelange Parteikämpfe und Bürgerkriege. Aristokraten kämpften gegen Demokraten, die gegenseitige Schwächung nützte bisweilen auch ein Tyrann aus. Für Anhänger der einen oder anderen Seite konnte es sehr unbequem werden, wenn gerade die Gegner an der Macht waren. Herodot selbst, so ist überliefert, musste zeitweilig aus seiner Vaterstadt auf die Insel Samos fliehen. Nachdem dort der Tyrann gestürzt worden war, ging Herodot aber wieder zurück nach Halikarnass, verließ die Stadt kurze Zeit später allerdings, nachdem dort die aristokratische Partei die Oberhand gewann. Unruhige Zeiten, in denen Herodot aufwuchs und erste Erfahrungen mit der Politik machte. Gleichwohl bleiben dies, bei allen Wirren, auch wichtige Einschnitte im Leben des Geschichtsschreibers, markieren sie doch den Beginn der enormen Unstetigkeit und Reisefreude, die Herodot entwickelte und die ihn zeitlebens an die verschiedensten Orte trug. Eine Heimat kannte er wohl kaum.

[...]


[1] Meier, Athen, S. 11.

[2] Sontheimer, S. 3.

[3] Sontheimer, Reclam, Buch VII- IX, S. 59.

[4] Demandt, Alexander (2010): Es hätte auch anders kommen können. S. 30.

[5] Meier, S. 33.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Herodot. Geschichtsschreiber oder Scharlatan?
Hochschule
Universität Leipzig  (Historisches Seminar)
Veranstaltung
"Techne Rhetorike" - Die Kunst der freien Rede
Note
2,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
19
Katalognummer
V270228
ISBN (eBook)
9783656612612
ISBN (Buch)
9783656612568
Dateigröße
489 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
herodot, geschichtsschreiber, scharlatan
Arbeit zitieren
Eric Buchmann (Autor), 2013, Herodot. Geschichtsschreiber oder Scharlatan?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/270228

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