Im Folgenden soll sich mit der Bedeutung der Reformation und Martin Luthers für die deut-sche Sprachgeschichte näher beschäftigt werden. Hierzu werden zunächst die günstigen Voraussetzungen für Luthers Schaffen erläutert, bevor die betroffenen sprachlichen Elemente in Hinblick auf ihre heutige Gültigkeit untersucht werden. Die Frage inwiefern Luther die deut-sche Sprache beeinflusst hat, beschäftigt die Sprachwissenschaft bis heute und die Beantwortung ist ein immer noch andauernder Prozess.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Voraussetzungen für den Einfluss Luthers und der Reformation auf die deutsche Sprache
2.1 Luthers sprachliche Herkunft
2.2 Der Buchdruck
3. Vokalismus
3.1 Präteritaler Numerusausgleich
3.2 Diphthongierung von mhd. î, û und iu
3.3 Umlaut
3.4 Vokallänge
4. Druckschwache Silben
4.1 e- Apokope
4.2 Diminutivendungen –lein, –lîn und –le
5. Orthographie und Wortschatz
5.1 Orthographie und Großschreibung der Substantive
5.2 Wortschatz
5.3 Neue Wortbedeutungen
6. Syntax
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung von Martin Luther und der Reformation für die Entwicklung der deutschen Sprache. Dabei wird analysiert, wie Luthers Bibelübersetzung und sein Wirken sprachliche Standards beeinflussten, welche Rolle die geographische Herkunft sowie der Buchdruck spielten und inwiefern sich sprachliche Phänomene wie Vokalismus, Syntax und Wortschatz im Zuge der frühneuhochdeutschen Sprachgeschichte veränderten.
- Bedeutung der Reformation für die deutsche Sprachgeschichte
- Einfluss von Martin Luthers Herkunft und dem Buchdruck
- Sprachgeschichtliche Phänomene (Vokalismus, Umlaut, Apokope)
- Entwicklung der Orthographie und Großschreibung
- Veränderungen im Wortschatz und in der Syntax
Auszug aus dem Buch
3.1 Präteritaler Numerusausgleich
Der Präteritale Numerusausgleich vereinfachte das Ablautsystem der sieben Ablautreihen von vier auf drei Ablautstufen. Anhand der oben abgebildeten Tabelle ist der Ausgleich des Präteritalen Numerusablauts am Beispiel von helfen (Ablautreihe III) gut zu erkennen. Aus er half – sie hulfen wurde er half – sie halfen. Statt wie im Mhd. Aspektunterschiede zu kennzeichnen, markierten die vier Stufen jetzt Tempus- und Numerusunterschiede (NÜBLING 32010: 206). Der Abbauprozess des Präteritalen Numerusablauts begann ungefähr in der Mitte des 15. Jahrhunderts und erlangte seine endgültige Form ca. um 1650 (REICHMANN/WEGERA 1993: §M110). Luthers Wirken und seine Bibelübersetzung fiel also in den Zeitraum dieses Prozesses. Trotzdem findet sich der Präteritale Numerusablaut bei Luther noch. So stehen bei ihm zum Beispiel die Formen er starb – sie sturben statt wie im Nhd. er starb – sie starben (5. Buch Mose Bl. XCVIIr). Hier bringt Luther mit seiner Sprache also keine Neuerungen mit sich. Vielmehr verschwindet der Präteritale Numerusablaut nur ein knappes Jahrhundert nach Luthers Tod beinahe gänzlich aus der deutschen Sprache.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Vorstellung des Themas und der Forschungsfrage bezüglich Luthers Einfluss auf die deutsche Sprache.
2. Voraussetzungen für den Einfluss Luthers und der Reformation auf die deutsche Sprache: Analyse von Luthers geographischer Herkunft und der Bedeutung des Buchdrucks als Medium.
3. Vokalismus: Untersuchung von Lautveränderungen wie dem präteritalen Numerusausgleich, Diphthongierung, Umlaut und Vokallänge.
4. Druckschwache Silben: Erörterung der Prozesse der e-Apokope sowie der Entwicklung von Diminutivendungen.
5. Orthographie und Wortschatz: Betrachtung der schrittweisen Standardisierung der Rechtschreibung, Großschreibung und der Erweiterung des Wortschatzes durch neue Bedeutungen.
6. Syntax: Diskussion der syntaktischen Entwicklung und der Tendenz zur Verbletztstellung in Nebensätzen.
7. Fazit: Zusammenfassende Bewertung von Luthers Rolle als Anstoßer für die deutsche Sprache, die er zwar nicht schuf, aber maßgeblich formte.
Schlüsselwörter
Martin Luther, Reformation, deutsche Sprachgeschichte, Bibelübersetzung, Buchdruck, Frühneuhochdeutsch, Vokalismus, Präteritaler Numerusausgleich, Orthographie, Syntax, Apokope, Wortschatz, Sprachstandardisierung, Sprachwandel, Mitteldeutsch
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Einfluss von Martin Luther und der Reformation auf die Entwicklung und Standardisierung der deutschen Sprache im frühen 16. Jahrhundert.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die sprachgeschichtlichen Voraussetzungen durch den Buchdruck, phonologische Veränderungen im Vokalismus, die Entwicklung der Orthographie sowie syntaktische Tendenzen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu klären, inwiefern Luther die deutsche Sprache beeinflusst hat und welche Rolle seine Bibelübersetzung in diesem Prozess spielte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine deskriptive linguistische Analyse durchgeführt, die historische Sprachbelege bei Luther mit dem damaligen Forschungsstand der Sprachwissenschaft vergleicht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in Untersuchungen zu Vokalismus, Silbenstrukturen (Apokope), Rechtschreibung, Wortschatzentwicklung und syntaktischen Strukturen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Luther, Reformation, Sprachwandel, Frühneuhochdeutsch, Vokalismus, Syntax und Orthographie.
Warum war Luthers Herkunft sprachgeschichtlich relevant?
Seine Herkunft im mittleren Deutschland verlieh ihm eine sprachliche Brückenfunktion, die für eine überregionale Verständlichkeit seiner Texte förderlich war.
Welche Bedeutung hatte der Buchdruck für Luthers Sprachwirken?
Der Buchdruck ermöglichte die massenhafte Verbreitung seiner Bibelübersetzung, die wiederum als zentrales Medium für eine einheitlichere Schriftsprache fungierte.
Wie veränderte Luther die Großschreibung von Substantiven?
Luther begann, Substantive zunächst nur vereinzelt großzuschreiben, um wichtige Begriffe hervorzuheben; dieser Prozess weitete sich über die Jahre hinweg aus.
Was lässt sich zur syntaktischen Entwicklung bei Luther sagen?
Luther führte keine neue Syntax ein, aber er reflektierte und festigte Tendenzen wie die Verbletztstellung des Verbs in Nebensätzen, die sich in seiner Zeit erst etablierten.
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- Julia Haase (Author), 2012, Der Einfluss Martin Luthers und der Reformation auf die deutsche Sprache, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/270314