1 Einleitung
In der vorliegenden Arbeit werde ich die Staatslehre des Thomas Hobbes und die Kritik daran von Carl Schmitt nebeneinander stellen und kritisch betrachten. Dazu bediene ich mich der Suhrkamp-Ausgabe des hobbesschen Leviathans in der Übersetzung von Iring Fetscher und des Buches „Der Leviathan in der Staatslehre des Thomas Hobbes“ von Carl Schmitt. Bedingt durch die Aufgabenstellung kam kaum mehr Literatur zur Anwendung.
Thomas Hobbes war und ist einer der provokantesten Autoren seiner Zeit, insbesondere weil er radikal mit der bisher vorherrschenden Moralphilosophie brach und stattdessen begann, geradezu naturwissenschaftlich zu argumentieren. Seine Werke beschäftigen sich mit Ursache und Wirkung, die Gesellschaft und ihre Elemente folgen dem physikalischen Gesetz der Bewegung. Bewegung bedeutet in diesem Fall Selbsterhaltung, das zentrale Motiv des hobbesschen Menschen. Sein folgenreichstes Werk ist der Leviathan, eine Abhandlung über die Geburt eines totalitären Staates, die Grundlagen seiner Existenz, seine Form und seine Gewalt.
Carl Schmitt, einer der führenden Rechtstheoretiker nach dem Ersten Weltkrieg, wurde besonders bekannt durch eine Staatslehre, die für die Notwendigkeit einer starken staatlichen Autorität eintrat und sich für einen totalitären Staat aussprach. Er rechtfertigte damit auch das Dritte Reich und ihre Führerphil osophie. Als bekennender Nationalsozialist und Antisemit machte er dort schnell Karriere und bekleidete viele wichtige Posten.
Bei Thomas Hobbes findet Carl Schmitt viele Parallelen zu seinem Staatsentwurf. Der Philosoph von Malmesbury ist für ihn: “[…]der echte Lehrer einer großen politischen Erfahrung; einsam wie jeder Wegbereiter; verkannt, wie jeder, dessen politischer Gedanke sich nicht im eigenen Volk verwirklicht; ungelohnt, wie der, der ein Tor öffnet, durch das andere weitermarschieren[…]“ (Schmitt 1938: 132) Aber diese Bewunderung ist nicht einseitig. I n seinem Buch „Der Leviathan in der Staatslehre des Thomas Hobbes“ analysiert er dieses Werk, in dem er den Werdegang der dort beschriebenen Staatskonstruktion durchspielt. Dabei treten für ihn die Unzulänglichkeiten zu Tage, die letztendlich den Leviathan zum Scheitern verurteilen.
Im Rahmen dieser Ausarbeitung stelle ich zunächst die Grundlage für Schmitts Werk dar, die anthropologischen Grundlagen des hobbesschen Staates und das darauf aufbauenden Staatskonstrukt.
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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Thomas Hobbes’ Leviathan
2.1 Der Mensch nach Hobbes
2.2 Der Naturzustand
2.3 Der Staat
3. Carl Schmitts Leviathan
4. Schluss
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit setzt sich kritisch mit der Staatslehre des Thomas Hobbes auseinander und untersucht die spezifische Kritik, die der Rechtstheoretiker Carl Schmitt in seinem Werk „Der Leviathan in der Staatslehre des Thomas Hobbes“ daran übt. Ziel ist es, die hobbessche Staatskonstruktion darzustellen, Schmitts Kritikpunkte – insbesondere seine Analyse des Symbols „Leviathan“ und die Trennung von privater Meinung und öffentlicher Ideologie – kritisch zu hinterfragen und in seinen theoretischen Kontext einzuordnen.
- Anthropologische Grundlagen des hobbesschen Menschenbildes
- Konstruktion des Naturzustands und Übergang zum Gesellschaftsvertrag
- Staatsverständnis: Der Souverän und die totale Unterwerfung
- Carl Schmitts Deutung des Leviathans als „Staatsmaschine“
- Kritik an der Trennung von Innen und Außen als Schwachstelle der Theorie
Auszug aus dem Buch
3 Carl Schmitt über Hobbes’ Leviathan
Der Untertitel „Sinn und Fehlschlag eines politischen Symbols“ zeigt schon den ersten Kritikpunkt an Thomas Hobbes’ Staatslehre auf. Der Leviathan ist ein gänzlich unpassendes Symbol, das mythische Tier passt einfach nicht zu so einer rationalen, mechanistischen Theorie. Schmitt ist der Meinung, dass allein der Name des Buches schon zu seinem kontroversen Ruf geführt hat.
Besagte Sagengestalt hat im Laufe ihrer Jahrhunderte alten Nutzung fast durchweg negative Bedeutung gehabt und wirft deshalb für immer seinen Schatten über die hobbessche Staatslehre. „Wer solche Bilder benutzt, gerät daher leicht in die Rolle eines Magiers, der Gewalten herbeiruft, denen weder sein Arm, noch sein Auge, noch das sonstige Maß seiner menschlichen Kraft gewachsen ist.“ (Schmitt 1938: 124)
Carl Schmitt sieht im Bild des hobbesschen „sterblichen Gottes“ nicht nur eine sondern drei verschiedene Bedeutungen. Zunächst gibt es da das mythische Bild einer Verschmelzung aus Mensch, Gott, Tier und Maschine zu einem mythischen Symbol. Die zweite Bedeutung beschäftigt sich mit der juristischen Staatskonstruktion, die vom Souverän repräsentiert wird. Und die dritte Bedeutung des Leviathans ist die eines Staates als Maschine, beseelt vom Souverän. (Schmitt 1938: 48, 49) Dies ist die von Schmitt favorisierte Version, da er die Repräsentation des Staates durch den Souverän als nicht so wichtig erachtet wie seine konkrete Leistung beim Erfüllen der Schutzfunktion. Seine Vorstellung des Leviathans ist also eine Staatsmaschine, aus folgenden Gründen:
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung skizziert das Vorhaben, die Staatslehre von Thomas Hobbes der Kritik von Carl Schmitt gegenüberzustellen und die methodische Vorgehensweise zu erläutern.
2. Thomas Hobbes’ Leviathan: Dieses Kapitel behandelt die anthropologischen Voraussetzungen des Menschen als rationalen Egoisten, den kriegerischen Naturzustand und die Begründung des Staates durch den Gesellschaftsvertrag.
3. Carl Schmitts Leviathan: Hier wird Schmitts Sicht auf Hobbes analysiert, wobei besonders die Interpretation des Leviathans als „Staatsmaschine“ und die Kritik an der Trennung von öffentlicher und privater Sphäre hervorgehoben werden.
4. Schluss: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet Schmitts Kritik als teilweise schlüssig, jedoch stark von seinem eigenen politischen Weltbild und ideologischen Vorurteilen geprägt.
Schlüsselwörter
Thomas Hobbes, Carl Schmitt, Leviathan, Staatslehre, Gesellschaftsvertrag, Naturzustand, Souveränität, Staatsmaschine, Politische Theorie, Schutzfunktion, Innen-Außen-Trennung, Freund-Feind-Unterscheidung, Totalitarismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die staatsphilosophische Kritik von Carl Schmitt an dem Werk „Leviathan“ von Thomas Hobbes.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das Menschenbild von Hobbes, die Notwendigkeit eines totalitären Staates zur Friedenssicherung und Schmitts ideologiekritische Auseinandersetzung mit der Symbolik und Mechanik dieses Staates.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die Berechtigung von Schmitts Kritik zu prüfen und zu zeigen, wie seine eigene Auffassung vom Politischen seine Deutung des Leviathans beeinflusst hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine textvergleichende und ideengeschichtliche Analyse der Primärliteratur von Hobbes und Schmitt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst Hobbes’ Konzepte des Menschen, des Naturzustands und der staatlichen Ordnung dargelegt, gefolgt von der schmittschen Kritik, die den Staat als seelenlose Maschine und dessen Schwachstellen thematisiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich vor allem durch Begriffe wie Souveränität, Staatsmaschine, Gesellschaftsvertrag und Politische Theologie charakterisieren.
Wie bewertet der Autor Schmitts Umgang mit jüdischen Denkern?
Der Autor kritisiert, dass Schmitt bei der Auseinandersetzung mit jüdischen Autoren (wie Spinoza oder Mendelssohn) unsachlich und polemisch agiert, was die Glaubwürdigkeit seiner Kritik mindert.
Warum sieht Schmitt den Leviathan als „gescheitert“ an?
Schmitt argumentiert, dass Hobbes’ Wahl des mythologischen Symbols „Leviathan“ unpassend war und dass die mangelnde Durchdringung der privaten Sphäre durch den Staat dessen Aushöhlung durch indirekte Mächte ermöglichte.
- Quote paper
- Mathias Strüwing (Author), 2004, Carl Schmitt und der Leviathan des Thomas Hobbes, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/27032