Der Gründer und die Anfänge der "Illuminaten": Adam Weishaupt und sein Ordenskonzept


Hausarbeit, 1997

22 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

I. Einleitung: Themenstellung und Vorgehensweise

II. Der Entstehungszusammenhang: Bayern und die Universität Ingolstadt gegen Ende des 18. Jahrhunderts

III. Die Biographie Adam Weishaupts bis zur Gründung des Illuminatenordens

IV. Das System des Illuminatenordens bis zur Kniggeschen Reform
1. Die Zielsetzung der Illuminaten in der Anfangsphase
2. Die Strategie und Methode: Das Gradsystem
2.1. Das Noviziat
2.2. Die Minervalklasse
2.3. Die Mysterien

V. Zusammenfassung: Die Einflüsse der Biographie Weishaupts auf sein Konzept des Illuminatenordens

Literaturliste

I. Einleitung: Themenstellung und Vorgehensweise

Die vorliegende Hausarbeit befaßt sich mit dem Illuminatenorden - einem radikal-aufklärerischem Geheimbund, welcher nur knapp ein Jahrzehnt Bestand hatte, jedoch insbesondere durch die anschließende Verfolgungsgeschichte breite Spuren hinterlassen hat[1]. Hierbei focussiert sie den Blick auf den Gründer Adam Weishaupt und die von ihm konzipierte Ordensstruktur.

Freiherr von Knigge, welcher Weishaupt kennengelernt hatte wie kaum ein anderer (durch intensive Ordenstätigkeit in hoher Position)und das von diesem erarbeitete System reformierte, charakterisierte ihn als „vortreflichen Kopf“ und „tiefen Denker“, der mit glühendem Eifer daran arbeitete, „etwas Großes und der Menschheit wichtiges zu unternehmen“[2]. In der verwendeten Sekundärliteratur zu dem Geheimorden wird Weishaupt beschrieben als ein „ehrgeiziger Gelehrter von seltsamer Weltfremdheit“[3], seine „empfindliche, hochmütige und intrigante Wesensart“[4] und seine „Kampfnatur“ [5] wird hervorgehoben, wobei sich „ein ausgeprägter nüchtern-konstruktiver Rationalismus mit kleinlicher Pedanterie und bisweilen grotesk anmutender Selbstüberschätzung“[6] verband. Gerade der Aspekt der Selbstüberschätzung wird immer wieder hervorgehoben, und insgesamt fällt die Beurteilung seiner Persönlichkeit deutlich negativ aus[7].

Bei der Auseinandersetzung mit Weishaupts Leben und seiner Ordensgründung fiel auf, daß eine selbständige Biographie bisher nicht verfaßt wurde. Agethen begründet dies damit, daß „für den Historiker vornehmlich der Abschnitt seines Lebens interessant ist, der in Verbindung mit dem Illuminatenbund steht; diese Phase kann über Quellen und Literatur hinreichend erschlossen werden“ [8]. Da ich aber die biographische Komponente meines Themas mit dem von Weishaupt erarbeiteten Ordenssystem in Verbindung bringen wollte, fehlte mir eine Darstellung, die diese beiden Teilbereiche zusammenhängend erläutert. Dies soll im folgenden versucht werden.

Hieraus ergibt sich die Gliederung der Arbeit: Zunächst einmal sollen die Zusammenhänge, in denen Weishaupt lebte und arbeitete, also die Verhältnisse in Bayern und speziell in Ingolstadt, dargestellt werden. Dies ergibt sich schon aus der Forderung an den Historiker, „den Spielraum von Möglichkeiten, den die verschiedenartigen Strukturen in ihrem Zusammenwirken ( strukturelle Konstellation) begrenzen, so eng wie irgend möglich zu ziehen“[9] ; in der Literatur wird auch explizit auf den bayrischen Bezug der Gründung des Illuminatenordens verwiesen[10]. Dann soll der biographische Lebenslauf Weishaupts, eine „für katholische Aufklärer typische Sozialisationsgeschichte“[11], dargestellt werden; sie stützt sich maßgeblich auf die Arbeit Le Forestiers[12] zu den Illuminaten. Bei der sich anschließenden Darstellung des Systems des Illuminatenbundes wird das Blickfeld auf die Anfangsphase des Ordens, also von der Gründung bis zum Eintritt Knigges 1780, beschränkt, da Weishaupt in diesem Zeitraum noch sein eigenes Konzept in Reinkultur (ohne fremde Einmischung) durchziehen konnte[13]. Dieser Teilbereich stützt sich weitgehend auf eine selbständige Analyse des Dokumentationsteils von Dülmens grundlegender Arbeit zum Illuminatenbund[14] ; anhand dieser Quellensammlung soll versucht werden, die Ordensstruktur für diesen Zeitraum weitgehend zu rekonstruieren. Auf Probleme der Ordensentwicklung, etwa bzgl. der Ausbreitung und der sozialen Zusammensetzung, wird ausdrücklich nicht eingegangen - aus dem einfachen Grund, weil Weishaupt zwar Instruktionen und Pläne erstellte, „indes er zu Ausführung seines Plans eigentlich gar nichts that“[15]. Er beschäftigte sich also lediglich mit der inhaltlichen und methodischen Entwicklung des Ordens, war aber nicht aktiv werbend unterwegs. Im letzten Teil der Arbeit sollen die Fäden zusammengezogen werden - es soll verdeutlicht werden, wo subjektive biographische Erfahrungen Weishaupts ihren Niederschlag in seinem Ordenssystem fanden.
Die Darstellung der Biographie Weishaupts und der von ihm erarbeiteten Organisationsstruktur, sowie das Aufzeigen ihrer Zusammenhänge sind somit Hauptanliegen der vorliegenden Arbeit.

II. Der Entstehungszusammenhang: Bayern und die Universität Ingolstadt gegen Ende des 18. Jahrhunderts

Das Land Bayern wurde von der deutschen Spätaufklärung des ausgehenden 18. Jahrhunderts im Ländervergleich als äußerst rückständig eingestuft - ein Urteil, dem sich die moderne Historiographie weitgehend anschließt[16]. Richard van Dülmen faßt die spezifischen Problemkonstellationen, mit denen sich die Aufklärung in Bayern konfrontiert sah, wie folgt zusammen[17]:

1. Die Dominanz der feudalen Kirche: „Kein deutsches Land war so von Kirchlichkeit und der mit ihr verbundenen traditionellen Frömmigkeit geprägt wie Bayern.“ Die katholische Kirche war in Bayern der größte Grundbesitzer. Das wissenschaftliche und geistige Leben, die Volksschulen, Gymnasien und die einzige Universität Ingolstadt wurden von Orden und Klöstern, insbesondere von den Jesuiten, dominiert; die Klosterschulen waren weiterhin „die wichtigsten Ausbildungs- und Kulturzentren des Landes“. Die Gründung des Illuminatenordens wird in der gesamten verwendeten Literatur als Oppositionsbewegung gegen die klerikale Übermacht klassifiziert.
2. Der Mangel an einem wirtschaftlich potenten Großbürgertum. An der Universität Ingolstadt wurden fast ausschließlich Beamten, Juristen, Seelsorger und Theologen ausgebildet; ein „eigenständiges bürgerliches Leben in den kleinen Städten und Märkten“ wurde seitens des Fürsten weitgehend unterdrückt. Der Agrarsektor bildete den ökonomischen Schwerpunkt des Landes.
3. Die späte Rezeption der aufklärerischen Ideen, an welcher nur ein sehr geringer Bevölkerungsanteil (zumeist Geistliche und Beamte) partizipierte.

Die Hoffnungen der fortschrittlich gesonnenen Bayern auf einen Durchbruch der Aufklärung verstärkten sich durch eine innerkirchliche Klosterreformbewegung, die Gründung der Akademie der Wissenschaften 1759, eine einsetzende Bildungsreform und die allgemeine Intensivierung von Wissenschaft und Literatur[18]. Nach dem Tode des Kurfürsten Max III. Joseph erwartete man eine weitere Förderung durch Karl Theodor von der Pfalz, welcher 1777 die Regierung übernahm und der in dem Ruf stand, nach aufklärerischen Grundsätzen zu regieren[19]. Diese Hoffnungen wurden jedoch schnell enttäuscht: Die Ex-Jesuiten (der Orden, der als Hauptträger des geistlichen Despotismus empfunden wurde, war 1773 von Papst Klemens XIV. aufgelöst worden[20] ), fanden im Kanzler A. Kreitmayr einen prominenten Förderer, der berühmt-berüchtigte Pater Frank stieg gar zum Beichtvater des neuen Regenten auf - eine Position, die dem Ex-Jesuiten einen nicht zu unterschätzenden Einfluß sicherte[21]. Karl Theodor wandte sich bald vom aufgeklärten Absolutismus ab, gegenüber einer Bildungsreform verhielt er sich äußerst zögernd, und die Ex-Jesuiten behielten aufgrund eines Mangels an ausgebildeten weltlichen Lehrern ihre Ämter in den Bildungsstätten. Diese Umstände förderten das Gerücht, daß der aufgehobene reaktionäre Orden sich in Bayern neu konstituieren würde, oder sich die früheren Mitglieder insgeheim unter dem Schutz des neuen Fürsten mit anderen Aufklärungsfeinden, insbesondere den Rosenkreuzern, verbündet hätten, um gemeinsam gegen aufklärerische, fortschrittliche Tendenzen anzugehen[22]. Bei der Auseinandersetzung mit dem Illuminatismus und der bayrischen Aufklärung sowohl in den Quellen wie auch in der Literatur fällt auf, daß reaktionäre bzw. konservative Bestrebungen von den Zeitgenossen nahezu immer mit dem Jesuitenorden in Verbindung gebracht wurden.

Die Polarisierung und der Konflikt zwischen Jesuiten und Aufklärern verdichtete sich in besonderer Weise in Ingolstadt, dem Sitz der einzigen Universität Bayerns und dem Wirkungsort des Illuminatengründers Weishaupt. Die Stadt war seit dem Mittelalter eine Hochburg der Gesellschaft Jesu[23]. Bereits 1548 gründete Petrus Canisius, ein Führer der Gegenreformation und der erste Deutsche im Jesuitenorden, hier ein Gymnasium, welches zur Keimzelle des gesamten Erziehungswesens in Bayern wurde[24]. An der Universität wurden die Lehrstühle für Theologie und Philosophie bis ins 18. Jahrhundert ausschließlich mit Ordensmitgliedern besetzt, diejenigen für Jura und Medizin bestenfalls ebenso, jedoch auf jeden Fall mit Katholiken[25]. Es wurde bereits darauf hingewiesen, daß aufgrund des Mangels an qualifiziertem Ersatz sich an diesem Umstand auch nach der Aufhebung des Ordens 1773 nicht viel änderte. Die Konflikte, welche ein radikal-aufklärerisch gesonnener Professor wie Weishaupt auszustehen hatte, waren somit vorprogrammiert. Er selbst charakterisiert die Stellung der Gesellschaft Jesu noch 1779: „Niemals waren noch die Jesuiten so mächtig, als dermalen, alles ist hier in ihren Händen“[26].

[...]


[1] Hammermayer, L., Illuminaten in Bayern. Zu Geschichte, Fortwirken und Legende des Geheimbundes, in: Glaser, H. (Hg.), Krone und Verfassung. König Max I. Joseph und der neue Staat, München 1980, S.146; Dülmen, R. v., Die Gesellschaft der Aufklärer, Frankfurt/M. 1986 (im folgenden: Dülmen, Aufklärer), S.100

[2] Philo’s endliche Rede und Antwort, auf verschiedene Anforderungen und Fragen, die an ihn ergangen, seine Verbindung mit dem Orden der Illuminaten betreffend, 1788 (im folgenden: Philo’s Rede und Antwort), S.59, abgedruckt bei Dülmen, R. v., Der Geheimbund der Illuminaten, Stuttgart/Bad Cannstatt 1977 (im folgenden: Dülmen, Geheimbund), S.342

[3] Dülmen, Aufklärer, S.101

[4] Agethen, M., Geheimbund und Utopie, München 1984, S.70

[5] Lennhoff, E., Politische Geheimbünde, Wien/München/Zürich 1966,S.18

[6] Schindler, N., Der Geheimbund der Illuminaten - Aufklärung, Geheimnis und Politik, in: Reinalter, H. (Hg.), Freimaurer und Geheimbünde im 18. Jahrhundert in Mitteleuropa, Frankfurt/M. 1983, S.301

[7] insbesondere bei Weis, E., Der Illuminatenorden (1776-1786). Unter besonderer Berücksichtigung der Fragen
seiner sozialen Zusammensetzung, seiner politischen Ziele und seiner Fortexistenz nach 1786, in: Reinalter, H.
(Hg.), Aufklärung und Geheimgesellschaften, München 1989, S.87-109

[8] Agethen, S.70

[9] Kocka, J. Sozialgeschichte. Begriff - Entwicklung - Probleme, Göttingen 1986, S.76 f.

[10] Dülmen, Geheimbund, S.23 ff.; Schindler, S.301 f.; Lennhoff, S.18 f.; Fischer, M. W., Die Aufklärung und ihr Gegenteil, Berlin 1982, S.215 f.

[11] Dülmen, Aufklärer, S.101

[12] Le Forestier, R., Les Illumines de Baviere et la Franc-Maconnerie Allemande, Paris 1915

[13] vgl. Dülmen, Geheimbund, S.23-42

[14] Dülmen, Geheimbund, S.147-438

[15] Philo’s Rede und Antwort, S.62, abgedruckt bei Dülmen, Geheimbund, S.343

[16] Vgl. Jacoby, D., Art. „Weishaupt, Adam W.“, in: ADB, Bd.41, 1905 (?), S.540-42; Dülmen, Geheimbund, S.23 f.; ders., Zum Strukturwandel der Aufklärung in Bayern, in: Zeitschrift für bayrische Landesgeschichte, Bd. 36, 1973, S. 662-79 (im folgenden: Dülmen, Strukturwandel); Lennhoff, S.18

[17] Dülmen, Strukturwandel, S.663

[18] Dülmen, Geheimbund, S.23 f.; Jacoby, S.541; ausführlich Dülmen, Strukturwandel

[19] Jacoby, S.541; Dülmen, Geheimbund, S.24

[20] Le Forestier, S.21; Dülmen, Strukturwandel, S.670

[21] Dülmen, Geheimbund, S.24

[22] Dülmen, Geheimbund, ebd.

[23] Le Forestier, S.19

[24] Agethen, S.70, Anm.4

[25] Le Forestier, S.19; Agethen, S.70, Anm.4

[26] Einige Originalschriften des Illuminatenordens, welche bey Zwack durch vorgenommene Hausvisitation zu Landshut den 11. Und 12. Oct. 1786 vorgefunden worden. Auf höchsten Befehl Seiner Churfürstlichen Durchlaucht zum Druck befördert, München 1787 (im folgenden: Originalschriften), S.306, zitiert bei Agethen, S.70, Anm.4

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Der Gründer und die Anfänge der "Illuminaten": Adam Weishaupt und sein Ordenskonzept
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Institut für Geschichtswissenschaften)
Veranstaltung
Die Aufklärung in Deutschland
Note
1,3
Autor
Jahr
1997
Seiten
22
Katalognummer
V27033
ISBN (eBook)
9783638291811
ISBN (Buch)
9783640856589
Dateigröße
507 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gründer, Anfänge, Illuminaten, Adam, Weishaupt, Ordenskonzept, Aufklärung, Deutschland
Arbeit zitieren
Jan Jansen (Autor), 1997, Der Gründer und die Anfänge der "Illuminaten": Adam Weishaupt und sein Ordenskonzept, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/27033

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