Theologische Gespräche mit Kindern über Gott

Analyse eines exemplarisch geführten Gesprächs und didaktische Schlussfolgerungen


Hausarbeit, 2014
20 Seiten, Note: unbenotet

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Gesprächssituation

3 Gesprächsdurchführung

4 Analyse des Gesprächs
4.1 Theologische Aussagen der Kinder
4.1.1 Maltes Aussagen
4.1.2 Almas Aussagen
4.1.3 Olis Aussagen
4.2 Rolle der Lehrperson bei theologischen Gesprächen
4.3 Unterrichtliche Überlegungen zur Gottesfrage
4.3.1 Sachanalyse zu ÄGott als Schöpfer“
4.3.2 Didaktische Schlussfolgerungen
4.3.3 Methodische Umsetzungen

5 Schlussbetrachtung

6 Quellenverzeichnis

Selbstständigkeitserklärung

1 Einleitung

ÄGlaube ist nicht immer religiös in seinem Inhalt oder Kontext. [...] Der Glaube ist die Art und Weise eines Menschen oder einer Gruppe, in das Kräftefeld des Lebens einzutauchen.“ (Fowler 2000: 26) Das bedeutet, nach Fowlers Stufentheorie, dass Kinder glauben, ob bewusst oder unbewusst, ob bspw. mit christlichen Rahmen oder ohne. Glaube heißt, sich selbst zu anderen Menschen und zur Welt in Beziehung zu setzen. Dies trägt jeder Mensch in sich, da es sinnstiftend, identitätsbildend und orientierungsgebens wirkt. Nach Fowler gibt der Glaube Hoffnung und ist somit für denkende, handelnde und suchende Menschen unverzichtbar (Vgl. ebd.: 35f). Diese Glaubensentwicklung soll begleitet werden, um neue Anreize und Denkweisen auszuprobieren. Der Religionsunterricht sieht sich dahingehend besonders in der Pflicht.

Durch das von mir geführte Gespräch mit der 6. Klasse meiner Hauptpraktikumsschule habe ich selbst erlebt, wie Kinder sich die Welt erklären und Gott charakterisieren. Kaum einer der Schülerinnen hat sich zum christlichen Glauben bekannt, dennoch haben sie verschiedene Vorstellungen über Gott, sein Wesen und die Schöpfung.

Die vorliegende Arbeit beinhaltet das Protokoll des Unterrichtsgesprächs sowie dessen Analyse und didaktischer Herausforderungen für das behandelte Thema im Unterricht. Die Namen sind verändert worden, um die Anonymität der Kinder zu waren. Desweiteren bediene ich mich einer bewusst gegenderten Sprache, um die Gleichstellung und -berechtigung des männlichen und weiblichen Geschlechts zu verdeutlichen. Das gewohnt und generische Maskulinum ist aufgehoben. Die erschwerte Lesbarkeit wird bewusst in Kauf genommen.

2 Gesprächssituation

Als ich von der Religionslehrerin in meinem Hauptpraktikum das Angebot bekam, die 6. Klasse zu unterrichten, sah ich die Chance, meine eigene Gesprächskompetenz in theologischer Hinsicht unter Beweis zu stellen. Ursprünglich war für diese Hausarbeit geplant, eine Gesprächssequenz zu beobachten und zu analysieren. Doch nun sollte ich selbst Gesprächsleiterin sein können. Es war mir im Nachhinein sehr recht, da der Religionsunterricht, den ich hospitieren durfte, eher religionskundlich als evangelisch- religionspädagogisch ausgerichtet war. Die Gefahr, Gott nicht als Unterrichtsschwerpunkt in meiner Hausarbeit setzen zu können, da so ein Gespräch mit den regulären Lehrkräften nicht angestrebt ist, schien mir groß. Nun konnte ich ein Gespräch nach meinen Vorstellungen gestalten. Ich wollte die Kinder dazu bewegen, sich über Gott zu äußern, statt den Begriff ÄGott“ gänzlich zu vermeiden, wie ich es sonst beobachten musste. Für meine persönliche Ausrichtung, auch meines späteren Unterrichts, sehe ich Fragen nach Gott und das Wirken Jesu sehr zentral. Die zweite These der EKD für die Charakterisierung des Religionsunterrichtes gibt mir Recht. ÄNach evangelischem Verständnis muss der Gottesbezug im Zentrum der religiösen Bildung stehen.“1

Die Klassenstufe 6 darf sich, wie alle anderen Stufen auch, zwischen Religions- und Ersatzunterricht entscheiden. Die 6. Klasse war demnach in zwei Gruppen aufgeteilt. In der von mir betreuten Klasse befinden sich 16 Schülerinnen. Philosophielehrerinnen fehlen an dieser Schule, sodass sich der Ersatzunterricht aus Mathe und Werken zusammensetzt. Das Niveau der Klasse ist unterschiedlich, weil in der Orientierungsstufe spätere Gymnasial- und Realschülerinnen zusammen unterrichtet werden. Generell war aber eine interessierte und neugierige Haltung der Kinder zu spüren - vielleicht auch meinetwegen, da eine neue Lehrperson erst kennenzulernen ist. Ich habe mich willkommen und angenommen gefühlt. Um eine persönlichere Gesprächshaltung der Kinder zu ermöglichen und um Intimität und Offenheit zu signalisieren, entschied ich mich für einen Gesprächskreis. Ohne Tische und die gewohnte Raumordnung wirkten die Kinder lockerer und gelöster. Der Nachteil war, dass die Disziplin, die sonst auch durch die strenge und gewohnte Tischanordnung vermittelt wurde, Zusehens litt. Die Kinder scherzten beim Stuhlkreisbauen und taten sich nicht schwer mit der neuen Sitzsituation. Ich spürte dennoch in keiner Sekunde, dass meine Autorität durch den gleichwertigen Sitzplatz im Stuhlkreis aberkannt wurde. Die Klasse hat mitgedacht und Einzelne haben öfter gesprochen ohne einen immensen Anstoß zu benötigen. Das Thema wurde zwar von mir als Lehrende vorgegeben, aber im Laufe des Gesprächs merkte ich, dass persönliches Interesse und Resonanzen mitschwangen.

Zum Stundenbeginn eröffnete ich den Gesprächskreis durch Begrüßung und Erinnerung an die letzte Stunde, die zwar die reguläre Lehrerin abhielt, die ich jedoch hospitieren durfte. Der folgende Gesprächsverlauf stimmt im Groben mit dem Echtzeitgespräch überein. Kleinere Zwischenkommentare zum Fensterschließen oder das gegenseitige Ermahnen zum Stillsein wurden weggelassen. Die Religionslehrerin saß außerhalb des Kreises und protokollierte das Unterrichtsgespräch. Im Nachhinein haben wir beide das Gespräch Revue passieren lassen und uns zu Inhalten und Ausdrücken ausgetauscht. Ich möchte darauf hinweisen, dass das Gespräch in Etwa so stattgefunden hat. Zum besseren Verständnis wurden einige Formulierungen nachbearbeitet. Es wurde darauf geachtet, dass das Gesagte darunter nicht leidet und Gehalt verloren geht.

3 Gesprächsdurchführung

L = Praktikantin als Lehrperson

L: Das Thema ÄSchöpfung“ haben wir bereits angefangen. Heute geht es uns im Besonderen darum, Gottes Rolle in den Theorien der Schöpfung zu begreifen. Erinnert ihr euch, was eine Theorie war? Welche Theorien haben wir besprochen?

Oli: Eine Theorie ist, wenn jemand was behauptet. Also es ist nicht klar, ob es stimmt. Michel: Urknalltheorie und die Bibel...also die haben wir an der Tafel gehabt.

L: Genau, sehr gut. In der Bibel steht, wie Gott die einzelnen Tage erschaffen hat und die Theorie vom Urknall geht wissenschaftlich vor. Woran glaubt ihr? Welche der beiden Theorien haltet ihr für wahrscheinlich?

Malte: Die Urknalltheorie. Das macht Sinn, weil die ja schon so viel erforscht haben. Die können das ja so nachstellen, wie es war.

L: Nachstellen ja, aber ob es wirklich so war, kann kein Forscher genau beweisen. Deshalb ist es eine Theorie. Der Urknall würde so lange zurückliegen, dass es schwer fällt, alles genau so zu rekonstruieren, also nachzustellen, wie sich alles entwickelt hat. Olaf, was meinst du?

Olaf: Sie haben gesagt, dass die Menschen aus der Bibel es auch nicht wussten und das nur so aufgeschrieben haben, wie die sich das erklärt haben. Also, wieso sollen wir das heute noch glauben?

Oskar: Genau! Die haben damals ja noch nicht so viel Technik gehabt wie heute. Die mussten sich das aus‘ m Kopf erklären. Wir haben heute viel mehr Technik und so.

L: Ja, da hast du Recht. Aber wir haben auch schon festgestellt, dass die Reihenfolge der Entwicklung doch sehr ähnlich ist bei beiden Theorien. Das heißt, die Menschen aus biblischen Zeiten haben sich auch schon viel erklären können von ihrem Verstand her. Erinnert ihr euch? (allgemeines Kopfnicken) Meint ihr denn, dass Gott das hätte schaffen können, einfach mal so die Welt in sechs Tagen errichten können?

Michel: Wenn es ihn überhaupt gibt!

Alma: Ja, wenn Gott da ist, kann er es vielleicht. Er kann bestimmt auch die Welt machen. Frau S. sagt sowas immer. [Katechetin]

Malte: Mmh, das sagen die immer nur so, aber ob er es wirklich war...keine Ahnung. Gott kann ja auch den Urknall angezettelt haben und dann? Dann steckt er auch dahinter und keiner weiß es!

Tjark: Genau, wie will man das denn beweisen?

Oli: Wenn man auf den Mars fahren kann oder die wissen, was im All ist, dann könnten die ja mal Gott sehen, wenn er um die Erde fliegt, also wenn Gott halt von oben den Urknall angezapft hat, dann kann er ja nur da sein. Hat ihn schon einer gefunden?

(Klasse lacht)

L: Eben, wie will man Gott beweisen oder beweisen, dass es ihn nicht gibt? Das ist so schwer, darum haben sich schon unsagbar viele Menschen Gedanken gemacht. Das soll aber nicht das Thema sein heute! Ich möchte gern mit euch besprechen, ob ihr Gott das zutrauen würdet, die Welt zu erschaffen. Dabei gibt es keine richtige und falsche Antwort. Wir können ja erstmal anfangen, Gott zu beschreiben um ihn näher kennenzulernen. Wie ist Gott denn überhaupt?

Alma: Lieb und nett!

L: Kannst du das genauer beschreiben? Woran machst du das für dich fest?

Alma: Naja, er hat die Menschen lieb. Wenn er sie geschöpft hat, also geschaffen, dann muss er die Menschen mögen.

Malte: Stimmt! Wenn Gott die Welt für uns gemacht hat, muss er uns mögen. Oder wenigstens die Tiere, die machen ja nichts kaputt.

L: Also obwohl die Menschen der Schöpfung Schaden zufügen, kann Gott uns gern haben? Die Missstände oder Krankheiten der Schöpfung haben wir bereits behandelt. Da läuft viel schief, z.B. die Umweltverschmutzung und die Regenwaldabholzung. Erinnert ihr euch? Wenn es Gott gibt, muss er die Menschen ja ziemlich doll gern haben, dass er die Krankheiten der Schöpfung zulässt, die die Menschen verursachen. Stimmt's?

Olaf: Ja! Kann sein.

L: Aber vielleicht hat Gott die Menschen auch schon bestraft? Könnt ihr euch das vorstellen?

Oli: Nee, dann hätten wir ja draus gelernt. Sollen wir Hausarrest kriegen? Menschen fliegen aber ins All, hat wohl nichts gebracht.

L: Okay, wenn Gott noch nicht straft, um den Menschen ihre Missetaten vor Augen zu führen, dann belassen wir es dabei. Sammelt bitte noch einmal Eigenschaften, die eurer Meinung nach auf Gott zutreffen. Falsch machen könnt ihr dabei nichts.

Oskar: Gott ist groß. Er muss ja auf die Welt aufpassen, wenn er sie gemacht hat. Das macht man ja nicht einfach so!

Imke: Gott ist allein, weil er keine Freunde hat. Er ist da oben alleine.

Tjark: Quatsch, er hat doch schon meine Oma da. Gott hat doch all die toten Menschen bei sich und kann uns zusehen!

Imke: Aber er hat keine Frau! Jesus vielleicht noch, aber das weiß ich nicht. War das nicht sein Sohn?

L: Ja, Jesus ist der Sohn Gottes. Habt ihr schon mal den Ausdruck gehört, dass wir Menschen die Kinder Gottes sind? Oder vielleicht auch den bildhaften Ausspruch, dass Gott der Hirte ist und wir die Schafe? Was meint man damit?

Oli: Ein Hirte hütet Schafe, oder? Mmh, das heißt, dass Gott die Schafe hütet.

Oskar: Wir machen aber kein "Määäh"! Wir können doch auf uns alleine aufpassen, wir sind ja keine Schafe!

L: Meinst du, dass Menschen keinen Schutz brauchen? Gott als Hirte würde uns ja beschützen!

Oskar: Wovor? Vor‘ m riesigem Astroiten oder so? Wie heißt das? [Asteroid ist gemeint] Die schießen immer auf die Welt zu wie bei Armageddon! Das macht dann boom bäng und alle sind tot!

L: Hat Gott in diesem Film nicht auf uns aufgepasst?

Oskar: Weiß nicht, aber sonst gäbe es ja keine Action!

L: Wenn sowas wirklich passieren würde, hättest du da Angst? Oskar: Nö, muss ja eh sterben!

L: Ein Glück oder vielleicht auch Gott sei Dank ist uns das noch nicht passiert! Ich für meine Person glaube an Gottes schützende Hände über uns! Das gibt mir Hoffnung und Kraft! Wir wollen uns nun das Gedicht an der Tafel genauer ansehen. Wer mag es vorlesen?

4 Analyse des Gesprächs

Vorangegangene Unterrichtsstunden hatten die Einführung der Schöpfungsthematik als Hauptschwerpunkt sowie die Krankheiten der Schöpfung. Letzteres behandelte die Personifizierung der Schöpfung, sodass die sog. ÄFräulein Schöpfung“ von ihren Beschwerden und Krankheiten berichtete. So wurde das Thema für die sechste Klasse verständlicher und nachvollziehbarer. Die Urknalltheorie und die biblische Schöpfungsgeschichte von Genesis 1,1-2,3 wurden von der Religionslehrerin an der Tafel vorgestellt und verglichen.

[...]


1 http://www.ekd.de/EKD-Texte/10thesenreliunterrichtthese2.html (aufgerufen am 29.12.2013)

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Theologische Gespräche mit Kindern über Gott
Untertitel
Analyse eines exemplarisch geführten Gesprächs und didaktische Schlussfolgerungen
Hochschule
Universität Rostock
Veranstaltung
„Im freien Flug“ – Theologische Gesprächskompetenz in unterrichtlichen Situationen
Note
unbenotet
Autor
Jahr
2014
Seiten
20
Katalognummer
V270330
ISBN (eBook)
9783656616665
ISBN (Buch)
9783656616610
Dateigröße
683 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
theologische, gespräche, kindern, gott, analyse, gesprächs, schlussfolgerungen
Arbeit zitieren
Uta Zimmermann (Autor), 2014, Theologische Gespräche mit Kindern über Gott, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/270330

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