Im Folgenden möchte ich die Forschungsfrage „Von welchen Faktoren hängt ab, was für eine Art politischer Bildung in einem Staat angestrebt wird?“ anhand eines analytischen System-vergleichs zwischen dem der BRD und dem der ehemaligen Sowjetunion bearbeiten. Um die Fragestellung operationalisierbar zu machen, soll zunächst die Variable Art politischer Bildung definiert werden. Anschließend möchte ich die zur vergleichenden Analyse herangezogenen Kategorien nennen sowie kurz begründen, wobei sich der Sinngehalt und Nutzen der einzel-nen Kategorien aber klarer in den einzelnen Analyseschritten des Hauptteils zu erkennen gibt. Entlang dieser analytischen Kategorien, die ihrerseits stets das Licht auf eine bestimmte Men-ge von Faktoren werfen, welche die Art politischer Bildung in einem Staat beeinflussen, ent-wickelt sich die folgende Analyse. Dabei sollen innerhalb jedes Analyseschritts die Bezüge zwischen den prägenden Faktoren und deren ausgewählte Spiegelungen in den einzelnen Ebenen des Gegenstands der politischen Bildung der beiden Systeme deutlich werden.
Inhaltsverzeichnis
I VORGEHENSWEISE
I.1 BEGRIFFSKLÄRUNG: ART DER POLITISCHEN BILDUNG
I.2 ANALYSEKATEGORIEN
II PRÄGENDE FAKTOREN – EINFLÜSSE AUF DIE ART POLITISCHER BILDUNG
II.1 LEITIDEE
II.2 POLITISCHE KULTUR
II.3 HERRSCHAFTSSTRUKTUR
II.4 WILLENSBILDUNG
II.5 GESTALTUNGSANSPRUCH
III FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, von welchen systemischen Faktoren die Ausgestaltung politischer Bildung in einem Staat abhängt. Im Fokus steht ein analytischer Systemvergleich zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der ehemaligen Sowjetunion, um aufzuzeigen, wie unterschiedliche politische Grundstrukturen die Ziele, Inhalte und Vermittlungsprozesse politischer Sozialisation prägen.
- Einfluss der Leitidee bzw. Ideologie auf das Bildungsverständnis
- Die Rolle der politischen Kultur (Bürger- vs. Untertanenkultur)
- Auswirkungen der Herrschaftsstruktur auf Partizipationsmöglichkeiten
- Die Bedeutung von Willensbildungsprozessen und Gestaltungsanspruch des Staates
- Vergleich von liberal-pluralistischen und monistisch-totalitären Bildungssystemen
Auszug aus dem Buch
II.1 Leitidee
Das politische System der Bundesrepublik Deutschland ist maßgeblich von der Idee einer gelebten Pluralismus ermöglichenden Grundordnung geprägt. Menschen haben voneinander sehr verschiedene Individualinteressen und ein Recht darauf, ihren Neigungen entsprechend zu leben. Sie haben unterschiedliche handlungsleitende Wertesysteme, verschiedene Weltanschauungen, politische Vorstellungen und Einstellungen, (Des-) Interesse an Politik, religiöse Zugehörigkeiten oder Ansichten zu ganz konkreten Politikfeldern. Das politische System ist insofern auf Interessenkonkurrenz aufgebaut und geradezu antitotalitär. Auf Basis eines für die Funktionstüchtigkeit jedoch unerlässlichen Minimalkonsenses – als nichtstreitigem Sektor – werden politische Konflikte ausgehandelt. Das Gemeinwohl wird in der Bundesrepublik Deutschland posteriori durch natürlich in der Regel fehlerträchtige trial and error -Prozesse zu verwirklichen gesucht, ergebnisoffene Auseinandersetzungen sind ausdrücklich erwünscht.
Dieses Leitbild eines liberalen Pluralismus mit relativ schmalem Minimalkonsens hat hinsichtlich der Art politischer Bildung u.a. folgende Implikationen. Auf der Inhaltsebene sollen keine einheitlichen Wertvorstellungen, Interessenlagen und Neigungen geschaffen werden. Vielmehr ist es Ziel politischer Bildung, Staatsangehörige zu mündigen, Sachverhalte kritisch hinterfragenden Bürgern auszubilden. Der Bürger soll die Kompetenz erwerben, seine eigenen Interessen zu definieren und diese sowohl erfolgsorientiert, als auch tolerant und kompromißbereit in politisches Engagement umzusetzen. Vermittlungsprozesse sollen hinsichtlich ihrer thematischen Ausrichtung stets ein ausgewogenes Abbild der realen Aushandlungsprozesse und Konfliktlinien berücksichtigen und ergebnisoffen durchgeführt werden. Der Beutelsbacher Konsens als wesentliche didaktische Grundlage politischer Bildung in der Bundesrepublik Deutschland fasst dies im Kontroversitätsgebot und Indoktrinationsverbot zusammen.
Zusammenfassung der Kapitel
I VORGEHENSWEISE: Dieses Kapitel erläutert die Forschungsfrage und definiert den Begriff der politischen Bildung als Gesamtheit aus Inhalten, Prozessen und Strukturen.
II PRÄGENDE FAKTOREN – EINFLÜSSE AUF DIE ART POLITISCHER BILDUNG: Hier werden die zentralen Kategorien Leitidee, Politische Kultur, Herrschaftsstruktur, Willensbildung und Gestaltungsanspruch eingeführt und auf beide Systeme angewendet.
III FAZIT: Das Fazit resümiert, dass die Art der politischen Bildung systemimmanent ist und direkt mit der Stabilitätssicherung des jeweiligen politischen Regimes korrespondiert.
Schlüsselwörter
Politische Bildung, Systemvergleich, BRD, Sowjetunion, Pluralismus, Politische Kultur, Herrschaftsstruktur, Willensbildung, Gestaltungsanspruch, Beutelsbacher Konsens, Sozialisation, Marxismus-Leninismus, Demokratie, Diktatur, Ideologie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert, welche Faktoren in einem politischen System bestimmen, welche Form von politischer Bildung angestrebt wird.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Felder sind die Leitidee eines Systems, die politische Kultur, die Herrschaftsstruktur, die Prozesse der Willensbildung sowie der staatliche Gestaltungsanspruch.
Welches primäre Ziel verfolgt der Autor mit dieser Arbeit?
Das Ziel ist ein analytischer Systemvergleich zwischen der BRD und der ehemaligen Sowjetunion, um die Abhängigkeit der politischen Bildung von der jeweiligen Systemstruktur aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Bearbeitung verwendet?
Es wird eine vergleichende Analyse auf Basis systemtheoretischer Analysekategorien angewendet.
Was wird im Hauptteil des Dokuments detailliert behandelt?
Im Hauptteil werden die Unterschiede in den Leitideen, der politischen Kultur und den Machtstrukturen der beiden Vergleichssysteme gegenübergestellt und deren Konsequenzen für die jeweilige Bildungsarbeit abgeleitet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit am besten?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Politische Bildung, Systemvergleich, Pluralismus, Politische Kultur und Ideologie charakterisiert.
Wie unterscheidet sich das Bildungsverständnis in der BRD von dem der Sowjetunion?
In der BRD liegt der Fokus auf der Ausbildung mündiger, kritisch denkender Bürger, während in der Sowjetunion die Erziehung zu linientreuen Staatsbürgern im Sinne des Marxismus-Leninismus im Vordergrund stand.
Welche Rolle spielt der Beutelsbacher Konsens in dieser Analyse?
Er dient als Referenzpunkt für das demokratische Verständnis politischer Bildung in der Bundesrepublik, insbesondere durch das Kontroversitätsgebot und das Indoktrinationsverbot.
Warum wird die politische Kultur der ehemaligen Sowjetunion als Untertanenkultur bezeichnet?
Weil der Staat dort nicht als Rahmen für freie Selbstentwicklung fungierte, sondern als monistische Gussform, die von den Individuen Gehorsam gegenüber einem wissenschaftlichen Dogma einforderte.
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- Georg Langner (Author), 2011, Politische Bildung im Systemvergleich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/270368