Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Texte veröffentlichen, Rundum-Service genießen
Zur Shop-Startseite › Philosophie - Philosophie des 20. Jahrhunderts

Utopia und Sonnenstaat in Ernst Blochs "Prinzip Hoffnung"

Titel: Utopia und Sonnenstaat in Ernst Blochs "Prinzip Hoffnung"

Hausarbeit (Hauptseminar) , 1998 , 18 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: M.A. Britta Aelken (Autor:in)

Philosophie - Philosophie des 20. Jahrhunderts
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Das „Stammhaus aller Utopiebücher“ – so nennt Ernst Bloch in seiner "Tübinger Einleitung zur Philosophie" die Sozialutopien, die er im vierten Teil des "Prinzip(s) Hoffnung" im historischen Abriss darstellt – beherbergt das immer wiederkehrende Wunschbild menschenmöglichen Glücks: die beste Form des Zusammenlebens. Die Suche nach der idealen Gemeinschaftsform beginnt Bloch mit antiken Vor-Bildern bei Solon, Diogenes, Aristipp, gefolgt von der ersten ausgeführten Schrift vom besten Staat, der Politeia Platos. Über hellenistische Vorstellungen und den „internationalen Weltstaat“ der Stoiker, frühchristlichen Bestrebungen und deren Weiterentwicklungen in Augustins „Civitas Dei“ zum „Jenseits auf Erden“, leitet Bloch zur frühmittelalterlichen Idee einer “societas amicorum“ bei Joachim di Fiore ein. Dem kalabrischen Abt gelingt als erstem die Erwägung „historischer Zukunft“, und er erkennt den repressiven Kern der sozialen Prinzipien des Christentums (das „Sich-Schicken in Furcht, duckmäuserischer Knechtschaft und Jenseits-Vertröstung“).
Von nun an finden die Sozialutopien endlich auf die Füße. Der Modus ist nicht nur futurisch, auch indikativ,„anzeigend“: Missstände an ausbeuterischen Institutionen ebenso wie Zweck und Ziel. Das joachitische Modell enthielte „utopisches Gewissen in seiner Utopie“, so Bloch, den bewussten Fokus aufs letzte Wozu, mehr als so manche rationale Konstruktion der Neuzeit dies leisten könne.
Vor dem Hintergrund der „Staatsromane“, die sich als Vor-Schein dessen, was noch nicht ist, lesen, taucht mit Thomas Morus´ “De optima rei publica statu sive de nova insula Utopia“ (1516) das Nirgendwo auf, nach dem sich alle sehnen: die Insel der sozialen Freiheit. In derselben Form eines „Schiffermärchens“ erzählt, tritt ihm hundert Jahre später die italienische Version der insulären Utopie entgegen – der „Sonnenstaat“ Campanellas. Hier ist das höchste Glück aller dem Ordnungssinn verbunden.
Für Bloch repräsentieren die beiden Modelle die Pole zu einer dialektischen Anlage. Die beiden miteinander verwobenen Wunschbilder erhalten bei ihm ihren Raum, denn: jedes Gedanken-Gebäude verlangt nach einer Moral.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

2. Die Utopie der sozialen Freiheit bei Thomas Morus (1516)

a) Zur Entstehung des inhaltlichen Konzepts

b) Grundvoraussetzung

c) Freiheitsvorstellung in der Gemeinschaft

3. Die Utopie der sozialen Ordnung bei Campanella (1623)

a) Sozio-ökonomische Situation

b) Die Organisation des „Sonnenstaats“

c) Soziale Ordnung und Implikationen

4. Unaufhebbare Gegensätze? Freiheit und Ordnung revisited.

a) Freiheit, näher betrachtet

b) Ordnung, janusköpfig

c) „Sokrates hätte viel Hebammenkunst nötig“

5. Dialektische Überwindung und gemalte Vorstellung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das dialektische Spannungsfeld zwischen Freiheit und Ordnung im utopischen Denken, basierend auf Ernst Blochs Analyse der Werke von Thomas Morus und Tommaso Campanella. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie diese gegensätzlichen Pole in einer historisch-materialistischen Perspektive zu einer konkreten solidarischen Gesellschaftsform verschmolzen werden können.

  • Vergleich der Zukunftsmodelle von Thomas Morus und Campanella
  • Analyse der Begriffe Freiheit und Ordnung aus blochscher Perspektive
  • Untersuchung der Eigentumslosigkeit als Basis für gesellschaftliche Transformation
  • Dialektische Vermittlung von Freiheit als Wille und Ordnung als Struktur
  • Erörterung des Konzepts eines demokratischen Zentralismus

Auszug aus dem Buch

b) Grundvoraussetzung

Die angeführten Dissonanzen überlagern nicht den Grundton der Idee „Utopia“; sie tastet als erste nach sowohl formaler Demokratie, welche den Kapitalismus entbindet, wie die der materiell-humanen, welche ihn aufhebt. Demokratie findet sich verbunden mit Kollektivwirtschaft; eine Demokratie mit Freiheit und Toleranz im „humanen Sinn“ klingt neuzeitlich an und sprengt die „Festung des Besitzes“, also Königreich und Klerus, zu gleichen Teilen. „Freiheit ist dem Kollektiv eingeschrieben“, stellt Bloch fest; für diese Kollektivform ist materiell humane Demokratie „naturgemäßes“ Programm und Inhalt. Als Voraussetzung für den ersten Schritt zur sinneinlösenden Demokratie gilt 1.) die Abschaffung von Privatbesitz. Denn: Wo es noch Privatbesitz gibt, wo alle Menschen und Werte am Maßstab des Geldes messen, da wird es kaum möglich sein, eine gerechte und glückliche Politik zu treiben.

Zusammenfassung der Kapitel

2. Die Utopie der sozialen Freiheit bei Thomas Morus (1516): Das Kapitel beleuchtet Morus' Utopia als ein frühes Modell demokratisch-kommunistischer Wunschträume, in dem die Abschaffung des Privateigentums die Grundlage für soziale Freiheit bildet.

3. Die Utopie der sozialen Ordnung bei Campanella (1623): Hier wird Campanellas „Sonnenstaat“ analysiert, der trotz des Ziels der Klassenlosigkeit eine rigide, zentralistische Ordnung mit starken hierarchischen Ansätzen verfolgt.

4. Unaufhebbare Gegensätze? Freiheit und Ordnung revisited.: Eine theoretische Vertiefung der Begriffe Freiheit und Ordnung, die deren Ambivalenz in bürgerlichen Gesellschaften aufdeckt und die Notwendigkeit ihrer Umdeutung in einer befreiten Gemeinschaft betont.

5. Dialektische Überwindung und gemalte Vorstellung: Dieses Kapitel führt die Ansätze von Morus und Campanella dialektisch zusammen, um Freiheit und Ordnung als komplementäre Kräfte im Aufbau einer solidarischen Zukunft zu verstehen.

Schlüsselwörter

Ernst Bloch, Thomas Morus, Tommaso Campanella, Utopie, Freiheit, Ordnung, Privateigentum, Sozialutopien, Dialektik, Klassengesellschaft, Kommunismus, Demokratie, Sonnenstaat, Utopia, Gesellschaftsentwurf

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert das utopische Denken von Thomas Morus und Campanella durch die theoretische Linse von Ernst Bloch, wobei der Fokus auf dem Spannungsverhältnis zwischen Freiheit und Ordnung liegt.

Welche Themenfelder stehen im Zentrum?

Zentrale Themen sind die historische Entwicklung von Sozialutopien, die Bedeutung der Eigentumslosigkeit für die soziale Gerechtigkeit sowie die Dialektik von individueller Freiheit und staatlicher Organisation.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie die scheinbaren Gegensätze von Freiheit und Ordnung dialektisch überwunden werden können, um eine „konkrete Ordnung“ zu finden.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Autorin verwendet eine historisch-materialistische Analyse, die stark auf Blochs Auslegung der utopischen Traditionen basiert, ergänzt durch eine vergleichende Lektüre der Quellentexte.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Analyse der Utopien von Morus und Campanella sowie eine anschließende theoretische Reflexion der Begriffe Freiheit und Ordnung, die in einer dialektischen Synthese mündet.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Utopie, Dialektik, Freiheit, Ordnung, Privateigentum, Sozialutopie und das Prinzip Hoffnung.

Wie unterscheidet sich Campanellas „Sonnenstaat“ von Morus' „Utopia“?

Während Morus' Utopia eher den Traum einer freien, unschuldigen Gemeinschaft darstellt, zeichnet sich Campanellas Sonnenstaat durch eine zentralistische Strenge und hierarchische Ordnung aus.

Was bedeutet der Begriff „konkrete Ordnung“ in dieser Arbeit?

„Konkrete Ordnung“ steht für eine klassenlose Gesellschaft, in der die Struktur nicht mehr als repressiver Zwang, sondern als organisatorischer Rahmen für das freie und solidarische Zusammenleben der Menschen dient.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Utopia und Sonnenstaat in Ernst Blochs "Prinzip Hoffnung"
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen  (Philosophie)
Veranstaltung
Grundrisse einer besseren Welt - Die Philosophie Ernst Blochs als offenes, utopisches System
Note
1,0
Autor
M.A. Britta Aelken (Autor:in)
Erscheinungsjahr
1998
Seiten
18
Katalognummer
V270370
ISBN (eBook)
9783656616832
ISBN (Buch)
9783656616818
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Prinzip Hoffnung Ernst Bloch Utopie Freiheit Ordnung Thomas Morus Tommaso Campanella Sozialutopien
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
M.A. Britta Aelken (Autor:in), 1998, Utopia und Sonnenstaat in Ernst Blochs "Prinzip Hoffnung", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/270370
Blick ins Buch
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
Leseprobe aus  18  Seiten
Grin logo
  • Grin.com
  • Versand
  • Kontakt
  • Datenschutz
  • AGB
  • Impressum