Sprachwissenschaftliche Analyse des Mundsprachewerkes "Drecksbagage" von Gerhard Polt


Facharbeit (Schule), 2011
22 Seiten, Note: 0,67

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Ausverkaufte Auftritte von Polt

2. Kurze Biografie von Gerhard Polt

3. Der baierische Dialekt

4. Sprachwissenschaftliche Analyse von „Drecksbagage“
4.1 Lexik
4.1.1 Definition
4.1.2 Typisch baierische Lexik
4.1.3 Lexik bei Polt
4.1.3.1 Verwendung typisch baierischer Ausdrücke
4.1.3.2 Verwendung von Fremdwörtern, Fachvokabular und fremdsprachlichen Begriffen
4.1.3.3 Fazit
4.2 Syntax
4.2.1 Definition
4.2.2 Typisch baierische Syntax
4.2.3 Syntax bei Polt
4.2.3.1 Weil-Konstrukt
4.2.3.2 Unterbrochene Satzstrukturen
4.2.3.3 Fazit
4.3 Morphologie
4.3.1 Definition
4.3.2 Typisch baierische Morphologie
4.3.3 Morphologie bei Polt
4.3.3.1 Häufiger Artikelgebrauch
4.3.3.2 Inkonsequente Zeitenverwendung
4.3.3 Fazit

5. Zusammenfassung

6. Literaturverzeichnis

1. Ausverkaufte Auftritte von Polt

„Die wissen genau, dass in dem See Wasser drin is! Ja! Die wissen auch, dass Wasser Lebewesen anzieht! Magnetisiert! Da kommen tonnenweise kommen Mücken, Schnaken, Bremsen, Rossbremsen! Da kommen A-Amphibien! Da kommen Molche, Lurche [...] Salamander! Und natürlich auch Nichtschwimmer! [...]“[1] - das hier zitierte Stück „A Nichtschwimmer ersauft“, welches Gerhard Polt 2009 in der ZDF-Sendung „Neues aus der Anstalt“ zum Besten gab, ist nur einer von vielen zahlreich besuchten Fernsehauftritten des Kabarettisten, dessen Vorstellungen aufgrund von Polts charakteristisch baierisch- cholerischem Humor, dessen Pathos im zitierten Textausschnitt zur Geltung kommt, regelmäßig vollbesetzt sind. So wurde auch sein aktuellstes Gastspiel auf Schloss Triebenbach im Rahmen der Salzachfeststpiele 2011 im Wochenblatt für ausverkauft gemeldet.[2]

Dazu kann Polt auf eine rund 35-jährige, ereignisreiche Karriere mit zahlreichen Preisverleihungen zurückblicken. All das zeugt von seiner enormen und vor allem kontinuierlichen Beliebtheit beim Publikum.

Unter anderem trägt seine authentische Verwendung des baierischen Dialekts zu seiner Popularität bei, welchen Polt erfolgreich als Hauptstilmittel seiner Texte verwendet, wie man zum Beispiel in seinem Stück „Transparenz“ an Wendungen wie „Obacht geben“[3] oder „Glachl“3 gut erkennt.

Doch auf welche Weise und in welchem Maß verwendet er dieses Stilmittel „Dialekt“? Wann bricht er mit den grammatikalischen Regeln des Bayerischen und verwendet einen hochdeutschen Ausdruck oder einen Fachbegriff? In dieser Facharbeit wird die Verwendung des bayerischen Dialekts im Schriftlichen von Gerhard Polt unter den sprachwissenschaftlichen Gesichtspunkten „Syntax“, „Lexik“ und „Morphologie“[4] analysiert. Zu untersuchendes Werk ist Polts Buch „Drecksbagage“, welches sich hervorragend zur Analyse des Sprachgebrauchs des Kabarettisten eignet und das unter anderem bekannte Stücke wie „Der Kormoran“ enthält.

2. Kurze Biografie von Gerhard Polt

Der am 7. Mai 1942 in München als Sohn eines Rechtsanwalt geborene Gerhard Polt zog mit seiner Mutter wegen der Bombenangriffe während des zweiten Weltkriegs nach Altötting um. Nach der Rückkehr nach München in den 50er-Jahren und seinem Abitur 1962 ging Polt vier Jahre lang nach Schweden, wo er in Göteborg Skandinavistik und Altgermanistik studierte. Danach arbeitete er in München als Dolmetscher, Übersetzer und Lehrer. Seine Rückkehr nach Bayern zeigt die Verbundenheit des Kabarettisten mit seiner Heimat. Man kann hierin bereits einen Grund vermuten, weshalb Polt „seinen“ Dialekt in seinen Werken verwendet.

Seine Tätigkeit als Kabarettist begann er 1975 mit seinem Programm „Kleine Nachtrevue“ auf der Münchner Bühne „Die kleine Freiheit“. Noch im selben Jahr erhielt er den Kulturförderpreis der Stadt München und bereits 1980 den Deutschen Kleinkunstpreis in der Sparte Kabarett.[5]

Die Art, wie Polt seine Kritik an der Gesellschaft in charmantem Dialekt verpackt und mit einer Portion (Selbst-)lronie präsentiert, hat ihm noch zahlreiche weitere Preise eingebracht, wie den Bayerischen Staatspreis für Literatur, mit dem er 2001 ausgezeichnet wurde; in den darauffolgenden Jahren erhielt er weitere Preise wie zum Beispiel 2007 den Großen Karl-Valentin-Preis und 2010 den Bayerischen Kabarettpreis.[6]

Durch die Kombination von Mundart und Hochsprache in seinen Stücken erreicht Polt sein gesamtes, auch nicht baierisch-sprechendes Publikum, aus welchem sich niemand von Polts oft heftigen Schimpfreden persönlich angegriffen fühlen muss, da der Künstler durch den Dialekt in die Rolle des kleinen Bayern schlüpft, der liebenswürdig und findig zugleich seine Meinung kundtut.

Des Weiteren wirkte Polt auch in diversen Theaterstücken mit, wie beispielsweise in „Tschurangrati“ (1993), dem zusammen mit Biermösl Blosn 2002 uraufgeführten „Obatzt is - Crème Bavaroise“ oder in „Offener Vollzug - Ein Staatsschauspiel“ (2006).[7]

Neben dem Kabarett dreht Polt auch Filme wie den 1987 erschienenen Publikumserfolg „Man spricht Deutsh“ oder „Germanikus“ aus dem Jahr 2004. Gerhard Polt ist seit 1971 verheiratet und hat einen Sohn. Heute lebt er in Schliersee, München und Terracina.[8]

3. Der baierische Dialekt

An dieser Stelle werden einige Merkmale des baierischen Dialektes genannt, die charakteristisch für ihn sind und anhand derer er sich von anderen Mundarten abhebt. Zunächst soll der baierische Sprachraum näher eingegrenzt werden. Wie folgt definiert Ludwig Zehetner diesen in seinem bairischem Dialektbuch:

„Der gesamtbairische Dialektraum umfaßt die bayerischen Regierungsbezirke Ober­und Niederbayern und die Oberpfalz, ehedem auch das Egerland, ferner einen Streifen von Ober- und Mittelfranken, die österreichischen Bundesländer Ober- und Niederösterreich, das Land Salzburg, die Steiermark, das Burgenland, Kärnten und Tirol sowie das zu Italien gehörende Südtirol.“[9]

Man erkennt - Baierisch wird nicht nur in Bayern gesprochen. Und nicht ganz Bayern redet Baierisch. Einige Unterschiede zwischen Baierisch und der Hochsprache können oft zu Missverständnissen zwischen Nicht­Dialektsprechern und Bairisch-sprechenden Personen führen. Auch schuld an diesen Missverständnissen ist die Tatsache, dass die baierische Mundart für einen Nicht-Bayern oftmals unbeholfen klingt.

So drückt das Baierische beispielsweise eine Relativbeziehung nicht aus durch „Der Mann, der...“, sondern verwendet die Relativpartikel „wo“. Dadurch entstehen Konstruktionen wie „Der Mann, der wo...“[10]. Für den Bayern ganz normal, nimmt der Nicht-Bayer diese Konstruktion als holprig wahr.

Häufig ist der sprachliche Stil eines Bayern im Dialog mit Hochdeutsch­Sprechern auch vom übermäßigen Gebrauch einfacher Verben wie tun, machen, haben oder gehen geprägt, was darauf zurückzuführen ist, dass der Dialektsprecher einerseits nicht auf ähnlich zahlreiche Synonyme wie die Hochsprache zurückgreifen kann, andererseits sich gleichermaßen scheut, die ihm bekannten Mundart-Ausdrücke im Gespräch mit Nicht-Dialektsprechern zu verwenden.[11] Existierende Klischees vom typischen Bayern, der naturverbunden und dickköpfig, konservativ und mit einem auf Bayern beschränkten Weltbild ausgestattet, dazu noch simpel gestrickt und von geringerer Bildung ist, werden durch diesen wenig abwechslungsreichen Sprachgebrauch und die scheinbare Unbeholfenheit seines Dialekts noch verstärkt. So trägt der Dialekt unfreiwillig zum oben beschriebenen Bayern­Klischee bei.

Auch die regionalen Unterschiede im Wortschatz des Baierischen sorgen oftmals für Kopfschütteln bei Außenstehenden. So wird das Wort „Fasching“ vor allem in Niederbayern und im östlichen Oberbayern verwendet, in anderen Teilen des Freistaats herrscht jedoch die Bezeichnung Fasenacht beziehungsweise Fasnacht vor.[12] Dieser Variantenreichtum des Baierischen wird jedoch unter Umständen von Nicht-Bayern als inhomogen belächelt.

4. Sprachwissenschaftliche Analyse von „Drecksbagage“

Es folgt nun die sprachwissenschaftliche Analyse des Werkes, beginnend mit der Lexik.

4.1 Lexik

4.1.1 Definition

„Als Wortschatz (auch Vokabular oder Lexik[on]) bezeichnet man [...] die Gesamtheit aller Wörter einer Sprache, die ein einzelner Sprecher kennt oder verwendet. Man unterscheidet in dieser Bedeutung zwischen passivem (präziser: rezeptivem) und aktivem (präziser: produktivem) Wortschatz[.]“[13]

4.1.2 Typisch baierische Lexik

Natürlich können an dieser Stelle nicht alle lexikalischen Besonderheiten des baierischen Dialekts genannt und erläutert werden. Dennoch gibt es ein paar speziell für das Baierische typische Ausdrücke und Wendungen, auf die hier kurz eingegangen wird.

Charakteristisch für den baierischen Dialekt sind laut Zehetner die persönlichen Fürwörter ees und engg für ihr und euch, sowie weitere Kennwörter, die ausschließlich im Baierischen verwendet werden. Dazu gehören Ausdrücke wie aper für schneefrei, iterucken für Wiederkäuen oder Walger für das Nudelholz. [14] Zudem ist der baierische Wortschatz mit einer großen Anzahl an nicht immer ins Hochdeutsche übertragbaren Beleidigungen und abfälligen Bemerkungen gespickt, wie beispielsweise der Bezeichnung Lattirl für einen verweichlichten Mann, so wohlklingenden Worten wie Strizi oder dem weithin bekannten Rindviech.[15] Ein auffälliges Kennzeichen baierischer Ausdrücke ist außerdem die Vorsilbe -der - gesprochen [da] - wie in daschiassn (erschießen). Meist entspricht dieses Präfix dem hochdeutschen er- oder ver-, lässt sich jedoch nicht immer durch diese ersetzen.[16] Des Weiteren enthält die baierische Mundart zahlreiche, aus Fremdsprachen wie dem Lateinischen und dem Französischen entliehene Wendungen, so zum Beispiel den Spezi von lateinisch specialis - besonders oder die Visasch vom französischen visage für Gesicht.[17] Ein Merkmal des Süddeutschen ist zudem die Diminuierung durch anhängen von -l, -al, -i, -e oder -ai. [18] Beispiele für diese daraus entstehenden Wortneuschöpfungen sind Haserl (Häslein) und Bräustübl (Schankstube), welche feste Ausdrücke darstellen und so auch in der gesprochenen Sprache verwendet werden, ohne als Diminutiv gemeint zu sein. Aus diesem Grund gehört der baierische Diminutiv ebenso zur typisch-baierischen Lexik. Interessant sind auch die regionalen Unterschiede in der Begriffsverwendung innerhalb des baierischen Sprachraums, welche weiter oben schon durch ein Beispiel verdeutlicht wurden.[19]

4.1.3 Lexik bei Polt

4.1.3.1Verwendung typisch baierischer Ausdrücke

In der folgenden Tabelle wird ein Großteil der in Drecksbagage auftauchenden baierischen Ausdrücke sortiert nach Kapiteln aufgelistet. Sie soll eine Übersicht über die Art von Wörtern bieten, welche Gerhard Polt in seinem Buch Drecksbagage verwendet.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten [20] [21] [22] [23] [24]

[...]


[1] http://www.youtube.com/watch?v=wJlLHw11Joc

[2] Autor unbekannt, Wochenblatt vom 22.6.2011, S. 9.

[3] Polt, Gerhard: Drecksbagage, Reinbek bei Hamburg, Rowohlt Taschenbuch Verlag, 2010, S. 76.

[4] Der Bereich der Graphemik wurde bewusst nicht berücksichtigt.

[5] Vgl. http://www.br-online.de/kultur/kabarett/gerhard-polt-DlD1195837284746012/gerhard- polt-biografie-gisela-schneeberger-lD671195837281675516.xml

[6] Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/GerhardPolt

[7] Vgl. http://www.br-online.de/kultur/kabarett/gerhard-polt-DlD1195837284746012/gerhard- polt-biografie-gisela-schneeberger-lD671195837281675516.xml

[8] Vgl. Autor unbekannt, aktiv - Das Regionalmagazin - Inn - Salzach - Rottal - Chiemgau, Ausgabe 97, April 2011, S. 6.

[9] Zehetner, Ludwig: Das bairische Dialektbuch, München, C.H. Beck'sche Verlagsbuchhandlung, 1985, S. 58.

[10] Zehetner, Ludwig: Dialekt/Hochsprache - kontrastiv. Bairisch, Sprachhefte für den Deutschunterricht Bd. 2, Düsseldorf, Pädagogischer Verlag Schwann, 1977, S. 91.

[11] Vgl. Zehetner, Ludwig: Dialekt/Hochsprache - kontrastiv. Bairisch, Sprachhefte für den Deutschunterricht Bd. 2, Düsseldorf, Pädagogischer Verlag Schwann, 1977, S. 135.

[12] Vgl. Zehetner, Ludwig: Basst scho! Wörter und Wendungen aus den Dialekten und der regionalen Hochsprache in Altbayern, Regensburg, edition vulpes, 2009, S. 24.

[13] http://de.wikipedia.org/wiki/Wortschatz

[14] Vgl. Zehetner, Ludwig: Das bairische Dialektbuch, München, C.H. Beck'sche Verlagsbuchhandlung, 1985, S. 57.

[15] Vgl. Zehetner, Ludwig: Basst scho! Wörter und Wendungen aus den Dialekten und der regionalen Hochsprache in Altbayern, Regensburg, edition vulpes, 2009, S. 73, S. 75 und S.142f.

[16] Vgl. ebd. S. 42.

[17] Vgl. Bekh, Wolfgang Johannes: Richtiges Bayerisch. Ein Handbuch der bayerischen Hochsprache. Eine Streitschriftgegen Sprachverderber, München, Verlag F. Bruckmann KG, 19833, S. 21 und S. 24.

[18] Vgl. Zehetner, Ludwig: Das bairische Dialektbuch, München, C.H. Beck'sche Verlagsbuchhandlung, 1985, S. 56.

[19] Vgl. Kap. 3.

[20] Vgl. Polt, Gerhard: Drecksbagage, Reinbek bei Hamburg, Rowohlt Taschenbuch Verlag, 2010, S. 9-16.

[21] Vgl. ebd. S. 19-28.

[22] Vgl. ebd. S. 31-39.

[23] Vgl. Polt, Gerhard: Drecksbagage, Reinbek bei Hamburg, Rowohlt Taschenbuch Verlag, 2010, S. 43-45.

[24] Vgl. ebd. S. 49-59.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Sprachwissenschaftliche Analyse des Mundsprachewerkes "Drecksbagage" von Gerhard Polt
Veranstaltung
W-Seminar Deutsch
Note
0,67
Autor
Jahr
2011
Seiten
22
Katalognummer
V270387
ISBN (eBook)
9783656617853
ISBN (Buch)
9783656617822
Dateigröße
574 KB
Sprache
Deutsch
Reihe
Aus der Reihe: e-fellows.net schüler-wissen
Schlagworte
Mundart, Dialekt, Gehard Polt, Baierisch
Arbeit zitieren
Natascha Hendel (Autor), 2011, Sprachwissenschaftliche Analyse des Mundsprachewerkes "Drecksbagage" von Gerhard Polt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/270387

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