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Der Jihad im 12. Jahrhundert. Von seinen Ursprüngen und seiner Rolle im Kampf gegen die Kreuzfahrer

Titel: Der Jihad im 12. Jahrhundert. Von seinen Ursprüngen und seiner Rolle im Kampf gegen die Kreuzfahrer

Hausarbeit , 2009 , 48 Seiten

Autor:in: Magister Artium Suad Zumberi (Autor:in)

Weltgeschichte - Altertum
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Als die Kreuzfahrer am 15. Juli 1099 Jerusalem einnahmen und dabei ein in seinen Dimensionen unter den Historikern umstrittenes Massaker an der einheimischen muslimischen Bevölkerung verübten, hätte man einen Aufschrei in der muslimischen Welt erwarten können und eine religiös motivierte Bereitschaft, den aus Europa kommenden "Ungläubigen" mit dem Schwert in der Hand zu begegnen. Schließlich stellte dieser brutal geführte Angriff der "Franken", der "Ifrandsch", wie sie von den Arabern bald bezeichnet werden sollten, auf das "Haus des Islam" die Muslime zum ersten Mal seit Jahrhunderten vor die Notwendigkeit, ihr eigenes Territorium zu verteidigen, nachdem sie unter der Fahne des Islam innerhalb eines Jahrhunderts ein ganzes Weltreich erobert hatten. Die erwarteten Reaktionen blieben jedoch aus.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

I: Der Qur´ān und der Ğihād

II: Die klassische Ğihād-Doktrin

III: Die Entwicklung des Ğihād vom 7-10. Jahrhundert

IV: Die muslimische Welt im 10. und 11. Jahrhundert

V: Muslime und Kreuzfahrer im späten 11. und frühen 12. Jahrhundert

VI: Imād ad-Dīn Zengī (1128-1146)

VII: Nūr ad-Dīn (1146-1174)

VIII: Saladin (1174-1193)

Schlussfolgerungen

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht die politisch-militärischen Konstellationen sowie den mentalitätsgeschichtlichen Wandel innerhalb der islamischen Gemeinschaft (Umma) während der Zeit der Kreuzzüge, um das anfängliche Ausbleiben einer geschlossenen militanten muslimischen Reaktion auf die Invasion zu erklären.

  • Analyse koranischer Aussagen und der klassischen Ğihād-Doktrin.
  • Untersuchung der politischen Situation der muslimischen Welt bei Ankunft der Kreuzfahrer.
  • Bewertung der Rolle muslimischer Herrscher wie Zengī, Nūr ad-Dīn und Saladin.
  • Diskussion über die Instrumentalisierung des Ğihād-Gedankens zu politischen Zwecken.
  • Aufarbeitung des Spannungsfeldes zwischen religiöser Ideologie und machtpolitischem Pragmatismus.

Auszug aus dem Buch

I: Der Qur´ān und der Ğihād

Der Qur´ān enthält eine Vielzahl von Aussagen, die sich mit dem Kampf „auf Gottes Weg“ auseinandersetzen. Insgesamt finden sich 41 Derivative der Wortwurzel j-h-d- im Qur´ān, die aufgrund einer am Kontext orientierten Interpretation nicht exklusiv gewalttätig gedeutet werden können und von den islamischen Rechtsgelehrten (fuqahā´) auch nicht ausschließlich so ausgelegt wurden. Neben den Auseinandersetzungen um die konziliante oder militante Auslegung der entsprechenden Ableitungen im Qur´ān, die sich innerhalb der muslimischen Qur´ān-Experten entwickelten, sahen sie sich darüber hinaus mit der scheinbaren Widersprüchlichkeit koranischer Aussagen konfrontiert. Denn man konstatierte einerseits die Existenz militanter, d. h. gegen die Götzendiener (die mekkanischen Heiden) und Schriftbesitzer (Juden und Christen) gerichteter Verse. Andererseits die Existenz ausgleichsbereiter, Frieden und Dialog fordernder Verse. Der Forderung an die Muslime nach auch kriegerischem Einsatz gegen Götzendiener (abadat al-awthān) und Schriftbesitzer (ahl al-kitāb) stand die Aufforderung Gottes an den Propheten gegenüber, sich mit den „Schriftbesitzern“ argumentativ zu messen, um die Überlegenheit des Islam zu demonstrieren.

Da im religiösen Verständnis der muslimischen Theologen (´ulamā´) und Rechtsgelehrten (fuqahā´) der Qur´ān die widerspruchsfreie göttliche Offenbarung darstellt(e), entwickelten sie Methoden der Interpretation des Qur´ān, um die scheinbare Widersprüchlichkeit koranischer Verse mit Hilfe einer „Evolutionstheorie“ zu überwinden. Inhaltlich bedeutete dies, dass sie die Qur´ān-Suren in einen chronologischen Kontext (mekkanische oder medinensische Suren) stellten, die entsprechenden Qur´ān-Stellen mit konkreten biographischen Ereignissen aus dem Leben des Propheten verknüpften und die Technik der „aufhebenden und aufgehobenen Verse“ anwandten, um den Wandel des Gesandten Gottes vom „Warner“ zum Staatsgründer und militärisch agierenden Führer der muslimischen „Ur“-Gemeinschaft gegen die mekkanischen Heiden nachzuvollziehen.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Diese Einführung legt die Zielsetzung dar, das Ausbleiben militanter muslimischer Reaktionen auf die Kreuzfahrer durch eine Untersuchung politischer und mentalitätsgeschichtlicher Faktoren zu erklären.

I: Der Qur´ān und der Ğihād: Dieses Kapitel analysiert koranische Wurzeln des Kampfes auf Gottes Weg und wie muslimische Rechtsgelehrte durch chronologische Interpretation Widersprüche in der Offenbarung auflösten.

II: Die klassische Ğihād-Doktrin: Hier wird die religiöse Zweiteilung der Welt in Haus des Islam und Haus des Krieges erläutert und wie sich daraus eine permanente Kriegssituation ergab.

III: Die Entwicklung des Ğihād vom 7-10. Jahrhundert: Es wird die historische Entwicklung von den ersten Eroberungen bis zur Etablierung des Ğihād als militante Tradition beschrieben.

IV: Die muslimische Welt im 10. und 11. Jahrhundert: Dieses Kapitel beleuchtet die politische Zersplitterung der Umma und den Machtverlust der Abbāsiden-Kalifen zugunsten regionaler Dynastien.

V: Muslime und Kreuzfahrer im späten 11. und frühen 12. Jahrhundert: Es wird untersucht, warum die muslimischen Herrschaftseliten trotz der Invasion der Kreuzfahrer keine geschlossene Front bildeten, sondern teils opportunistisch handelten.

VI: Imād ad-Dīn Zengī (1128-1146): Das Kapitel kritisiert die Stilisierung Zengīs als heldenhafter Glaubenskämpfer und deckt seine instrumentelle Nutzung des Ğihād für eigene machtpolitische Ziele auf.

VII: Nūr ad-Dīn (1146-1174): Hier wird Nūr ad-Dīn als Herrscher porträtiert, der religiöse Frömmigkeit mit machtpolitischer Expansion zur Einigung Syriens verknüpfte und damit den Boden für Saladin bereitete.

VIII: Saladin (1174-1193): Das letzte Kapitel analysiert Saladins Aufstieg, seine propagandistische Perfektionierung des Ğihād und die Herausforderungen, seine Truppen nach 1187 im Felde zu halten.

Schlussfolgerungen: Die Schlussbetrachtung fasst zusammen, dass die politische Zersplitterung und partikulare Interessen der muslimischen Fürsten die stärkste Hürde für eine effektive Abwehr der Kreuzzüge darstellten.

Schlüsselwörter

Ğihād, Kreuzzüge, Islamische Geschichte, Umma, Zengī, Nūr ad-Dīn, Saladin, Kreuzfahrerstaaten, Politische Zersplitterung, Religionsgeschichte, Koranische Interpretation, Machtpolitik, Heiliger Krieg, Sunniten, Schiiten.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht, warum die muslimische Welt im Nahen Osten nach der Ankunft der Kreuzfahrer am Ende des 11. Jahrhunderts nicht unmittelbar mit einem geeinten, religiös motivierten Ğihād reagierte.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Im Zentrum stehen die politische Zersplitterung der islamischen Welt, die historische Entwicklung der Ğihād-Doktrin und die Strategien bedeutender muslimischer Herrscher im Umgang mit den Kreuzfahrern.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen der religiösen Ideologie des Ğihād und der realpolitischen Kooperationsbereitschaft muslimischer Herrschaftseliten mit den Kreuzfahrern historisch zu erklären.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?

Der Autor nutzt eine historisch-analytische Methode, indem er zeitgenössische Quellen, Rechtsgutachten und historische Ereignisse auf ihre politische Instrumentalisierung hin überprüft.

Was steht im Hauptteil der Arbeit im Vordergrund?

Der Hauptteil analysiert die Lebensläufe und politische Praxis von Imād ad-Dīn Zengī, Nūr ad-Dīn und Saladin im Kontext ihrer jeweiligen Ğihād-Propaganda.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Schlüsselbegriffe sind Ğihād, politische Pragmatik, konfessionelle Spaltung (Sunna/Schia), Umma, Kreuzfahrerstaaten und propagandistische Stilisierung.

Wie unterscheidet sich Saladins Vorgehen von dem seines Vorgängers Nūr ad-Dīn?

Saladin nutzte einen weitaus professionelleren und umfangreicheren Propagandaapparat und erreichte einen Höhepunkt der religiösen Mobilisierung, kämpfte jedoch wie Nūr ad-Dīn mit dem Problem, dass partikulare Interessen der Muslime der einheitlichen Führung entgegenstanden.

Inwieweit wurde der Ğihād instrumentalisiert?

Der Ğihād wurde häufig nicht als rein religiöse Pflicht verstanden, sondern von Herrschern wie Zengī und Nūr ad-Dīn genutzt, um die eigene Expansion gegen konkurrierende muslimische Herrscher oder die Kontrolle über regionale Gebiete zu legitimieren.

Warum blieb der Ğihād als Antwort auf die Kreuzfahrer lange Zeit aus?

Die muslimischen Fürsten sahen die Kreuzfahrer zunächst als temporäres Phänomen oder nützliches Gegengewicht zu anderen regionalen Konkurrenten; zudem fehlte eine politisch geeinte muslimische Führung, die alle Kräfte gegen die Invasoren hätte bündeln können.

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Details

Titel
Der Jihad im 12. Jahrhundert. Von seinen Ursprüngen und seiner Rolle im Kampf gegen die Kreuzfahrer
Autor
Magister Artium Suad Zumberi (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2009
Seiten
48
Katalognummer
V270394
ISBN (eBook)
9783656617808
ISBN (Buch)
9783656617747
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kreuzzug-Jihad d.h."Anstrengung auf dem Wege Gotte fälschlicherweise mit "Heiliger Krieg" übersetzt-Erster (1096-1099) bis Dritter Kreuzzug (1189-1192)-Imad ad-Din Zengi-Nuraddin-Saladdin
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Magister Artium Suad Zumberi (Autor:in), 2009, Der Jihad im 12. Jahrhundert. Von seinen Ursprüngen und seiner Rolle im Kampf gegen die Kreuzfahrer, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/270394
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