In der Schrift von 1932 über den Begriff des Politischen möchte Carl Schmitt in erster Linie, unabhängig von der Definition des Staates, klären was das „Wesen des Politischen“ ausmacht. „Der Begriff des Staates setzt den Begriff des Politischen voraus. Staat ist nach dem heutigen Sprachgebrauch der politische Status eines in territorialer Geschlossenheit organisierten Volkes. Damit ist nur eine erste Umschreibung, keine Begriffsbestimmung gegeben. Eine solche ist hier, wo es sich um das Wesen des Politischen handelt, aber nicht erforderlich. […] Im Allgemeinen wird „Politisch“ in irgendeiner Weise mit „Staatlich“ gleichgesetzt oder wenigstens auf den Staat bezogen. Der Staat erscheint dann als etwas Politisches, das Politische aber als etwas Staatliches – offenbar ein unbefriedigender Zirkel“ Schmitt hält die Gleichsetzung von Staat und Politischem für „unrichtig und irreführend“ , und möchte deshalb eine konkrete Definition des Politischen geben. In gleicher Weise wie die Bereiche des Moralischen, Ästhetischen oder Ökonomischen, hat auch das Politische eine grundlegende, letzte Unterscheidung. Im Bereich des Moralischen unterscheidet man zwischen Gut und Böse, im Ästhetischen zwischen Schön und Hässlich, im Ökonomischen zwischen Nützlich und Schädlich und das ausschlaggebende Kriterium für das Politische ist die Freund-Feind Unterscheidung.
Dieses Kriterium und die nähere Erläuterung der Freund-Feind Bestimmung soll Thema dieser Arbeit sein.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Bedeutung der Freund-Feind-Unterscheidung
3. Die Abgrenzung des öffentlichen vom privaten Feind
4. Die Bestimmung des Feindes
5. Krieg und Feindschaft als Bedingung der Politik
6. Fazit und kritische Reflexion
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den zentralen Begriff des Politischen bei Carl Schmitt, mit besonderem Fokus auf die Definition und Funktion der Freund-Feind-Unterscheidung als konstitutives Kriterium für politische Einheiten.
- Die philosophische Herleitung des Menschenbildes bei Schmitt.
- Die strikte Trennung von öffentlichem und privatem Feind.
- Die Rolle der existentiellen Bedrohung für politische Gruppierungen.
- Die Definition des Staates als maßgebende politische Einheit.
- Kritische Analyse der Interpretationsspielräume in Schmitts Theorie.
Auszug aus dem Buch
Die Abgrenzung des öffentlichen vom privaten Feind
Warum spricht Schmitt hier ausschließlich von einem öffentlichen Feind? Er möchte strikt zwischen privaten und öffentlichen Feind unterscheiden, gemäß der lateinischen und griechischen Terminologie: „Feind ist hostis, nicht inimicus“8 und sieht ein Problem darin, dass die wenigsten Sprachen zwischen diesen beiden Begriffen differenzieren. Die Bibelstelle: „ Liebet eure Feinde“ soll dies verdeutlichen. Hier sei nur vom privaten Feind die Rede, denn es heißt: „diligite inimicos vestros“ und nicht: „diligite hostes vestros“. Schmitt stellt fest, dass selbst im tausendjährigen Kampf zwischen Christentum und Islam, nie ein Christ auf den Gedanken gekommen ist, aus Nächstenliebe zu den Türken oder Sarazenen, Europa statt für es zu kämpfen dem Islam auszuliefern.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Zielsetzung ein, das Wesen des Politischen unabhängig von der Staatsdefinition durch das Kriterium der Freund-Feind-Unterscheidung zu klären.
2. Die Bedeutung der Freund-Feind-Unterscheidung: In diesem Kapitel wird Schmitts pessimistisches Menschenbild als Grundlage für die Annahme einer notwendigen Unterscheidung zwischen Freund und Feind dargelegt.
3. Die Abgrenzung des öffentlichen vom privaten Feind: Der Fokus liegt hier auf der begrifflichen Trennung zwischen 'inimicus' (privat) und 'hostis' (öffentlich), um die politische Tragweite der Feindschaft zu bestimmen.
4. Die Bestimmung des Feindes: Es wird analysiert, wie politische Einheiten durch eine existenzielle Bedrohung ihren Feind definieren und warum dieser Akt nicht durch Dritte legitimiert werden kann.
5. Krieg und Feindschaft als Bedingung der Politik: Das Kapitel erläutert, dass die reale Möglichkeit des Kampfes und der physischen Tötung für Schmitt die Voraussetzung für die Existenz des Politischen bleibt.
6. Fazit und kritische Reflexion: Abschließend wird diskutiert, inwiefern Schmitts Theorie durch vage Formulierungen Spielraum für eine gefährliche Beliebigkeit in der Feindbestimmung lässt.
Schlüsselwörter
Carl Schmitt, Begriff des Politischen, Freund-Feind-Unterscheidung, existenzielle Bedrohung, Staat, Öffentlichkeit, Privatsphäre, Souveränität, politische Einheit, Menschenbild, Krieg, Ideologiekritik, Philosophie, Ernstfall.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die theoretischen Grundlagen des Begriffs des Politischen nach Carl Schmitt, speziell die zentrale Rolle der Freund-Feind-Unterscheidung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind das Menschenbild Schmitts, die Unterscheidung zwischen privatem und öffentlichem Feind sowie die notwendige reale Möglichkeit des Krieges für den Bestand einer politischen Einheit.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die interne Logik von Schmitts Theorie zu verstehen und zu klären, warum die Freund-Feind-Unterscheidung als unumgängliches Wesensmerkmal des Politischen definiert wird.
Welche wissenschaftliche Methode wurde angewandt?
Es handelt sich um eine philosophische Textanalyse, die auf Basis der Primärliteratur von Carl Schmitt aus dem Jahr 1932 durchgeführt wurde.
Welche Inhalte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil beleuchtet die Definition des Feindes, die Abgrenzung zum Privaten, die Bedeutung der existentiellen Bedrohung sowie das Verhältnis von Staat und Politik.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Begriffe wie 'existenzielle Bedrohung', 'politischer Ernstfall', 'öffentlicher Feind' und 'politische Einheit' sind für das Verständnis der Arbeit essentiell.
Wie unterscheidet Schmitt zwischen 'inimicus' und 'hostis'?
Schmitt nutzt diese lateinische Differenzierung, um den 'inimicus' als privaten Feind vom 'hostis' als dem öffentlich-politischen Feind abzugrenzen, wobei nur Letzterer das Politische konstituiert.
Welche Kritik äußert die Verfasserin an Schmitts Begriffsbildung?
Die Verfasserin hinterfragt die potenzielle Beliebigkeit bei der Bestimmung des Feindes und die damit verbundene Gefahr, dass das Gefühl der Bedrohung ausreicht, um existenzielle Konsequenzen zu legitimieren.
- Arbeit zitieren
- Sophia Reinhard (Autor:in), 2011, Der Feindbegriff bei Carl Schmitt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/270439